Sa25May2013

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Dienstag, 23 April 2013 03:08

Werder Bremen: Fünf vor Abstieg

geschrieben von in Osterdeich-Schnack

Away-Trikot 350x240Der "Weser-Report" ist die auflagenstärkste Anzeigenzeitung im Großraum Bremen. Innovativen Sportjournalismus sucht man hier vergebens, dafür findet man eine gelegentlich eine große Portion Lokalpatriotismus. Und zum Lokalpatriotimus der meisten Bremer gehört auch Werder Bremen, so auch für den Chefredakteur des Weser-Reports. Axel Schuller heißt der gute Mann, der mit einer Art offenen Brief 48 Stunden vor dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg die Werder-Fans aufrütteln wollte. "Jahrelang hat es sich niemand vorstellen können, doch jetzt holt uns die Wirklichkeit ein: Werder Bremen spielt um den Verbleib in der ersten Bundesliga", hieß es in dem kleinen Dreispalter, und weiter: "Wir als Bremer Publikum (...) müssen den Spielern den Rücken stärken. Durch bedingungslose Unterstützung, ohne Wenn und Aber, ohne Pfiffe oder Stille im Stadion." Nun, wie wir heute, drei Tage nach der 0:3-Niederlage gegen Wolfsburg wissen, gab es Pfiffe, und zwar nicht gerade wenig. Und ich muss leider sagen: wäre ich im Stadion gewesen, hätte ich auch gepfiffen. Denn dass, was die Spieler gegen Wolfsburg "geleistet" haben (das Wort verbietet sich hier eigentlich), war schlicht eine Unverschämtheit und es kotzt mich sowas von an, mit Durchhalteparolen wie diesen eingeredet zu bekommen, was ich als Fan zu tun und zu lassen habe!

Aus einem mir absolut nicht nachvollziehbaren Grund hat sich in den Köpfen erschreckend vieler Anhänger die Mähr festgesetzt, mein sei nur dann ein "wahrer" Fan, wenn man jeden Rotz, der einem von den Herren Profis geboten wird, kritiklos schluckt. Tut mir leid, ich bin wirklich ein sehr geduldiger Mann, aber dieser Meinung kann und will ich mich nicht anschließen. Ich habe schlicht die Schnauze voll. Ich habe genug von hohlen Durchhalte-Phrasen, von bedingungslose-Unterstützung-Gelaber und all dem ähnlichen Mist, egal ob ich es von anderen Fans, von Medienvertretern oder von Vereinsangehörigen aufgetischt bekomme. Ich kann es echt nicht mehr hören! Ich denke wirklich nicht, dass ich "meiner" Mannschaft tatsächlich damit helfe, wenn ich brav weiterjuble, obwohl sie gerade zum unzähligsten Mal in dieser Saison ein Herumgegurke präsentiert hat, dessen sich jeder Bezirksligist schämen würde â€“ und um ihnen bei diesem Gegurke zuzujubeln habe ich auch noch über 30 Ocken auf den Tresen gelegt. Wenn mir nicht gefällt, was ich da auf dem Rasen sehe, dann habe ich verdammt nochmal auch das Recht, nein, sogar die Pflicht, meinem Unmut darüber Ausdruck zu verleihen!

In seinem offenen Brief schreibt Axel Schuller weiter: "Das Ziel: Werder muss in der nächsten Saison wieder den Sprung auf die internationale Bühne schaffen." â€“ Jetzt mal ernsthaft, lieber Axel: kann ich von dem Stoff, den Du genommen hast, auch was haben, aber weniger? Ich dachte eigentlich, selbst der letzte Taubblinde hätte mittlerweile realisiert, dass der Werder-Kurs sehr hart in Richtung Paderborn, Ingolstadt und Cottbus geht â€“ Mailand, Madrid und London sind Lichtjahre* weit weg! Selbst wenn der Klassenerhalt gelingen sollte, glaube ich kaum dass es an der Weser in absehbarer Zeit wieder Europapokalabende geben wird â€“ oder sind mir irgendwelche Nachrichten, Zeichen, Indizien oder Hinweise entgangen, die auf eine aufstrebende Tendenz deuten lassen? Nein, ich denke nicht. Der Trend geht seit Wochen, Monaten, Jahren nur bergab. Ein Abstieg wäre die logischere Konsequenz als eine Europapokal-Qualifikation. Ich sehe derzeit leider nichts, was auf ein solches Wunder auch nur andeutungsweise hinweisen würde. Ich sehe tonnenweise heiße Luft, von den Spielern, vom Vorstand, vom Aufsichtsrat, von den Medien,... aber das bringt auch keine Punkte.

Man sollte aber auch nicht den Fehler machen und Kritik-üben und Unmut-äußern mit Liebesentzug verwechseln. Selbst wenn Werder Bremen absteigen würde, man könnte mich trotzdem noch regelmäßig im Weserstadion antreffen, ich würde trotzdem noch mit Stolz das grün-weiße Trikot tragen und die Werder-Fahne in mein Fenster hängen. Meine Fantreue zum Verein ist nicht abhängig davon, ob Europapokal gespielt wird oder in welcher Spielklasse man antritt. Im Gegensatz zu den meisten Werderfans, besuche ich auch Spiele der U23 (Regionalliga Nord = 4. Liga), der U21 (Oberliga Bremen = 5. Liga) oder der Frauen-Mannschaft (2. Frauen-Bundesliga Nord), hinzu kommen noch die Spiele meines lokalen Amateurklubs, dem Bremer TS Neustadt (Landesliga Bremen = 6. Liga) â€“ soviel zum Thema "Wahrer Fan". All die "wahren" Fans, die mir in schöner Regelmäßigkeit vorpredigen wie "wahrer Fan" ihrer Meinung nach geht, lassen sich in diesen Spielklassen nur extrem selten blicken.

