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Mittwoch, 09 Dezember 2015 16:18

Verstärkte Kontrollen...?

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Nach den Terroranschlägen in Paris und der Absage des Länderspiels Deutschland gegen die Niederlande sollten die Sicherheitskontrollen im deutschen Vereinsfußball erhöht werden. Das haben unsere Blogger erlebt:

Coloniacs SpuckiNach zweijähriger Abstinenz ist dem 1. FC Köln der Wiederaufstieg in die Bundesliga gelungen. Das Ereignis versetzte zunächst die Domstadt in Hochstimmung, verleitete dann aber auch die Vereinigung „Pro Köln“ dazu, den sportlichen Erfolg des Vereins für den eigenen Kommunalwahlkampf zu missbrauchen. Diese Maßnahme erweckte zwar die erwartete Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, führte aber nicht nur zu einem Protest des Clubs, sondern auch zu einer heftigen Reaktion einer seiner Ultra-Gruppen.

Der diesjährige Endspurt der 2. Bundesliga entwickelte sich für den rheinischen Traditionsverein nach einer souverän gespielten Saison aufgrund des vorzeitig feststehenden Aufstiegs zu einer entspannten Angelegenheit. Die dadurch ausgelöste Euphorie war,  aufgrund der erheblichen Bedeutung der „Geißböcke“ für das lokale Seelenleben, in der gesamten Stadt zu spüren. Unter den aus allen gesellschaftlichen Bereichen eingehenden Glückwünschen befand auch eine am 22. April veröffentlichte Grußbotschaft des „Pro Köln“-Vorsitzenden Markus Beisicht.

Offensivbemühung von „Pro Köln“

Beisicht beließ es allerdings nicht bei einer reinen Sympathiebekundung, sondern zog eine Verbindung zuwischen dem Aufstieg und dem eigenen Wahlkampf, indem er erklärte:

 

„Was nun sportlich im Bereich des Fußballs erreicht wurde, können die Kölner Wähler am 25. Mai auch politisch schaffen: mit einer Stimme für PRO KÖLN die Domstadt endlich auch politisch wieder in die Erstklassigkeit führen.“

http://pro-koeln.org/koeln-jetzt-auch-politisch-wieder-in-die-erstklassigkeit-fuehren/

Mit dieser Erklärung versuchte die Vereinigung auf eine plumpe Weise an den Triumph des Vereins anzudocken. Sie ist ein weiteres Beispiel für ihre übliche Vorgehensweise, mit provokanten Verlautbarungen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wecken. Das erfolgte etwa 2013 durch die später zurückgezogene Anmeldung einer Teilnahme an der „Christopher-Street-Day“-Parade oder aktuell durch die ebenfalls später zurückgenommene Ankündigung eines Wahlkampfstandes in der Nähe der 2004 von einem rechtsterroristischen Bombenanschlag betroffenen Keupstraße. Im Fall des FC setze dann auch die zu erwartende Berichterstattung der Medien ein.

Konter des 1. FC Köln

 

Allerdings reagierte nicht nur die Presse, sondern auch der 1. FC Köln. Der Club veröffentlichte am 24. April eine Gegenerklärung auf seiner Homepage, in der er auf seine offene, tolerante und parteipolitisch neutrale Grundhaltung verwies. Ferner hieß es:

„Über den Missbrauch unseres Erfolgs für eine Wahlkampfbotschaft sind wir empört. Der Aufstieg ist eine Leistung des Clubs.  … Dem Versuch, sich als Trittbrettfahrer von diesem Erfolg zu Zielen tragen zu lassen, die mit dem 1. FC Köln und seinen Werten nichts zu tun haben, erteilen wir eine eindeutige Absage.“

http://www.fc-koeln.de/news/club/detailansicht/?tx_ttnews[tt_news]=7622&cHasch=731910e7a08c0f40198407b9d9f13f09

