„International nicht konkurrenzfähig“ nannten einige Funktionäre des deutschen Fußballs noch vor einem Jahr die Bundesligavereine. Momentan schicken sich gleich drei dieser Vereine an, die Champions League ordentlich aufzuräumen. Da man international also durchaus konkurrenzfähig zu sein scheint entflammt erneut die Diskussion darum, wie es möglich sein kann, dass Investoren hinter den Vereinen die Fäden ziehen. Nicht nur die großen Männer des Sports, auch die Fans sind empört. Mit 10 Punkten Vorsprung in der Regionalliga klopft RasenBallsport Leipzig nun zum zweiten Mal an die Pforten des Profifußballs – in der Hand eine Kiste roter Dosen.
RB Leipzig wurde 2009 zu Marketingzwecken gegründet, daran besteht an sich kein Zweifel. RedBull ist für sein Sportengagement bekannt. Aber eben auch dafür, nicht nur irgendwo einen Aufkleber mit einem roten Bullen aufzukleben, sondern Einfluss und Verantwortung zu übernehmen. Dass das im deutschen Fußball nicht erlaubt ist, aber unterlaufen wird, zeigt schon das Logo des Leipziger Vereins. Schon letztes Jahr standen sie vor dem Aufstieg in die dritte Liga, welcher viele Diskussionen auslöste. Trainer Pacult musste seine Sachen packen,als es mit dem Aufstieg nicht klappte, auch das ein klares Signal: etwas anderes als der Aufstieg ist hier nicht gewollt! Sportdirektor Ralf Rangnick, eigentlich der Mann für die Kohlen im Feuer des FC Schalke, wurde zu RB Salzburg und RB Leipzig geholt, da seine Erfahrung im internationalen Bereich helfen sollen: alle Zeichen stehen auf vorderster Ligafront.
Der Gründer und Besitzer des österreichischen Getränkekonzerns RedBull sagte der "Neue Zürcher Zeitung" im vergangenen Frühjahr in einem seiner seltenen Interviews: "Wir bauen RB Leipzig mit dem Ziel aus, in drei bis fünf Jahren in der Bundesliga zu spielen. Wir wollen auch in der Champions League dabei sein."
Neben RedBull Salzburg und RedBull New York ist RasenBallsport Leipzig also nun der dritte Verein, den die Firma „unterstützt“ - allerdings der einzige, bei dem es in dieser Form nicht erlaubt. ist. Denn genau das verbietet schon die Satzung des Sächsischen Fußball Verbandes. In Paragraph 12 heißt es: "Änderungen, Ergänzungen oder Neugebung von Vereinsnamen und Vereinszeichen zum Zwecke der Werbung sind unzulässig." §15 Absatz 2 der DFB-Satzung benutzt den gleichen Wortlaut. Das Logo der Leipziger wurde daher 2009 mehrmals abgelehnt, da es dem Firmenlogo RedBulls zu ähnlich sähe. Wer sich das Logo aktuell ansieht weiß auch warum, allerdings nicht, was sich geändert haben soll.
Es sah so aus, als könnte das Marketing-Konzept, dass RB bis dato gefahren war, in Deutschland und im Ligensystem des Landes nicht bestehen. Wie konnte es also dazu kommen, das nun sogar auf der Internetseite des Vereins rote Bullen zwischen den Spielern herlaufen, man sich selbst „Rote Bullen“ und „Rote Brause“ nennt und fast alle der neun stimmberechtigten Vorstandsmitglieder tatsächlich RedBull angehören, keiner davon aber auch nur annähernd in Leipzig wohnt? Denn seien wir mal ehrlich: wo wird schon die Bezeichnung RasenBallsport benutzt? Die Denk- und Kombinationsleistung von dem als Traditionsnamen benutzten Roten Bullen zu RedBull bedarf jedenfalls keiner CSI-Mannschaft. Und oho, was ist denn das für ein Maskottchen? Ein roter Bulle! Ahja.
