Mi19Jun2013

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Dienstag, 14 Mai 2013 14:09

Derby in Köln: Fortuna besiegt Viktoria

geschrieben von in Allgemein

koeln fortuna-victoria 03 1

Auch in der zweiten Auflage konnte der SC Fortuna das Kölner Regionalliga Derby gegen Viktoria mit 3:1 für sich entscheiden. Oliver Laux brachte die Elf von Trainer Uwe Koschinat nach einem Freistoß in Führung. In der zweiten Hälfte legte der gerade eingewechselte Fabian Montabell nach und in der Schlussphase erzielte der starke Michael Lejan das 3:0 für die Südstädter. Viktoria Köln kam in der Schlussminute lediglich durch Fathi Candan zum Ehrentreffer. Insgesamt eine sehr souveräne Mannschaftsleistung und ein hochverdienter Sieg vor 3423 Zuschauern. 

Regensburg vs FCK 20130512 02Früher in der Schule musst man nachsitzen, wenn man sich nicht an die Regeln hielt oder den Lehrer über Gebühr strapazierte. Dann saß man also in der Schule, in einer dieser Klassenräume, mit einem griesgrämigen Lehrer und anderen “Nachsitzern” rum und verrichtete die Arbeiten, die dieser Griesgram, entweder im Auftrag des ursprünglich veranlassenden Lehrkörpers oder aus eigenem Antrieb heraus, dem bösen, widerspenstigen und ungehorsamen Schüler aufs Auge drückte. Ja, Nachsitzen hatte nichts mit Spaß zu tun. In meiner Schule gab es dann noch die Steigerung, Arrest, aber darauf will ich jetzt nicht näher eingehen. Meine Erfahrungen mit Nachsitzen habe ich durchaus zu Genüge gemacht, deshalb bin ich vielleicht auch ein wenig “uneuphorisiert”, wenn wir jetzt nachsitzen “dürfen”.

Ach immer diese Parallelen. Gegen Köln siegen wir im Hurrastil, schon müssen die Ratten zurück in ihre Löcher. Nun “dürfen” wir nachsitzen, BAUTZ, sind wir schon wieder dran schuld, wenn es nicht zur Versetzung reicht. Ja, Herr Kuntz, es ist schon ein Greuel mit diesen Fans. Stellen Ansprüche, bekommen was umsonst und sind immer noch nicht glücklich. Warum nur. Undankbares Pack!

Aber erst mal von Vorne, also nicht in den Rücken ;)

Montag, 13 Mai 2013 13:06

Jubel, Trubel, Heiterkeit

geschrieben von in Linker Läufer

So, genug gemeckert in den letzen Wochen.

Beginne ich mit den Worten von Markus Gisdol, Trainer der TSG Hoffenheim.

Er sagte: Der HSV hingegen hat heute sehr zielstrebig sowie konzentriert gespielt und war brutal effektiv im Torabschluss.

Dem stimme ich zu und könnte somit eigentlich meinen Beitrag auch mit diesen Worten beenden, weil in diesem Satz die ganze Wahrheit liegt. Ich applaudierte euch während des Spiels. Nach Schlusspfiff stand ich immer noch da und applaudierte. Heute ist Sonntag und ich applaudiere immer noch. Euer Spiel, oder eure Aufführung am gestrigen Samstag, das hatte Stil und Leidenschaft. Eine spielerische Finesse sowie Druck und Willen im Abschluss. Das war Fußball. Danke.

Doch nicht nur auf dem Rasen spielten sich Szenen ab, die erwähnenswert sind. Laut einem imaginären Polizeibericht kam es am Samstag…

….in der Zeit zwischen 15:30 Uhr und 17:25 Uhr Ortszeit zu Erschütterungen im Gebiet um das Rhein Neckar Stadion. Der Seismograf zeigte deutliche Erschütterungen an und die Gefahr eines mittleren Erdbebens war gegeben. Nachdem zahllose Wissenschaftler sich sofort auf die Suche des Auslösers begaben, wurden die Schuldigen, bzw die Ursache für das Anschlagen des Seismografen ausfindig gemacht. Laut der Aussage eines Wissenschaftlers waren Fans des Hamburger Sport Vereins für die Erschütterungen verantwortlich. Daraufhin konnte Entwarnung für die umliegenden Bewohner gegeben werden.

