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Samstag, 05 Januar 2013 17:39

Projekt Fanfreundliche DFL 2013

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dfl fanfreundlichZwei Dinge waren schon vor bekannt werden der Entscheidung der DFL Mitgliederversammlung zum Sicherheitspapier am 12.12. klar. Der vereinsübergreifende Protest gegen das Papier hat mächtig Druck auf die Vereine und den Verband ausgeübt. Ein Gegenwind, mit dem in der Form wohl niemand gerechnet hatte. An vorderster Front sicherlich die Kampagne 12doppelpunkt12 in der vornehmlich Ultras-Gruppen aus über 50 Vereinen sich gemeinsam organisierten. 

Am Ende wurde aus dem ersten Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ eine Version, die man durchaus als sehr weich gespült betrachten kann. Klar, gerade bei den Einlasskontrollen und der Kontingentreduzierung, muss man immer noch schlucken aber gerade was die Kontrollen angeht hat ja die Stuttgarter Polizei eindrucksvoll bewiesen, dass man dafür ein wie auch immer gelagertes Sicherheitspapier überhaupt nicht benötigt.
Jedenfalls waren die Vereine und die DFL in ihren Stellungnahmen sehr bemüht zu betonen, dass man mit den Beschlüssen eben keine Einschränkung von Fankultur vorgenommen habe und es sich im Großteil eben um Dinge handele die man im eigenen Verein eh schon praktiziere, den Status Quo eben nun in die „Statuten“ übernommen habe.

Und bei eben jenem Argument kann man hellhörig werden. Dinge die bisher in „Eigenregie“ in den Vereinen mal mehr, mal weniger zur Anwendung kommen gibt es doch nicht nur bei Sicherheit. Despektierlich als „Fanprivilegien“ bezeichnet, sind es eben diese „ungeschriebenen Gesetze“ die Dinge wie Kurvenchoreos, stimmgewaltige Fankurven, Fahnenmeer überhaupt ermöglichen und ein Stadionbesuch zu dem Erlebnis machen wie es die Fans lieben und wollen. Der designierte Geschäftsführer der DFL Andreas Rettig hat angekündigt nun den Dialog mit den Fans intensivieren – oder überhaupt erst mal beginnen zu wollen. Und die Fangruppen der Kampagne 12doppelpunkt12 erklären in ihrem Statement erst mal keine weiteren Proteste durchzuführen, sondern im Dialog mit der DFL auf Umsetzung von Punkten für ein „fanfreundliches Stadionerlebnis“ zu bestehen.

Wir wollen schauen, was wären den mögliche Dinge mit der die DFL ein klares Zeichen für Fans setzen könnte?

Ticketing

Ticketing ist ein Thema was im Grunde jeden Fan und Stadionbesucher betrifft, egal ob Stehplatz oder Sitzplatz, Ultras oder Vater mit Sohn. Die Ticketpreise sind mit der Modernisierung der Stadien enorm gestiegen. Günstige Sitzplatzkarten sind meist nicht mehr unter 30€ zu bekommen, kommt es zu sogenannten Top-Spielen wird meist noch einiges drauf gelegt. Auch die Stehplätze kratzen immer häufiger an der 20€ Marke. Für einen Vater mit Sohn wird so ein Stadionbesuch schnell zu einer Investition von 50€ und mehr.

Die DFL und Vereine sollten sich zu bezahlbaren Kartenpreisen bekennen. Eine Festlegung von max. 15€ als Obergrenze für Stehplatztickets und maximal 40% teurer in der nächsten Sitzplatzkategorie. Und dies kann auch nicht über Top-Zuschläge ausgehoben werden.


Natürlich kann man über die Zahlen streiten, entscheiden für mich ist das diese Bekenntnis kommt. Nun mag man sagen, ist doch alles halb so wild bisher. Für mich als Fan ist es aber wenig nachvollziehbar wieso ich gerade bei Auswärtsfahrten in Stadien, die inzwischen eh alle irgendwie fast gleich sind, im einen Fall für den Steher 11€ Zahlen soll, im anderen Fall 19€. Topzuschlag wieso? Ich komm doch beides mal für meinen Verein, egal ob der Gegner Abstiegskandidat oder Tabellenführer ist.