Nun wird es, angesichts dieser Verschleierung, die so undurchsichtig ist wie die Sky-Fragen zur Halbzeitpause, auch den Fans der anderen Vereine zu bunt. Durch Proteste und Druck von Fanseite sagten nun gleich sechs Vereine seit 2011 Testspiele gegen die Bullen ab, zuletzt der 1. FC Nürnberg und der TSV 1860 München. Diese sind zwar selbst nicht unbefleckt, aber dazu später.
Natürlich ist dies nicht nur für den Verein an sich profitabel. Die Stadt Leipzig verdient am Trainingszentrum, dass die Leipziger neu bauten und stetig erweitern, mit.
RB ist auch nicht der Erfinder der Philosophie, dass ein Unternehmen ein Verein ist oder andersrum. Eine Werkself wie in Leverkusen oder seit 2000 offiziell auch in Wolfsburg arbeitet quasi nach dem gleichen Prinzip, fällt momentan aber noch unter die „Ausnahmeregelung für langjährige Förderer“. Hier könnte man aber dank einer regionalen Zusammengehörigkeit noch lächelnd abwinken. Solange, bis in einem kleinen Dorf in Baden-Württemberg ein Mann kam und sagte „meinen Herzensverein will ich haben“ und bis 2012 über 240 Millionen in „seine“ TSG Hoffenheim pumpte, die daraufhin 2007 aus der Anonymität in die zweite Liga schoss.. Die 50+1 Regel? Naja. Offiziell darf ein Unternehmen nur 49% besitzen. Dietmar Hopps Firma hält diese Regel ein, den Verein, der die 51% besitzt, kontrolliert Hopp aber ebenfalls. Insgesamt soll sein Einfluss 96% des Vereinskapitals ausmachen.
Im Übrigen gibt es nicht nur Unternehmen, bei deren Einfluss in der Bundesliga man zweimal hinschauen muss – wem die Spielervermittlungsfirma Rogon etwas sagt, der regt sich über RedBull nur noch halb so sehr auf. Spielervermittler hatten überdimensionale Summen verdient, mehrere Spieler bei einem Verein untergebracht um Kupplungsverträge und bessere Provisionen möglich zu machen. Ganz vorne dabei auch hier: Die TSG. Aber auch Kaiserslautern, der HSV und sogar Schalke.Wer mitverdienen will, lobt Spieler aus dem Rogon-Stall und lässt andere schlecht aussehen. Tipps dafür kann man sich sicherlich bei Mario Basler holen, Schwager des Rogon-Geschäftsführers. Alles nur Zufälle? Vielleicht.
Klar ist jedoch, dass es im deutschen Fußball Not gibt,etwas zu tun. Sollte RB Leipzig, welches Synonym man auch immer für den Vereinsnamen benutzen mag, in die dritte Liga und damit in den Profibereich des deutschen Fußballs aufsteigen, wird es langsam immer schwieriger, das Durchwinken der Clubs, die offensichtlich von Unternehmen und Einzelpersonen geführt und kontrolliert werden, zu rechtfertigen. An den Statuten des DFB darf es nichts zu rütteln geben, sonst ist nicht nur in Sachen Stehplätze gegen Sitzplätze der Weg in Englands Richtung nicht mehr weit. Der erste Scheich ist in Deutschland angekommen. Auch wenn sich die Zusammenarbeit des TSV 1860 München mit Hasan Ismaik schon wieder kurz vor dem Aus befindet, eben weil dieser Einfluss nehmen wollte und nicht durfte. Angesichts dieser Tatsache kann DFL-Geschäftsführer Rettig natürlich belegen, dass „Fakt ist: Ein Investor kann sich nur im Rahmen der durch die DFL-Bestimmungen vorgegebenen Maßnahmen einbringen“(FocusOnline), ob sich das beim nächsten Scheichsohn,der sich einen Club zum Geburtstag wünscht aber genauso ist, weiß auch er nicht. Genauso wenig,was man dann dagegen macht, denn wer einmal eine Marketingstrategie als Fußballverein zulässt, für den wird es schwierig, der nächsten die Tür vor der Nase zuzuschlagen.
Dann ist es in der Bundesliga wie mit dem unbeliebten Eco 10 Treibstoff an den Tankstellen: keiner will es, aber ohne kann man halt nicht mehr mitspielen.
Am Spielfeld