Polizei Heidelberg, 12.05.2013. Zeuge D. Hopp

01 hsv

Sonntag, 12 Mai 2013 19:59

FREIBURG TOTAL INTERNATIONAL

geschrieben von in Freiburger Fanblock

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Ähm ja, nee, jetzt wirklich? Doch, der Sport-Club Freiburg spielt nächste Saison europäisch! Zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte, aber diesmal ist die Story märchenhafter denn je. Allein der gehaltene Elfmeter von SCF-Goalie Oliver Baumann in der allerletzten Minute in Fürth ist eine Anekdote wert. Ohne diese Glanztat wäre es vielleicht nochmal eng geworden, sicher nicht einfacher. Und es wäre sehr ärgerlich gewesen, da wir uns den Einzug ins europäische Geschäft über 33. Spieltage hart verdient haben. Andere brauchen dafür bekanntlich die Hintertür.

Von ganz unten nach bis fast ganz oben kommt im Fußball öfter mal vor, umgekehrt gibt es das auch. Allerdings ist die Art und Weise wie der SCF die Sensation gestemmt hat mehr als beeindruckend und anscheinend nachhaltiger Natur, wenn man die familiär feiernden Jungs auf den Platz mit dem Trainerteam gesehen hat und bedenkt, wo wir vor einernhalb Jahren standen. Da wächst was weiter zusammen. Das lässt auch für die Zukunft hoffen.

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Es ist sicher nicht alles Gold was glänzt, es liegt eine Menge Arbeit vor dem Klub und einige Zweifler mahnen schon vor Europa. Ein "gefährliches Abenteuer" sei es kommende Spielzeit international spielen zu dürfen. Doppelbelastung, Spielerkader, Budget und so weiter werden dann als Argumente gerne lanciert. Angesichts der Historie, worauf nach EL-Quali immer der direkte Abstieg folgte, kann man schon mal ins Grübeln kommen. Aus Fansicht sind sie solche Routinezweifler aber gerade nicht in Mode. Denn zu verlieren haben wir nichts. Sollten wir in die CL-Quali kommen ist die Statistik eh hinfällig.

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Zur Zeit sollte das Motto lauten: "einfach nur freuen". Wir nehmen mit was geht und gut ist. Gefeiert wird sowieso. Gestern mit der Mannschaft und dem Trainergespann. Nachdem Oli Baumann das obligatorische "Humba" in XXL-Version vom Podest geschmettert hatte, verlangten die Fans den Trainer. Der kam dann auch — seiner Art entsprechend — mit dem kompletten Trainerteam Hand in Hand. Streich ließ es sich dann auch nicht nehmen mit im Takt schwingender Faust in die Fangesänge einzustimmen, nur auf das Podest wollte er nicht und schickte statt dessen Kult- Busfahrer Stefan Spohn vor , der seine Sache A5 gelöst hat. War schon legendär. Der Pogo der Trainerkombo bleibt indes ausbaufähig ;).

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Wir haben mehr geschafft als gedacht. Am kommenden Samstag gibt es die Endspielparty. Ohne Druck – abgesehen von den Millionen um die es geht – kann der SCF befreit aufspielen. Total international sind wir schon, totaler wär halt noch geiler! Wollen mal schauen ob wir der grandiosen Saison nicht noch das Sahnehäubchen auf die ohnehin schon opulente Schwarzwälder Kirschtorte packen können.

Sonntag, 12 Mai 2013 19:02

Wenn „echte Liebe“ nichts mehr zählt

geschrieben von in Dortmund Blog

echteliebe1Jetzt sind die Würfel gefallen - die Karten für das Champions-League-Finale sind verteilt. Und die Borussia hat sich dabei wieder einmal nicht mit gerade mit Ruhm bekleckert. Eine Bestandsaufnahme.

Über 500.000 Anfragen hat es nach BVB-Angaben für das Vereinskontingent von rund 24.000 Karten gegeben. Das klingt beeindruckend. Leider hat es der BVB - analog zu den Vergaben aus den Jahren 2008 und 2012 - verpasst, die Karten gerecht und fair zu verteilen. „Echte Liebe“ - das schreibt sich der Verein gerne auf die Fahnen. Doch wenn seine Fans ebendiese echte Liebe an den Tag legen, dann zeigt ihnen der Verein mitunter am Ende eines nebulösen Losverfahrens zum Dank die kalte Schulter.