Kurvenaktion der „Coloniacs“

Bereits durch die Maßnahme des Vereins war „Pro Köln“ mit einer gegen sie gerichteten Reaktion konfrontiert. Doch es blieb nicht bei dabei, denn auch eine Formation aus dem aktivsten Teil der Vereinsanhängerschaft wurde aktiv. Es waren die linksorientierten „Coloniacs“. Sie sind eine von drei die Stimmung in der Fankurve prägenden „Ultra-Gruppen“. Von diesen ist die „Wilde Horde“ die älteste, personalstärkste und somit einflussreichste Organisation. Daneben besteht mit den „Boyz“ eine deutlich kleinere, unter anderem wegen ihrer Verbindung zu den Dortmunder „Desperados“ als rechtsorientiert geltende Truppe. Am 4. Mai nutze die ebenfalls kleinere Gruppe „Coloniacs“ das Heimspiel gegen den FC St. Pauli für eine spezielle Form des Protests. Dazu hielten ihre Angehörigen zunächst dutzende zuvor gestohlene Wahlplakate von „Pro Köln“ in die Höhe. Daraufhin zerstörten sie die Werbemittel vor den Augen der Spielbetrachter, wobei im Stadion „Nazis raus!“-Rufe deutlich vernehmbar waren. Parallel dazu brachten sie hinter dem Tor Spruchbänder mit den Aufschriften an:

 „Diese Stadt und diese Kurve bleiben Multikulti! Pro Köln verpiss dich!!!“

„Scheiss Pro Köln!! Brauner Müll!!“

http://www.coloniacs.com/?page_id=2681 (Bilder 31/51, 33/51, 34/51, 37/51)

Um mögliche Unklarheiten auszuschließen, flankierten die „Coloniacs“ ihre Aktion mit einer Erklärung. In ihr beklagten sie sowohl den Missbrauch des „geliebten Fußballclub(s)“ als auch eine „rassistische Hetze“, der sie sich als „Ultrà-Gruppe mit einem antirassistischen Grundkonsens entschieden entgegen(stellen).“ Darüber hinaus kündigten sie weitere Maßnahmen an, forderten ihre Anhänger zu Aktivitäten auf und äußerten gegenüber den „Pro Köln“-Angehörigen:

„Ihr seid für uns als Coloniacs die Schande unserer Stadt. Euer braunes Geschwafel repräsentiert eine Minderheit von Verlierern und kaputten Köpfen. Euer armseliger Hass wird niemals siegen. Wir werden erst aufhören Euch zu bekämpfen, wenn Ihr euch verpisst habt!“

http://www.coloniacs.com?p=4580#more-4580

Nachspielzeit für „Pro Köln“

Auf die Kurvenaktion reagierte am 7. Mai wiederum „Pro Köln“ mit einer Verlautbarung, in der sie „dutzendfachen Diebstahl und Sachbeschädigung von PRO-Wahlplakaten“ beklagte und bekundete, Anzeige gestellt zu haben. Während die Vereinigung dabei nicht auf die deutlich ablehnende Reaktion des 1. FC einging, behauptete sie, „Dutzende von positiven E-Mails und Anrufen von FC KÖLN-Fans erhalten“ zu haben.

http://pro-koeln.org/ein-rot-weisser-schal-macht-aus-einem-asozialen-linken-straftaeter-noch-lange-keinen-fussballfan/

