Di21May2013

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Freitag, 03 Mai 2013 20:40

Ein Kessel Buntes - Mai 2013

geschrieben von in Jochen G

Nun sind doch glatt schon wieder drei Wochen vergangen seit dem ich meinen letzten Beitrag schrieb. Deshalb heute mal ein wenig Aufarbeitung der liegen gebliebenen Erinnerungen, Meldungen und Sonstigem der letzten Wochen.

 

Sportlich

Auswärtsspiel Aue

Ein Kessel Buntes 20130503 2Hatten wir Anhänger des 1. FC Kaiserslautern noch nach dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln gehofft, dass nun endlich der Knoten geplatzt, der Bock umgestoßen, eine Reaktion der Mannschaft erfolgt sei, bezogen wir ja prompt eine Woche (und drei Tage) später die Haue in Aue. Zumindest Haue in Form der medialen Reaktion auf ein 1:1 gegen eine auf neun Spieler vom Schiedsrichter reduzierte Auer Mannschaft, die sich mit letzter Kraft und dem Aufbäumen gegen die drohende 1:0 Niederlage zur Wehr setzte. Es kam, wie es kommen musste. Der 1. FCK kassierte den Ausgleich und erntete den Spott der Fußballmedien. In Köln wird man wohl nicht nur ein Fass aufgemacht und dieses dem Fußballgott geopfert haben.

 

Heimspiel Paderborn

Am Wochenende drauf, zur besten Schweinebraten mit Klößezeit, also der Anstoßzeit der zweiten Liga um 13:30 Uhr, sollten die “roten Teufel” dann eine Reaktion zeigen. Schrumpft man das Spiel auf das Ergebnis zusammen und sieht nur die Zusammenfassung im Fernsehen, so mag der 3:0 Erfolg über den SC Paderborn sicher sehr eindeutig ausgesehen haben. Im Stadion selbst und über die gesamte Spieldauer war diese Eindeutigkeit allerdings nicht wirklich auszumachen. Es waren tolle Spielzüge, die zu den drei Toren geführt haben. Aber drei Spielzüge sind nicht 90 Minuten. Letztendlich ist es aber egal. Drei Punkte sind drei Punkte und keiner fragt, ob und wie sie gewonnen wurden. Wäre da nicht …

Freitag, 03 Mai 2013 19:42

Wirklich eine Wachablösung?

geschrieben von in Frauengeschichten

Mit dem VfL Wolfsburg wird erst der zweite „Männerverein“ im Frauenfussball deutscher Meister. 1976 war es der FC Bayern München, dem dies zum ersten Mal gelang. 2009 hätten sie dies fast wiederholt, erst am letzten Spieltag wurden sie abgefangen. 

In der FAZ sprach man jetzt von Wachablösung, von klangvollen Namen, die Titel holen. Ob der VfL ein klangvoller Name ist, dass sei dahin gestellt. Im Frauenfussball sind es eher die beiden FFCs, die Esprit versprühen. Und doch kann dies der Anfang einer neuen Ära werden, einer, in der nicht mehr die reinen Frauenclubs die Geschehnisse bestimmen, sondern die Männervereine mit Frauenabteilungen. 

Freitag, 03 Mai 2013 14:30

Liegt Europa eigentlich in Deutschland?

geschrieben von in Linker Läufer

Thorsten Fink: Meine Mannschaft hatte das Spiel in den ersten Minuten im Griff. Alles lief bis zum Führungstreffer für uns nach Plan. Doch dann haben wir Schalke durch einfach Fehlpässe ins Spiel kommen lassen. Wir waren heute nicht clever genug und haben verdient verloren. In der zweiten Halbzeit hat sich Schalke qualitativ von einer anderen Seite als wir gezeigt. Und sie hatten heute mit Huntelaar auch einen echten Trumpf auf dem Platz, der dort steht, wo man als Torjäger stehen muss.

Bitte Papa, fahre nicht. Gehe mit uns aufs Weinfest. Es ist nicht leicht seine kleine weinende Tochter zurück zu lassen um zum Fußball zu fahren. So war das letzten Sonntag. Heiko, ich hoffe deine Tochter hat sich wieder beruhigt. Ahnte sie vielleicht was uns erwarten würde?