Seit Mitte vergangener Woche wurden die Zu- und Absagen nach der Verlosung an die Bewerber verschickt. Zu der Kartenverteilung verkündete der BVB im Vorfeld auf seiner Internetseite:

„Das gesamte BVB-Kartenkontingent verteilt sich wie folgt: 80 Prozent für Mitglieder, Fanclubs und Dauerkartenbesitzer, 5 Prozent frei zugänglich, 10 Prozent für Sponsoren und Partner sowie 5 Prozent Best-Travel und Mitarbeiter.“

Ein Hohn waren die fünf Prozent für jedermann, also auch für Leute, die absolut keine Bindung an den Verein haben. Es kam, wie es kommen musste: Es gibt mittlerweile zahlreiche eBay-Angebote mit Karten aus dem Dortmunder Kontingent - und auch zahlreiche Bazis konnten sich über den BVB mit Karten eindecken. Das war großes Kino von der Borussia.

Bei der Bestellung der angeblich personengebundenen Karten konnte man sich für einen oder direkt zwei der begehrten Papierscheine bewerben. Hierbei mussten beide Personen mit Namen benannt werden, der Hauptbewerber konnte zusätzlich seine Dauerkarten- und Mitgliedsnummer mit angeben, um in den Pool der 80 Prozent zu rutschen. Das zweite große Kino der Borussia war der Punkt, dass in den Pool der 80 Prozent für Mitglieder und Dauerkartenbesitzer schließlich auch die mitbeworbenen Begleitpersonen eingeflossen sind, obwohl diese faktisch weder Mitglied noch Dauerkartenbesitzer sein mussten. Und so kamen zahlreiche Menschen in den Genuss einer Karte, die am 25. Mai teilweise zum ersten Mal ein Fußballstadion von innen sehen, während treue Auswärtsfahrer mitunter in die Röhre schauen. Ist das praktizierte echte Liebe? 500.000 Bewerber lassen sich von der Marketingabteilung des BVB natürlich erstklassig vermarkten, aber sollte es dem Verein, der sich stets auf seine Fans beruft, nicht ein Anliegen sein, dass diese auch für ihre Treue belohnt werden?

echteliebe2Für hoffentlich kommende Verlosungen von Finalkarten gibt es eine naheliegende faire Vergabepraxis, die nachfolgend für diese Saison spezifiziert dargestellt werden soll. Als besonderes Dankeschön für die Mühen sollten diejenigen, die den Verein nach Donezk (und daher auch nach Malaga) begleitet haben, mit einer Karte für das Finale belohnt werden. Auf der gleichen Stufe stehen die Inhaber von Auswärtsdauerkarten (ADK). In der Abstufung der nachfolgenden Vergabekriterien ist die Zahl der besuchten Champions-League-Auswärtsspiele von Relevanz: Von sechs Auswärtsspielen (wobei sich dies zu 99 % mit den ADK decken dürfte) bis herunter zu einem besuchten CL-Auswärtsspiel. Die Nachweise wären bei der Geschäftsstelle oder per E-Mail zu erbringen. Danach sollten Dauerkarten für das Westfalenstadion mit Champions-League-Option berücksichtigt werden, im Anschluss alle übrigen Dauerkarten und erst danach im vorletzten Schritt die Vereinsmitglieder. Erst danach wäre an einen freien Verkauf zu denken, wobei bis dahin vermutlich/hoffentlich schon alle Karten vergriffen sein dürften. Dies ist eine faire Vergabepraxis, mit der man zugleich den Schwarzmarkt weitgehend austrocknen könnte - zumindest was Karten aus dem BVB-Pool angeht. Denn welcher treue Auswärtsfahrer würde seine Finalkarte am Ende für 2.000 Euro verticken? Zu diskutieren wäre die Frage, ob es in der geschilderten Vergabe noch ein separates Kontingent für Fanclubs geben sollte. Eine abschließende Antwort kann ich an dieser Stelle darauf noch nicht geben.