Spielanalyse

Die Grußbotschaft von „Pro Köln“ war nicht nur eine für sie typische Propagandaaktion, sondern auch ein Versuch der Instrumentalisierung des Fußballs. Wie bei vergleichbaren Aktionen genügte eine einfache Verlautbarung, um eine Reaktion der Medien hervorzurufen. Dabei ging die Vereinigung wohl nach dem Prinzip vor, dass auch ablehnende Berichte gute Berichte sein können, sofern man dadurch in die Schlagzeilen gerät. Im Fall des 1. FC Köln erfolgte jedoch eine deutliche Zurückweisung durch den Großverein, die sicherlich nicht zu einer Verbesserung des Ansehens der Vereinigung unter breiten Kreisen der örtlichen Wahlbevölkerung geführt hat. Verschärfend wirkte sich die Kurvenaktion der Ultras aus. Die Kombination beider Maßnahmen bewirkte innerhalb der sich im sechsstelligen Bereich befindenden Masse der FC-Anhänger eine propagandistische Niederlage, bei der „Pro Köln“ lediglich eine Selbstdarstellung als Opfer „asoziale(r) linke(r) Straftäter“ blieb. Dabei dürfte der Verweis auf das durch Diebstahl und Sachbeschädigung erfolgte strafbare Verhalten der „Coloniacs“ nicht nur der überwiegenden Mehrheit der FC-Anhänger, sondern auch der großen Mehrheit der Fans anderer Vereine egal sein. Zu groß ist in der deutschen Fanszene die grundsätzliche Abneigung gegen politische Vereinnahmungsversuche.

Für „Pro Köln“ dürfte es sich zukünftig auch als hinderlich erweisen, mit den „Coloniacs“ einen anhaltenden Gegner zu haben. Diese sind zwar nicht die dominierende Kraft des Kölner Fanlagers, doch sind sie aufgrund ihrer Einsatzbereitschaft auch außerhalb des Stadions handlungsfähig. Innerhalb des FC-Anhangs besteht weiterhin die interessante Konstellation, dass neben einer mitgliederstarken Ultra-Gruppe gleichzeitig zwei kleinere Vereinigungen existieren, von denen eine einen „antirassistischen Grundkonsens“ hat und die andere als rechtsorientiert gilt.

Jedes Wochenende reisen tausende von Fußballfans ihren Lieblingsvereinen hinterher, um diese zu unterstützen. Jeder nutzt dabei seine bevorzugten Verkehrsmittel, hat seine individuellen Anreisewege und seine eigenen Interessen, die er mit seinen Reisen verbindet. Eine Auswärtsfahrt gestaltet sich also in höchst unterschiedlicher Weise.

f95 fans

In der letzten Zeit kam es innerhalb der Fanszenen von Alemannia Aachen, Eintracht Braunschweig und MSV Duisburg zu handgreiflich ausgetragenen Rechts-Links-Auseinandersetzungen. Den Hintergrund bildeten linksorientierte Ultra-Gruppen, die anderen Fans eine rechtsextremistische Ausrichtung vorwarfen und daraufhin angegriffen wurden. Eine vergleichbare Eskalation ereignete sich nun auch bei Fortuna Düsseldorf, wo bereits seit einiger Zeit kurveninterne Spannungen bestehen.

Während der am 22. März 2014 ausgetragenen Zweitligabegegnung beim FSV Frankfurt brach im Düsseldorfer Auswärtsblock eine Schlägerei aus, die von der Polizei beendet wurde. Sie entzündete sich, als die „Dissidenti Ultras“ eine von der Hooligan-Crew „Bushwhackers“ aufgehängte Fahne entfernen wollten. Dabei handelte es sich um ein Banner der mit den „Bushwhackers“ befreundeten „Frente Atletico“ aus dem Anhang von Atletico Madrid. Die zum linksorientierten Teil des Düsseldorfer Anhangs gehörenden „Dissidenti“ gaben in einer Stellungnahme allgemein an, die Beseitigung der Fahne gefordert zu haben und beschrieben die Attacke als Angriff von „Hooligans verschiedener Gruppen“. Ihr eigenes Auftreten begründeten sie mit einer „faschistischen, menschenfeindlichen Ausrichtung der Gruppe ,Frente Atletico’“ . Diese Bewertung der Madrilenen belegten sie durch eine zweite Erklärung, der unter anderem ein Foto einer Kurven-Choreografie der „Frente Atletico“ beigefügt war, die einen SS-Totenkopf zeigte.

