So26Mar2017

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Susanne Blondundblau

Susanne Blondundblau

Schalkerin, Juristin, Königsblaue, Ehefrau, Blondine, Dauerkarteninhaberin, Schreiberin, Fragenstellerin, Schokojunkie, Vereinsmitglied, Gerechtigkeitsfanatikerin, Falschsängerin, Vielfotografin, Meerliebhaberin, Sturschädel, Rheinländerin, Fastimmergutgelaunte, Meinungssagerin, Käferfahrerin, Unorganisierte, Frühaufsteherin, Freundin, Engagierte, Mensanerin, Bücherfreak, Schnelldenkerin, Reisefreudige, Auswärtsfahrerin, Nervensäge, Kolumnistin, Neugierige, Nichtraucherin, Buchmitautorin, Optimistin, Schwimmerin, Ruhrpottliebhaberin, Zuhörerin, Caipirinhamixerin - und jetzt auch noch Bloggerin! ;-)

   eurofighter 6Mit den Anstoßzeiten in der Europaleague ist es so eine Sache: Zum frühen Termin müssen sich vor allem Arbeitnehmer durch den dichten Berufsverkehr im Ruhrpott hetzen, der späte sorgt für unausgeschlafene Gesichter am nächsten Tag. So standen die anreisenden königsblauen Autofahrer auch vor dem EL-Gruppenspiel des FC Schalke 04 gegen OGC Nizza aus allen Himmelsrichtungen kräftig im Stau; bei den ÖPNV-Nutzern sorgten zeitweise Störungen auf der "Arena-Linie" 302 für Verzögerungen. Zusammen ergab das eine beim Steigerlied nicht einmal halb gefüllte Arena und viel Gerenne, bis Stadionsprecher Dirk Oberschulte-Beckmann handgezählte 51.504 Zuschauer vermelden konnte. "Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast!" grinst ein Schalker angesichts der Tatsache, dass Schalker Zuschauerzahlen nahezu immer "zuuuufällig" auf 04 enden.

Kurz vor dem Anpfiff gibt es einen kräftigen Böller im Block der mitgereisten Nizza-Fans, die zuvor bereits in Buer gezündelt hatten. Dieser fungiert nur als Wecksignal für den Support der Nordkurve. WIR sind der Herr im Haus! Im Schalker Museum gibt es zudem eine Sonderausstellung zum 20jährigen Jubiläum der originalen Eurofighter zu bestaunen.

Auf dem Platz hat Chefcoach Markus Weinzierl seine Ankündigung, zu rotieren und dennoch eine siegeshungrige Schalker Elf aufzustellen, wortgetreu umgesetzt. Mit Keeper Ralf Fährmann, Abwehrhüne Naldo und Max Meyer sind lediglich drei Stammspieler in der Startformation, ansonsten spielt die zweite bzw. junge Garde. Thilo Kehrer und Bernard Tekpetey feiern ihr Startelfdebüt bei den Profis. Auch Gästecoach Lucien Favre hat sein Team verletzungsbedingt teilweise umbauen müssen, neben dem umstrittenen Stürmer Balotelli fehlt u. a. der etatmäßige Kapitän Baysse. Mit Belhanda steht ein ehemaliger Schalker Leihspieler auf dem Platz, auch Dantes Lockenkopf ist ein alter Bekannter aus der Bundesliga.

   eurofighter 2In der Anfangsphase passiert auf dem Rasen nicht sonderlich viel, die Fans singen sich mit dem Wechselgesang SCHALKE! - NULLVIER und "Um die halbe Welt sind wir gefahr'n" warm. Die erste Chance liegt dann allerdings bei den Gästen: Nach einer knappen Viertelstunde kann sich Ralf Fährmann bei der Querlatte bedanken, die einen strammen Distanzschuss von Donis abfängt. Seine Gegenüber im französischen Tor, Cardinale, hat weniger Glück. Er verfehlt einen abgefälschten Schuss von Max Meyer, Konoplyanka muss nur noch vollstrecken. Das 1:0 in der 14. Minute!

Die Nordkurve stellt prompt jubelnd in den "Eurofightermodus" um. "Steht auf, wenn Ihr Schalker seid!" und "Wir schlugen Roda..." dröhnt durch die Arena. Auch auf dem Feld geht es jetzt sichtlich beherzter zur Sache, zwingende Chancen gibt es trotzdem wenig. Bei einem Distanzschuss von Dalbert ist Fährmann hellwach und entschärft per Glanzparade (26.). Die körperbetonte Gangart der Gäste führt zudem zu ausgedehnten Behandlungspausen bei Tekpetey und Meyer.

Vor dem Pausenpfiff ertönen noch "Schalke, ich bin für dich geboren, ich hab mein Herz verloren..." und "Kämpfen und siegen" im Wechsel zwischen Unter- und Oberrang, dazu wird zur ATTACKE geblasen. In der Pause gibt es viele zufriedene Gesichter, dass selbst eine Schalker B-Elf nichts anbrennen lässt. "Sind die echt Tabellenführer der Ligue 1?!" staunt ein älterer Schalker am Imbissstand kauend. "Watt sind wir gut!"

   eurofighter 3Am Mikrofon begrüßt derweil Finanzvorstand Peter Peters die vom Verein eingeladenen Mitarbeiter der insolventen Wellpappe Gelsenkirchen. Auf den Rängen brandet anerkennender Applaus auf, als er versichert, dass dem FC Schalke 04 ihre  Schicksale nicht egal sind und die Mitarbeiter und ihre Kinder auch noch zu einer königsblauen Weihnachtsfeier eingeladen werden.  Zudem sind noch einige wenige Karten für das letzte Gruppenspiel bei RB Salzburg verfügbar, über 5.000 Karten wurden bereits abgesetzt. "Aber nur für Teetrinker" grienen Eingeweihte angesichts des veritablen Shitstorms, den der Salzburger Bürgermeister in dieser Woche mit der Ankündigung, man befürchte Chaos in der Stadt, weil Schalke-Fans nicht dafür bekannt seien, nur in Ruhe sitzend einen heißen Tee zu trinken, ausgelöst hatte.

Bei Wiederanpfiff kommt mit Fabian Reese für den am Sprunggelenk angeschlagenen Meyer ein weiterer Youngster auf den Platz, der sofort höchst motiviert zur Sache geht und keine 10 Minuten später das 2:0 auf dem Schlappen hat. Im Eifer des Gefechts trifft er aber frei vor dem leeren Tor nur den Außenpfosten. Trotzdem gibt es aufmunternden Applaus. "Der Junge brennt, datt wird schon!" Musikalisch begleitet wird das Geschehen auf dem Platz von "Schalke und der FCN", "Wenn wir unsre Stimme heben, sollst Du immer alles geben" und "Schalke, nur Du alleine, bist meine Liebe, mein ganzes Le-he-ben".

Die Gäste finden in dieser Phase kaum statt; Favre versucht daher, das Ruder mit einem Dreifachwechsel herumzureißen. Weinzierl kontert mit Geburtstagskind Nabil Bentaleb für Torschützen Konoplyanka. Der algerische Nationalspieler nimmt auch sofort das Heft in die Hand und zwingt Cardinale zu einer Glanzparade, liegt aber keine 20 Minuten später schmerzverzerrt vor der Nordkurve. "Einen Nasenbeinbruch zum Geburtstag bekommt auch nicht jeder!" kommentiert ein Schalker mitfühlend.

   eurofighter 4Noch während er behandelt wird, strauchelt Tekpetey bei einem Laufduell mit Koziello an der Strafraumgrenze, Aogo vollstreckt den Elfmeter zum 2:0 (80.). Der Drops ist gelutscht! In der Nordkurve gehen Eurofighterschals und -transparente hoch. "Gelsenkirchen Schalke 1904, für deine Farben leben und sterben wir..." und natürlich der Eurofightersong sind das Gebot der Stunde. 

Für Bentaleb gibt der von vielen Schalkern mit Spannung erwartete Avdijaj sein Debüt, kann sich aber in der kurzen Zeit nicht mehr auszeichnen. Ralf Fährmann hingegen bekommt noch eine Gelegenheit, sein ganzes Können zu zeigen, als er per Flugparade einen tückischen Weitschuss von Donis am Pfosten vorbeilenkt. In der Nachspielzeit gibt es dann noch helle Aufregung im Strafraum des OGC, als Cardinale und Tekpetey nach einem Zusammenprall beide am Boden liegenbleiben und sich die Gemüter erhitzen. Das insgesamt souveräne aserbaidschanische Schiedsrichterteam verteilt salomonisch zwei gelbe Karten an die Kontrahenten, für den vorbelasteten Tekpetey bedeutet das Gelb-Rot. Der "Sünder" schleicht bedröppelt vom Platz und kann auch vom anerkennenden Applaus des Publikums nicht getröstet werden.

   eurofighter 7Die Zeit bis zum Schlusspfiff wird mit "Oho international, Schalke international, die Eurofighter sind wieder da", dem Schalkewalzer und natürlich "Königsblaue Eurofighter sind Europas Spitzenreiter" überbrückt. 5 Siege in 5 internationalen Spielen ist ein neuer Vereinsrekord; dazu kommt die äußerst beruhigende Erkenntnis, dass die Mannschaft das System von Trainer Weinzierl mittlerweile so gut verinnerlicht hat, dass es selbst bei fast vollständiger Rotation keine Konzentrations- und Abstimmungsprobleme gibt. Dementsprechend gutgelaunt werden die "Blitztabelle" und die Mannschaft auf Ehrenrunde beklatscht. Dennis Aogo legt vor der Gegengerade noch einen kleinen Striptease hin und erfreut die Damen mit seinem Oberkörper und einen kleinen Fan mit seinem Trikot.

   eurofighter 8Manager Christian Heidel freut sich über die "weiße Weste" und das wettbewerbsübergreifend elfte ungeschlagene Spiel in Serie. "Es hat Spaß gemacht, den Jungs zuzuschauen. Im Vorfeld haben sich viele gefragt, ob Sinn macht, in einem internationalen Wettbewerb so viele junge Spieler einzusetzen. Die Jungs haben auf dem Platz die richtige Antwort gegeben (...). Wir sind in der Lage, zu rotieren und auf mehreren Positionen umzustellen. Wir haben trotz der vielen Wechsel alle Spiele gewonnen. Das zeigt, dass der Kader in der Breite in Ordnung ist."