Leidenschaft zu einem Verein, "Fan-sein", schließt meinem Empfinden nach auch ein, Kritik zu äußern, wenn etwas schief läuft. Und bei Werder Bremen läuft zur Zeit verdammt viel schief. Der gefühlt fünfundzwanzigste "Umbruch" in den letzten drei Jahren verpuffte ins Nichts, für den kommenden Sommer ist schon der nächste angekündigt. Laut Axel-Springer-Verlag (allen voran mal wieder "Die Welt", die in Sachen Vollpfostenjournalismus der "Bild" in nichts nachsteht) wird Thomas Schaaf dann nicht mehr Trainer sein, die Schreiberlinge behaupten gar zu wissen, Schaaf wäre schon seinen Job los, sollte Werder am kommenden Samstag in Leverkusen verlieren (wovon ich ausgehe). Ich persönlich halte es für am wahrscheinlichsten, dass Schaaf bis zum Saisonende noch auf der Bank sitzen und anschließend ein anderer Coach versuchen wird, diesen Scherbenhaufen wieder zu kitten.

Ob beziehungsweise in welchem Umfang Schaaf für diesen Scherbenhaufen verantwortlich ist lasse ich jetzt mal dahingestellt. Den jahrelangen Niedergang von Werder Bremen nur an einer Person festzumachen halte ich jedoch für völlig falsch. Ich werde sehr oft (fast täglich gefragt), wo die Ursache für diese Krise zu suchen ist. Ich kann nur immer wieder antworten: ich weiß es nicht. Und ich bin der Meinung, all die "Experten" da draussen wissen es auch nicht, die raten, rätseln und spekulieren sich bloß was zusammen. Wirklich wissen dass wohl nur die Personen, die ihren Scheibtisch in den Bürotürmen am Osterdeich stehen haben, doch die halten natürlich die Klappe. Wie allen anderen auch steht mir als Informationsquelle nur das zur Verfügung, was ich mit meinen eigenen Augen beobachten kann (was wiederum alles, was hinter "verschlossenen Türen" vorgeht, schon mal ausschließt) und das, was Werder durch die Medien veröffentlichen lässt â€“ und das wird bestimmt immer peinlich genau gefiltert, seziert und weichgewaschen, bevor es freigegeben wird, zur Zeit sicher mehr denn je. Fakt ist: nur noch fünf Punkte trennen den SV Werder Bremen von der Absteigszone, bei noch vier ausstehenden Spielen (auswärts in Leverkusen, dann zwei Heimspiele gegen Hoffenheim und Frankfurt, zum Schluß auswärts in Nürnberg) ist das kein sehr großes Polster.

Mittlerweile bin ich soweit, dass ich nur noch das Ende dieser katastrophalen Saison herbeisehne. Und das der nächste Umbruch, der vermutlich nicht nur die Namensliste des Profikaders kräftig durcheinanderwirbeln wird, sondern auch des Trainerstabes und der oberen Vereinsetagen, endlich auch mal seines Namens gerecht wird. Nach all dem Gemecker, Gezeter und Geschimpfe möchte ich diesen Blog mit einer guten Nachricht abschließen, und zwar betrifft diese die langfristige Zukunft der Bremer Mannschaft: sowohl die U23 als auch die U21, die A-Junioren und die B-Junioren sind unter den ersten fünf Mannschaften ihrer jeweiligen Ligen zu finden, die U21 ist sogar Tabellenführer (die U23 ist derzeit Fünfter, die A- und B-Junioren stehen aktuell jeweils auf dem zweiten Platz). Wenigstens eine Zukunftsperspektive bei Werder Bremen, die Hoffnung macht.

 

 

* Ich habe leider feststellen müssen dass man dieses Wort erklären muss. Mit Lichtjahren wird nicht, wie fälschlicherweise oft angenommen, ein Zeitraum berechnet, sondern die Länge einer Strecke. Ein Lichtjahr ist die Entfernung, die das Licht (im Vakuum) in einem Jahr zurücklegt. Die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum beträgt 299.792,458 Kilometer pro Sekunde, daraus folgt: 1 Lichtjahr = ca. 9.454.254.955.480 Kilometer.

Montag, 22 April 2013 13:58

Peter Peter Peter Peter Peter

geschrieben von in Bochum Blog

Lange habe ich überlegt, wie ich diesen Blog nennen soll. An Einfällen mangelte es dabei keineswegs. „Euphoria“, „In alter Manier“, „Auferstanden“, „The one and only“, „Ein Schnäuzer für ein Hallelujah“, und und und....die Frage war also nur, welcher Titel wirklich diesen absoluten Ausnahmezustand am Freitag Abend in Bochum beschreiben würde.

Mit Ausnahmezustand meine ich gar nicht unbedingt den Heimsieg des VfL, der ja nun auch lange auf sich hat warten lassen oder die Tatsache, dass Chancen tatsächlich verwertet wurden. Ich meine diese außergewöhnliche Stimmung, die mir beim Gedanken daran noch immer Gänsehaut verleiht. Sie war nicht nur gut, sondern auch ausgelassen, befreiend und erleichtert.

