EURO 2012, Danzig, 14.06., Vorrundenspiel der Gruppe C zwischen Spanien und Irland. 87. Minute, die Iren liegen hoffnungslos mit 4:0 zurück, als das Unglaubliche passiert. Keine Pfiffe, kein Platzsturm, nein. Wer auch immer dafür verantwortlich war, er hat mir den Glauben an das Gute im Fußball zurück gegeben. Aus mindestens 10000 Kehlen erklang „The Field of Athenry“, ein Lied über die irische Hungersnot von 1846- 1849. Unfassbar pathetisch mit Inbrunst und voller Stolz, vorgetragen von Kerlen wie Bäumen mit feuchten Augen und tiefen Stimmen. Von Enttäuschung keine Spur, purer Stolz auf das, was sie und die Verlierer auf dem Rasen sind. Iren!Braucht der Fußball den DFB, oder der DFB den Fußball?
geschrieben von Freiburger Fanblock in Freiburger Fanblock
Behauptung: Der Ende September (27.09) den 36 Profivereinen vorgestellte Maßnahmenkatalog ("Sicheres Stadionerlebnis") ist nichts weiter als der Versuch die Lizenzvergabe an das Fanverhalten zu koppeln! Mit Teil absurden Forderungen und Auflagen sollen die Vereine zukünftig dafür sorgen, dass wieder "Ruhe" im Sinne der DFB-Doktrin in Deutschlands Stadien einkehrt. Den Vereinen wird damit zusätzliche Verantwortung übertragen. Ob die Maßnahmen zur wohlfeil geforderten Sicherheit (Welcher?) beitragen können ist mehr als fraglich, aber vielleicht dienen sie auch einem ganz anderen Zweck?
...rasend schnell zwischen Harz- und Heideland so das sogar der Verein scheinbar infiziert ist!? Gemeint ist nicht die schlechte, aktuelle und störende Presse zum Thema Rechtsradikalismus im Eintracht Stadion, sondern die hervorragende Leistung unseres Teams und die damit traumatische „Aufstiegsstimmung“ in Braunschweig und Umland.
Nationalmannschaft kontra BVB
geschrieben von Matthias Saathoff in Matze's Viererkette
Heute Abend ist es wieder so weit. Deutschland trifft auf Irland und spielt um die WM Qualifikation mit. Eigentlich ein Ereignis, dass jeder Fußballfan mit Freude entgegenfiebern sollte. Bei mir ist das allerdings anders.
Wenn ich einem Verein oder einer Nationalmannschaft zujubele, muss ich mich damit auch identifizieren können. Zur WM 2006 habe ich mir sogar direkt 2 Nationaltrikots gekauft, damit ich jeden Tag ein frisch gewaschenes anziehen konnte. Heute ist Löw Trainer der Nationalmannschaft und immer wenn es darauf zugeht, das Deutschland spielt, verliere ich die Lust.
Wunschdenken aus Berlin über Frankfurt nach Hamburg. Und von Hamburg zurück nach Frankfurt?
geschrieben von Thomas Pundrich in HONDO's Welt
Am Dienstag dem 09-10-2012 kam es im Hamburger Volksparkstadion zu einer interessanten Zusammenkunft zwischen Fans und Offiziellen des Hamburger Sport Verein e.V.. Der Vorstand des HSV und der Sicherheitschef des Volksparkstadions, hatten die interessierten Fans geladen, um das kürzlich bei DFL/DFB-Liga-Sitzung(en) zusammengestellte Maßnahmenpaket zur „Verbesserung der Sicherheit in deutschen Fußballstadion (Stichwort: Sicheres Stadionerlebnis)“ vorzustellen und der geneigten Zielgruppe zur Diskussion zu stellen.
Die Stimmungskiller vom Rhein
geschrieben von Stefan Rieck in BökelbergLänderspielpause. Mal wieder. Irgendwie langweilig. Zwei Länderspiele, zwei Wochen tote Hose. Zwei Wochen keine Borussia, zwei Wochen kein Europapokal, nix. Man hatte sich gerade so schön an den 4-Tages-Rhythmus gewohnt. Immerhin: Es bleibt Zeit, mal auf die vergangenen Bundesliga- und Europapokalwochen zurück zu schauen.
