Die verlorene Unschuld
geschrieben von Christin Heidmann in FrauengeschichtenWir schreiben den 4. Spieltag der Frauenfussballbundesliga. Dieser 30.09.2012 sollte vielen in Erinnerung bleiben, wenn auch nicht in guter. Nach dem Abpfiff schrieben die Zeitungen von Skandal, von der verlorenen Unschuld des Frauenfussballs.
Mario Götze, Ausstiegsklauseln und der FC Bayern München
geschrieben von Matthias Saathoff in Matze's Viererkette
Seit heute ist es perfekt. Mario Götze wird den BVB in Richtung FC Bayern München verlassen, ein Wechsel der dem BVB 37 Millionen Euro einbringt und damit zum Rekordtransfer innerhalb der Bundesliga wird. Götze wird dort 2 Millionen mehr verdienen als beim BVB. So viel zu den Fakten.
Die Gefühlslage die so ein Transfer mitbringt ist gemischt, zum einen ist man enttäuscht, auch weil Mario mit dem Wechsel zum FC Bayern einen Schritt geht, der viele Fans verärgert, mich natürlich auch.
2 Dinge gibt es bei diesem Transfer aber, die mich nachdenklich stimmen.
Von Choreographien, Feigenblättern und Demokratie
geschrieben von Stefan Viehauser in Rotstift
Mittwoch, 21. April 2010, 20.40 Uhr. Allianz Arena München. Es ist das Halbfinal-Hinspiel der Champions League zwischen dem FC Bayern München und Olympique Lyon. Die Spieler betreten den Rasen und laufen auf einen riesigen Schriftzug zu. „Pack ma’s“ steht da geschrieben. Die Franzosen verstehen sicher nicht die Worte, aber die Bedeutung ist auch ihnen klar. Sie blicken sich um und sehen keine Fans. Nur eine riesige, rot-weiße Wand. Rund um sie herum. Im Stadion war man natürlich zu weit weg, aber wer es sich im TV oder danach als Aufzeichnung angesehen hat, der hat gesehen, wie einer nach dem anderen erst mal schlucken musste, sobald er aus dem Spielertunnel kam.
Dienstag, 23. April 2013, 20.40 Uhr. Allianz Arena München. Es ist das Halbfinal-Hinspiel der Champions League zwischen dem FC Bayern München und dem FC Barcelona. Die Spieler betreten den Rasen und laufen in ein Stadion ein, wie sie es schon hundert Mal gemacht haben. Es ist sicher eine größere Anspannung zu spüren, sowohl bei den Spielern, als auch bei den Fans. Aber schlucken - schlucken muss keiner.
Werder Bremen: Fünf vor Abstieg
geschrieben von Thilo Schmidt in Osterdeich-Schnack
Der "Weser-Report" ist die auflagenstärkste Anzeigenzeitung im Großraum Bremen. Innovativen Sportjournalismus sucht man hier vergebens, dafür findet man eine gelegentlich eine große Portion Lokalpatriotismus. Und zum Lokalpatriotimus der meisten Bremer gehört auch Werder Bremen, so auch für den Chefredakteur des Weser-Reports. Axel Schuller heißt der gute Mann, der mit einer Art offenen Brief 48 Stunden vor dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg die Werder-Fans aufrütteln wollte. "Jahrelang hat es sich niemand vorstellen können, doch jetzt holt uns die Wirklichkeit ein: Werder Bremen spielt um den Verbleib in der ersten Bundesliga", hieß es in dem kleinen Dreispalter, und weiter: "Wir als Bremer Publikum (...) müssen den Spielern den Rücken stärken. Durch bedingungslose Unterstützung, ohne Wenn und Aber, ohne Pfiffe oder Stille im Stadion." Nun, wie wir heute, drei Tage nach der 0:3-Niederlage gegen Wolfsburg wissen, gab es Pfiffe, und zwar nicht gerade wenig. Und ich muss leider sagen: wäre ich im Stadion gewesen, hätte ich auch gepfiffen. Denn dass, was die Spieler gegen Wolfsburg "geleistet" haben (das Wort verbietet sich hier eigentlich), war schlicht eine Unverschämtheit und es kotzt mich sowas von an, mit Durchhalteparolen wie diesen eingeredet zu bekommen, was ich als Fan zu tun und zu lassen habe!