Bereits am Sonntag geht es gegen den SV Darmstadt 98 weiter. Die Chancen auf die Fortsetzung der Schalker Siegesserie stehen nicht schlecht...

Blau-weiße Grüße
Susanne Blondundblau

Mehr Fotos vom Spiel gibt es bei Interesse hier

 

Dienstag, 02 August 2016 22:17

Beim ersten Mal tat's noch weh

wehtun 1a2016 auf Schalke: Nach Joel Matip verlässt mit Leroy Sané das zweite hochtalentierte Eigengewächs den Verein Richtung PremiereLeague. Allgemeiner Tenor in den einschlägigen sozialen Netzwerken und Foren: Bisschen früh, aber wir wünschen Dir alles Gute! Für Matip, dessen Wechsel zum FC Liverpool frühzeitig bekannt gegeben wurde, gab es sogar dicke Transparente („16 Jahre alles für Schalke gegeben – danke, Jimmy!“) und ein T-Shirt der Nordkurve Gelsenkirchen.

2011 auf Schalke: Manuel Neuer gibt in einer Pressekonferenz mit stockender Stimme und Tränen in den Augen bekannt, „Horst Heldt hat mich heute über das Interesse der Bayern informiert“. Trotz des anschließenden Pokalgewinns zieren zahlreiche Judas- oder H*rensohn-Spruchbänder und Transparente, die ihn als Stricher und auf den Knien vor Uli Hoeneß zeigen, die Arena. Von einer Autobahnbrücke in Gelsenkirchen baumelt eine Gummipuppe mit seinem Trikot, bis heute sind gellende Pfiffe noch die netteste Begrüßung, die er bei seinen Gastspielen in der Arena erwarten kann.

Nur wenig besser ergeht es Julian Draxler, 2015 kurz vor dem Ende des Sommertransferfensters zum VfL Wolfsburg gewechselt: Beim 0:3 seines neuen Vereins in der alten Heimat gab es höhnisches Gelächter und „nie mehr, nie mehr Julian Draxler!“-Sprechchöre. Nahezu jede öffentliche Äußerung von ihm wird hämisch kommentiert; die Schadenfreude darüber, dass der VfL das internationale Geschäft verpasst hat, treibt in Gelsenkirchen und Umgebung fröhliche Blüten.

Wenn nullvier das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe?! Vier Jungs aus der Knappenschmiede, allesamt auf Schalke zu Hoffnungs- und Leistungsträgern und Nationalspielern herangereift, verlassen den Verein – warum wird den einen die Pest an den Hals gewünscht, während die anderen ein ganzes Bündel an guten Wünschen auf den Weg bekommen?

wehtun 1

An den Ablösesummen kann es jedenfalls nicht liegen: Sowohl Neuer (insgesamt rund 30 Millionen Euro) als auch Draxler (37 Millionen Euro plus Boni) und jetzt Sané (Gesamtpaket bis zu 50 Millionen Euro) waren die jeweiligen Schalker Rekordtransfers ihrer Zeit. Einzig Joel Matip verließ den Verein nach gescheiterten Verhandlungen mit Horst Heldt, ohne die Finanzen gründlich zu sanieren.

Auch die Zahl der Einsätze ist offenbar nicht ausschlaggebend: Die meisten Profibegegnungen für die Knappen absolvierte Matip (194 Bundesliga- und 44 internationale Partien), gefolgt von Neuer (156/27), und Draxler (119/25). Sané verlässt den Verein nach nur 55 (47/8) Einsätzen im Schalker Dress.

wehtun 4Ein nicht unwichtiger Punkt dürfte sein, dass Neuer und Draxler zu direkten Ligakonkurrenten wechselten und daher kurzfristig auch gegen ihre Jugendliebe auf dem Platz standen. Matip und Sané wird dieses Schicksal außer beim zufälligen Aufeinandertreffen in europäischen Wettbewerben erspart bleiben, was die Sichtweise „ein Junge von uns hat es geschafft!“ deutlich erleichtert.

Noch bedeutsamer ist das Verhalten rund um bzw. kurz nach dem Wechsel: Wenn man schon rund anderthalb Jahre vorher mit Uli Hoeneß im Biergarten gesessen hat und Günther Jauch öffentlich auf den Wechsel gewettet hat, kommen Krokodilstränen, dass man doch gerade eben erst vom Interesse des Rekordmeisters erfahren habe, nicht wirklich gut an. Auch Äußerungen wie „Ich hätte doch all meine Freunde verloren, wenn ich mit 16 aufgehört hätte, Schalke-Fan zu sein“, um sich von seinem vorherigen Selbstbild vom „Jungen aus der Kurve“ und Ultra zu distanzieren und in München gutes Wetter zu machen, sind in der Hinsicht ein sicheres Gratisticket für dauerhafte königsblaue Abneigung. In dieselbe Kategorie fällt Julian Draxlers Gejammer über den fürchterlichen Druck und die lähmende, weil zu große Fanliebe und Erwartungshaltung auf Schalke. Äußerungen wie Wolfsburg sei „der nächste Schritt“ für ihn und Nachtreten, auf Schalke habe man es mit den Trainingsläufen nicht so genau genommen, wurden von vielen Schalker Fans als undankbar und stillos empfunden.  

Ob Matip und Sané aus den kommunikativen Stockfehlern ihrer Vorgänger gelernt haben oder „etwas heller inne Birne“ sind, in diesem Punkt haben sie es deutlich besser gemacht: Ewigkeitsgarantien gab es von ihnen nicht. Matip erklärte im ersten Interview nach seinem Wechsel, Schalke sei etwas ganz Besonderes. Auch Sané verabschiedete sich artig via facebook und twitter:

wehtun 2Hey Schalke-Fans,
Ich wollte die Chance hier natürlich nochmal nutzen, um mich an euch zu wenden und danke zu sagen. Ich habe beim FC Schalke 04 seit 2011 gespielt. Ich wurde hier zum Bundesligaprofi, ich wurde hier zum deutschen Nationalspieler. Meine letzten Monate verliefen einfach nur wie im Traum. Ich habe eure Social Media – Kommentare hier ja auch mitgelesen und viele sind der Ansicht, dass der Wechsel für mich zu früh kommt. Ich wollte diese Chance jetzt aber einfach nutzen, da man nie weiß, was in der Zukunft passiert und wann man noch einmal solch eine Gelegenheit erhält. Meine Familie und ich hatten mehrere Gespräche mit Manchester City Trainer Pep Guardiola, der uns komplett überzeugen konnte, was und wie er hier in England und international die nächsten Jahre einiges erreichen möchte. Da ich Herausforderungen nicht scheue, fühle ich mich schon jetzt dazu bereit, diesen Schritt zu gehen, ohne aber, das könnt ihr mir glauben, Schalke jemals zu vergessen!

Dass er Schalke nie vergessen werde, trifft natürlich den Nerv vieler Schalker. Ich glaube dennoch, dass die Hauptursache für den unterschiedlichen Umgang vieler Schalker mit den scheidenden Spielern bei Manuel Neuer liegt: Er war der Erste, der aus der eigenen Jugend kommend bereits früh  Weltklasseleistungen gezeigt hatte. Anders als beispielsweise Mesut Özil hatte er sich zudem immer als „Junge aus der Kurve“, als Buerschenschafter, ja sogar als Ultra präsentiert und in Jahrbüchern markige Sprüche wie „Innerhalb von Deutschland ist ein Wechsel nicht denkbar. Manuel Neuer beim FC Bayern München – das passt nicht. Ich habe früher in der Kurve gestanden und nicht gerade nette Dinge über die anderen Vereine geschrien… Wie soll ich denn da das Trikot dieser Clubs tragen?“ rausgehauen. Und die Schalker glaubten ihm. Sie wollten ihm nur zu gerne glauben, auch wenn sie bei vernünftiger Betrachtung eine leise warnende Stimme gehört hätten, dass ein 16- oder 18jähriger sich nicht für sein ganzes Berufsleben festlegen kann. Zu schön war der Traum, mit einem waschechten Schalker Jungen im Tor Großes zu reißen, vielleicht sogar die langersehnte Meisterschaft zu holen.

wehtun 3

Manuel Neuers Wechsel zu den Bayern - ausgerechnet den Bayern, die Schalke 2001 eine nie richtig heilende Wunde beigebracht hatten – traf viele Fans bis ins Mark. Und in den Frust, in die Wut mischte sich ein unausgesprochener Schwur, sich nie wieder so vorbehaltlos auf einen Spieler einzulassen, egal, wie königsblau seine Wurzeln auch zu sein scheinen und wie viele Eckfahnen er ausreißt. Wenn selbst ein Neuer, der vermeintliche Ur-Schalker schlechthin, käuflich ist – wer sollte es dann nicht sein?

Die Trennung von der ersten großen Liebe tut besonders weh; bei weiteren Turbulenzen hat man zumindest schon einmal die Erfahrung gemacht, dass das Leben auch ohne den Angebeteten weitergeht. Er will nicht mehr? Ok, dann soll er wenigstens ein angemessenes Trostpflaster hinterlassen. Andere Mütter haben auch schöne Söhne und die Knappenschmiede hat noch weitere gute Spieler! In diesem Sinne hat Manuel Neuer ganze Generationen von Schalkern erwachsener werden lassen.

Das kann man reifer finden, vernünftiger. Realistischer und professioneller ist es in jedem Fall, aber ich finde es in erster Linie schade. Die ganz besondere Emotionalität gehört zu Schalke wie zu keinem anderen Verein. Ohne überschäumende Gefühle, schöne Illusionen und Träume ist die Schalker Welt ärmer! Schalker würden gerne glauben, dass die Spieler auf dem Rasen den Verein ebenso lieben wie sie selbst. Seit Neuers Sündenfall taucht jedoch bei allen Wappenküssen und Treueschwüren im Hinterkopf eine Schlange auf und zischelt: Wer weiß, wie lange noch…? Wenn ein passendes Angebot kommt, ist der auch weg… Es mag sein, dass man Spielern wie Benedikt Höwedes oder Ralf Fährmann mit dieser Sichtweise Unrecht tut, aber weniger investierte Emotionen erleichtern Abschiede kolossal.