Während die „Dissidenti“ keine detaillierten Angaben über den Charakter ihres eigenen Auftretens machten, gab das die Lokalpresse prägende Blatt „Rheinische Post“ an, dass es sich nicht nur um eine reine Aufforderung zur Beseitigung einer Fahne gehandelt habe. Vielmehr sei unter akustischer Begleitung von „Nazis raus!“-Rufen versucht worden, das Banner herunterzureißen. Zudem zitierte die Zeitung einen „Bushwhacker“, der eine neonazistische Ausrichtung seiner Gruppe mit dem Hinweis auf außereuropäische Wurzeln einiger Mitglieder verneinte. Damit ergab sich eine unübersichtliche Lage, die von gegenseitigen Vorwürfen sowie unklaren Informationen über die Ausrichtung der Handelnden geprägt wurde. Dies ist jedoch keine erstmalige Erscheinung, denn bereits in Aachen, Braunschweig und Duisburg war es zu vergleichbaren Situationen gekommen.

In Düsseldorf scheinen neben den politischen Aspekten auch das starke Anwachsen des Anhangs infolge eines raschen Aufstiegs aus der Regionalliga West in die Bundesliga und der nach kurzer Zugehörigkeit erfolgte Abstieg in die 2. Bundesliga zu den Verwerfungen beigetragen zu haben. Die Düsseldorfer Fanszene fiel bislang dadurch auf, dass sie trotz starker Konkurrenz benachbarter Großvereine eine vielfältige Kurve stellt, die sowohl traditionelle Altfans und eingesessene Hooligans als auch linksalternative Gruppen umfasst. Vor diesem Hintergrund organisierten sich in den letzten Jahren jüngere Fans in kleineren Ultra-Vereinigungen, die sich gegen Rechtsextremismus engagierten sowie sich auch in anderen Bereichen politisch betätigten. Dies wiederum erschwerte Bemühungen, die unterschiedlich ausgerichteten Fangruppen zu einer einheitlich auftretenden Kurve zusammenzuführen.

Die Schlägerei führte aktuell zu einer verstärkten Berichterstattung der Medien, die nicht nur die zuvor mühsam eingehegten Konflikte innerhalb der Kurve aufzeigte, sondern den nicht berechtigten Eindruck erweckte, als gäbe es rechtsextremistische Tendenzen bei Fortuna Düsseldorf. Diese reagierte auf die ihren Ruf schädigende Eskalation mit einer Presseerklärung, in der sie sich als „grundsätzlich politisch neutrale(n) und tolerante(n) Verein“ beschrieb und eine Aufarbeitung ankündigte. Dabei bekundete der Klub die Absicht, sich auch mit der Ausrichtung der spanischen Gruppe beschäftigen zu wollen und „alle beteiligten Seiten zu Wort kommen“ zu lassen.

Zudem kam es zu einer Reaktion der um ihre Freiräume und um Selbstregulierung bemühten Fanszene. Sie erfolgte durch die einflussreichen „Ultras Düsseldorf“ (UD), die sich mit einem „antirassistische(n) Grundkonsens“ durch die Initiative „Block 42“ um den „Zusammenhalt der Kurve“ bemühen. Die UD positionierten sich einerseits in aller Deutlichkeit generell gegen rechtsextremistische Aktivitäten und erklärten, sie haben sich „mit den ,Bushwhackers’ darauf verständigt, dass die Fahne von ,Frente Atletico’ … in Zukunft nicht mehr bei Fortuna-Spielen hängen wird.“ Andererseits warfen sie den „Dissidenti Ultras“ eine auch gegenüber den UD gezeigte grundsätzliche Kompromissunwilligkeit vor und verwiesen die Gruppe aus Angst vor einer „Spaltung der Fortuna-Fanszene“ aus dem zentralen Fanblock (6).