Montag, 22 April 2013 11:28

Hoeneß

geschrieben von in Rotstift

uli-hoeness-muenchen-2-540x304Eigentlich wollte ich noch nichts dazu schreiben. Eigentlich wollte ich noch abwarten, bis etwas Substanzielles da ist. Mehr, als die dürftigen Informationen die es bislang gibt. Eigentlich.

Am Samstag war ich erst mal geschockt, als ich die Meldung hörte, und direkt darauf der Zusammenhang mit der 500 Millionen Euro Geschichte des Stern hergestellt wurde. Ich hatte Angst, richtige, echt empfundene Angst, dass es sich um Geld des FC Bayern handeln könnte. Dass es den Verein, der sich im Moment in einem unfassbaren Höhenflug befindet, hinwegreißen könnte. Ein Wimpernschlag, und alles wofür er steht, wofür er geliebt und gehasst wird, vernichtet. Wegen Gier, wegen der Dummheit, einfach nicht genug bekommen zu können. Oder einfach nur aus dem irrwitzigen Glauben heraus, im Recht zu sein. Man gibt ja ohnehin schon genug, finanziell wie auch als Imageträger.

Es war eine Panikreaktion, völlig überzogen. Zumindest weißt im Moment nichts darauf hin, dass der FC Bayern involviert ist. Und trotzdem bin ich heute Morgen aufgewacht und habe gemerkt, dass mich diese Geschichte unheimlich mitnimmt.

Sonntag, 21 April 2013 19:35

Hinter dem eigenen Anspruch

geschrieben von in Frauengeschichten

Eben noch freute man sich über die Punkte die Frankfurt hatte liegen lassen, jetzt steht man selbst wieder mit dem Rücken zur Wand. Denn dank der Niederlage gegen die SGS Essen muss am Mittwoch gegen den FFC schon fast ein Sieg her. 

Doch wie soll das gelingen? Ich habe so meine Zweifel wie das werden soll. Nicht das ich der Meinung bin, dass man nicht auch mal ein Spiel verlieren kann. Nein, dass ist es wahrlich nicht. Die SGS ist ein gutes Team, zu Hause durchaus eine Macht. Aber die Art und Weise der Niederlage war doch erschreckend. In den 90 Minuten sah ich ein Team in blau, dass gegen elf Spielerinnen in rot spielte. An diesem Tag der entscheidende Unterschied.

Sonntag, 21 April 2013 12:16

KIND MUSS WEG!

geschrieben von in Alte Liebe

Es war wahrlich keine schöne Woche für den Hannoverschen Sportverein, vielleicht war es die schlimmste seit Jahren.

Dass der "Fanladen Hannover", der von der Roten Kurve, dem Dachverband der Fans, betrieben wird, auf Druck des Vereins schließt, war schon länger bekannt.

Nun gab Angfang der Woche auch die Rote Kurve bekannt, dass sie nach Abstimmung der Mitglieder abgewickelt wird, von e.V. in IG ("Interessengemeinschaft").

Die genauen Gründe darüber sollen alle Mitglieder des Verbands in naher Zukunft per Newsletter erhalten, aufgrund der aktuellen Situation liegt der Grund aber eigentlich auf der Hand: Man will nicht mehr abhängig sein vom Kind-Regime.

Das hatte die RK nämlich in der vergangenen Zeit schon öfter unter Druck gesetzt,gedroht den Fanladen zu schließen, die Rote Kurve nicht mehr anzuerkennen, schließung des Supportersblock im Oberrang des Niedersachsenstadions.

Als dann schließlich die Forderung kam, die RK Mitglieder sollen als "Spitzel" eingesetzt werden, um mögliches "Fehlverhalten" zu unterbinden, brach die RK die Gespräche ab und gab bekannt auch keine mehr zu führen, solange Martin Kind Präsident in Hannover ist. Gleiches hatte vorher auch schon die Fanszene verlauten lassen.

Mitte der Woche folgte für viele die nächste die Hiobsbotschaft: Jörg Schmadkte verlässt den Verein!

Gekrieselt hatte es schon lange zwischen Schmadkte und Trainer Slomka, Schlichtungsversuche schlugen fehl. 

Und ein weiterer Grund ist maßgeblich Verantwortlich: Mirko Slomkas guter Drat zur Bildzeitung. Die hatte immer wieder mit Berichten über seinen Rücktritt Spekulationen ausgelöst, Schmadke persönlich angegriffen. Nicht das erste mal, dass die Bild Hannover im Verein einen Konflikt auslöst, auch für den Haarmann-Streit war sie zum großen Teil verantwortlich.

Seriöser Journalismus wird bei der Bild eben ganz klein geschrieben....

Trotzdem gibt es leider genug Leute,die diesem Schundblatt glauben schenken, dass die Bild die Ultras genauso hasst wie jeden, der nicht ihre Meinung vertritt, ist bekannt.

Und so kam es am Samstag in Hannover zu dem, was scheinbar unausweichlich war.

Sportlich gesehen rundetete das Spiel gegen den Deutschen Meister aus München die katastrophale Woche perfekt ab, das 1:6 war eine wiederspiegelung der aktuellen Situation.

Aber auch in der gespaltenen Szene gab es den erwarteten großen Knall, Martin Kind hat erreicht, was er immer wollte: Die Szene ist nicht mehr eins.

Ein dutzend mal schallte es aus der Kurve lautstark KIND MUSS WEG, darauf folgten Pfife der West und Ostkurve, aber teilweise auch aus der eigenen Kurve.

