Sa29Apr2017

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Montag, 07 März 2016 18:54

Arminia in Bochum

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Rundumbeobachtungen DSC2015/16-XX

Donnerstag, 03 März 2016 13:04

Arminia gegen den SC Freiburg

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Rundumbeobachtungen DSC2015/16-XIX

Montag, 22 Februar 2016 19:40

Arminia gegen Paderborn

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Rundumbeobachtungen DSC2015/16-XVIII

Montag, 15 Februar 2016 18:44

Eintracht Braunschweig gegen Arminia

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Rundumbeobachtungen DSC2015/16-XVII

  DA 2Du stehst Samstagmorgens freiwillig im Dunklen aus Deinem warmen Bett auf.

Du fährst 600 km, obwohl der Wetterbericht Dir für den Zielort eine Regenwahrscheinlichkeit von 90 %, 5 Grad und Sturmböen voraussagt. Und Dein Zielort eine vollkommen ungeschützte Gästekurve, in diesem Fall die des Darmstädter Böllenfalltors, ist.

Du triffst im Ratskeller in Darmstadt etliche bekannte Gestalten, die bei einem leckeren Hellen vom Fass genau wie Du der Meinung sind „natürlich sind wir bekloppt, aber es macht Spaß“.  DA 7

Du amüsierst Dich blendend mit zahlreichen Fans der Lilien, während Ihr Euch in bestem Einvernehmen für den heutigen Nachmittag nur das Schlechteste wünscht. Die erstaunten Blicke der unbeteiligten Gäste über den friedlichen farbübergreifenden Schulterschluss und die reißerische Berichterstattung über immer mehr Exzesse beim Fußball lassen Dich schmunzeln.

Du marschierst mit Deinen geschätzten Mitbekloppten grinsend durch das Polizeispalier, Wald und Matsch (viel Matsch!) zum Gästeeingang. Statt Geschimpfe hörst Du immer wieder Satzfetzen wie “das ist Fußball!“, „herrliche Zeitreise“ und „yeah, Parkstadionwetter!“

  DA 1

Du bist Dir mit Deinem Nebenmann vollkommen einig, dass eine leicht angebrannte Paprikawurst mit Pils jedes Sternemenü toppt.

Du tauchst in den Block ein und reihst Dich bereits eine Stunde vor Spielbeginn reflexartig in den Support für Deine Mannschaft ein. Egal bei welchem Spiel unsre Fahnen weh‘n, Schalke wird nie untergehn…

Du triffst jede Menge bekannte Gesichter, der Klatsch zur Vereinspolitik und die aktuelle Regenwahrscheinlichkeit werden heißer gehandelt als jeder Börsenkurs. Nur noch 30 %, wow!

Du stellst erleichtert fest, dass andere Vereine einen noch schlechteren Rasen haben als Deiner.

Du gröhlst bei Spielbeginn begeistert den Wechselgesang Scheiß S04  - Scheiß SVD mit. Auch Schalke … nur Du alleine… bist meine Liebe…, Gelsenkirchen ist’ ne schöne Stadt und wir lieben alle nur den FC Schalke, unsren Kumpel und Malocherclub kommen Dir bestens über die Lippen.

  DA 3

Du bist einfach ein Teil des Blocks und es stört Dich kaum, dass Petrus Euch zeigt, wie die 30 % Regenwahrscheinlichkeit zu verstehen sind: 30 Liter für jeden ab Minute 30. So synchron, wie Du vorher mit den anderen geklatscht hast, zerrt Ihr Euch die Kapuzen über den Kopf und die Schals etwas höher. 3 Grad, Wind frontal im Gesicht. Weiter geht’s.

Du nickst anerkennend, als die gegnerische Kurve ein großes Transparent entrollt „Eure Strafen sind das Letzte. Es ist kein Derby ohne Gäste!“

   DA 4  DA 9

Du findest das Spiel scheiße. Du möchtest trotzdem nirgendwo anders auf diesem Planeten sein und das nicht erst, als Max Meyer die Feldüberlegenheit Deiner Mannschaft in einem allgemeinen Strafraumgestocher endlich zur Führung nutzt.