Sonntag, 16 Februar 2014 21:36

Manchester United - Willkommen im „Megastore“

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manu old trafford

Als der US-amerikanische Milliardär Malcolm Glazer 2005 den nordenglischen Großverein Manchester United aufkaufte, war dies mehr als die Übernahme durch einen finanzstarken Investor. Es war eine Zeitenwende, denn der von breiten Bevölkerungskreisen des einstigen Zentrums der Industrialisierung getragene Traditionsclub wurde zu einem weltweit vermarkteten Fußballunternehmen. Es festigte zwar mit einen finanziellen Möglichkeiten einen führenden Platz im Weltfußball, doch erfolgte dies auf Kosten sozial schwächerer sowie unangepasster Fans, die durch verteuerte Eintrittskarten und verschärfte Vorschriften aus dem Stadion von Old Trafford verdrängt wurden.

Die Umgestaltung des Vereins fiel mit einer Neugestaltung der gesamten Stadt Manchester zusammen. Deren von industriellem Niedergang und einem 1996 verübten IRA-Bombenschlag gezeichnete Innenstadt wandelte sich in eine von moderner Architektur, Finanzbetrieben und einer riesigen Shoppingmall geprägte City, die international Touristen anzieht. Die Entwicklung schloss auch in der Umgebung von Old Trafford ein, insbesondere die nördlich gelegenen Salford Quays. Der ehemalige Binnenhafen ist mit einer neu errichteten Einkaufsmall, einem BBC-Sendezentrum und dem Imperial War Museum North ein anschauliches Beispiel für den Verlust des industriellen Rückgrats Nordenglands, aber auch für die mit großen Investitionen betriebene Modernisierung.

manu gegengerade

In diesem Rahmen bildet das unter der Bezeichnung „Theatre of Dreams“ bekannte Stadion eine feste Größe der florierenden Tourismuswirtschaft der Stadt. Deren Betereiber bieten für etwa 20 Euro kombinierte Stadionführungen und Museumsbesuche an, deren Charakter dem Geist der neuen Zeit entsprechen. Während der Bau den Besucher mit seinen Tribünen und einem Fassungsvermögen von ca. 76.000 Zuschauern beeindruckt, herrscht bei den Rundgängen eine spezielle Atmosphäre. Dazu tragen dezent anwesende Security-Kräfte sowie Hinweise auf Konsequenzen bei etwaigem Fehlverhalten bei. Dem geschäftsmäßigen Ablauf entsprechend ist der Presseraum mit einer Figur des Trainers Alex Ferguson ausgestattet, mit der man sich gegen eine Sonderzahlung fotografieren lassen kann. Auf die globale Bedeutung der Unternehmung weisen die Zusammensetzung mancher Besuchergruppe sowie die Haltung vieler Gäste zum Fußball hin. So kann es passieren, dass man sich inmitten von Besuchern befindet, die zu erheblichen Teilen aus Indien, Singapur oder China stammen, nach eigenen Angaben keinen Fußballverein unterstützen und den Eindruck erwecken, als haben sie lediglich einen Abstecher vom innenstädtischen Shopping unternommen. Dazu passt, dass die Tour - kaufmännisch geschickt - im „Megastore“ genannten Vereinsladen endet.

Einen ebenso professionellen Stil wie der Tourbetrieb hat das Museum. Es thematisiert unter anderem den 6. Februar 1958, als mehrere Spieler bei einem Flugzeugabsturz in München starben, und enthält unter anderem einem Trophäenraum sowie einen sich mit dem einstigen Starspieler David Beckham beschäftigenden Sonderraum. In der Gesamtanlage beschränkt sich das Museum auf die reine Präsentation der Vereinsgeschichte und hat einen unkritischen Charakter. Dadurch wurde die Chance vertan, sich mit Aspekten des modernen Fußballs zu beschäftigen, zu dessen Entwicklung Manchester United entschieden beigetragen hat. So hätte etwa das Engagement Glazers eine Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln verdient gehabt, die einerseits die ihm entgegengebrachten Anfeindungen thematisiert hätte, andererseits aber auch die Bedingungen, denen der Profifußball in einer kapitalistischen Gesellschaft unterliegt. In diesem Zusammenhang hätte man problematisierten können, welche Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung einer internationalen Konkurrenzfähigkeit im Spitzensegment erfüllt ein müssen und inwieweit Investoren im wirtschaftlichen Wettbewerb der Großvereine unerlässlich sind. Voraussetzung dafür wäre allerdings eine gewisse Souveränität gewesen. Manchester United hat diese leider nicht.