Zum 30. Todestag von Adrian Maleika
geschrieben von Thilo Schmidt in Osterdeich-Schnack
In wenigen Tagen, genauer am 17. Oktober, jährt sich der Tod des damals 16-jährigen Bremer Fans Adrian Maleika zum 30. Mal. Über ein solches Thema zu schreiben ist nicht einfach, verlieren Fußball, Fankultur und Rivalitäten doch eigentlich jede Bedeutung, wenn ein Menschenleben verloren geht.
Was damals, im Oktober 1982 passiert ist, dürfte allgemein bekannt sein. Adrian und seine Freunde vom Werder-Fanklub "Die Treuen" wurden in Hamburg auf dem Weg von der S-Bahn zum Stadion von einigen Mitgliedern des HSV-Fansklubs "Die Löwen" angegriffen. Es flogen nicht nur Fäuste, sondern auch Steine. Einer traf Adrian am Kopf, er erlitt einen Schädelbasisbruch. Die Ärzte taten alles, was in ihrer Macht stand, doch am nächsten Tag war Adrian Maleika tot. Wer genau das tödliche Geschoss auf Adrian geworfen hat ist bis heute unbekannt.
Als diese tragischen Ereignisse stattfanden war ich gerade mal ein Jahr alt, ich bin also kein Zeitzeuge. Dennoch war es mir ein großes Bedürfnis, diesen Text zu verfassen. Der Slogan "Forgiven, not forgotten" (Vergeben, nicht vergessen) wird im Zusammenhang mit Adrians Tod gerne herangezogen, doch habe ich in den letzten Jahren immer stärker das Gefühl, dass zur Zeit genau das passiert: es wird vergessen. Ich meine damit nicht, dass die Geschichte über Adrian Maleika als solche vergessen wird, sondern die Tatsache, dass es bei aller Liebe zum Fußball, zum Verein (in meinem und Adrians Fall Werder Bremen) und zur Fankultur, bei allen Emotionen und Rivalitäten, eben doch "nur" um Fußball geht. Das mag zweifellos eine wichtige Sache sein, die den Lebensinhalt vieler Menschen (auch meins) stark dominiert, aber ein Menschenleben ist es trotzdem nicht wert.
Bei meiner Recherche für diesen Artikel ist mir eine Sache aufgefallen, die ich nicht verstehe. Als sich diese Tragödie ereignete, also Anfang der 1980er Jahre, hatte der (damals ja nur west-)deutsche Fußball ein schweres Gewaltproblem. Der Hooliganismus dominierte in der Bundesliga so stark, das viele Zuschauer den Stadien aus Angst fern blieben. Schwere Schlägereien und Verletzte waren fast schon der Normalzustand. Ich hätte eigentlich gedacht, dass ein radikales Umdenken, eine Zäsur, eine Art von Besinnung eingesetzt hätte, als diese Gewaltauswüchse mit Adrian Maleika ihr erstes Todesopfer forderten. Doch größtenteils (nicht ausschließlich!) war das Gegenteil der Fall. Die Beziehungen zwischen den Fans des SV Werder Bremen und des Hamburger SV verschlechterten sich extrem, bis hin zu blanken Hass. Auf Bremer Seite wurde laut nach Rache geschrien (Zitat eines damaligen Bremer Fans: "Auge um Auge, Zahn um Zahn!"), auf Hamburger Seite brüllen einige wenige Intelligenzallergiker heute noch "Maleika, Maleika, die Steine fliegen weiter!". Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber wenn ich so etwas höre oder lese, wird mir schlecht.
Ich sage oft (und viele stimmen mir dabei zu): die Menschen lernen fast immer nur dann, wenn Blut fließt; und meistens sogar nur dann, wenn es ihr eigenes Blut ist. Doch selbst wenn Blut fließt wird das schmerzhaft erlernte schnell wieder vergessen. Das zeigt sich schon in nur scheinbar unbedeutenden Kleinigkeiten, wenn beispielsweise Bremer Fans den Hamburger SV nicht mit Namen nennen, sondern mit der Abkürzung einer tödliche Krankheit, die nach Schätzung der UN bisher rund 28 Millionen Menschenleben gefordert hat. Oder wenn man sich vor und im Stadion gegenseitig "Tod und Hass" an den Kopf wirft. Die Unsitte, eine U-Bahn nach Auschwitz zu besingen, ist glücklicherweise so gut wie ausgestorben, doch werden im Ligalltag immer noch Parolen herausgebrüllt, bei denen ich mich schon frage, was im Kopf dieses Brüllaffen dabei vorgeht. Wahrscheinlich gar nichts.