Du bildest in der Pause mit den Umstehenden eine spontane Schildkrötenformation gegen den fast waagerechten Regen und schaust trotzdem nur in begeisterte Gesichter. Endlich einmal ein strategisch wichtiges Führungstor kurz vor der Halbzeit für Deine, Eure, unsere Mannschaft, wen scheren da Wind und Regen?

Du hörst kurz nach Wiederanpfiff, wie hinter Dir eine bekannte Schalker Dame das zögerliche Einsteigen mit einem wütenden „hey, ich will dreckige Trikots sehen!“ kommentiert.

Du purzelst kurz darauf mit nassen, kalten, schreienden Unbekannten freudig übereinander, weil die Mannschaft diesen Rat beherzigt und Leroy Sané auf Vorarbeit von Max Meyer das beruhigende 2:0 besorgt. Hey, geht ja doch! … nur der harte Kern… hol ihn raus… steck ihn rein… für’n Verein…

Du freust Dich, dass Deine Mannschaft sich dieses Mal nicht zurücklehnt und klar das überlegene Team bleibt.

  DA 5Du merkst, dass es gegenüber auf der Haupttribüne einen tragischen Zwischenfall gegeben haben muss. Du erkennst, dass dort ein ganzer Haufen Sanitäter, Notärzte und Feuerwehrleute hektisch einen am Boden liegenden Menschen behandeln und reanimieren müssen.

Du weißt nicht, wer es ist, Du kennst ihn nicht, Du kannst nur vermuten, dass er zum harten Kern Deiner heutigen Gegner gehört.

Nichts könnte Dir egaler sein. Da liegt einer und kämpft um sein Leben. Das könnte einer von Euch sein. Das ist einer von uns. Uns Fans. „Getrennt in den Farben, vereint in der Sache“ ist eben nicht nur eine Floskel.

Du schweigst. ALLE schweigen.

Du klatschst erleichterst, als die Sanis das arme Schwein zumindest so weit stabilisiert haben, dass er mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden kann.

Du behältst wie alle anderen das Schicksal des Unbekannten dennoch im Kopf, als Deine Mannschaft vor der Kurve die verdienten und nach dem Chaos der Vorwoche eminent wichtigen drei Punkte feiert.

  DA 6  DA 8

Du hörst beim Rückmarsch durch den matschigen Wald ganz oft „hoffentlich schafft er’s“.

Du liest im Auto bereits die ersten Darmstädter Dankesbekundungen für die Schalker Solidarität, den Support einzustellen. Von Menschlichkeit und Mitgefühl ist die Rede.

Du denkst: Ist doch selbstverständlich. Ist es. Für jeden Fußballfan.

Und Du wünschst Dir, dass es mehr Fußballfans auf der Welt gibt. Mehr Menschen, die Solidarität trotz Rivalität nachvollziehen können und nicht lange nachdenken müssen. Die spontan das Richtige tun. Die sehr viel besser sind als Polizei und Medien oft glauben machen wollen.

Komm bald wieder auf die Beine, lieber Darmstädter.

Und alle anderen Fans: Passt gut auf Euch auf. Und bleibt wie Ihr seid!

Blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

Alle Fotos hier

 

Ein knappes Jahr des kompletten Wahnsinns liegt hinter uns Anhängern des HSV. Egal, ob man nun Fan, Mitglied oder nur ein wohlmeinender Fußballfreund ist, wir sind froh, dass wir dieses Jahr in dieser Form überstanden haben. Wenn man ehrlich ist und in der Nachbetrachtung, blickt man auf ein Jahr zurück, dass man nicht ein zweites Mal erleben möchte und ich als solch wohlmeinender Fußballfreund gegenüber anderen Clubs, wünsche so einen Irrsinn auch keinem anderen Verein und seinen Fans an den Hals. Anderseits war man auch irgendwie Teil dieser unglaublichen Geschichte, was meinem persönlichen Verhältnis zum HSV und den Anhängern zuträglich gewesen ist. Es hat mich und viele HSV-Freunde in unserem Selbstverständnis gefestigt. Man durfte im Verlauf auch gerade des vergangenen Sommers erkennen, wo Schleimer, Heuchler und Hyänen sitzen. Das ist eine sehr befreiende Erkenntnis.