Aus einem mir absolut nicht nachvollziehbaren Grund hat sich in den Köpfen erschreckend vieler Anhänger die Mähr festgesetzt, mein sei nur dann ein "wahrer" Fan, wenn man jeden Rotz, der einem von den Herren Profis geboten wird, kritiklos schluckt. Tut mir leid, ich bin wirklich ein sehr geduldiger Mann, aber dieser Meinung kann und will ich mich nicht anschließen. Ich habe schlicht die Schnauze voll. Ich habe genug von hohlen Durchhalte-Phrasen, von bedingungslose-Unterstützung-Gelaber und all dem ähnlichen Mist, egal ob ich es von anderen Fans, von Medienvertretern oder von Vereinsangehörigen aufgetischt bekomme. Ich kann es echt nicht mehr hören! Ich denke wirklich nicht, dass ich "meiner" Mannschaft tatsächlich damit helfe, wenn ich brav weiterjuble, obwohl sie gerade zum unzähligsten Mal in dieser Saison ein Herumgegurke präsentiert hat, dessen sich jeder Bezirksligist schämen würde – und um ihnen bei diesem Gegurke zuzujubeln habe ich auch noch über 30 Ocken auf den Tresen gelegt. Wenn mir nicht gefällt, was ich da auf dem Rasen sehe, dann habe ich verdammt nochmal auch das Recht, nein, sogar die Pflicht, meinem Unmut darüber Ausdruck zu verleihen!
In seinem offenen Brief schreibt Axel Schuller weiter: "Das Ziel: Werder muss in der nächsten Saison wieder den Sprung auf die internationale Bühne schaffen." – Jetzt mal ernsthaft, lieber Axel: kann ich von dem Stoff, den Du genommen hast, auch was haben, aber weniger? Ich dachte eigentlich, selbst der letzte Taubblinde hätte mittlerweile realisiert, dass der Werder-Kurs sehr hart in Richtung Paderborn, Ingolstadt und Cottbus geht – Mailand, Madrid und London sind Lichtjahre* weit weg! Selbst wenn der Klassenerhalt gelingen sollte, glaube ich kaum dass es an der Weser in absehbarer Zeit wieder Europapokalabende geben wird – oder sind mir irgendwelche Nachrichten, Zeichen, Indizien oder Hinweise entgangen, die auf eine aufstrebende Tendenz deuten lassen? Nein, ich denke nicht. Der Trend geht seit Wochen, Monaten, Jahren nur bergab. Ein Abstieg wäre die logischere Konsequenz als eine Europapokal-Qualifikation. Ich sehe derzeit leider nichts, was auf ein solches Wunder auch nur andeutungsweise hinweisen würde. Ich sehe tonnenweise heiße Luft, von den Spielern, vom Vorstand, vom Aufsichtsrat, von den Medien,... aber das bringt auch keine Punkte.
Man sollte aber auch nicht den Fehler machen und Kritik-üben und Unmut-äußern mit Liebesentzug verwechseln. Selbst wenn Werder Bremen absteigen würde, man könnte mich trotzdem noch regelmäßig im Weserstadion antreffen, ich würde trotzdem noch mit Stolz das grün-weiße Trikot tragen und die Werder-Fahne in mein Fenster hängen. Meine Fantreue zum Verein ist nicht abhängig davon, ob Europapokal gespielt wird oder in welcher Spielklasse man antritt. Im Gegensatz zu den meisten Werderfans, besuche ich auch Spiele der U23 (Regionalliga Nord = 4. Liga), der U21 (Oberliga Bremen = 5. Liga) oder der Frauen-Mannschaft (2. Frauen-Bundesliga Nord), hinzu kommen noch die Spiele meines lokalen Amateurklubs, dem Bremer TS Neustadt (Landesliga Bremen = 6. Liga) – soviel zum Thema "Wahrer Fan". All die "wahren" Fans, die mir in schöner Regelmäßigkeit vorpredigen wie "wahrer Fan" ihrer Meinung nach geht, lassen sich in diesen Spielklassen nur extrem selten blicken.