Dass dann einige Leute meinten "Ultras raus" anstimmen zu müssen, nahmen die meisten Kurvenfans  mit Humor und stiegen kurzerhand samt Capo mit in das Ultras raus ein.

Das wiederrum verärgerte einige aber so richtig, sodass 2 Leute versuchten mit Handgreiflichkeiten die Gesänge der Ultras zu unterbinden.

Doch, war das schon der "große Knall"? Oder kommt da noch mehr?

Auf jeden Fall stehen Hannover stürmische Zeiten bevor, soviel ist sicher.

Doch das Spiel zeigte auch, dass viele Leute sich gar nicht informieren, aber trotzdem pfeifen, zeigte, dass auch genau diese Leute bereits nach 65 Minuten nachhause gehen und auf einmal ihre pfeifwut gegen die eigene Mannschaft richten-"wahre" Fans eben...

3 mal tief durchatmen würde wahrscheinlich allen Beteiligten in Hannover sehr gut tun, solange es keine Gespräche gibt, wird es aber auch keine Lösungsansetze geben. Und weil keiner mehr lust hat, mit Martin Kind zu reden, der immer wieder sein verquertes verstehen von Recht ans Tageslicht bringt, wird es wohl in naher Zukunft keine Gespräche geben, und damit auch keine Lösungsansätze.

Zu bemerken ist auch, dass bei jedem Heimspiel die Gästefans mit in Sachen wie KIND MUSS WEG einstimmen, sodass der Sound des ganzen dann doch schon recht laut ist und von den Pfiffen einiger nicht mehr übertönt werden kann, weder im Stadion, noch im Fernsehen/Radio.

Ein solcher Kindergarten wie er gerade in Hannover abläuft, ist aber auch gefundenes Fressen für Zeitungen wie die Bild, die NP und die HAZ, alle drei glänzen nicht gerade mit objektiver Berichterstattung und scheinen eine Art " Nicht-angriffs-Pakt" mit dem Kind-Regime zu haben.

Was die Zukunft bringt kann man nicht sagen, rosig wird die nächste Zeit aber wohl kaum sein, weder Sportlich noch in der Szene.

Ziel Nummer 1 sollte es jetzt sein, die Szene Hannover wieder zu vereinen. Daran haben aber die, die im Stadion mit pfiffen glänzen, scheinbar kein großes Interesse.

Und so wird der wöchentliche Stadionbesuch teilweise zur echten Zerreißprobe.

Wenigstens kann man noch auf  Auswärtsfahrten ein bisschen Spaß haben, denn dort fahren augenscheinlich nur Leute mit, die sich über die Situation im Bilde sind, soetwas wie Angriffe in den eigenen Reihen oder pfiffe gegen die eigene Szene bleiben gänzlich aus, und so sollte es auch sein.

Denn wie sieht es denn aus, wenn man als Szene nicht vereint, sondern gespalten dasteht.

 

GeldAm Montag veröffentlichte der FC Schalke 04 zum nunmehr dritten Mal  seinen Konzerngeschäftsbericht. In nackten Zahlen stehen dort bei einer Bilanzsumme von rund 251 Mio. € ein Konzernumsatz von 190,8 Mio € und ein Jahresfehlbetrag von 8,9 Mio. € zu Buche, der den gesamten „nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag“ auf 75,7 Mio € anwachsen ließ.

Der Blätterwald reagierte prompt, aber da Buchführung, Bilanzen und Konzernabschlüsse auch für Journalisten nicht zum täglichen Brot gehören, glichen sich die veröffentlichten Artikel inhaltlich wie ein Ei dem anderen (und, oh Wunder, das gemeinsame „Huhn“ erwies sich als die offizielle „Medieninfo“ des Vereins...). Lediglich die Überschriften variierten je nach „Schalke-Stoßrichtung“ des jeweiligen Blattes; so betonten die Ruhrnachrichten und die Süddeutsche das „8,9-Mio.-Minus“, die Welt konstatierte, dass der Kader 86 Mio. „verschlinge“, die FAZ attestierte immerhin eine „Bilanz mit Augenmaß“ und die eher vereinsnahe WAZ  lobte, "die Zahlen sprechen für den FC Schalke 04!“

Im Folgenden erschöpften sich jedoch alle Artikel in der mehr oder weniger technischen Wiedergabe der mit Fachtermini wie EBITDA, EBIT, Finanz- und Gesamtverbindlichkeiten gespickten Pressemitteilung und ließen den geneigten Schalker Leser kaum schlauer am Wegesrand zurück: Muss man sich Sorgen um den Verein machen? Oder gibt es Anlass zur Freude? Wer kommt uns besuchen, Dagobert Duck als Geldspeichertourist oder Peter Zwegat als Insolvenzverwalter? Wie sind die Zahlen zu bewerten? Wie passen ein Jahresverlust und gleichzeitiger Abbau von Verbindlichkeiten zueinander? Warum bekommt Schalke trotz enormer Verbindlichkeiten ohne Auflagen die Lizenz für die nächste Saison?...

Ich versuche daher jetzt, die wichtigsten Zahlen des Konzernberichts zu erläutern und hinter den offiziellen Propaga****, äh Pressetext zu schauen. Die Materie ist mir von Berufs wegen durchaus vertraut, gleichwohl kenne ich keine über den veröffentlichten Bericht hinausgehenden Einzelkonten und -vorgänge.