Stadionbesuch

Ist man dann mal im Stadion erwartet einen vor dem Spiel und in der Halbzeitpause meist ein Mix aus Werbeveranstaltung und Vereinsfolklore. Das hat sicherlich seine Berechtigung, ist es mit Sicherheit wichtig das Sponsoreninteressen genauso berücksichtigt werden, wie der Wunsch mit hoch gestrecktem Schal das Vereinslied zu singen. Viele Dinge sind hier sehr vereinsspeziell, und trotzdem gibt es Eckpunkte die man durchaus auch mal als allgemeingültig festhalten kann.
Geht es um Sponsoren- oder TV-Interessen stehen Vereine und Verbände schnell Gewehr bei Fuß. Faninteressen scheinen jedoch nur Bedingt Rücksicht zu finden, sei es bei Genehmigungen für Fanmaterialien oder Spielterminen.

Wieso müssen Tifo-Materialien überhaupt genehmigt werden? Sollte es nicht vielmehr selbstverständlich sein, das Fans ihren Verein Farbenfroh und Lautstark unterstützen? Das man Einschränkungen vornimmt wenn es in der Vergangenheit zu negativen Begleiterscheinungen gekommen ist, ist vertretbar, aber dann sollten diese sinnvoll sein. Lässt sich zb durch ein Trommel und Megafon-Verbot der Einsatz von Pyrotechnik unterbinden?

Die DFL sollte Richtlinien erarbeiten in denen festgelegt wird welche Dinge grundsätzlich erlaubt sind (und eben nicht nur grundsätzlich Verboten) Dazu gehören Schals, Trikots, Zaunfahnen, Fahnen, Schwenkfahnen (mit Fahnenpass), Doppelhalter, Trommeln, Megafone. In den Richtlinien sollte auch festgelegt werden wie bei möglichen Verstößen Einschränkungen vorgenommen werden können. Dabei sollte auch die Einbindung des jeweiligen Fanvertreters/Betreuers des betroffenen Vereins eine Rolle spielen.

Die Material-Frage stellt sich für den Heimanhang meist nicht, sollte aber natürlich in gleicher Form Beachtung finden. Man könnte natürlich noch einen Schritt weiter gehen und sagen: Stellt den Gästebereich in die Verantwortung des Gästevereins. Das fängt bei der Ticketvergabe an, was ja schon der Fall ist, und geht bis zu Material-Entscheidung und Ordner-Dienst. Gleichzeit übergibt man so auch die Verantwortung an die Besucher und die sinnlosen Strafgelder für Heimvereine bei Verstöße durch den Gästeanhang sind unnötig.
Zurück zur Stadionunterhaltung. Wie gesagt, es hat durchaus seine Berechtigung so wie es ist und das sollte auch jeder Verein weiter so handhaben wie er es für richtig hält. Trotzdem gibt es hier Punkte, die man auch auf Verbandseben besprechen kann. Dazu gehören zum Beispiel „alternative“ Unterhaltungsmöglichkeiten: Stichwort Fanszines und Info-Flyer, Fan-Infostände, Stadionzeitschriften. Genug Möglichkeiten wie sich ein Fan die Informationen und Unterhaltung holen kann die er für sich interessant findet. Gerade bei den Informationen von Fans für Fans wird oft von „Privilegien“ gesprochen. Was bei den Werbepartnern eine Selbstverständlichkeit ist, nämlich die Besucher mit Informationen voll zu ballern die sie möglicherweise gar nicht wollen, ist es bei Fans ein Privileg wen sie Flyer austeilen oder einen Infostand betreiben dürfen.

Die DFL sollte festschreiben, dass Fans die Möglichkeit gegeben wird, unter bestimmten Voraussetzungen Kommunikationsmöglichkeiten im Stadion in Form von Info-Ständen und Flyern etc zu nutzen.

Der letzten beiden Punkte drehen sich weniger um den Stadionbesuch, sondern die Möglichkeit diesen überhaupt wahrnehmen zu können.  Das sind als erstes die Spieltermine. Gerade Freitag oder Sonntag-Abend Spiele stellen viele Auswärtsfans vor gewisse Herausforderungen. Fans in der zweiten Liga sind mit den Montagsspielen und noch früheren noch mehr gebeutelt. An einem Arbeitstag einmal Quer durch Deutschland, womöglich noch im Freitagsverkehr sind keine Happenings. Nicht selten sind aber eben jene Spiele mit weiter Anreise so terminiert, das die Fans entweder Urlaub opfern oder auf Verständnis beim Arbeitgeber hoffen müssen während „Nachbarschaftsduelle“ am Samstag ausgetragen werden. Natürlich spielen Faktoren wie Europapokal-Teilnahme, Sicherheitsaspekte etc eine Rolle. Die Häufigkeit mit denen es aber manche Vereine mit den ungeliebten Zeiten trifft, ist vermeidbar. Im Zweifel muss man bei den anderen Faktoren Kompromisse finden.