Leidenschaft zu einem Verein, "Fan-sein", schließt meinem Empfinden nach auch ein, Kritik zu äußern, wenn etwas schief läuft. Und bei Werder Bremen läuft zur Zeit verdammt viel schief. Der gefühlt fünfundzwanzigste "Umbruch" in den letzten drei Jahren verpuffte ins Nichts, für den kommenden Sommer ist schon der nächste angekündigt. Laut Axel-Springer-Verlag (allen voran mal wieder "Die Welt", die in Sachen Vollpfostenjournalismus der "Bild" in nichts nachsteht) wird Thomas Schaaf dann nicht mehr Trainer sein, die Schreiberlinge behaupten gar zu wissen, Schaaf wäre schon seinen Job los, sollte Werder am kommenden Samstag in Leverkusen verlieren (wovon ich ausgehe). Ich persönlich halte es für am wahrscheinlichsten, dass Schaaf bis zum Saisonende noch auf der Bank sitzen und anschließend ein anderer Coach versuchen wird, diesen Scherbenhaufen wieder zu kitten.
Ob beziehungsweise in welchem Umfang Schaaf für diesen Scherbenhaufen verantwortlich ist lasse ich jetzt mal dahingestellt. Den jahrelangen Niedergang von Werder Bremen nur an einer Person festzumachen halte ich jedoch für völlig falsch. Ich werde sehr oft (fast täglich gefragt), wo die Ursache für diese Krise zu suchen ist. Ich kann nur immer wieder antworten: ich weiß es nicht. Und ich bin der Meinung, all die "Experten" da draussen wissen es auch nicht, die raten, rätseln und spekulieren sich bloß was zusammen. Wirklich wissen dass wohl nur die Personen, die ihren Scheibtisch in den Bürotürmen am Osterdeich stehen haben, doch die halten natürlich die Klappe. Wie allen anderen auch steht mir als Informationsquelle nur das zur Verfügung, was ich mit meinen eigenen Augen beobachten kann (was wiederum alles, was hinter "verschlossenen Türen" vorgeht, schon mal ausschließt) und das, was Werder durch die Medien veröffentlichen lässt – und das wird bestimmt immer peinlich genau gefiltert, seziert und weichgewaschen, bevor es freigegeben wird, zur Zeit sicher mehr denn je. Fakt ist: nur noch fünf Punkte trennen den SV Werder Bremen von der Absteigszone, bei noch vier ausstehenden Spielen (auswärts in Leverkusen, dann zwei Heimspiele gegen Hoffenheim und Frankfurt, zum Schluß auswärts in Nürnberg) ist das kein sehr großes Polster.
Mittlerweile bin ich soweit, dass ich nur noch das Ende dieser katastrophalen Saison herbeisehne. Und das der nächste Umbruch, der vermutlich nicht nur die Namensliste des Profikaders kräftig durcheinanderwirbeln wird, sondern auch des Trainerstabes und der oberen Vereinsetagen, endlich auch mal seines Namens gerecht wird. Nach all dem Gemecker, Gezeter und Geschimpfe möchte ich diesen Blog mit einer guten Nachricht abschließen, und zwar betrifft diese die langfristige Zukunft der Bremer Mannschaft: sowohl die U23 als auch die U21, die A-Junioren und die B-Junioren sind unter den ersten fünf Mannschaften ihrer jeweiligen Ligen zu finden, die U21 ist sogar Tabellenführer (die U23 ist derzeit Fünfter, die A- und B-Junioren stehen aktuell jeweils auf dem zweiten Platz). Wenigstens eine Zukunftsperspektive bei Werder Bremen, die Hoffnung macht.