Auf den stattdessen heute in Old Trafford herrschenden Stil weist auch der Umstand, dass man im Stadion Haftzellen unterhält, die für zwei Arten unauffälliger Personen gedacht sind. Eine sind Gewalttäter, was sich von selbst versteht. Die andere offenbar als besondere Gefahr angesehene Gruppe sind hingegen Angetrunkene. Damit diese in der neuen Fußballwelt keinen Spielbetrachter beinträchtigen, herrscht auch in den Straßen der Umgebung ein öffentliches Alkoholkonsumverbot. Im Kontrast zum neuen Stil erinnern eine Gedenkstätte sowie eine alte Stadionuhr an die Vergangenheit. Sie zeigt die Uhrzeit des Flugzeugabsturzes von München an und erinnert auch an die wechselvolle Geschichte des Clubs, der in kurzer Zeit einen weiten Weg zurückgelegt hat, um das zu werden, was er heute ist. Zwar beziehen sich die neuen Verantwortlichen den Verein dadurch auf die Vergangenheit, doch beim Blick auf die Uhr wird deutlich: Vorbei, ist vorbei, ist vorbei.

manu munchen uhr

Donnerstag, 23 Januar 2014 21:43

Die Fußball-Schlägerei vom Kölner Rudolfplatz …

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Rudolfplatz

Am 18. Januar 2014 kam es in der Kölner Innenstadt vor einem Testspiel zwischen dem 1. FC Köln und Schalke 04 zu einer von etwa 200 Personen geführten Schlägerei, bei der ein Beteiligter beinahe sein Leben verlor. Das Ereignis wies mehrere ungewöhnliche Aspekte auf. Dazu gehörte nicht nur, dass sich offenbar Ultras an einer Hooligan-Auseinandersetzung beteiligten, sondern dass mit den Schalkern verfeindete Dortmunder an der Seite befreundeter Kölner losschlugen.

Letzteres führte unter anderem dazu, dass ein Pressesprecher der Polizei seine Verwunderung über die Beteiligung der Dortmunder äußerte. Diese Aussage überraschte wiederum manch einen Fußballanhänger, denn die vom 1. FC Köln erfolgte Ansetzung eines „Freundschaftsspiels“ gegen Schalke 04 beinhaltete von vornherein ein erhöhtes Risiko. Es begründete sich aus einer freundschaftlichen Verbindung der Kölner Ultra-Gruppe „Boyz“ mit der Dortmunder Ultra-Gruppe „Desperados“ sowie dem Umstand, dass beiden Zusammenschlüssen rechtsextremistische Tendenzen nachgesagt werden. Darüber hinaus war es im Verlauf eines im vergangenen Oktober in Gelsenkirchen ausgetragenen Revierderbys zu erheblichen Ausschreitungen Dortmunder Fans gekommen. Vor diesem Hintergrund mussten nicht nur eingeweihte Erlebnisorientierte mit einem gewalttätigen Aufeinandertreffen verfeindeter Vereinsanhänger rechnen.

Wer sich am Vormittag des 18. Januar im Kölner Zentrum aufhielt, konnte eine Polizeipräsenz feststellen, die in ihrer Stärke nicht dem Testspielbetrieb, sondern brisanten Bundesligabegegnungen entsprach. So sicherten mit Köperschutz ausgestattete Bundespolizisten den Hauptbahnhof und hielten in dessen für schnelle Gruppenbewegungen geeigneten Seitengang so genannte Hamburger Gitter als Absperrmittel bereit. Auf dem Bahnhofsvorplatz zeigte Landespolizei Präsenz. Während sich dadurch andeutete, dass sich die Sicherheitskräfte auf ein so genanntes Risikospiel vorbereitet hatten, trafen sich im geräumigen Saal des angrenzenden Gaffel-Brauhauses FC-Fans mit schwarz-gelb bekleideten BVB-lern.