Es ist nicht immer einfach, die richtigen Worte zu finden. Unserem Trainer geht es wohl genauso. Ich überlegte eine Weile und schrieb los. Das Gesehene, dass unüberlegte, dass spielerische zusammenzufassen verwirrt mich zunehmend.  Genauso ist es mit den Auswärtsfahrten. Ich überlege, ob ich fahren soll, die schlechten Spiele stets im Hinterkopf präsent, ein Konflikt im inneren, der Zwiespalt riesengroß. Da steht man dann nun wieder. Wie soll es auch anders sein. Was man auf Schalke zu sehen bekam, bestätigte mich wieder einmal aufs Neue. Das Gekicke bricht einem den Mut.

Die Moral von der Geschichte. Die Sucht nach der Kurve bleibt immer bestehen und so steht man nun wieder mittendrin. Umgeben von seinen Freunden und Leidensgenossen, in den Blicken Hoffnung und Glaube. Heute geht einer.

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Wenn die Ausnahmen nicht die Regel wäre. Nach Abpfiff war ich mir sicher. Scheiß auf Hoffenheim. Da fahre ich nicht hin- eine halbe Stunde später. Die Kehrtwende. Ich fahre doch. Die Angst was zu verpassen, zu groß. Vielleicht ein 1:5, oder 2:9. Ein 1:4?

In zwei Wochen stehe ich nun, wie viele andere wieder in der Kurve. Das letzte Auswärtsspiel der aktuellen Saison. Trotz der zum Teil ungenügenden Spielaufführung der Protagonisten, die einem den Spaß an die wöchentlichen Fahrten ein klein wenig versauen.

Wir wollen nach Europa“. Das war vor dem Schalke Spiel zu lesen. Die Chance abermals zum Greifen nah. Freiburg, Gladbach patzen, sowie die Eintracht aus Frankfurt. Sofort meldete sich das Chaos im oberen Teil. Mein Hirn. Wen wundert es dann. Wenn ich schon so verwirrt bin, wieso dürfen die Spieler dann nicht verwirrt sein? Europa war was?  Linke Abfahrt oder geradeaus durch die Kurve? Wo liegt Europa? Und wo liegt der Pokal?

Gemerkt habe ich davon, bis auf die ersten sieben Minuten wenig. Ab der 9. Minute wurde es einem eindrucksvoll bewiesen. Nach Europa will nur der FC Schalke. Doch, ich möchte auch nach Europa? Was nun? Nun reise ich bald in die Türkei. Geografisch eher Asien, aber egal. Ich will nach Europa.

Was sind eigentlich die Urlaubsziele unserer Stars? Thailand, Amerika oder Nordkorea? Von Europa ist jedenfalls nichts zu spüren.

Es ist traurig doch leider die Realität. Und bevor wieder diese ganzen Jammersprüche von andern Fans kommen.

Ja ich weiß, wo wir letzte Saison standen. Bla bla.

Doch kann man nicht endlich am 31. Spieltag verlangen, dass die Spieler ihre Laufwege kennen, dass der eine weiß, wo der andere gleich hinläuft. “No look” Pass. Ok, jetzt übertreibe ich. Doch selbst mit sehendem Auge finden sie ihre Mitspieler nicht. Pässe in den freien Raum, nur leider ohne Mitspieler. Unsere Abwehr, wenn man es so deklarieren darf, eine deformierte Zusammenstellung aus Raumschiff Enterprise und Best of Helene Fischer. Schrott.

Es tut mir Leid, dass ich das so offen schreiben muss, ich meine es auch gar nicht böse, doch wenn ich euer Spiel, was ihr als Fußball spielen auszeichnet, sehe, dann stecken mir die Brocken im Hals fest. Harte Worte. Ich schäme mich.

Es ist echt nicht leicht. Zu eurer Leistung fehlen mir echt die Worte. Nach zwei zum Teil glücklichen Siegen war ich zurück in der Realität. Viele von euch Reden von und über Europa, aber das Können dafür fehlt leider. Zum Glück konnten wir Abstiegskampf.

Und nun? Heimspiel gegen Wolfsburg. Wer am Ende heulen wird? Ein Wolf, oder ein Seemann?

Und für diejenigen die auf die Idee kommen sollten eine Leiter mit ins Parkstadion zu nehmen. Leider verboten….sowie Waffen, Marihuana oder auch eure treuen Vierbeiner müsst ihr leider zuhause lassen. Strenge Regeln bei den Knappen. Ich bin verwirrt.

s04 hsv schild

Auswärtssieg, Auswärtssieg…….

Europäische Grüße aus Hessen,
Christian E.