Die DFL sollte eine Maximalzahl an Freitag- und Sonntag-Abend Spielen pro Verein festlegen und der Anreisestrecke für den Gastverein für diese Termine eine höhere Priorität bei der Terminierung beimessen.

Der zweite Punkt ist das Thema Stadionverbote. Ein bundesweites Stadionverbot hat ernorme Auswirkungen auf den Betroffenen. Sicherlich gibt es viele berechtigte Verbote, trotzdem werden viel zu schnell Vorverurteilungen getroffen bzw das Stadionverbot als Kollektivstrafe eingesetzt. Es ist legitim das ein Heimverein ein "Hausverbot" gegen Besucher aussprechen kann, das dieses Hausverbot dann aber auf alle Spielstätten der 1. bis 3. Liga gilt ist nicht verständlich. 

Die DFL und die Vereine sollen Richtlinien für Stadionverbote anpassen. Ein Verbot gilt grundsätzlich erstmal nur für die Spielstätten des aussprechenden Vereins. Erst wenn auch der Heimatverein sich für ein Stadionverbot entscheidet kann das Verbot in ein Bundesweites Stadionverbot umgewandelt werden.

Fangremien

In jeder Stadionzeitschrift gibt es ein Grußwort durch einen Vereinsvertreter, meist zur sportlichen Situation des Vereins, wieso nicht auch ein Wort von Fans an Fans? Wer könnte so etwas leisten? Ein vom Verein angestellter Fanbetreuer kann es meiner Meinung nach nicht oder nur bedingt. Das ist mit einer der wichtigsten Punkte: Fanvertretung im Verein. Nicht ohne Grund gab es in der Diskussion um das Sicherheitskonzept viele Stimmen die darauf hingewiesen haben, dass viele Vereine im Dialog mit den Fans stehen und ein von „oben“ diktiertes Papier diesem Dialog schadet. Jede Fanszene ist anders und was im einen Verein klappt muss beim Anderen noch lang nicht funktionieren. Je lokaler Probleme behandelt werden, desto größer sind die Erfolgsaussichten.

Die DFL kann aus Fan-Sicht einen Anstoß liefern, der Faninteressen in den Vereinen stärkt. Vereine sollen sich verpflichten, eine demokratische Fanvertretung im Verein zu installieren, die von Fanseite legitimiert ist Faninteressen zu vertreten.

 

Natürlich sind die Punkte noch sehr allgemein gehalten, allein weil man nicht aus einer Sichtweise heraus konkrete Forderungen formulieren kann. Auch sind es mit Sicherheit nicht alle Punkte die hier aufgeführt wurden und über die gesprochen werden sollte. Gerade Vereine können hier vor Ort im Dialog mit den Fans viel erreichen. Postive Beispiele gibt es genügend, allen voran wohl der vorbildliche Verein Union Berlin. Daher ist dieser Text auch nicht als Forderungskatalog an die DFL zu verstehen, sondern als Denkanstoß für jeden Fan aber auch die Kritiker einer aktiven Fanszene. Alle Punkte sind ohne größere Anstrengungen und Investitionen möglich, sondern benötigen lediglich die Bereitschaft aller Beteiligten zu einem klaren Bekenntnis für Fans.

Daher ist es zu begrüßen, das die Kampagne 12doppelpunkt12 in ihrer jüngsten Veröffentlichung sich dafür einsetzen möchte, Faninteressen bei der DFL vorzubringen. Nach dem der 12.12.2012 schon als Totentag für die Fankultur heraufgeschrien wurde, ist das definitiv eine Chance für einen Neuanfang. Entscheidend wird sein wie ernst es die Vereine und die DFL mit dem Dialog meinen. Bleibt es bei einem „gut das wir mal drüber geredet haben“ wird sich der Konflikt weiter verstärken. Erkennt man aber die Fans ebenso als Interessenvertreter an, wie Sponsoren und TV-Sender, dann wird 2013 ein durchaus spannendes Jahr. Wegen mir könnte das Projekt „Fanfreundliche DFL 2013“ beginnen.

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