Vorausschicken darf ich, dass ich ein wenig schmunzeln muss, wenn weidlich betont wird, die Veröffentlichung des Konzernberichts erfolge „auf freiwilliger Basis, um nicht nur Vereinsmitgliedern und Fans, sondern der gesamten Öffentlichkeit das verantwortungsvolle Handeln transparent zu machen“. Es ist zwar zutreffend, dass gemeinnützige Vereine (jaaaaaaaaaa, der FC Schalke 04 ist ein solcher...!) nicht offenlegungsverpflichtet sind, aber die pure Liebe zu Transparenz und Verantwortung ist es trotzdem nicht. Auch wenn die beiden Begriffe in einem Satz, in dem auch Schalker Finanzen vorkommen, anders als noch vor einiger Zeit nicht mehr zwingend für Lachtränen und Erstickungsanfälle sorgen, glaube ich, dass die „Freiwilligkeit“ massiv durch die Auflage der (Unternehmens)anleihe gefördert wurde, da neben den börslichen Veröffentlichungspflichten schlicht kein Schwein eine Anleihe von einem Unternehmen kauft, das mit seinen Zahlen hinter dem Berg hält. Dennoch ist es positiv zu bewerten, dass nunmehr die vollständigen Zahlen offen vorgelegt werden (zudem wird seit zwei Jahren auch die Stadionbeteiligungsgesellschaft mbH & Co ImmobilienverwaltungsKG wieder vollständig konsolidiert, d. h. ihre Zahlen sind im Konzernabschluss enthalten und schlummern nicht mehr versteckt in Untergesellschaften).

PP1 

Der Konzernumsatz im Kalenderjahr 2012 betrug 190,8 Millionen Euro, was im Vergleich zum Vorjahr (224,2 Mio. Euro) einen deutlichen Rückgang bedeutete. Prompt beeilte sich Finanzvorstand PP zu versichern, dies sei „gleichwohl der zweithöchste Erlös der Vereinsgeschichte und erkläre sich zum Großteil mit dem Verzicht auf Transfererlöse in der Größenordnung, wie ihn Verein 2011 durch den Wechsel von Torhüter Manuel Neuer zum FC Bayern München erzielte“. Ein Blick in die Umsatzerlöse der Gewinn- und Verlustrechnung bestätigt die Richtigkeit dieser Aussage, zudem gehört Schalke auch mit dem gesunkenen Umsätzen noch zu den 15 umsatzstärksten Fußballclubs der Welt (!). Kein Grund für schlaflose Nächte also, auch wenn sich in diversen Foren sofort selbstlose Helden bereiterklärten, den Bierumsatz anzukurbeln.


Der „Jahresfehlbetrag“ oder deutlicher: Der Verlust betrug 8,9 Mio. Euro, wo im Vorjahr noch ein Jahresüberschuss/Gewinn von 4,9 Mio. Euro gestanden hatte. „Wesentliche Ursache sind die außerordentlichen Aufwendungen in Höhe von 6,6 Mio. Euro, die vor allem für die Sanierung des Daches der VELTINS-Arena aufgewendet werden mussten“, erfuhr der interessierte Leser dazu. Auch dies ist nicht falsch, verschweigt aber, dass selbst ohne Dachschaden (oder mit einer anständigen Versicherung für solche Fälle...!) in einem Jahr mit Platz 3 in der Liga, EL-Viertelfinale und ungeschlagener CL-Vorrunde   zweieinhalb Mio. Miese gemacht worden wären. Und dass auch im Rekordvorjahr ein Minus gestanden hätte, wenn, ja wenn man nicht Manuel Neuer seinen Herzenswunsch hätte erfüllen und ihn für gutes Geld in den Süden der Republik hätte verscherbeln können.

Die Finanzverbindlichkeiten (also die, für die der Verein Zinsen zahlen muss) wurden um 11,7 Mio. € auf 173,1 Mio. € reduziert, die Gesamtverbindlichkeiten (also auch die nicht verzinslichen wie z. B. noch zu zahlende Raten auf Transfers) sind gar um 14,2 Millionen Euro auf 217 Mio. € gesunken. Was nun, freuen, dass sie sinken oder über immer noch satte 217 Mio. Schulden stöhnen? Peter Peters ließ dazu mitteilen, Ziel sei es, 2022 oder 2023 schuldenfrei zu sein; eine Aussage, für die nicht nur diejenigen, die seinen Vorgänger Schnusenberg 2008 verkünden hörten, 2015 sei die Arena abbezahlt und Schalke „werde im Geld schwimmen“, bestenfalls ein mildes Lächeln übrighaben. Ein User im Schalker Forum „Block 5“ brachte es auf den Punkt: „Es geht uns beschissen, aber es ging uns schon mal schlechter“ und das ist die ganze Wahrheit: Ja, 217 Mio. Schulden sind eine verdammte Menge Holz, aber wenigstens geht es nun endlich in die richtige Richtung und auch die Zinsbelastung geht leicht zurück. (Wer sich übrigens wundert, warum trotz Verlustes Schulden getilgt werden konnten: Schuldentilgung und Gewinn haben nur bedingt miteinander zu tun, solange Mittel zur Verfügung stehen, pünktlich alle fälligen Raten zu zahlen, unsere „Kapitaldienstfähigkeit“ ist durchaus okay).