Choreo-Bilder: www.cfhh.net

Freitag, 03 Mai 2013 12:06

Der Glubb ist nun mal der Glubb

geschrieben von in Alles für den Glubb

Am 04.05.1900 erblickte der Glubb das Licht der Welt. Morgen vor 113 Jahren wurde unser Ruhmreicher geboren.
Während dieser 113 Jahre ist viel geschehen beim 1. FC Nürnberg e.V. Die glorreichen Zeiten hat der Glubb hinter sich. Ob wir je wieder eine Deutsche Meisterschaft miterleben werden, steht in den Sternen. Für mich persönlich wäre das natürlich der allergrößte Wunsch, die 10. Meisterschaft feiern zu dürfen. Dazu müsste man allerdings einige Vereine aus der Liga verbannen, um diesen Traum verwirklichen zu können... Also träumen wir weiter und wer weiß - eines Tages - stehen wir mit der Schale am Hauptmarkt und lassen es so richtig krachen. Es wäre auch wirklich toll, wenn an diesem Tag keine einzige Sendung über Luchse ausgestrahlt werden würde ;-)

Bis es aber soweit ist, sollten wir erstmal versuchen, die laufende Saison gut hinter uns zu bringen. Morgen ist die Mannschaft aus Leverkusen zu Gast im Max Morlock Stadion. Das bereitet nicht nur mir Bauchschmerzen. Nach den desolaten Leistungen gegen die Westvorstadt und den Retortenverein des Dietmar Hopp wird mir ganz übel, wenn ich an morgen denke. Der Glubb ist nun mal der Glubb und der Glubb schafft oft das Unmögliche. Leider im negativen Sinne... Wir sind noch nicht ganz durch und die Relegation könnte auf blöd noch winken. Klar, in den letzten Jahren haben wir uns in der Relegation gut geschlagen aber jede Serie hat einmal ein Ende... Und wie schon erwähnt, der Glubb ist nun mal der Glubb...

113 Jahre Glubb - da sollten sich alle Akteure auf dem Rasen zusammen reißen und uns allen das schönste Geschenk bescheren. 3 Punkte zum Geburtstag wären schon grandios. Also Arsch aufreißen und Kampfgeist und Siegeswillen beweisen! Hier ein Zitat von Michael Wiesinger (den kompletten Text könnt ihr auf der Glubb-Homepage nachlesen):

"Wille, Leidenschaft, Handlungsschnelligkeit, Situationen erfassen können. Wir sind jetzt gefordert. Dem müssen wir uns stellen. Jeder muss jetzt Farbe bekennen", so der Club-Trainer. "Wir als Mannschaft müssen das Gefühl vermitteln, dass wir diese Niederlagen vergessen machen wollen. Wir wollen wieder eine positive Serie starten."

Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube...

Wobei vielleicht doch noch Hoffnung besteht. Unsere Freunde vom FC Everton sind momentan zu Besuch. Beim Hinspiel in Hamburg haben sie uns Glück gebracht :-) War aber glaub ich auch, das erste Mal, dass wir mit den Jungs im Stadion nicht verloren haben *g* Ich freu mich auf jeden Fall, dass sie erneut den Weg von meiner Lieblings-Insel zu uns nach Nürnberg angetreten sind. Wenn wir morgen wahrscheinlich eh nix zu Feiern haben, ziehen wir das einfach auf heute vor!

EFC and FCN! Welcome back, guys!

Lassen wir uns überraschen, welches Geschenk der Glubb uns und auch sich selbst am morgigen Geburtstag macht...

Im Übrigen feiert auch das Ya Basta Team Geburtstag. 6 Jahre lang begleitet uns das Heft nun schon durch den Glubb-Alltag. Beim morgigen Heimspiel könnt ihr Ausgabe 36 bei den üblichen Verdächtigen erstehen. Hier ein kleiner Vorgeschmack auf die aktuelle Ausgabe:

★ 6 Jahre Ya Basta! Teil 6: 2012/2013
★ Titelthema: Zaunfahnenkultur
★ Spielberichte
★ Szene News
★ Lesestoff & Flimmerkiste (Fanzine- und Buchbesprechungen, Sky-Doku)
★ RSH
★ Staatsfeinde (Texte: Wir machen auch Hausbesuche // Absicht oder Zufall – Die Rolle der Polizei in München)
★ Sicherheit kostet Menschenleben
★ Förderkreis Choreographien – Bilder Making of
★ Meine Stadt Spezial (Der Nürnberger Trichter – Mythos oder Realität)
★ Amici (Neues von unseren Freunden, 10 Jahre UN + UGE, Rückblick: Hugos sind nicht auszulöschen, Tourbericht Larissa, Spielberichte Schalke – Dortmund, Galatasaray – Schalke, Nyköpings – Göteborg)
★ Seitenblick („Blut muss fließen" – Ein Journalist wagt sich in die Neonazi-Szene)
★ Auswärtsblock

Und wer noch nicht genug Lektüre hat, kann sich beim Hefdla-Hannes oder bei mir im Fanprojekt-Container die restlichen Ausgaben des aktuellen Daggl holen. First come, first serve.