Im Kontrast zur unauffällig bleibenden Lage rund um den Hauptbahnhof, kam es etwa anderthalb Kilometer davon entfernt um etwa 14:45 Uhr zu einem plötzlichen Gewaltausbruch. Er ereignete sich auf dem Rudolfplatz, einem innenstädtischen Verkehrsknotenpunkt mit U-Bahn-Station, Straßenbahnhaltestelle und angrenzenden Einkaufsstraßen. Dabei entstand aufgrund der großen Anzahl der Beteiligten eine unübersichtliche Situation, in der eine Person lebensgefährlich verletzt wurde. Die Schlägerei dauerte lediglich eine geschätzte Minute, bevor mit Mannschaftstransportern herangeführte Polizisten in Einsatzausrüstung eintrafen. Diese erwiesen sich als gut vorbereitet und äußerst handlungsfähig. So brachten sie nicht nur den Platz innerhalb kurzer Zeit unter ihre Kontrolle, sondern verhafteten auch mehrere in die Nachbarstraßen geflüchtete Personen. Darunter befanden sich ältere Hooligans mit einem Erscheinungsbild im Stil Bomberjacke-Kraftsport-Anabolika, die nach der Verhaftung durchaus entspannt wirkten, da ihnen das weitere behördliche Verfahren bekannt sein dürfte.

Zur gleichen Zeit rang eine im Verlauf der Auseinandersetzung niedergestreckte Person mit dem Tod. Bei dem Mann, dessen Gesundheitszustand später stabilisiert werden konnte, handelte es sich nach Angaben der Polizei um einen 40-jährigen, einschlägig bekannten Schalker, der unter Drogeneinfluss stand. Die Presse veröffentlichte dazu ein Foto, das ihn mit Quarzsandhandschuhen zeigte, die Straßenkämpfen zum Schutz der eigenen Fäuste und zur Verstärkung der Schlagwirkung eingesetzt werden. Sie gab zudem an, dass die Polizei etwa 50 Personen verhaftet und Ermittlungen gegen die beiden Ultra-Gruppen in die Wege geleitet habe.

In der Nachbetrachtung verwundert, dass der Rudolfplatz zum Austragungsort wurde, da Hooligans sich heutzutage in der Regel abseits der mit modernen Sicherheitseinrichtungen ausgestatteten Stadien „auf dem Acker“ verabreden, um sich dadurch dem Zugriff der Polizei zu entziehen. Ein innenstädtischer Verkehrsknotenpunkt ist für ein derartiges Vorhaben denkbar ungeeignet, was die schnelle Zuführung der Einsatzkräfte belegt. Die Konsequenzen bestanden nicht nur in einer raschen Beendigung der Schlägerei und umfangreichen Verhaftungen, sondern auch in dem Umstand, dass sich der Polizei aufgrund der Aufzeichnungen der Sicherheitskameras der Verkehrsbetriebe und der anliegenden Geschäfte diverse Ermittlungsansätze eröffnen könnten.

Wenngleich der Bestand an gesicherten Hintergrundinformationen noch begrenzt ist und sich nähere Erkenntnisse erst mittelfristig im Rahmen der strafrechtlichen Aufarbeitung ergeben werden, können folgende Thesen aufgestellt werden:

  1. Die von einer dreistelligen Personenzahl ausgetragene Auseinandersetzung widerspricht der zuweilen in der Presse geäußerten Annahme, nach der die Hooliganszene nicht mehr handlungsfähig ist.
  2. Das gleichzeitige Auftreten älterer Hooligans und junger Ultras stützt die vom Fanforscher Gunter A. Pilz vertretene Auffassung, nach der sich diese Fanarten teilweise zu so genannte Hooltras vermischen.
  3. Das für den Abend des 25. März 2014 (um 20:00 Uhr!) terminierte Heimspiel des BVB Dortmund gegen Schalke 04 birgt ein nun noch weiter gesteigertes Gefahrenpotenzial.
  4. Die kombinierte Schlagkraft der Kölner und Dortmunder Erlebnisorientierten dürfte nicht nur bei entsprechend eingestellten Schalkern zu gewissen Überlegungen führen, sondern auch bei mit den Kölnern verfeindeten Mönchengladbachern und Leverkusenern.