Als nächstes wurde gelobt, EBITDA und EBIT seien zwar gesunken, aber mit 40,8 bzw. 8,8 Mio. € noch „deutlich im positiven Bereich“. Die Aussage ist ebenfalls zutreffend, taugt isoliert aber herzlich wenig. Die beiden dem Laien kaum verständlichen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen sollen grob gesagt Unternehmensergebnisse vergleichbarer machen, indem sie „verzerrende“ Effekte der Besteuerung, der Zinsen und der Abschreibungen (die bei uns mit rund 32 Mio. € naturgemäß recht hoch sind) herausrechnen.  Neben Gestaltungsmöglichkeiten bei der Berechnung ist aber leider festzuhalten, dass ein negatives EBITDA bei einem Verein ein Grund für den Finanzverantwortlichen sein müsste, sich umgehend im Rhein-Herne-Kanal zu ertränken, da wir dann höchstwahrscheinlich auch nicht mehr über genügend liquide Mittel für die Bedienung unserer Verbindlichkeiten verfügen würden.

...wenn trotzdem stolz betont wird, wie positiv das EBITDA doch ist, das negative Eigenkapital von über 75 Mio. € hingegen schamhaft glatt verschwiegen wird und wenn trotz guter bis sehr guter Umsätze das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit ein Minus ist, lohnt sich der Blick auf die Ausgabenseite.

Preispolitik1

Und siehe da, in knalligen Zahlen stehen dort Personalaufwendungen in Höhe von 98,5 Mio. €, von denen nach Vereinsangaben 86,5 Mio. € auf den Lizenzspielerbereich entfallen. Diese Zahl ist im Vergleich zur Rekord-Vorjahressaison um 1,4 Mio € bzw. 1,4 % gesunken, was angesichts durchaus anderslautender Ankündigungen schlicht als mangelhaft bezeichnet werden darf. Die Ausgangslage mit zahlreichen laufenden Verträgen nach dem Oniomanen aus Wolfsburg war sicher schwierig, aber nach den Abgängen zahlreicher Profis, darunter Großverdiener wie Raul, sollte langsam eine andere Transferpolitik möglich sein. Bei den Halbjahreszahlen betrugen die Personalkosten 50,6 Mio €, nach Adam Riese müssen es also im 2. Halbjahr 2012 47,9 Mio. € gewesen sein, was die Aussage eines AR-Mitglieds bei der Kandidatenvorstellung im Anno, die Kosten für den Lizenzspielerkader seien enorm zurückgefahren worden und lägen bei ca. 72 Mio € im Jahr, ad absurdum führt.

Der Abschlussbericht schreibt dazu „...Der vollständige Effekt aus der Verringerung des Kaders wird sich aufgrund von Vertragsauflösungen und Abfindungszahlungen aber erst 2013 auf die Ertragslage auswirken.“ Soso. Im Vorjahr war an gleicher Stelle davon die Rede, dass „ diese Maßnahmen (Vertragsauflösungen) den Etat 2011 belasteten, den FC Schalke 04 langfristig aber finanziell erheblich entlasten werden“. Ich bin gespannt.  Peter Peters verkündete dazu, diese Kosten wolle man „nicht über Qualität, sondern über Quantität weiter reduzieren". So denn. Ein Kader von aktuell 26 Spielern ist bei einem Verein mit drei Wettbewerben m. E. nicht zu viel. Vielleicht, ganz vielleicht könnte man ja doch noch einmal darüber nachdenken, ob nicht teilweise durchschnittlichen Bundesligakickern auf Schalke deutlich überdurchschnittliche Gehälter hintergeworfen werden…? Und ob man den Kader nicht an der einen oder anderen Stelle preiswert mit Leuten aus dem mehr als hoffnungsvollen Nachwuchs ergänzen kann…?

Man kann daher nur noch einmal betonen, was ein Aufsichtsratmitglied bei seiner Bewerbungsrede auf der letztjährigen Jahreshauptversammlung in den Saal donnerte: Wir haben kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem! Wenn die Teilnahme an der CL nicht ausreicht, eine ausgeglichene Bilanz vorzulegen und zumindest eine schwarze Null zu schreiben, stimmen die Strukturen nicht. Und es entwickelt sich die fatale Spirale, unbedingt wieder die CL erreichen zu müssen, dazu dann notfalls (teure) Panikaktionen zu starten usw usf. In diesem Zusammenhang kann es auch nur bedingt trösten, dass die DFL Schalke die Lizenz für die kommende Saison ohne Auflagen erteilte und konstatierte, die „wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“ und die  „finanziellen Kriterien für die Teilnahme an UEFA-Klubwettbewerben“ seien erfüllt. Es geht dabei ausschließlich um die kurzfristige Liquidität, den Spielbetrieb in der kommenden Saison aufrechterhalten zu können. Die Prüfung ist dabei so „hart“, dass seit rund 12 Jahren keinem Verein mehr die Lizenz verweigert wurde – selbst die Aachener Alemannia, wo die Pleitegeier täglich tiefer über dem neuen Tivoli kreisen und die ganze 3. Liga zu verzerren drohen, hat sie, wenn auch mit Auflagen, bekommen.

PP2

Ich kann mich daher Peters‘ Fazit, Schalke 04 „habe die Abhängigkeit vom sportlichen Erfolg aufgrund seiner hohen Ertragskraft weiter reduziert, seine Handlungsfähigkeit durch die fortschreitende Konsolidierung hingegen erhöht“, nur sehr bedingt anschließen. Unsere Zahlen werden tief ultrabeauty bleiben, wenn wir nicht endlich massiv an den Kosten sparen, da die Einnahmen nicht mehr unbegrenzt steigerbar sind. Wir müssen das „brutalstmögliche Sparen“ nicht nur bei den Fans, die sich nicht gegen die „moderate Anpassung“ der Ticketpreise wehren können, sondern endlich auch bei den richtig großen Ausgabenposten durchsetzen!