Dieses Vorgehen wäre natürlich mit einem enormen Aufwand verbunden, aber wir sprechen hier andererseits auch nicht über Karten für das Finale im Westfalenpokal, sondern von einem Börsenunternehmen, das am wichtigsten Fußballspiel des Kontinents teilnehmen darf. Der gravierendste Nachteil dieses Plans  ist jedoch: Man wird keine 500.000 Bewerbungen bekommen, die man - „Echte Liebe“ verachtend - medial prächtig verkaufen kann. Und das scheint dem BVB momentan - wie schon bei den DFB-Pokal-Endspielen 2008 und 2012 - einmal mehr wichtiger zu sein.

Der HSV nimmt nicht mehr den Fahrstuhl zum Schafott, warum auch, wenn man sich zum komplett Entblöden gleich aus dem Fenster stürzen kann.

nofootballplease 12052013Oliver Dittrich ist bekennender HSVer, einer der in Hamburg ansässigen Prominenten, der sich auch gerne und ausgiebig dazu bekennt, während es immer noch sog. Prominente gibt, die der paaadie-frömmelden Pseudo-Coolness im Wilhelm-Koch-Stadion hinterherhecheln.

Sein jüngstes Comedy-Projekt brachte eine Sportberichterstattung mit sich, die zwar zunächst ein echter Brüller vor dem Herren war, aber, dem geneigten HSV Anhänger blieb nach konkretem Nachdenken der Lacher irgendwie doch im Halse stecken. Dummerweise bin ich mittlerweile so negativ gestimmt, was das Handeln und Agieren des Vereines, der Organe und der um den Verein herumvagabundierenden Ex-Funktionäre und Möchtegerns betrifft, so dass man dem ruhmreichen HSV eine Verpflichtung des doppelbeinvergipsten und dauerverletzten Ex-Talents „Pipo“ ohne weiteres Achselzucken zutrauen würde.

Im übertragenen Sinne machen wir das ja auch schon tagtäglich und mit wachsender Begeisterung. Ich unterstelle Olli Dittrich einmal, dass sein „Pipo“-Sketch eine künstlerische Reflektion über den Gesamtzustand des HSV sein soll. Sollte es sich aber nur um blödmichelige Comedy handeln, möchte ich aber dennoch meine allerherzlichste Gratulation für diesen durchaus gelungenen Irrläufer aussprechen.

Es ist nicht nur der Umstand, dass wir dank der der Familie van der Vaart auf einmal in einer Hamburgisch-Niederländischen Trailerparktrash-Schmonzette wiederfanden, nein, die Ansammlung lieblos zusammengewürfelter Fußballarbeitnehmer, wusste uns HSV-Fans und das zunehmend ungläubig-staunende Fußballdeutschland, immer wieder zu überraschen, mit immer neu gearteten und kuriosen Leistungen auf dem Fußballplatz.

Neben den wirklich hanebüchenen Leistungen gegen die „unterklassigen“ Mannschaften aus dem sog. Tabellenkeller, wusste dieser sensationelle Auswärtskracher beim Deutschen Meister absolut zu begeistern. Es gibt für einen Fußballfan nichts, was für einen mehr beschämender ist, als wenn sein Team wie elf stoffelige Kamele über das Feld wankt, dabei aber wieder die sattsam bekannten große Rosinen im Gepäck hat und fröhlich mitwirkt, wie die Bayern vollkommen gerechtfertigt das Team vertrimmen.

Und wieder einmal mussten die Verantwortlichen beim HSV auf den vogelwilden Klepper des Grauens und des Irrsinns aufspringen. Grillen mit den Fans, als eine Art „Austausch“ und zur Wiedergutmachung. Ich kann mir nicht zusammenreimen, aus welchem Verließ in den Katakomben des Volksparkstadion die Idee für diese Aktion herausgekrochen gekommen ist. Was ich aber sicher weiß, ist, dass die Wach- und Schließgesellschaft besser auf die Schlüssel hätte achten sollen. Keiner fand dieses Grillfest im Vorwege erquickend. Was ist denn die mehr oder minder unverhohlene Message dahinter? Fans sind eine stumpfe Masse, die man mit Freibier, Fleischabfällen in Pelle und ein wenig Blabla abspeisen (sic!) kann. Natürlich kam es wie es kommen musste: es wurde eine getarnte Saisonabschlußfeier, bei der sich die notorischen Eventies natürlich das Recht einlösten, sich doch Autogramme der Spieler zu holen und sinnlose Fotos zu machen, mit „Stars“, die sowieso zum größten Teil zum 30.06 in die Fußnotenhistorie des HSV eingehen werden.