Der Nachteil: Diese Emotionen fehlen auch im Positiven. Auch wenn wohl alle Schalker von sich behaupten würden, Fan des Vereins und nicht einzelner Spieler zu sein: Mit echten Identifikationsfiguren auf dem Platz ist es doppelt schön.

In diesem Sinne: Echte Fußballromantiker geben die Hoffnung nicht auf, dass die Knappenschmiede eines Tages einen jungen Schalker mit herausragenden Anlagen hervorbringt, der den Bayern und Scheichs dieser Welt den Finger zeigt und abwinkt. Und wenn dieser dann am Schalker Markt die Schale hochstemmt, werden selbst die Engel neidisch nach unten schielen!

Blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

 

  DA 2Du stehst Samstagmorgens freiwillig im Dunklen aus Deinem warmen Bett auf.

Du fährst 600 km, obwohl der Wetterbericht Dir für den Zielort eine Regenwahrscheinlichkeit von 90 %, 5 Grad und Sturmböen voraussagt. Und Dein Zielort eine vollkommen ungeschützte Gästekurve, in diesem Fall die des Darmstädter Böllenfalltors, ist.

Du triffst im Ratskeller in Darmstadt etliche bekannte Gestalten, die bei einem leckeren Hellen vom Fass genau wie Du der Meinung sind „natürlich sind wir bekloppt, aber es macht Spaß“.  DA 7

Du amüsierst Dich blendend mit zahlreichen Fans der Lilien, während Ihr Euch in bestem Einvernehmen für den heutigen Nachmittag nur das Schlechteste wünscht. Die erstaunten Blicke der unbeteiligten Gäste über den friedlichen farbübergreifenden Schulterschluss und die reißerische Berichterstattung über immer mehr Exzesse beim Fußball lassen Dich schmunzeln.

Du marschierst mit Deinen geschätzten Mitbekloppten grinsend durch das Polizeispalier, Wald und Matsch (viel Matsch!) zum Gästeeingang. Statt Geschimpfe hörst Du immer wieder Satzfetzen wie “das ist Fußball!“, „herrliche Zeitreise“ und „yeah, Parkstadionwetter!“

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Du bist Dir mit Deinem Nebenmann vollkommen einig, dass eine leicht angebrannte Paprikawurst mit Pils jedes Sternemenü toppt.

Du tauchst in den Block ein und reihst Dich bereits eine Stunde vor Spielbeginn reflexartig in den Support für Deine Mannschaft ein. Egal bei welchem Spiel unsre Fahnen weh‘n, Schalke wird nie untergehn…

Du triffst jede Menge bekannte Gesichter, der Klatsch zur Vereinspolitik und die aktuelle Regenwahrscheinlichkeit werden heißer gehandelt als jeder Börsenkurs. Nur noch 30 %, wow!

Du stellst erleichtert fest, dass andere Vereine einen noch schlechteren Rasen haben als Deiner.

Du gröhlst bei Spielbeginn begeistert den Wechselgesang Scheiß S04  - Scheiß SVD mit. Auch Schalke … nur Du alleine… bist meine Liebe…, Gelsenkirchen ist’ ne schöne Stadt und wir lieben alle nur den FC Schalke, unsren Kumpel und Malocherclub kommen Dir bestens über die Lippen.

  DA 3

Du bist einfach ein Teil des Blocks und es stört Dich kaum, dass Petrus Euch zeigt, wie die 30 % Regenwahrscheinlichkeit zu verstehen sind: 30 Liter für jeden ab Minute 30. So synchron, wie Du vorher mit den anderen geklatscht hast, zerrt Ihr Euch die Kapuzen über den Kopf und die Schals etwas höher. 3 Grad, Wind frontal im Gesicht. Weiter geht’s.

Du nickst anerkennend, als die gegnerische Kurve ein großes Transparent entrollt „Eure Strafen sind das Letzte. Es ist kein Derby ohne Gäste!“

   DA 4  DA 9

Du findest das Spiel scheiße. Du möchtest trotzdem nirgendwo anders auf diesem Planeten sein und das nicht erst, als Max Meyer die Feldüberlegenheit Deiner Mannschaft in einem allgemeinen Strafraumgestocher endlich zur Führung nutzt.

Du bildest in der Pause mit den Umstehenden eine spontane Schildkrötenformation gegen den fast waagerechten Regen und schaust trotzdem nur in begeisterte Gesichter. Endlich einmal ein strategisch wichtiges Führungstor kurz vor der Halbzeit für Deine, Eure, unsere Mannschaft, wen scheren da Wind und Regen?

Du hörst kurz nach Wiederanpfiff, wie hinter Dir eine bekannte Schalker Dame das zögerliche Einsteigen mit einem wütenden „hey, ich will dreckige Trikots sehen!“ kommentiert.

Du purzelst kurz darauf mit nassen, kalten, schreienden Unbekannten freudig übereinander, weil die Mannschaft diesen Rat beherzigt und Leroy Sané auf Vorarbeit von Max Meyer das beruhigende 2:0 besorgt. Hey, geht ja doch! … nur der harte Kern… hol ihn raus… steck ihn rein… für’n Verein…

Du freust Dich, dass Deine Mannschaft sich dieses Mal nicht zurücklehnt und klar das überlegene Team bleibt.

  DA 5Du merkst, dass es gegenüber auf der Haupttribüne einen tragischen Zwischenfall gegeben haben muss. Du erkennst, dass dort ein ganzer Haufen Sanitäter, Notärzte und Feuerwehrleute hektisch einen am Boden liegenden Menschen behandeln und reanimieren müssen.

Du weißt nicht, wer es ist, Du kennst ihn nicht, Du kannst nur vermuten, dass er zum harten Kern Deiner heutigen Gegner gehört.

Nichts könnte Dir egaler sein. Da liegt einer und kämpft um sein Leben. Das könnte einer von Euch sein. Das ist einer von uns. Uns Fans. „Getrennt in den Farben, vereint in der Sache“ ist eben nicht nur eine Floskel.

Du schweigst. ALLE schweigen.

Du klatschst erleichterst, als die Sanis das arme Schwein zumindest so weit stabilisiert haben, dass er mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden kann.

Du behältst wie alle anderen das Schicksal des Unbekannten dennoch im Kopf, als Deine Mannschaft vor der Kurve die verdienten und nach dem Chaos der Vorwoche eminent wichtigen drei Punkte feiert.

  DA 6  DA 8

Du hörst beim Rückmarsch durch den matschigen Wald ganz oft „hoffentlich schafft er’s“.

Du liest im Auto bereits die ersten Darmstädter Dankesbekundungen für die Schalker Solidarität, den Support einzustellen. Von Menschlichkeit und Mitgefühl ist die Rede.

Du denkst: Ist doch selbstverständlich. Ist es. Für jeden Fußballfan.

Und Du wünschst Dir, dass es mehr Fußballfans auf der Welt gibt. Mehr Menschen, die Solidarität trotz Rivalität nachvollziehen können und nicht lange nachdenken müssen. Die spontan das Richtige tun. Die sehr viel besser sind als Polizei und Medien oft glauben machen wollen.

Komm bald wieder auf die Beine, lieber Darmstädter.

Und alle anderen Fans: Passt gut auf Euch auf. Und bleibt wie Ihr seid!

Blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

Alle Fotos hier

 

Sonntag, 27 September 2015 11:20

Der Wiederbeginn einer wunderbaren Freundschaft

 Wunderbar 4

Nach dem Schlusspfiff des 1:0-Auswärtssiegs in Hamburg tollt die junge Schalker Mannschaft überglücklich über den Rasen des Volksparkstadions. Die Kurve skandiert „der S 04 ist wieder da!“ und „Schalke, nur Du alleine, bist meine Liebe, mein ganzes Leben“.

Keine zehn Pflichtspiele vorher, am 34. Spieltag der vergangenen Saison, befand sich der FC Schalke 04 nach einem desaströsen 0:2-Auftritt beim HSV am Boden. Der direkte Euroleague-Qualifikationsplatz 5 war an den FC Augsburg verschenkt worden, Trainer Roberto di Matteo wirkte vollkommen hilflos und das Tischtuch zwischen Mannschaft und Fans schien jedenfalls mittelfristig gründlich zerschnitten. „Verpisst Euch“, „außer Fährmann könnt Ihr alle gehen“ und „wir haben die Schnauze voll“, nicht selten untermalt mit hochgereckten Mittelfingern, drohenden Fäusten und Kopf-ab-Kehle-durch-Gesten prasselten auf die „Scheißmillionäre“ ein. Die Spieler standen der geballten Fanwut sichtlich unglücklich gegenüber und wollten nur noch weg.

Wunderbar 3Momentaufnahmen? Nein, diesmal ist es sehr viel mehr als die typische königsblaue Sprunghaftigkeit zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt, hosianna und kreuzigt sie! So umstritten Trainer André Breitenreiter bei seiner Verpflichtung war, weil ihm vermeintlich Charisma und Strahlkraft abgingen, so schnell hat er es in Rekordzeit geschafft, einige auf Schalke langvermisste Tugenden wiederzubeleben.

Keiner der nunmehr fünf Siege in Folge beruhte auf Zauberfußball, alle waren ehrlich und hart erkämpft. Es gibt keinen alleinunterhaltenden Superstar mehr im Team, vielmehr läuft jeder für jeden und Youngster und frühere Sündenböcke fangen Verletzungsausfälle und Formschwäche der Leitwölfe ab. Kapitän Höwedes und Nastasic fehlen? Dafür spielt Joel Matip wie ein junger Gott und sogar Roman Neustädter, dessen körperloses Spiel den Schalker Anhang manches Mal auf die Palme brachte, kämpft als Innenverteidiger. Tor-Garant Huntelaar läuft seiner Form hinterher, Choupo-Moting trifft keinen Möbelwagen und Flanken sind Fremdwörter? Was soll’s, dann springen halt Rohdiamant Leroy Sané oder Matip per Köpfchen in die Bresche, dahinter glänzen Leon Goretzka, Johannes Geis und Keeper Ralf Fährmann mit bestechender Form.