Folgerichtig spricht auch PP davon „Ziel unseres wirtschaftlichen Handelns bleibt es, zukünftig wieder Gewinne zu erzielen.“ - (Ach was?!)-  â€žDies wird 2013 vor allem dann gelingen, wenn der Verein erneut europäisch erfolgreich spielt oder die Personalkosten in der kommenden Transferperiode reduziert. Auch im Sponsoring könnten noch Mehreinnahmen generiert werden, ein Gestaltungsspielraum bei Spieleinnahmen“ sei aber nicht vorhanden. – Schön, dass erkannt wurde, dass die Ticketpreise ausgereizt sind, weniger schön, dass man offenbar immer noch darauf angewiesen ist, sich auch für kleines Geld zweifelhaften Sponsoren wie den unsäglichen Kartenabzockern von viagogo an den Hals  zu werfen. Vielleicht sollte man stattdessen einmal die außereuropäische Vermarktung vorantreiben.

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Zusammenfassend möchte ich sagen: Die Bilanz war wirtschaftlich wirklich schon schlechter, aber es bleibt noch sehr viel zu tun, was nicht alles auf dem Rücken des „kleinen Schalkers“ ausgetragen werden darf. Ich bin angesichts der Vorkommnisse in den letzten Monaten skeptisch, ob der Vorstand in der Lage und gewillt ist, die weiter unumgänglichen Konsolidierungsmaßnahmen nicht nur mit wirtschaftlichem, sondern auch sozialem Augenmaß zu begleiten.

Blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

PS: Und wenn sich jetzt ein einziger Bayernkunde erdreistet, mit dem Finger auf unsere finanzielle Situation zu zeigen: Hat nicht jeder hunderte Millionen in der Schweiz, liebe Saubermänner.

Auch wenn ich mal wieder etwas spät dran bin, möchte ich euch einen Beitrag über das Gastspiel der U21 der Münchner Löwen in Hof nicht vorenthalten, denn dort trafen die kleinen Löwen auf den wohl traditionsreichsten Gegner in der Regionalliga Bayern, die SpVgg Bayern Hof.

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hof131Die oberfränkische Stadt Hof (an der Saale) hat gut 45000 Einwohner und liegt im ehemaligen Zonenrandgebiet unweit der sächsischen und tschechischen Grenze. Internationale Aufmerksamkeit erhielt die Stadt vor allem 1989, als dort die Züge mit DDR-Flüchtlingen aus der Prager Botschaft in der BRD ankamen. Von München aus ist Hof am besten mit dem ALEX zu erreichen, ein Zug der binnen 3,5 Stunden direkt von München quer durch Ostbayern bis Hof fährt
. Ich und ca. 30 weitere Löwenfans wählten auf jeden Fall diese Variante, denn mit dem Bayernticket ist dieser Trip einfach unschlagbar günstig und bequem zu bewältigen. Die Fahrt war super kurzweilig, viel Gerstensaft und jede Menge gute Laune sorgten dafür, dass die Reise nach Nordbayern wie im Fluge verging. Vom Bahnhof ist das Stadion „Grüne Au“ dann in gut 25. Minuten zu Fuß zu erreichen, ich allerdings hasse es gut betüdelt weite Wege zu gehen und fuhr daher mit ein paar anderen Löwenfans mit dem Taxi.

Der FC Bayern Hof, gegründet wurde er im Jahre 1910 und gehörte früher lange zu den bayerischen Topteams. Vor der Einführung der Bundesliga spielten die Hofer zuletzt in der Oberliga Süd, der damals höchsten Spielklasse im deutschen Fußball. Ab 1963 verweilten Sie bis 1978 in der zweithöchsten deutschen Spielklasse (bis 74 Regionalliga, dann 2. Bundesliga), anschließend stieg man in die Bayernliga ab. In den 80ern verbrachten die Franken viel Jahre sogar in der Landesliga, hielten sich zuletzt aber die meiste Zeit in der inzwischen viert- bzw. fünftklassigen Bayernliga auf. Für die neue Regionalliga qualifizierte sich Hof als Vizemeister der letzten traditionellen eingleisigen Bayernliga relativ souverän und kämpft in dieser Saison gegen den Abstieg. War die SpVgg in der Winterpause eigentlich schon abgeschrieben, starteten Sie im Jahre 2013 eine super Serie und kämpften sich wieder an die Relegationsplätze ran. Zudem schlugen Sie wenige Tage vor dem Spiel gegen unsere Amas die SpVgg Unterhaching im Viertelfinale des bayerischen Toto-Pokals und haben damit noch Chancen auf die Teilnahme am DFB-Pokal. Also ein Gegner dem man auf jeden Fall Respekt Zollen muss. Im Jahre 2005 fusionierte der FC Bayern Hof von 1910 übrigens mit der SpVgg Hof 1893 und heißt seit dem SpVgg Bayern Hof.