Die Verantwortlichen der drei Bundesligisten werden sich intensiv mit der Auseinandersetzung beschäftigen müssen. Das betrifft aufgrund des speziellen Charakters der Ultra-Verbindung vor allem die Vereinsführungen von Borussia Dortmund und des 1. FC Köln. Für die Westfalen war es bereits der zweite Gewaltexzess innerhalb weniger Monate. Zudem thematisierten im vergangenen Jahr mehrere Presseveröffentlichungen rechtsextremistische Aktivitäten beim BVB und benannten dabei auch die „Desperados“. Aufgrund der Verbindung der „Boyz“ zu dieser Gruppe ergibt sich innerhalb des FC eine besondere Brisanz. Denn während sich in der Ruhrgebietsmetropole das Zentrum der rechtsextremistischen Szene Nordrhein-Westfalens befindet und seit den 1980er Jahren begrenzte Gruppen rechtsextremistischer Fans hervortreten, herrscht in der Domstadt ein tolerantes und liberales Klima, dass sich in seinem Vorzeigeverein spiegelt. Da die weit überwiegende Mehrheit der FC-Fans Rechtsextremismus entschieden ablehnt, könnten sich innerhalb seiner Anhängerschaft Kontoversen über die Haltung zu den „Boyz“ entwickeln. Dies könnte auch die Frage nach deren Stellung innerhalb der Kurve beinhalten, deren Klima von der weitaus größeren Ultra-Gruppe „Wilde Horde“ dominiert wird. Vor diesem Hintergrund darf man gespannt sein, in welcher Atmosphäre das nächste Heimspiel ausgetragen wird.

Letztendlich ergibt sich aus der Schlägerei auch eine bittere Ironie für die gesamte deutsche Fanszene, da sich am Tag der Auseinandersetzung engagierte Anhänger unterschiedlicher Vereine zu einem Fankongress trafen, der unter anderem eine nach Ansicht der Veranstaltungsteilnehmer überbordende Sicherheitspolitik kritisierte. Die Massenschlägerei vom Rudolfplatz hat nun allerdings die Argumentationsposition der Verfechter schärferer Bestimmungen gestärkt.

Anmerkung: Die Situation um den Bahnhof wurde vom Verfasser beobachtet. Die Schilderung der der Schlägerei auf dem Rudolfplatz erfolgte aufgrund der Angaben von zwei dem Verfasser bekannten, zufällig anwesenden, langjährig aktiven Fans.

stadionverbot verdacht cfhhAm 17. November 2013 schrieb der Spiegel unter dem Titel “Randale beim Fußball: DFB verschärft Stadionverbote” über die geplante neue Stadionverbotsrichtline des DFB (offizieller Titel: Richtlinien zur einheitlichen Behandlung von Stadionverboten). In dem, von zahlreichen anderen Medien übernommenen, Artikel wird von der Verschärfung der SV-Richtlinien gesprochen, von der neuen Maximaldauer von fünf Jahren und der wöchentlichen Meldung der Liste der aktuellen SV-Inhaber an die ZIS.

Wie dem Spiegel, liegen auch uns die neuen Richtlinien vor, ebenso die Hinweise und Erläuterungen zu diesem, vom DFB-Präsidium zwischenzeitlich verabschiedeten Papier.

Hier nun eine kurze Übersicht was sich tatsächlich geändert hat. Denn im Gegensatz zu dem vom Spiegel verbreiteten Artikel gibt es erhebliche Änderungen, gerade was die Dauer der Stadionverbote betrifft, wie auch die Anhörungen dazu.

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