Aber auch abseits der Auffälligkeiten auf dem Platz sind zahlreiche kleine Veränderungen zu bemerken. Großspurige anlassunabhängige Interviews sind weniger geworden; statt mit vollmundigen Träumen glänzen Sané, Geis, Goretzka und Breitenreiter selber mit selbstkritischen Analysen. Keine Ausflüchte, keine Ausreden, der Sieg in Stuttgart war verdammt glücklich und nicht ü-ber-ra-gend. Kompetenter, unaufgeregter Tacheles. Endlich.

Goalgetter Huntelaar saß in Hamburg, obwohl unverletzt, neunzig Minuten auf der Bank. Und klatschte nach dem Schlusspfiff lachend mit dem Coach ab. Nur ein Mosaiksteinchen, aber Schalker wissen, dass in der Vergangenheit die Scheu vor großen Namen und deren Unzufriedenheit bei Nichtberücksichtigung zu oft in die Aufstellungsüberlegungen reingespielt hat.

Wunderbar 1

Es gab bei allen Spielen Durststrecken zu überwinden, die Chancenverwertung ist trotz sichtbar verbessertem Passspiel noch stark ausbaufähig. Auch in den Heimspielen gegen Mainz und Frankfurt musste das Publikum zittern, bis der Knoten platzte. Und es brachte tatsächlich Geduld auf! Anders als noch vor wenigen Wochen gab es kein unzufriedenes Geraune, wenn es ohne Führung in die Pause geht. Keine Pfiffe bei den (durchaus zahlreichen) Rückpässen, kein Murren bei misslungenen Aktionen. Es ist endlich das eingetroffen, was oft beschworen wurde: Es steht eine Mannschaft auf dem Platz, bei der die Fans das Gefühl haben, dass sie alles gibt und deshalb werden auch Fehler verziehen. Aufmunternde Unterstützung statt Supportboykott, der Wiederbeginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen Team und Fans. Die noch im Mai klaftertiefen Gräben schließen sich ganz ohne Riesenbagger. Und man hat als Beobachter den Eindruck, dass die Jungs Spaß miteinander haben und nicht nur kickende Ich-AGs sind.

Wunderbar 2Selbstverständlich ist es für ein Saisonfazit noch zu früh. Es wäre vermessen, bereits den in den sozialen Netzwerken euphorisch beschworenen „Schalker Kreisel 2.0“ oder „Breitenreiter ist der Jahrhundertcoach des 21. Jahrhunderts“ auszurufen. Auch dieses junge Team wird Rückschläge und Niederlagen erleiden. Aber es besteht eine echte Hoffnung, dass es daran unter Anleitung von Breitenreiter und mit Unterstützung der Fans, lernen und wachsen wird.

Wenn jetzt alle Beteiligten auf dem Teppich bleiben, werden wir sehen, wohin der beste Saisonstart seit 44 Jahren führt. Aber unabhängig von der Platzierung am Ende waren die Aussichten, dass die ausgerufenen Saisonziele „besserer Fußball und die Fans mitnehmen“ (Horst Heldt) und „eine Mannschaft formen, in der sich jeder auf jeden verlassen kann“ (André Breitenreiter) erreicht werden, selten besser.

 Blau-weiße Grüße und einen sonnigen Sonntag,

Susanne Blondundblau

Donnerstag, 21 Mai 2015 14:55

Schalke – bin ich BLÖD oder was?!

Beim HSV gibt es vor Heimspielen regelmäßig das HSV-Volksparkett als „offene Bühne“, wo neben HSV-Fanthemen und -Promis regelmäßig auch Vertreter des Gastvereins eingeladen sind. Ziel dieser vom Fanprojekt des HSV und den HSV-Supporters geförderten Veranstaltung ist ein offener Dialog zu allen Themen rund um die Fankultur im Verein und im Stadion.

Zahlreiche Hamburger Größen waren dort seit 2007 bereits zu Gast, auch beispielsweise  Uli Hoeness und Toni Schumacher gaben als Gästevertreter ihre Visitenkarte ab und nutzten die Gelegenheit, ihre Vereine fannah zu präsentieren.

Nun möchte man meinen, für den FC Schalke 04 e. V. gäbe es keine leichtere Aufgabe, als in diesem Rahmen zu glänzen und einen interessanten Repräsentanten für hunderttausende Schalke-Fans und Mitglieder zu entsenden und die Bedeutung des geilsten Clubs der Welt zu unterstreichen. Schließlich leisten wir uns nicht nur eine mehrköpfige hauptamtliche Fanabteilung, nein, es gibt diverse bestens gepamperte Gremien von Aufsichtsrat bis Ehrenrat, dazu den SFCV und zigtausend Schalke-Fans, die wie zuletzt in Augsburg, gerne bereit sind, die königsblauen Flagge in der Fremde hochzuhalten.

…leider hatte unser Verein nach Aussage des Veranstalters trotz rechtzeitiger Anfrage KEIN Interesse an diesem Auftritt und nun werden wir von – bitte setzt Euch – BILD-Schreiberling Peter Wenzel vertreten.

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Ich finde es ein unfassbares Armutszeugnis, dass der FC Schalke 04 weder einen Vertreter geschickt noch die Anfrage an interessierte Fans weitergegeben hat. Ich möchte mich NICHT von jemandem vertreten lassen, der seine Stellung als Schalker Hausreporter bei Deutschlands größtem Boulevardblatt regelmäßig missbraucht, um Öl ins Feuer zu gießen und tendenziösen Unsinn über Schalke zu verbreiten!!!

Wütende blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

 

BuB A Calling 1Vom Geschehen auf dem Rasen der SGL-Arena, dem 0:0 zwischen dem FC Augsburg und Schalke 04 kann man halten, was man will; abseits des Platzes wurde von beiden Fanlagern ganz großer Sport geboten. Die große blau-weiße Choreo im Gästeblock war dabei für alle sichtbar,  zahlreiche Gesten der Gastfreundschaft waren nicht so spektakulär, sorgten aber nachhaltig dafür, dass es unter den mitgereisten Schalke-Fans eine einhellige Meinung gab: Augsburg war eine Reise wert!

Egal, wo der königsblaue Tross in Augsburg Halt machte, er wurde durchweg freundlich begrüßt. Im Informationsbüro am Rathausplatz grüßten Flaggen beider Vereine, in sämtlichen Restaurants wurden farbentragende Gäste herzlich willkommen geheißen, auf dem „Plärrer“-Volksfest gab es eine Gratis-Maß und im Stadion liefen Augsburger Kinder gemeinsam mit Knappenkids vor dem Spiel strahlend  eine „Ehrenrunde“.

BuB A Calling 3BuB A Calling 2

Die treibende Kraft hinter diesen und zahlreichen anderen Aktionen „von Fans für Fans“ war „Augsburg Calling“, ein Fanprojekt, das es sich auf die rot-grün-weiße Fahne geschrieben hat, bei gemeinsamen Events und Unternehmungen Kontakte zwischen FCA- und Gästefans aufzubauen, die abseits der sportlichen Rivalität für einen freundlichen Austausch sorgen.

BuB A Calling 13Das Rezept ging an diesem langen Osterwochenende hervorragend auf; bereits am Freitagabend stürmten zahlreiche Schalker „Bob’s Punkrock Pizzeria und Beerbar“, das ebenso schräge wie liebenswerte Epizentrum von Augsburg Calling. An jedem Tisch fanden sich bald gemischte Gruppen, die schwäbisch-ruhrpöttisch miteinander frotzelten und das eine oder andere Kaltgetränk vernichteten.

Sehr großen Anklang und Andrang fanden auch die von Gitti exzellent organisierten Stadt- und Fanführungen für Schalker: Statt einer geplanten Führung plus Kindertour gab es derer fünf, die trotz des ungemütlichen Wetters alle Teilnehmer begeisterten. Die Komplimente für den kostenlosen Service gab Gitti beim „Fanfrühschoppen“ am Montag gerne zurück: Die Schalker seien nicht nur die größte, sondern auch beste und netteste Gruppe gewesen, sie freue sich bereits aufs nächste Jahr.

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Am Samstagabend gab es auf der „AC Schalke Vernissage“ Streetart von Robbie W. Hoyer und Daniel Andersch zu bewundern, sonntags nach dem Spiel platzte die Punkrock-Pizzeria bei musikalischen Live-Acts fast aus den Nähten. Nicht mehr ganz so voll – einige lagen wohl noch in Essig, andere hatten bereits die staugeplagte Heimreise Richtung Ruhrpott angetreten – war es beim Fanfrühschoppen am Montag, dafür gab AC-Initiator Gerhard „General“ Seckler einen Einblick in die Geschichte von Augsburg Calling: Nach dem Zweitligaaufstieg des FC Augsburg war er bei einem Auswärtsspiel in Unterhaching Zeuge, wie zahlreiche FCA-Fans an einem Bahnhof zwei Mädchen mit ihrem Onkel in Unterhaching-Kluft verbal so attackierten, dass die Kinder zu weinen begannen.  Um solche Situationen künftig so weit wie möglich zu verhindern, rief er Augsburg Calling als Gewaltpräventions- und Integrationsprojekt ins Leben – mittlerweile so erfolgreich, dass neben der Stadt Augsburg und dem FCA auch die DFB-Kulturstiftung und PFiFF, der DFL-Pool zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur, die kosten- und barrierefreien Angebote unterstützen.

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Da leider der Augsburger Fanbeauftragte und Autor der „111 Gründe, den FCA zu lieben“ krankheitsbedingt ausfiel, sprangen mein geschätzter Kollege Walter Schauer und ich als gemeinsame Vertreter der „1904 Geschichten“ gerne in die Bresche und brachten auf der berühmten rotgrünweißen „Augsburg-Calling-Couch“ sechs königsblaue Geschichten an den Mann. Bei den zwischenzeitlichen Talk-Runden geizte man nicht mit gegenseitigen Komplimenten;  manchmal tut es verdammt gut zu hören, dass die Außenwahrnehmung von Schalke – „Ihr seid so ein geiler, riesengroßer Verein!“ – erheblich freundlicher ist als die bisweilen etwas CL-fixierte Stimmung im eigenen Lager… Auch wenn unsere Gastgeber ein wenig tiefstapelten („Europa muss gar nicht unbedingt sein, wir brauchen noch einen Punkt für den Nichtabstieg“): Wir danken für das wunderbare gemeinsame Wochenende und wünschen Euch, dass Ihr in der nächsten Saison auch internationale Gäste empfangen und verwöhnen dürft!  Und ich ganz persönlich wünsche mir, dass das Beispiel von „Augsburg Calling“ in Gelsenkirchen und anderen Städten Schule macht.

Blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

…und ein fettes Danke geht auch an Jörg und Marisa vom „Bayerischen Haus am Dom“, bei denen sich alle Schalker glatt wie zu Hause fühlen durften! :-)

 

Mittwoch, 25 Februar 2015 12:40

Nach der Marinho-Mark der Tönnies-Tausender?

GeldIm heutigen Handelsblatt und der Sportbild denkt unser Pressespr…, pardon, Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies im Zusammenhang mit einem möglichen Transfer von Sami Khedira auf Schalke laut über alternative Finanzierungsideen nach: "Wir haben 132.000 Mitglieder. Nur mal ein Gedankenspiel: Mitglieder zahlen freiwillig einen einmaligen Betrag von 1000 Euro. Wären es 132.000, könnten wir die Finanzverbindlichkeiten weitgehend tilgen und sparen so rund 25 Millionen an Zins und Tilgung, und das jedes Jahr. Das macht in zehn Jahren insgesamt 250 Millionen mehr…. Dann spielten wir, was die zukünftigen finanziellen Möglichkeiten betrifft, plötzlich in einer ganz anderen Liga. Und das als eingetragener Verein ohne Investoren und Fremdbestimmung."

 

Bei diesem „Gedankenspiel“ – böse Zungen könnten es auch Testballon nennen – weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll:

Kann der das ernst meinen?

Weiß er überhaupt, was 1.000 € pro Vereinsmitglied (immerhin das Zwanzigfache! des Mitgliedsbeitrags für Vollzahler; eine satzungsgemäße Sonderumlage dürfte nicht ohne Grund nur einen Mitgliedsbeitrag betragen) für viele Schalker Familien – nicht wenige der 132.000 sind noch minderjährig – bedeuten würden?

Sollen jetzt wirklich Oppa Pritschikowski und Erna Schibulski den Sparstrumpf plündern, weil auf Schalke jahrelang über die Verhältnisse gewirtschaftet wurde? Damit „Stars“ wie Kevin Prince Boateng künftig nicht mit 8, sondern 9 Millionen Euro in Mailand shoppen gehen können? Damit die Finanzverantwortlichen gar nicht erst in die Versuchung kommen, vernünftig wirtschaften zu lernen und nur Geld auszugeben, das man auch hat?

Meine ganz persönliche Meinung: Dieser Vorschlag ist eine absolute Unverschämtheit! Hier soll auf eine ganz miese Tour die verrückte Liebe vieler Schalker zu ihrem Verein ausgenutzt werden. Egal, ob so doch eine Ausgliederung erpresst werden soll, wir nur schonend darauf vorbereitet werden, dass keine Kohle zur Rückzahlung der Fananleihe da ist oder man uns "nur" künftig entgegenhält „selbst schuld, dass wir nicht oben mitspielen, Ihr wart ja zu geizig“: Den königsblauen Karren sollen bitteschön die aus dem Dreck ziehen, die ihn hineinbefördert haben. Insbesondere, wenn sie auf über 500 Mio € Privatvermögen geschätzt werden.

Als Song für Samstag schlage ich deshalb „Keine Mark für Clemens, denn Clemens soll selbst zahlen…“ vor.

Kopfschüttelnde blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

justitia2Beim rheinischen Derby Gladbach gegen Köln stürmten nach dem Schlusspfiff ca. 30 in weiße Maleranzüge gewandete Kölner den Platz. Es kam zu sehr unschönen Jagdszenen, an denen sich neben den rotweißen Chaoten auch die Ordner und einige Gladbacher beteiligten; ernsthaft verletzt wurde zum Glück niemand. Nur ein Polizist, der von zwei Randalierern angegriffen wurde, trug leichte Blessuren davon; die beiden wurden festgenommen und eine Reihe weiterer Personalien festgestellt. Der 1. FC Köln distanzierte sich auf seiner Homepage scharf von den Vorfällen und schloss als erste Reaktion die beteiligte Fangruppierung Boyz kollektiv und unbefristet aus dem Stadion aus. Dazu wurde der Entzug der Dauerkarten, Ausschluss aus dem Verein und Regress der Beteiligten für die zu erwartende deftige Strafe durch den DFB angekündigt.

Die Reaktionen der Öffentlichkeit waren so heftig wie vorhersehbar: Die Zeitung mit den vier großen Buchstaben sprach nur noch von „weißen Idioten“ und „Fußballschande“; Gladbach-Manager Max Eberl durfte sich ausführlich verbreiten, dass „solche Menschen wie Tiere seien“ und sofortige Haftstrafen fordern („Ich will, dass diese Typen am Montag ihrem Arbeitgeber ihr Nichterscheinen erklären müssen, weil diese Typen hinter Gittern sitzen.“) und prompt dachte DFB-Sicherheitschef Hendrik Große-Lefert laut über ein generelles Verbot von Auswärtsfahrten nach.

Um das Ganze einmal kurz einzuordnen: In der letzten Saison besuchten rund 13,3 Millionen Zuschauer die Spiele der ersten Fußball-Bundesliga. Ausgehend vom Auswärtskontingent bedeutet das über eine Million Auswärtsfans – und die „Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze“ zählte genau 3.263 Strafverfahren. Da diese Statistik nicht in Heim- und Auswärtsstraftaten unterscheidet, unterstellen wir mal, die Delikte würden ausnahmslos von den bösen Auswärtsfans begangen – dann wären ungefähr 0,0025 % der Auswärtsfans kriminell. Andersrum: 99,9975 % friedlicher Auswärtsfahrer würden in Sippenhaft genommen…. Mit dem Argument „Kollektivstrafe“ könnte man übrigens exzellent den kompletten Bundestag verknacken, weil sich dort mit Edathy & Co einige schwarze Schafe befinden, die Quote ist nämlich schlechter.

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Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, nämlich dass er sich bei den Chaoten von Gladbach um einige unrühmliche Einzelfälle handelt, gehen einige Hardliner direkt noch einige Schritte weiter und fordern eine deutliche Verschärfung des Strafrechts. Besonders unrühmlich hervor tat sich dabei der Sportrechtler Jan F. Orth mit seinem BlogbeitragKriminelle Chaoten: Das Strafrecht muss ins Stadion!“  

Dort wirft er munter Sozialkontrolle und Strafrecht durcheinander und fordert einen an den britischen Regelungen orientierten neuen Straftatbestand der „Störung von Sportveranstaltungen.  Mit einer nicht nur für einen Juristen geradezu erschreckenden Naivität widerspricht er sich prompt selber, indem er immerhin anmerkt, dass weite Teile seines Entwurfs bereits strafrechtlich abgedeckt sind („Deswegen ist an dieser Stelle ganz klar festzuhalten, dass eine neue Vorschrift Niemanden kriminalisiert, der nicht schon vorher kriminell wäre“ - hierzu sei die exzellente Ausarbeitung von Matthias Düllberg in „Strafrecht am Spieltag“ empfohlen) – und gleichzeitig hofft, die Vorschrift werde als „deutliches gesellschaftliches Signal“ trotzdem „dauerhaft für einen friedlicheren Sportbetrieb sorgen.“ Denn „.. dann sind die Regeln ganz klar und unauslegbar. Sie stehen im Strafgesetzbuch. Der Strafrichter setzt sie durch. Der Verwendung nicht unbestrittener und rechtlich diffiziler anderer Sanktionen und Maßnahmen bedarf es dann nicht.“ – und auch so lästiges Gedöns wie das Strafantragserfordernis oder das Eintreten eines Schadens (Mitführen von Pyrotechnik oder zur Vermummung geeigneter Utensilien würde reichen, ebenso das Mitführen von Alkohol (!), wenn der Veranstalter dies untersagt) können wir uns dann sparen.

Das wirklich Gruselige daran ist nicht nur der vollkommen hemmungslose Schrei nach der möglichst umfassenden und reibungslosen Kriminalisierung von Fußballfans; nein, der Herr darf seine kruden Theorien auch als „Sportrechtler“ und damit quasi Experte in der Zeit.online verbreiten. Dabei betrifft Sportrecht primär das Verbands- und Wirtschaftsrecht der Verbände, Vereine und Sportler und NICHT das „normale“ staatliche Strafrecht bei etwaigen kriminellen Verhaltensweisen der Zuschauer!

Auch dort wettert Orth gegen die „Pseudofans“, die die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden und denen man unbedingt mit einem Sonderstrafrecht beikommen müsse – und verkennt damit erneut, dass Ordnungsrecht und Strafrecht zwei vollkommen verschiedene Rechtsmaterien sind. 

Das Strafrecht ist gerade nicht dazu da, alles, was erzkonservativen Innenpolitikern und von medial vollkommen aufgebauschter Berichterstattung aufgehetzten Stammtischlern sauer aufstößt, zu kriminalisieren! Das Strafrecht ist kein Allheilmittel gegen jedwede gesellschaftlich unerwünschte Verhaltensweise! Wenn es in Deutschland eines garantiert nicht gibt, ist dies ein Regelungsdefizit in Sachen Verboten und Repressionen, im Gegenteil. Das rechtliche Instrumentarium für verbotene Verhaltensweisen ist da und wartet darauf, zügig und fair angewendet zu werden. Für die Strafbarkeit (!) von Bierdosen, Mützen oder nicht entzündeter Pyrotechnik besteht keinerlei Anlass. (Man könnte eher darüber streiten, ob es ein Vollzugsdefizit gibt, wenn knapp 2 Millionen Einsatzstunden der Polizei nur einige tausend Strafverfahren herbeiführen, aber dies ist ein Thema für sich – unter Umständen käme man dann trotz der vorrangigen Aufgabe der Gefahrenabwehr zu dem Ergebnis, dass ein massives Abrüsten der Polizei gegen Fußballfans eine sinnvolle Sache wäre…).