hof133Das Stadion Grüne Au. Ich muss sagen, es ist einer der schönste Old-School-Grounds in Deutschland, ein traumhaft schönes Stadion. Normal gehen bis zu 20.000 Zuschauer hinein, inzwischen ist das Stadion nur noch für gut 8000 Zuschauer zugelassen, was allerdings bei einem Schnitt um die Tausend auch ausreichend ist. Ein guter Freund von mir definierte ein richtig geiles Stadion daran, dass jede Seite anders aussieht und dies ist in Hof gegeben. Die Gegengerade ist eine schöne alte überdachte Holztribüne welche knapp 1335 Zuschauern Platz bietet und sich fast über die gesamte Spielfeldlänge zieht. Auf der Hauptseite befindet sich die sogenannte neue Tribüne welche aus Beton besteht. Diese ist relativ schmal, hat dafür zwei Ränge. Der untere Rang besteht aus Stehplätze, wo der harte Kern der Hofer Fanszene steht. Der obere Rang bietet hingegen 800 Sitzplätze. Eine Besonderheit an dieser Tribüne ist mit Sicherheit das Sie nicht wie üblich in der Mitte der Gerade angebracht ist, sondern in der westlichen Hälfte des Spielfeldes. In der Mitte dieser Gerade befindet sich das Mundloch mit Spielereingang und darüber befindet sich ein Balkon für ca. 100 Personen, welcher an die Stadionwirtschaft anschließt. Dieser Balkon ist der VIP-Bereich der Grünen Au. Die östliche Hälfte der Hauptgerade sowie die West- und Ostkurve bestehen aus hohen Erdstehwällen, deren Stufen mit Betonplatten eingeschalt worden sind. Allerdings wurde die die Stehränge im Osten letzten Sommer aus baulichen Gründen zugeschüttet und abgesperrt. Wer im Osten stehen will kann dies nur noch auf dem Weg oberhalb der Stehränge tun. Allerdings können diese Stehränge bei erhöhtem Zuschauerbedarf jederzeit freigeschaufelt werden. Naja, absperren ohne zuschütten hätte es wohl auch getan. Sei´s drum, auch so ist es ein super Stadion, ich kann dieses Stadion jedem Hopper nur ans Herz legen, Ihr werdet begeistert sein.

hof132Gut 1100 Zuschauer waren zum Spiel gegen meinen geliebten TSV gekommen darunter waren leider nur knapp über 100 Löwenfans. Bei den Rahmenbedingungen schon etwas enttäuschend, vor allem von der aktiven Fanszene hätte ich mir da mehr erhofft. So versuchten sich zeitweise wieder eher unerwünscht Individuen in den Mittelpunkt zu stellen und Leute die man noch nie gesehen hat machten auf einmal auf Anheizer. Sowas hasse ich wie die Pest! Das Spiel begann sehr flott, bereits nach 6. Minuten gingen die Löwen in Führung und nur drei Minuten später glichen die Oberfranken wieder aus. In der 16. Minute sprach uns der Schiri einen selten klaren Strafstoß zu und Gregorios Makos verwandelte diese souverän. Hof dränge nun, aber es kam nicht zählbares raus und in der 45. Minute fiel schließlich die Vorentscheidung. Sebastian Maier bekommt den Ball bei einem Bilderbuchkonter kurz vor der Mittelinie zugespielt und bringt den Ball zum 1:3 im Kasten unter. Das Zuspiel war klar kein Abseits, auch wenn der Hofer Stadionsprecher das Tor als Abseitstor deklarierte. Als dann kurz nach der Pause Daniel Felgenhauer (früher ua. Gladbach und Fürth) auf Hofer Seite vom Feld musste war das Spiel für die Gastgeber endgültig gelaufen. Den Schlußpunkt zum 1:4 Endstand setzt schließlich Abwehrspieler Chris Wolf, ein Ergebnis mit dem ich nie im Leben gerechnet hätte.

Die Stimmung auf unserer Seite war eigentlich sehr gut, allerdings fand ich ein paar Schmähgesänge etwas überflüssig. Zudem nervten gelegentlich die bereits oben beschriebene Personen die sich in den Vordergrund drängten, daher blieb ich die meiste Zeit auf Distanz zum „Mob“. Die Stimmung auf Seite der Franken war ganz in Ordnung. Vor allem deren Schlachtruf „Britannia, Britannia“ ist irgendwie geil. Einige Schmähungen der Hofer fehlten auch nicht, allerdings sehr 08/15, man merkte halt das in Hof sehr viele Bayernfans (also Rote keine Hofer Bayern) rumlaufen. Die größte Fanvereinigung in Hof sind die Jungs von „B.H.F.C“, was für „Britannia Hof Football Club" steht. Warum immer wieder Britannia? Von 1911 bis zum ersten Weltkrieg hieß der FC Bayern Hof kurz FC Britannia Hof, mit Bezug auf die großen Vorbilder von der Insel. Da das Empire dann jedoch Kriegsgegner war, benannte man den Verein in FC Bayern Hof um was bis 2005 bestand hatte. Um an diese Gründerzeit des Traditionsclub zu erinnern, fing die Hofer Fanszene um die Jahrtausendwende mit der „Wiederbelebung“ des ehemaligen Namen an. Für seine Szeneartikel betreibt „B.H.F.C“ im Stadion einen eigenen kleinen Verkaufskiosk und ich muss ehrlich zugeben, die Artikel die hier angeboten werden stechen so manche Szeneartikel von diversen großen Szenen um Längen aus.

hof134Ja das war der Bericht aus Oberfranken und wie bereits gesagt, ein Besuch lohnt sich! Für mich hat er sich auf jeden Fall gelohnt. Ein 4:1 Auswärtssieg Löwenherz was willst du mehr. Ich kann vor der U21 weiterhin nur den Hut ziehen, was das Team, Trainer Alexander Schmidt im Jahre 2012 und Trainer Markus von Ahlen im Jahre 2013 geleistet haben ist aller Ehren wert und egal was noch passiert wir sind stolz auf euch.
GIESINGS EHRE – SECHZIG AMATEURE