* Ich habe leider feststellen müssen dass man dieses Wort erklären muss. Mit Lichtjahren wird nicht, wie fälschlicherweise oft angenommen, ein Zeitraum berechnet, sondern die Länge einer Strecke. Ein Lichtjahr ist die Entfernung, die das Licht (im Vakuum) in einem Jahr zurücklegt. Die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum beträgt 299.792,458 Kilometer pro Sekunde, daraus folgt: 1 Lichtjahr = ca. 9.454.254.955.480 Kilometer.
Peter Peter Peter Peter Peter
geschrieben von Nadine Hampel in Bochum BlogLange habe ich überlegt, wie ich diesen Blog nennen soll. An Einfällen mangelte es dabei keineswegs. „Euphoria“, „In alter Manier“, „Auferstanden“, „The one and only“, „Ein Schnäuzer für ein Hallelujah“, und und und....die Frage war also nur, welcher Titel wirklich diesen absoluten Ausnahmezustand am Freitag Abend in Bochum beschreiben würde.
Mit Ausnahmezustand meine ich gar nicht unbedingt den Heimsieg des VfL, der ja nun auch lange auf sich hat warten lassen oder die Tatsache, dass Chancen tatsächlich verwertet wurden. Ich meine diese außergewöhnliche Stimmung, die mir beim Gedanken daran noch immer Gänsehaut verleiht. Sie war nicht nur gut, sondern auch ausgelassen, befreiend und erleichtert.
Eigentlich wollte ich noch nichts dazu schreiben. Eigentlich wollte ich noch abwarten, bis etwas Substanzielles da ist. Mehr, als die dürftigen Informationen die es bislang gibt. Eigentlich.
Am Samstag war ich erst mal geschockt, als ich die Meldung hörte, und direkt darauf der Zusammenhang mit der 500 Millionen Euro Geschichte des Stern hergestellt wurde. Ich hatte Angst, richtige, echt empfundene Angst, dass es sich um Geld des FC Bayern handeln könnte. Dass es den Verein, der sich im Moment in einem unfassbaren Höhenflug befindet, hinwegreißen könnte. Ein Wimpernschlag, und alles wofür er steht, wofür er geliebt und gehasst wird, vernichtet. Wegen Gier, wegen der Dummheit, einfach nicht genug bekommen zu können. Oder einfach nur aus dem irrwitzigen Glauben heraus, im Recht zu sein. Man gibt ja ohnehin schon genug, finanziell wie auch als Imageträger.
Es war eine Panikreaktion, völlig überzogen. Zumindest weißt im Moment nichts darauf hin, dass der FC Bayern involviert ist. Und trotzdem bin ich heute Morgen aufgewacht und habe gemerkt, dass mich diese Geschichte unheimlich mitnimmt.
Hinter dem eigenen Anspruch
geschrieben von Christin Heidmann in FrauengeschichtenEben noch freute man sich über die Punkte die Frankfurt hatte liegen lassen, jetzt steht man selbst wieder mit dem Rücken zur Wand. Denn dank der Niederlage gegen die SGS Essen muss am Mittwoch gegen den FFC schon fast ein Sieg her.
Doch wie soll das gelingen? Ich habe so meine Zweifel wie das werden soll. Nicht das ich der Meinung bin, dass man nicht auch mal ein Spiel verlieren kann. Nein, dass ist es wahrlich nicht. Die SGS ist ein gutes Team, zu Hause durchaus eine Macht. Aber die Art und Weise der Niederlage war doch erschreckend. In den 90 Minuten sah ich ein Team in blau, dass gegen elf Spielerinnen in rot spielte. An diesem Tag der entscheidende Unterschied.