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Alle Fußballfans sollten daher nicht nur für eine friedliche Fankultur eintreten, sondern auch den absurden Vorschlägen profilierungssüchtiger Hardliner eine entschiedene Absage erteilen, damit diese uns nicht irgendwann im Zuge eines neuen Sicherheitspakets als vollendete Tatsachen präsentiert werden.

Ich möchte daher den schönen Slogan „Fußballfans sind keine Verbrecher“ dringend ergänzen um „…und man sollte sie auch nicht künstlich dazu machen!“

Sportliche Grüße

Susanne Blondundblau

 

Montag, 02 Februar 2015 16:01

Wenn auf Schalke die Lichter ausgehen

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Dunkelheit. Menschenleere Gänge. Totenstille in der Nordkurve….  Was auf den ersten Blick aussieht wie eine W*chsvorlage für Fehlfarbene, ist ein interessanter nächtlicher Blick hinter die Kulissen unserer Arena. Noch bis März bietet der Verein die Arenaführung als „Nacht-Spezialausgabe“ an – und selbst für „alte Arenahasen“ wie mich gibt es noch Aspekte zu entdecken, die ich noch nicht vom „geilsten Club der Welt“ wusste.   

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Startschuss ist natürlich pünktlich um 19.04 Uhr im Schalke-Museum, wo es nicht nur Pokale und Trophäen – sogar eine Replik der 1958er-Salatschüssel -, sondern viele, viele Erinnerungsstücke aus rund 111 Jahren königsblauer Geschichte zu bestaunen gibt. Der Lederkoffer, den es als Meisterprämie 1934 gab, ist ebenso zu sehen wie die Jahrhundertelf und die Fußabdrücke der Eurofighter. Historische Zeitungsausschnitte, Spielplakate, Trikots und allerfeinster Gelsenkirchener Barock versetzen uns schnell in die Vergangenheit der Knappen, während die Kremers-Zwillinge,  Stan Libuda und Raul aus den Vitrinen lächeln.

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Zum Anpfiff gibt’s erst einmal ein Schnäpschen und den Imagefilm zur Jahreskampagne „1.000 Freunde, unzählige Kumpel“ – und der erste Aha-Effekt: Die Verdunkelung der Arena beim „Steigerlied“ vor Abendspielen kostet den FC Schalke jedes Mal 25.000 € Strafe, aber das ist die Atmosphäre laut Sportvorstand Horst Heldt allemal wert…

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Nach einem kurzen Schlenker durch das Museum und einer Verbeugung vor Stan Libuda, der „ein absoluter Familienmensch“ gewesen sei und deshalb durch abträgliche Bemerkungen seines Gegenspielers leicht aus der Fassung zu bringen war, folgen Originalaufnahmen aus dem Trainingslager in Freienohl 1934 – dieser Schatz wurde vor kurzem im Keller eines Hauses in Wattenscheid gefunden! Man sieht Kuzorra & Co nicht nur beim Zirkeltraining auf einem wahren Acker von Wiese, sondern auch bei neckischen Trinkspielchen, beim Bockspringen und beim „Popoklatschen“, wo das Opfer dann raten musste, welcher seiner Kumpels gerade zugeschlagen hatte… Und alle grinsen fröhlich in die Kamera - ich sach ma so: Heutzutage hätten die Jungs bestimmt einen geilen Facebook-Account.   

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Danach klettern wir die Treppen hoch, um von der oberen Promenade den Blick auf das nächtliche Gelsenkirchen zu genießen. Ein kleiner Schnelldurchlauf durch die Geschichte des Stadtteils Schalke (Heinrich von Schalke und Friedrich Grillo lassen grüßen) und eine weitere Neuigkeit: Wo heute Schalke draufsteht, war nicht immer Schalke drin: Ein Teil des „alten“ Schalke ist heute Feldmark, dafür hat sich das heutige Schalke Teile von Hessler und Bismarck unter den Nagel gerissen. Und die Glückaufkampfbahn befindet sich streng genommen in der Gemarkung Heßler, die Arena in Erle…

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Auch die dunklen Zeiten werden nicht ausgespart, unser Tourguide erklärt, dass Fritz Szepan trotz großer Verdienste für den Verein nie mit einer Straße auf dem Vereinsgelände geehrt werden wird, weil er im Zuge der „Arisierung“ von der Übernahme des jüdischen Kaufhauses Julius Rode und Co. profitierte. An den Gesichtern vieler Zuhörer unserer Gruppe ist zu erkennen, dass ihnen dieser Teil der Vereinsgeschichte völlig unbekannt war… Dafür haben wir tatsächlich zwei ehemalige Kumpel in unseren Reihen, die bestätigen können, dass der Knochenjob unter Tage mit Leistungssport kaum vereinbar ist. Nicht umsonst sagte Ernst Kuzorra einmal, die Kohle, die er gefördert habe, reiche nicht einmal aus, um ein Erbsengericht warm zu machen.

Eine weitere Neuigkeit für mich: Nach dem Krieg soll kurz nach einem Derby ein Teil der Tribüne der Glückaufkampfbahn eingestürzt sein, leider habe ich dazu keine Quellen gefunden. Vielleicht kann mir ja der eine oder andere echte Gelsenkirchener unter den Lesern weiterhelfen?

Beeindruckend auf jeden Fall die Zahlen: Bis zu 70.000 Zuschauer tummelten sich in der eigentlich gerade einmal für die Hälfte ausgelegten Spielstätte, die Menschenmenge stand nicht nur bis an die Seitenlinien, einige Jungs saßen sogar auf dem Querbalken des Tors! Da hat man als Schalker heutzutage doch mehr Platz: Alleine das Arena-Gelände umfasst rund 150.000 m², das gesamte Vereinsgelände auf dem Berger Feld gar eine Million Quadratmeter! Und dort gab es früher nicht nur Bergbau (was bisweilen zu einem Absacken des Geländes führt, bislang aber zum Glück gleichmäßig), sondern auch einen Flugplatz und Landwirtschaft.

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Danach geht es dann endlich in den Innenraum, unsere „Arena-Jungfrauen“ – ja, es gibt tatsächlich noch Schalkesympathisanten, die noch nie (!!!) im Tempel waren – staunen aus Block 74 ins Stadion. Ich staune auch, welche fast gespenstische Atmosphäre ein vollkommen menschenleeres, abgedunkeltes Stadion ausstrahlt. Und es ist gefühlte 10 Grad kälter, als wenn neben Dir 60.000 weitere Schalker atmen, schreien, singen, leben.

Übrigens ist Norden nicht gleich Norden, in Gelsenkirchen kann auch Osten Norden sein – die „Nordkurve“ liegt im Osten der Arena, die Haupttribüne zeigt nach Norden. Angeblich soll Rudi Assauer beim Bau der Arena gesagt haben „Ich will aber, dass DA Norden ist!“ Der Drang in die Nordkurve stamme übrigens noch aus GAK-Zeiten, die bekanntlich nördlich von Schalke lag, so dass sich der heimatbewusste Schalker dort in die Nordkurve stellen musste, um südlich nach Schalke, Richtung Schalker Markt und Grenzstraße schauen zu können…

In allerbestem Ruhrpottisch bedeutet übrigens „auf“ nach oben oder etwas Positives („auf Zeche, auf Schalke“), „nach“ hingegen bezeichnet eine weniger erstrebenswerte Richtung – nach’m Steiger, nache Schwiegermutter, nach Lüdenscheid.

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Anschließend kehren wir gedanklich und tatsächlich wieder ins heutige Schalke zurück und stärken uns bei einem Pils im Quader am Haupteingang für die „Unterwelt“ der Arena: Vorbei an den Ehrenspielführern besuchen wir zunächst das Medienzentrum, wo die wöchentliche Pressekonferenz stattfindet, dann geht es in die Kabine. Alles blau und weiß, überall hängen großformatige Bilder mit Schalker Legenden, ein markiger Spruch nach dem anderen, aber erfreulich wenig überflüssiger Pomp.

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Mein persönliches Highlight ist dann der neue Stollen-Spielertunnel, der optisch wirklich absolut außergewöhnlich ist – man darf nur nicht klopfen, dann merkt man schnell, dass die Kohle zwar unter den Füßen, der Gips aber an den Wänden ist… Da ich aber stark vermute, dass die Spieler dort Besseres zu tun haben als die Wände abzutasten, kann ich nur sagen: GElungen!

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Am Rande des Spielfelds sind bereits die Kameras aufgebaut, wir staunen über den schlechten Zustand des Rasens – Betreten des Platzes strengstens verboten – und eine ältere Dame bedauert di Matteo, weil er auf der Trainerbank bestimmt „einen kalten Popo bekommt!“ Danach nehmen wir den Weg, den die Spieler nach dem Spiel auch gehen - nach rund zweieinhalb kurzweiligen Stunden ist unsere Tour zu Ende. Wer möchte, kann die Tour hier noch einmal nachverfolgen, im März sind auch noch Plätze frei.

Blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

 

RdM 2Auf Schalke ist es guter Brauch, Spieler und Trainer vor dem Trainingslager zu „Spielerempfängen“ in die Fanclubbezirke zu entsenden. Zum „GEsindel on tour“ aus Duisburg und damit in den Bezirk 18 sollte unser Chefcoach Roberto di Matteo mit seinem Cotrainer Attilio Lombardi kommen. Doch bis es soweit war, wurde die GEduld der anwesenden Schalker auf eine harte Probe gestellt…

Um 12.30 h sollte es im Gesellschaftszimmer eines großen Asia-Restaurants losgehen. Eingefunden hatten sich ca. 120 Schalker, darunter Vertreter des Grafschafter GEleuchts,  der Velberter GEsellen, der Dio-Knappen, der Dormagener Knappen, der Schalker Dampflok Heiligenhaus, der Niederbergknappen, der Knappenschmiede-Supporters und von 1904Fans.de. Gegen 13.10 h hatte der kommissarische Bezirksleiter Michael dann die ein wenig undankbare Aufgabe, der wartenden GEmeinde zu verkünden, dass Roberto di Matteo am Londoner Flughafen festsitzt und wohl frühestens gegen 16.00 Uhr eintreffen wird.