Freunde werden Bremer und Hamburger, Dortmunder und Schalker, Kölner und Düsseldorfer, Nürnberger und Fürther, Bayern und Löwen oder Stuttgarter und Karlsruher wohl nie werden, um nur einige Beispiele zu nennen. Das müssen sie auch gar nicht. Die Bundesliga und der Fußballsport im allgemeinen lebt ja zumindest ein Stückweit auch von diesen Derbys und Rivalitäten. Sie sind der Chilipfeffer im Spielplan, ohne den die Bundesligasuppe wohl ein großes Stück langweiliger schmecken würde. Das ewige Duell darum, wer die Nummer eins im Norden, im Revier, am Rhein oder sonstwo ist, gehört zur Heimatliebe eines jeden Fußballfans. Hier jetzt für einen Kuschelkurs zu plädieren, darauf dass sich ab sofort alle ganz doll lieben haben, wäre so sinnfrei wie aussichtslos. Aber bei aller Rivalität sollte der menschliche Respekt doch stets gewahrt bleiben. Worte wie "Hass", "Tod", "Vernichtung", "Krieg", "Feind" oder "Bomben auf Bremen/Hamburg/Dortmund/Gelsenkirchen/etc." sollten beim Fußball nichts verloren haben. Vor allem das Wort "Hass" wird inzwischen so inflationär oft gebraucht, dass seine harte, extreme und eigentlich schreckliche Bedeutung kaum noch jemanden bewußt ist. Mit "Hass" verbinde ich Auschwitz, Stalingrad, Hiroshima oder Magdeburgisieren, aber kein Fußballspiel. Hass ist eine der dunkelsten, abgründigsten und im negativen Sinn extremsten Emotionen, zu der ein Mensch fähig ist. Die schönste Nebensache der Welt sollte damit nicht in Verbindung gebracht werden.
Dieser blinde und völlig sinnlose Hass war es, der Adrian Maleika das Leben kostete. Weil er Fan des "falschen" Fußballklubs war. Heute fliegen nur noch selten Steine, und dann meistens eher auf Polizisten (was genauso verwerflich ist!). Man feindet sich aber immer noch giftig an. Meistens "nur" mir Worten, die ja nicht töten können, aber das ist auch schon der einzige Unterschied. Fans werfen sich immer noch die heftigsten und ekelhaftigsten Dinge an den Kopf, machen sich aber gleichzeitig über den Streit zwischen muslimischen Sunniten und Schiiten lustig (hierbei geht es, stark vereinfacht gesagt, darum, wer der rechtmäßige Nachfolger des Propheten Mohamed ist) oder über die Differenzen zwischen evangelischen und katholischen Christen; sie verstehen die Konflikte zwischen Nord- und Südkorea nicht, zwischen Israelis und Palästinensern, auf Zypern oder Irland - dabei bekommen sie sich ja schon wegen so etwas profanen wie einem Fußballspiel in die Wolle.
Wer mich kennt weiß, dass ich früher lange Zeit in München gelebt habe, was für einen Werder-Fan natürlich nicht leicht ist. Ich habe mir dort sehr oft Dinge anhören "dürfen", die teilweise weit unter der Gürtellinie waren. Doch mit vielen Bayern-Fans bin ich heute noch gut befreundet (an dieser Stelle beste Grüße an Matthias Maether, einen meiner "roten" Freunde). Im Stadion stehen wir zwar in entgegengesetzen Kurven, doch privat verbindet uns die Liebe zum Fußball. Wir "kabbeln" uns oft, beehren uns auch gelegentlich mit kleineren Gemeinheiten, aber der Respekt untereinander geht dabei nie verloren.
Ich bin nicht so verblendet und naiv dass ich glaube, dass sowas zwischen allen Fußballfans funktionieren würde. Aber ich würde mir doch wünschen, dass etwas mehr gegenseitiger Respekt in die Fanlager einzieht, dass wir aufhören uns gegenseitig den Tod oder unheilbare Krankheiten an den Hals zu wünschen, dass es zwar Rivalitäten gibt, aber keine Feindschaften. Nicht zuletzt deswegen um zu verhindern, dass irgendwann wieder tödliche Steine auf Fans (oder Polizisten, die an dieser Stelle nicht vergessen werden sollen!) niederprasseln.
Fußball ist für uns Fans eine sehr wichtige Sache. Ein Menschenleben wert ist es aber nicht.
Diskutiert mit dem Autor dieses Artikels und weiteren Werder-Fans auf Facebook bei SVW1899 • Ultimate Werder Bremen.