Das taten die Leute wissentlich entgegen der Verkündung von Verein und Mannschaft, folglich muss man annehmen, dass Trallala denen wichtiger ist, als ein respektabler Umgang im Verein und mit dem Verein.

Ich bin mir grundsätzlich nicht sicher, ob Fußballspieler überhaupt verstehen, worum es den Fans eigentlich geht. Wenn man einmal ganz unromantisch mitbekommt, was so Spieler von Fans halten, dass es sehr häufig so ist, dass sie die Fans für fette und versoffene Schweine halten, denen man nur das gehörige Maß an Industrieschauspielertum entgegenbringen muss, weil Fußballfans sind ja auch hohl, damit man selber in Ruhe seinem ausgefallenen Auto-, Frisuren, Tattoo- und Frauengeschmack frönen kann, hat man seine Zweifel, ob Themen wie „Auswärtsfahrt“, „Choreo basteln“ oder „Ehrenamt“ für Fußballspieler nicht unbekannte Wörter aus einer fremdsprachigen Galaxie sind.

Es gibt einige Standardfloskeln für den Fußballkommentator, die man in der Fibel „Gudnabendallerseits“ findet, die wohl jeder Volontär beim Dienstantritt in die Hand gedrückt bekommt. Der Routinier unter den Kommentatoren bewegt sich aber jenseits dieser Fibel und benutzt ungeheuer ausgefeilte und scheinbar selbst ausgedachte Floskeln. Die Leit-Floskel für den HSV war in dieser Saison die „Wundertüte“. Ich kann diesen Begriff „Wundertüte“ ganz gut nachvollziehen, ich bin mir aber nur nicht sicher, ob die Sportjournaille damit dasselbe meint, wie ich: möchte man landläufig en passant seine Verblüffung kundtun, bezüglich der wechselhaften sportlichen und spielerischen Fähigkeiten des zusammengetrommelten Spielermaterials, gehe ich in meiner Wundertütenbetrachtung doch etwas tiefer bzw. einfacher strukturiert.

Der gesamte Verein ist eine Wundertüte. Man bezahlt ein Heidengeld für einen verheißungsvollen Sack an gülden schimmernden Geschmeiden, bekommt aber am Ende nur eine Handvoll Glasperlen und Plastiktand heraus. Der Verein ist eine Spielwiese für Amateure, Politiker und Möchtegerns jeglicher Couleur und Qualifikation. Diese Saison neigt sich nun ihrem Ende entgegen und wir können nun fast zwei Jahre unter der Ägide Edgar Jarchow bilanzieren.

Da ich nun sowieso kein großer Freund unseres Vorstandvorsitzenden bin, ist es nicht überraschend, dass meine subjektive Bilanz komplett negativ ausfällt. Wir haben die Lizenz für die kommende Saison ohne Auflagen erhalten, dennoch ist man sich nicht so ganz schlüssig, wie groß denn nun das „Defizit“ bzw. der „Bilanzverlust“. Einstellig, zweistellig, Millionenbetrag, ja, schon klar, mal wird es bei den Senioren so gesagt, und ein anderes Mal wird es der Frau Kerhahn bei NDR 90,3 so zugeraunt.

Aber, alles erst einmal irgendwie „so“ in den Medien, bzw. bei Vereinsveranstaltungen, die ja per se (per Satzung), nicht dazu geeignet sind, die Mitgliedschaft über Ergebnisse solch qualitativ elementarer Art zu informieren.

Es ist also nicht nur eine gewisse Kommunikationsklippe zwischen den Fans und der Mannschaft vorhanden, nein, diese Kommunikationsklippe existiert auch quer durch die Mitgliedschaft und durch die Organe.

Der beste Beleg dafür war die flegelhafte Petitesse, die sich unser Sprecher des Aufsichtsrates, der Herr Ertel, geleistet hat. Umgangssprachlich firmiert der Sprecher des Aufsichtsrates seltsamerweise als „Boss“…Hier nun der „HSV-Boss“.