Murren? Pfiffe? Frustrierter Aufbruch? Von wegen – Schalker sind leidensfähig. Bis auf einige wenige, die ihre familiären Anschlussverpflichtungen nicht verschieben konnten, vertrieben sich die Schalker die Zeit mit dem Sturm aufs Buffet, vielen königsblauen GEsprächen und GEduldigem Warten. Grob GEschätzt 1904 Frühlingsrollen mussten dran glauben.

Kurz vor 16 Uhr kam dann Bewegung in das allgemeine Verdauungsdösen: Fotograf und Kameramann von Schalke rückten an, danach die frohe Kunde: Er ist unterwegs! Unter donnerndem Applaus und Blitzlichtgewitter marschierten di Matteo und Lombardi ein. Di Matteo schnappte sich sofort das Mikro und entschuldigte sich für die Verspätung; sein Flieger habe nach dem Weihnachtsurlaub mit der Familie rund 6 Stunden später als geplant abgehoben. Einen Zwischenruf, ob er wenigstens Nastasic von der Insel mitgebracht habe, konterte er mit „Nein, bei dem Spieler sind wir nicht die einzigen Interessenten.“ Klang für uns nicht nach einer kurzfristigen Verpflichtung.

RdM 8Nach ein paar artigen Komplimenten („wisst Ihr Jungs, wir Schalker sind es gewohnt zu warten, schön, dass Ihr noch gekommen seid!“) des Moderators ging es in die Vollen, direkt der erste Fragesteller wollte wissen, wieso die jungen Spieler, z. B. Meyer und Ayhan, „so wenig zu sehen“ seien.  Di Matteo entgegnete, Ayhan habe die ersten Spiele unter seiner Regie gemacht, sei dann aber genau zum Systemwechsel verletzt ausgefallen und es danach schwer gehabt, wieder ins Team zu kommen. Meyer hingegen habe regelmäßig gespielt, wenn auch nicht immer von Anfang an. Er zähle aber auf junge Spieler, so habe er auch Sané ein paar Einsätze gegeben und im Trainingslager habe er die Gelegenheit, weiter ranzukommen. Dennoch müsse man jungen Spielern Zeit geben, zu wachsen und sich zu entwickeln.

Er sei ja mitten in der Saison gekommen und habe sicher erst einmal „den Spielbetrieb aufrechterhalten“ müssen, habe aber nun 3 Wochen Zeit: Was erwartet uns nach dem Trainingslager? Die spontane Antwort: „Ich hoffe, Gutes!!!“ brachte di Matteo ein paar Lacher ein. Sie würden sehr hart trainieren und an der Kondition und der offensiven und defensiven Organisation arbeiten. Man werde beide Systeme trainieren, um verschiedene taktische Möglichkeiten zu haben. Sehr wichtig sei auch, die Verletzten wieder in die Mannschaft zu bringen.

Der Punkt „Verletzungsmisere“ beschäftigte dann auch die folgenden Fragensteller: Wieso träten bestimmte Verletzungen wie z. B. Kreuzbandrisse auf Schalke immer wieder auf, was sei da los? Di Matteo meinte, für Kreuzbandrisse gebe es nicht nur eine Ursache, die passierten auch anderen Mannschaften, nicht nur Schalke. Er werde trotzdem versuchen, die Verletztenliste möglichst klein zu halten und beschäftige sich sehr damit, insbesondere die Muskelverletzungen zu reduzieren.

RdM 3Ob man nicht den einen oder anderen Spieler dazu bringen müsste, selber mehr für seine Genesung zu tun? Nein, es werde bereits alles getan, auch die Spieler seien sehr professionell und wollten schnell wieder auf dem Platz sein. Die medizinische Abteilung arbeite ebenfalls gut, täte trotzdem alles dafür sich weiter zu verbessern. Auch als der Fragende noch zweimal nachhakte, ob nicht einzelne Spieler noch „Luft nach oben“ hätten, blieb di Matteo freundlich, aber sehr bestimmt: Verletzte Spieler seien quasi den ganzen Tag zur Reha auf Schalke und versuchten mit allen Kräften zurückzukommen, daher glaube er, dass da nicht mehr viel Raum sei, auch wenn er nicht wisse, „was die zuhause machen“.

Ob es individuelle Trainingsprogramme für die Weihnachtsferien gegeben habe? – Natürlich, neben Erholung und Regeneration müsse man auch fit bleiben, um nicht „bei null wieder anzufangen“. Und wer könne mit ins Trainingslager? – Im Prinzip die, die auch vorher dabei gewesen seien plus Kevin-Prince Boateng. Farfan sei immer noch verletzt, ein Knorpelschaden im Knie brauche Zeit.

Insgesamt fiel mir auf, dass di Matteo alle Fragen äußerst schnell und nahezu ohne Nachdenken oder Ääähms und Öööhs antwortet – und dass er null Probleme hat, freundlich, aber äußerst bestimmt Position zu beziehen. Klare Kante. Und auch sehr konsequent Absagen erteilte, wenn er auf die eine oder andere etwas tendenziöse Frage nichts sagen wollte (was man leider auch schon anders erlebt hat, wenn Verantwortliche sich bei Fans beliebt machen wollten…). Der Mann weiß, was er will! Trotzdem bleibt er im Ton sehr verbindlich, vermied Schuldzuweisungen an seinen Vorgänger oder die medizinische Abteilung und bat jeden, sich kurz vorzustellen und sprach ihn dann in der Antwort auch mit Namen an. Auch die Ansage „ich tue mich schwer mit Siezen, ich duze seit 40 Jahren jeden Schalker“ schluckte er grinsend.

RdM 1Ob an eine weitere Offensivkraft neben dem Hunter und Choupo-Moting gedacht sei? Nein, momentan gebe es keine Pläne, einen Stürmer zu kaufen; mit Sané habe man ein großes Talent, wenn er das einlöse, könne er ein interessanter Spieler für uns werden. Was sei mit Leon Goretzka, so jung und schon dreimal dieselbe Verletzung? Ihm gehe es besser, er mache Aufbautraining, aber er könne noch keinen Zeitpunkt für den Wiedereinstieg ins Mannschaftstraining nennen. „Wir sind jetzt vorsichtig, damit er nicht wieder einen Rückschlag erleidet“ – in meinen Ohren klang das ein wenig so, als habe Leon nach früheren Verletzungsphasen zu früh wieder begonnen.

Die nächste Frage lautete: Wollen wir das Offensivspiel verstärken oder eher defensiv agieren? Spontane Gegenfrage von di Matteo: Glauben Sie, dass Leverkusen offensiv spielt?! …Verblüffung… In den 10 Spielen unter ihm habe Schalke 18 Tore geschossen, ein Schnitt von fast zwei sei „nicht sooo schlecht“. Er glaube, die Defensivorganisation sei wichtig, trotzdem sei auch er „ein begeisterter Fan“ von Offensivaktionen. Gegen Mannschaften wie Köln, die mit 10 Mann am eigenen Strafraum stünden, sei es allerdings für jede Mannschaft schwer.

Wie geht es Joel Matip? Er habe eine Operation am Fuß gehabt und werde in dieser Woche geröntgt, ob alles verheilt sei. Wenn ja, beginne auch er wieder mit dem Aufbautraining.

Der nächste Schalker führte sehr wortreich aus, wir hätten ja vier Torhüter, da sei die Reihenfolge doch bestimmt  Fährmann – Giefer – Wellenreuther – Wetklo und… Di Matteo grinsend: Sie können sich gerne hierhin setzen (zeigt auf den Platz am Sprechertisch). Alle vier führen mit ins Trainingslager und er sei froh, viele Optionen zu haben.

Als nächstes fragte Kai, ca. 6 Jahre alt, woher die Spieler denn wüssten, gegen welchen Gegner die spielen sollen…? Trotz allgemeiner Heiterkeit im Auditorium antwortete di Matteo ganz vernünftig, „das sagen wir Trainer den Spielern. Wir bereiten sie sowohl auf die Mannschaft als auch den individuellen Gegenspieler vor.“

Die nächste Wortmeldung betraf die Jugendspieler, er habe das Gefühl, dass Schalke seit Jahren sehr gute Jugendspieler hervorbringe, die auch furios starteten, dann aber stagnierten. Ob die Erwartungen zu hoch seien? Oder bräuchten die Spieler mehr Zeit? Antwort, ja, sie bräuchten Zeit, zu wachsen und sich zu entwickeln. Max und Leon seien gerade 19 Jahre alt, Kaan und Draxler kaum älter. – Nachfrage: Man habe den Eindruck, dass Jugendspieler zunächst sehr viel Spaß am Fußball hätten, dann aber „Teil des Systems“ würden? Sei der Druck von außen so hoch, dass sie in der Entfaltung gehemmt würden und Angst hätten, Fehler zu machen? Di Matteo: Das hänge auch sehr von der individuellen Persönlichkeit des Spielers ab, die Besten würden in der Regel die, die von Haus aus eine hohe Motivation und den Ehrgeiz, sich immer zu verbessern, hätten.

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Wie denn sein Eindruck von der Arena gewesen sei, als das Trainerteam beim ersten Heimspiel eingelaufen sei? – Hier geriet der sonst so coole di Matteo regelrecht ins Schwärmen, die Atmosphäre in der Arena sei „fantastisch, fast einzigartig“, es sei „überwältigend, das zu erleben“. Die Heimbilanz sei ja schon ganz gut und solle noch besser werden. Er und sein Team seien sehr gut aufgenommen worden. An der Bundesliga schätze er besonders, dass viele sehr gute junge deutsche Spieler im eigenen Land spielen würden, das sei so in Italien und England nicht unbedingt der Fall. Nachgefragt, ob er einen Vergleich zwischen der Arbeit auf Schalke und seinen früheren Stationen, insb. Chelsea, ziehen könnte: Das Training selber sei relativ gleich, aber in England werde mehr „hinter verschlossenen Türen trainiert“ – aber Schalke sei „halt ein großer Verein, es sei wichtig für die Mannschaft, auch diesen Support zu spüren“.

Die nächste Frage interessiert wohl alle Schalker: CL-Achtelfinale gegen Real Madrid – was sind Ihre Erwartungen? Er hoffe, dass wir aus den Fehlern gegen Chelsea gelernt haben. Sicher sei Real momentan eine der stärksten Mannschaften der Welt, „aber wir haben keine Angst vor niemanden!“. Sie möchten zwei möglichst gut Spiele liefern und „Fußball ist deshalb so ein schönes Spiel, weil niemand weiß, was passiert!“ Anerkennender Applaus.