Das war´s für heute. In diesem Sinne: schönen Gruß an alle Gegner - Tradition kann man nicht kaufen!

real4Endlich ist es soweit. Schier endlos kam mir die Woche seit dem Hinspiel vor. Doch nun, endlich, ist er da, der Tag der Entscheidung: Einzug ins Finale oder das Ende einer ohnehin schon überaus erfolgreichen Champions-League-Saison? Zunächst schlendern wir noch ein wenig durch Madrid. Festzuhalten bleibt dabei: Der Madrilene an sich kennt kaum Berührungsängste, überall werden wir ob unserer schwarz-gelben Kluft angesprochen. Dabei gibt man uns oftmals per Finger deutlich zu verstehen, dass Real uns am Abend wahlweise mit drei oder vier zu null schlagen wird. Aha, wenn die hier alle so überzeugt sind, wieso wetten die Leute dann nicht darauf? Doch so sehr uns die Madrilenen auf der Straße schließlich auch unser Ausscheiden weis machen wollen, so treten sie uns gegenüber doch stets freundlich auf, nie die Grenze des Anstandes überschreitend. Ja, sie sind gute Gastgeber, diese Hauptstädter. Und hier und da wird uns auch ein nach oben zeigender Daumen entgegen gestreckt - selbst von ein, zwei Polizisten. Die Atletico-Fans sind also auf unserer Seite.

Der Spieltag soll nun aber erst einmal mit einem typisch spanischen Frühstück beginnen - mit hamburguesa con queso, einem Cheeseburger bei McDonald's. Danach treffen wir uns mit den letzten Nachzüglern unseres Fanclubs, ehe wir uns dann alle vereint im mit Dortmundern bevölkerten Irish Pub „Dubliners“ (Calle de Espoz y Mina, 7, Madrid) auf das Spiel am Abend einstimmen. Irgendwann werden die alten Charts aus den Lautsprechern verdrängt und es ertönen schwarz-gelbe Fanlieder - dem Wirt war zuvor eine CD zugesteckt worden.

real10Um kurz vor 5 machen wir uns endlich auf den Weg zum Stadion. Es ist wirklich unglaublich, wie ein solch beeindruckendes Bauwerk einfach mal mitten in der Stadt liegen kann, quasi mitten an einer Kreuzung. Nach intensiven, aber gut organisierten Eingangskontrollen geht es per Rolltreppe hoch in den Gästeblock - unserer befand sich im fünften(!) Rang unter dem Dach, gefühlte 150 Meter über dem Spielfeld. Ich bin zum ersten Mal in diesem Stadion, und ich muss sagen: Wenn das Stadion von außen beeindruckend ist, so verschlägt es einem innendrin regelrecht die Sprache. Dachte ich bis dahin, die Ränge im Westfalenstadion wären steil, so werde ich hier eines Besseren belehrt. Das Bernabeu-Stadion lässt sich kaum in Worten erklären, es ist einfach ein sehr geiles Stadion.

Und dann prallen im Gästeblock zwei Welten aufeinander: Die Supporter-Fans auf der einen Seite und die erlebnisorientierten Tagesfahrer auf der anderen Seite. 500 Euro haben die Letztgenannten im BVB-eigenen Reisebüro (BEST) auf den Tisch gelegt, um ihrer Mannschaft für einen Tagesausflug all inclusive nach Madrid im Charterflieger folgen zu können. Leider hat es sich entweder bis zu ihnen nicht durchgesprochen oder - was ich aufgrund der Gespräche eher annehme - es ist ihnen egal, dass im Auswärtsblock faktisch Anarchie herrscht. Jeder sitzt oder steht dort, wo er will - trotz fest zugewiesenen Platzes. Leider bestanden die Damen und Herren jedoch, als sie den Block erreichten, zunächst oftmals penetrant darauf, auch den Platz zu bekommen, der auf ihrer Eintrittskarte ausgewiesen ist. Durch gutes Zureden verstanden oder zumindest akzeptierten letztlich auch unsere BESTler die herrschende Anarchie, dass der Block von den Ultras ausgehend rechts und links nach dem Zeitpunkt des Eintreffens aufgefüllt wird.

