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Freitag, 05 Juli 2013 17:32

Warum unbezahlt manchmal unbezahlbar ist

geschrieben von 

Wenn ich danach gefragt werde, Fan welchen Vereins ich bin sag ich natürlich sofort „Es gibt nur den BVB“. Mein Herz ist also schwarz-gelb, meine Hände aber blau-weiß. Wer an dieser Stelle denkt, das hat was mit Sch***alke zu tun, geht sich jetzt erstmal eine Runde schämen und liest dann weiter.

Viele kennen sicher die Jungs und Mädels in den blauen Jacken, die Woche für Woche im Ruhrstadion Bochum herumlaufen und Fragen beantworten, Behinderte betreuen, den Journalisten helfen und an den Mundlöchern im Stadion stehen. Sie sind Volunteers und ich bin einer davon.

Nicht jeder weiß, was ein Volunteer ist und oft hört man auch die Frage „und du arbeitest dann bei der Zeitung?“, da Leute die Begriffe Volontär und Volunteer zusammenwerfen.

Volunteers, das sind freiwillige Helfer, die an Spieltagen im und ums Stadion Besuchern, Journalisten und den Verantwortlichen sowie VIPs weiterhelfen. Das Modell der Volunteers gibt es seit 2005, als bei Hannover '96 ein bis dato einmaliges Projekt freiwilliger Helfer startete. Wirklich bekannt sind Volunteers allerdings erst seit der WM 2006 hier in Deutschland, als sie an allen Austragungsorten eingesetzt wurden und den Fans und Besuchern aus aller Welt helfend zur Seite standen.

volu

Die meisten Volunteerprogramme sind in mehrere Bereich aufgeteilt, wobei es u.a. Logistik, Medien, Betreuung, Hospitality und Info gibt. Natürlich können die Bereiche und auch deren Zuständigkeit von Verein zu Verein variieren. Es gibt sowohl Volunteers, die außerhalb des Stadions arbeiten sowie im Innenraum oder hinter den Kulissen,also in den VIP Bereichen oder zum Beispiel dem Pressebereich.

Wie der Begriff Volunteers schon verrät, ist die Arbeit freiwillig und natürlich auch unbezahlt. Deshalb ist die Reaktion auf das, was man da macht oft „Äh und wieso machst du das dann?“. Mag auf den ersten Blick auch unverständlich sein,  besonders wenn man Fan eines anderen Vereins ist. Trotzdem ist Volunteering eine Sache, die man nicht mehr lässt,wenn man sie einmal angefangen hat. Abgesehen davon, dass man wie ein kleiner Klassenverband ist und viel Zeit gemeinsam verbringt, sieht man die Liga-, Pokal- und auch Länderspiele vieler Mannschaften, fährt gemeinsam zu Auswärtsspielen oder hat andere Veranstaltungen der sogenannten „Volunteer-Kultur“. Und man teilt eine Leidenschaft: Fußball. (Außerdem gibt’s lecker Essen und die Klamotten ;) )

Wenn man beispielsweise ein Spiel gegen den letzten Landverein aus Hinterlandhausen hat und am Ende war es trotzdem eine der besten und lustigsten Tage, dann war man vermutlich mit den Volunteers unterwegs. Natürlich kann ich nur für unsere VfL-Volus sprechen, aber der Grundgedanke ist ja überall der gleiche.

Inzwischen gibt es in Deutschland bei 56 Vereinen von der ersten bis zur dritten Liga immerhin 23 Volunteer- Programme. In den Ligen darunter gibt es immerhin noch drei in der vierten Liga und vier Vereine, die für ihre Frauenmannschaft Volunteers einsetzen.

Einen Verein sollte man allerdings herausstellen: den OFC Solingen. Der Kreisliga-B-Verein beschäftigt seit letzter Saison ebenfalls Volunteers und bindet damit schon früh seine Fans als Teil der Vereinsstruktur, Volunteers fühlen sich mit ihrem Verein verbundener, wenn sie einen Teil zum Gelingen der Heimspiele beitragen können. Für die Volunteers ist es außerdem eine Möglichkeit, jedes Spiel und auch den Verein aus einer anderen Perspektive zu betrachten,näher an Idole und Größen aus dem Sport zu kommen und, falls man etwas derartiges anstrebt, den Alltag der Verantwortlichen kennen zu lernen.

Für den Verein ist die Arbeit der unbezahlten Helfer oft unentbehrlich geworden, da diese die Fans auffangen, Fragen beantworten und so den Rücken freizuhalten.

Man könnte also meinen, es gäbe nur Positives über die Volunteerprogramme zu sagen. Fast.

Leider gibt es ebenfalls Vereine, die ihre Volunteers ausnutzen und als kostenlose Arbeitskräfte benutzen, ihnen also Aufgaben weit außerhalb des Volunteerbereichs auftragen, Dies sind zum Beispiel Kartenverkauf, Werbung außerhalb des Stadionareals oder auch Bewirtung der Gäste.

Auch Stadionführungen werden gern an Volunteers ausgesondert, sollten aber dementsprechend auch bezahlt werden.

Ich selbst kann Volunteer sein nur empfehlen, sei es nun im Ligabetrieb oder bei Goßerveranstaltungen wie WMs oder EMs. Man sollte sich jedoch trotzdem immer informieren, welche Aufgaben den Volunteers genau zufallen und zwischen welchen Bereichen man wählen kann. Außerdem ist Volunteer sein mehr als nur das Spiel gucken, es ist Gesellschaft, Spaß aber auch Arbeit. Wollt ihr also nur das Spiel der eigenen Mannschaft sehen, weil die Karten immer ausverkauft sind, ist Volunteering zwar naheliegend, aber nicht unbedingt die beste Lösung.

Übrigens auch die Erklärung, warum mein Schwatz-gelbes Herz es erlaubt, Volunteer bei einem anderem Verein zu sein. Auch, wenn der schwierige Farben hat ;).

Eure Nadine

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