Herr Ertel reklamiert für sich aufgrund seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Spiegel-Redakteur, nicht nur eine Expertise im Umgang mit den Medien, sondern auch eine nicht näher bestimmte Exzellenz. Als Spiegel-Redakteur ist das für mich als Laien sogar nachvollziehbar, da ich dieses Nachrichtenmagazin als ein Stück journalistische Leitkultur in diesem Land erachte. Es hätte mich aber schon misstrauisch machen müssen, dass eben dieses Nachrichtenmagazin, unter Mordio und Zeter in den letzten zwei Jahren, eine Printredaktion und Internetredaktion unterhalten hat. Zwei Redaktionen, die sich jeweils missgünstig und eifersüchtig in die Inhalte gespuckt hat, angeführt von Chefredakteuren, die wohl „nicht gut miteinander konnten“.

Kommt man aus so einem Hause, ist es nicht verwunderlich, dass man seinen eigentlich „privat“ gedachten Facebook Account offen wie ein Scheunentor hat und sich danach verwundert und auch noch verärgert die Äuglein reibt, dass es „Vereinskameraden“ gibt, die genüsslich einen Babykackesturm entfachen, wenn man mal einen steinalten und zusätzlich enddoofen Witz über den Herrn Hoeneß „teilt“.

Es steht keinesfalls zur Debatte, ob der besagte „Bayern-Boss“ nun ein Krimineller oder einfach nur ein heuchlerischer Saftarsch ist, nein, zwei Fragen muss man sich stellen:

Geziemt sich solch ein Witz für einen „HSV-Boss“ überhaupt, egal in welcher Form und in welchem Kreis?

Kann man als HSV Mitglied nicht einfach eine dem Amt angemessene Medienkompetenz erwarten, als dass man, wenn man in ein Fettnäpfchen getreten ist, nicht umgehend dafür sorgt, dass die Sprenkel aufgenommen werden?

Ich denke „Nein“ und „Ja“.

Um das Chaos perfekt zu machen, äußerten sich diverse Aufsichtsratsmitglieder über die Medien zu diesem Thema, der Marketingvorstand Herr Hilke erzählte etwas von ersten begeisterten Sponsoren und die Krönung der Entblödung war ein „offener Brief“ eines gewissen Interessenkreises in der Mitgliedschaft, den sog. „HSV-Realos“. Dass man sich bemüßigt fühlt, sein Missfallen bezüglich des Fauxpas von Herrn Ertel kundzutun, ja, das geht in Ordnung, mache ich hier ja auch.

Es ist aber keinesfalls nachvollziehbar, dass man dazu aber eine etwas schräge Form wählen muss. Zutiefst unterwürfig kriecht man dem FCB in den Allerwertesten, als hätte der Penälerwitz die Dimension von Vaterlandsverrat und Blasphemie gehabt. Und wäre das alles nicht schon peinlich und affig genug, hat man diesen „offenen Brief“ mit einer gewissen Spur von (unfreiwilliger?) Ironie angereichert: Auf Facebook veröffentlicht, hat man zum „Unterschreiben“ via „Gefällt mir“ aufgerufen. Mit der ulkigen Konsequenz, dass die 67 Personen, die dieses Pamphlet auf der FB Seite der HSV-Realos, nun wiederum von empörten „Fundamentalisten“ entfroindet wurden.

Was bleibt festzuhalten: Das Klima im Verein und in der Mitgliedschaft ist komplett versaut. Das geht sogar so weit, dass Vereinsbedienstete, die wegen des Abganges von Bernd Hoffmann und Katja Kraus frohlockt hatten, nun nach zwei Jahren komplett ernüchtert sind und den aktuellen Verhältnissen den Grad „schlimmer“ testieren.

In den letzten zwei Jahren hat sich Vieles verändert. Nichts hat sich verbessert, wenige Dinge sind anders, die Mehrzahl an Umständen hat sich deutlich verschlechtert.

Die Mitgliedschaft ist daher umso mehr gefordert, sich zu einen und sich dann konstruktiv einzubringen. Sonst gibt es doch irgendwann mal den „alternativlosen“ Vorschlag, dem man dann doch ohne eigene Überzeugung zustimmen muss.

Rathouse Blues – Let it roll, Baby, roll... - Rundumbeobachtungen