Der folgende Frager wies süffisant darauf hin, man dürfe nicht vergessen, dass wir trotz vieler Verletzten auf 5, die lieben Nachbarn hingegen auf 17 stünden (Heiterkeit), was man trotzdem noch verbessern könne?  Wie aus der Pistole geschossen: Vieles, das Spiel von hinten raus, die Chancenverwertung, die Defensivorganisation – man könne sich IMMER verbessern im Fußball! Ich glaube, vorzeitig auf irgendwelchen Lorbeeren ausruhen passiert di Matteo nicht so schnell. Die nächste Frage, wen er denn als unseren spielstärksten 6er einstufe, der dafür geeignet sei, wies er freundlich zurück, es wolle da keinen Namen nennen. Sie würden aber im Trainingslager „viel ausprobieren“.

Kleine Taktikdebatte: Die Entwicklung im Fußball laufe irgendwie immer in eine Richtung, aktuell spiele alles 3-5-2 und laufe bei Standards geschlossen in die gegnerische Hälfte; warum so wenige Mannschaften einmal etwas anderes ausprobierten und z. B. einen Stürmer für schnelle Konter zurückließen…? Fast schon philosophisch „Fußball ist schön, weil jeder eine eigene Meinung hat“. Er persönlich wolle, dass seine Mannschaft möglichst wenig Tore fange, daher beordere er bei Ecken alle zurück, „das Tor können die danach machen“. Und ein System müsse immer zu den Spielern passen, die man zur Verfügung habe und da sei 3-5-2 im Moment gut für uns.

RdM 7Wie könne es eigentlich passieren, dass die Mannschaft samstags ein tolles Spiel mache und am Dienstag hundsmiserabel auftrete…? – „Das möchte JEDER Trainer wissen!“ Es sei manchmal wirklich unerklärlich, dann suche man Antworten für diese Leistungsschwankungen und finde sie nicht.

„Wir Fans wollen am liebsten jedes Spiel gewinnen, aber einige sind wichtiger als andere, ist das beim Trainerteam auch so?“ Ja, jeder wisse, dass das Derby besonders wichtig sei, auch die Mannschaft.

Auf Nachfrage räumte di Matteo mit dem Gerücht auf, er habe Autogramme nach dem Training verboten: Nein, es stimme nicht, dass er das nicht wolle, die meisten Spieler und er würden gerne Autogramme schreiben und wüssten, wie wichtig die Beziehung zu den Fans sei. Nur manchmal wollten sie etwas einüben, was der Gegner nicht mitbekommen solle, deshalb gebe es hin und wieder Geheimtraining. Ganz toll sei auch der Support auswärts, z. B. in Stuttgart, „da haben wir dann auch VIER Tore geschossen!“

Etwas zugeknöpfter zeigte er sich auf die Nachfrage nach Avdijaj, dieser habe zunächst mittrainiert, sei dann aber zur U 23 gegangen und er habe ihn nicht mehr gesehen. Es gebe den Plan, ihn auszuleihen, das sei „besser für ihn“.  Auf Nachfrage, dass dann doch wohl er selber Avdijaj zur U 23 versetzt habe, wollte er nicht mehr ins Detail gehen. Besonders gute Karten scheint Donis da jedenfalls momentan nicht zu haben… Papadopoulos bleibt bis zum Sommer ausgeliehen, erst dann werde er die Situation beurteilen.

Wie er denn zu den teilweise recht umfangreichen Twitter und Social Media-Aktivitäten der Spieler stehe, Stichwort Meilenkonto…? Da könne er nicht viel zu sagen, weil er „erst die Spieler informieren“ (!) wolle; er habe sich da aber zusammen mit dem Verein „einiges überlegt“. Ich schätze, da bekommen einige Herren demnächst einen kleinen facebook-Knigge.

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Die nächste Frage ging an Attilo Lombardi, der erschreckt fragte, ob er auf Englisch antworten dürfte, bis di Matteo sich erbot, aus dem Italienischen zu übersetzen: „Wie schwierig ist es, Deinen Chef zufrieden zu stellen?“ Schallendes Gelächter. „Ist er eher kommunikativ oder eher hart?“ – Aus dem folgenden italienischen Wortschwall konnte man direkt mehrfach „multo communicativo“ oder so ähnlich raushören, die Übersetzung durch di Matteo bestätigte dann auch: Er sei sehr kommunikativ sowohl mit dem einzelnen als auch der Gruppe und sehr fair. Das Grinsen dazu besagte „wehe, der hätte etwas anderes gesagt!“ Beide bestätigten, noch gute Kontakte nach England zu haben.

Sie hätten sich ja im Vorfeld bestimmt Gedanken über den Wechsel nach Schalke gemacht und auch gesehen, dass „wir öfter mal die Trainer wechseln“, ob sie deshalb die Familien nicht nach Deutschland geholt hätten, obwohl es ihnen hier so viel Spaß mache? Nein, die Familie sei nur deshalb nicht da, weil er „drei schulpflichtige Kinder im kritischen Alter“ habe und die Schulausbildung vorginge. Zudem habe er ohnehin wenig Zeit für die Familie, wenn er arbeite; sie würden das aber im Sommer neu besprechen. In diesem Zusammenhang kam die Frage, ob die Spieler in Gelsenkirchen wohnen sollten: „Wo zieht man da die Grenze, 1, 3, 10 Kilometer…?“ Wichtig sei nicht, wo man wohnt, sondern, dass man professionell arbeite! Applaus.

Ob er schon unter Tage gewesen sei? Nein, noch nicht, da er sehr mit der Arbeit mit der Mannschaft beschäftigt sei, er werde das aber noch machen, weil ihn die Geschichte des Ruhrgebiets interessiere.  - „Wir möchten schon, dass unsere Oberen wissen, was Kumpel- und Malocherclub eigentlich heißt!“ Ja, das finde er gut; er habe auch schon die Mythos-Tour gemacht und es sei sehr interessant gewesen, die Geschichte zu sehen und die Leute kennenzulernen und zu hören, was den Fans wichtig sei.

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Die nächste Frage wurde bereits als „nicht sehr realistisch“ angekündigt: Wenn Horst Heldt käme und sagte: Sie dürfen zwei Spieler Ihrer Wahl kaufen, egal was die kosten…? Große Heiterkeit, auch bei di Matteo: „Einfache Frage, schwierige Antwort. Ich möchte nicht antworten, das wäre nicht richtig.“ Die Spieler, mit denen er arbeite, seien immer die Besten.  – Ob es solche Veranstaltungen auch in England gäbe? In Italien habe er als Spieler auch viel Kontakt mit den Fans gehabt, in England weniger. – Zukunft des italienischen Fußballs? Dort würde zur Zeit viel unternommen, u. a. mit neuen Gesetzen, damit wieder mehr Familien in die Stadien kämen. Die Zeit der großen individuellen Geldgeber sei vorbei, es müsse wirtschaftlicher gearbeitet werden. Juventus z. B. habe jetzt eine eigene Arena und sei auf einem guten Weg.

Dann wurden die Fragen etwas persönlicher: Was denn der schönste Moment in seiner Spielerkarriere gewesen sei? Als er das erste Mal für die italienische Nationalmannschaft auflaufen durfte! Auch die Meisterschaft mit Aarau und die Zeit bei Chelsea seien sehr intensiv gewesen. Als Trainer „natürlich die zwei Pokale“ mit Chelsea und der Aufstieg mit West Bromwich Albion. Kommentar aus dem Publikum „Wenn wir jetzt mit Ihnen die Meisterschale holen, toppen wir datt alles!“

Warum er sich für Italien entschieden habe, obwohl er in der Schweiz aufgewachsen sei…? Er habe das aus rein sportlicher Herausforderung zu einem Zeitpunkt gemacht, als noch fast undenkbar gewesen sei, dass ein Spieler aus der Schweiz für die Squadra Azzurra auflaufen könnte. Aber auch in der Schweiz fühle er sich sehr wohl und sei dort u. a. 2012 „Sportler des Jahres“ gewesen. Zwischenruf: Deshalb darf auch Barnetta wieder spielen?! – Nein, er versuche halt, fair zu sein und wer sich im Training sehr viel Mühe gebe, habe es auch verdient, in der Mannschaft zu sein.

Einschub des Moderators: Unsere A-Jugend ist beim Turnier in Sindelfingen Dritter geworden! Daran anschließend direkt die Frage, ob di Matteo selber die Spiele der Jugend schaue oder über die jeweiligen Trainer gehe? Bislang habe er leider noch kein Spiel der U 19 und U 23 gesehen, das er in den englischen Wochen selber extrem viel zu tun gehabt habe. Er habe aber immer wieder Spieler im training, die ihm von den jeweiligen Coaches empfohlen wurden, so könne er sich ein gutes Bild machen. Er hoffe, dass man einige davon bei den Profis brauchen könne, denn das „ist das Beste, was passieren kann!“ Den Kontakt zu den Jugendtrainern pflege insbesondere Sven Hübscher. Er arbeite sehr gern mit jungen Spielern, wenn sie das Talent haben; zudem gelte es, das richtige Maß zu finden.

Abschließend wollte noch ein Zuhörer wissen, ob di Matteo und Lombardi Hobbies außer Fußball hätten – di Matteo kann am besten bei Kino und Fernsehen entspannen, Lombardi meinte auf Italienisch, er hätte eh keine Zeit, er müsse immer arbeiten, wenn der Chef Filme guckt. Grinsen - die beiden scheinen sich blind zu verstehen, ich frage mich nur, wie Lombardi ohne ein Wort Deutsch mit der Mannschaft…?

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Danach signierte di Matteo geduldig von Ball über Fußballschuhe bis hin zu Rücken alles, was ihm hingehalten wurde und lächelte auch beim 50. Selfie noch freundlich. Allgemeiner Tenor: Das Warten hat sich GElohnt, iss‘n Töften, unser Chefcoach!

Viel Erfolg für die Rückrunde und blau-weiße Grüße,

Susanne Blondundblau

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