Abzüge in der B-Note gibt es für das Stadion übrigens für die Akustik: Die Stadionlautsprecher dröhnen mit gefühlten 17.000 Dezibel über unseren Köpfen und dazu wird Musik gespielt, die einen eher eine Disko- als eine Fußballkugel erwarten lässt. Sei’s drum. Scheißegal, Borussia Dortmund international! Zu Spielbeginn nehmen auch die Heizstrahler unter dem Tribünendach ihre Arbeit auf und heizen dem Gästeblock ordentlich ein. Dem Support tut dies jedoch keinen Abbruch. Real legt auf dem Rasen los wie die Feuerwehr, wir tun es auf den Rängen. Roman Weidenfeller wächst über sich hinaus, blankes Entsetzen jedoch bei unseren wenigen vergebenen Chancen.

real11Die Anspannung wächst. Jede Minute des Spiels vergeht wie in Zeitlupe. Noch 89 Minuten. Noch 75. Noch 65. Noch 50. Halbzeit. Noch 44. Noch 39. Noch 25. Noch 15. Noch 10. Dann plötzlich die Explosion. Als ich selbst mich bereits bei dem Gedanken ertappe, dass der Finaleinzug wohl eingetütet ist, trifft Benzema in der 82. Minute doch noch zum 1:0. Das Stadion verwandelt sich in einen Hexenkessel und ich denke sofort: Fällt hier noch ein Tor, dann war es das wohl, dann wird auch das dritte fallen - und wir sind doch noch raus! Dagegenhalten! Borussia! Borussia! Es bleibt beim 1:0, irgendwie. Doch dann trifft Ramos zum 2:0. Ich kann es nicht fassen - und in dieser Sekunde bin ich mir sicher: So wie das hier läuft, wird auch das dritte Tor noch fallen! Das scheinen auch viele, wenn nicht gar alle, der mitgereisten 8.000 Dortmunder zu denken. Ich schaue mich um - und blicke in erstarrte Gesichter. Support scheint nur noch sporadisch möglich, alle sind wie gelähmt. Zum ersten Mal überlege ich, den Block vor dem Spielende zu verlassen. Der Spielverlauf zehrt einfach zu sehr an meinen Nerven. Der große Traum von Wembley - zerplatzt er hier? Er zerplatzt! Sekunden vergehen wie Stunden, die Zeit spielt für Real. Nur noch irgendwie die letzten Minuten überstehen. Ballverlust Real, ab zur Eckfahne, Zeitgewinn. Fünf Minuten Nachspielzeit. Die weggedroschenen Bälle kommen schneller zurück als erwünscht. Noch einmal auswechseln. Verdammt, es muss doch gleich rum sein. Mein Vordermann reckt mir die mittlerweile handgestoppte Nachspielzeit entgegen, 4:38 Minuten. Noch 20 Sekunden. Los jetzt, keinen Fehler mehr machen. Und dann, Aus! Schlusspfiff! Es ist vollbracht. Ich kann zunächst nicht jubeln, mein Körper scheint nur aus Adrenalin zu bestehen. Erst nach und nach beginne ich zu realisieren, dass meine Borussia im Finale der Champions League steht. FINAAAALEE, OHOOO. Ich stimme mit ein. Auch ich beginne zu feiern. Und schließlich bringen mich unsere BESTler auch noch zum Schmunzeln, als sie ob der üblichen Blocksperre ganz nervös fragen, ob denn die bereitstehenden Busse auch auf sie warten würden.

real9Völlig erleichtern ziehe ich mit meinen Leuten zurück ins Hostel. Nach einer kurzen Nacht machen wir uns am Mittwochfrüh um fünf Uhr auf den Rückweg zurück in die Heimat. Um 1 Uhr am Donnerstagfrüh kommen wir schließlich zwar erschöpft, aber überglücklich an.

Am 25. Mai geht es nun nach Wembley - und wenn wir wirklich den Titel holen, dann wartet im Dezember die Klub-Weltmeisterschaft in Marokko. Das sind von Dortmund aus über 3000 Kilometer. Die kann man im Auto zurücklegen. Noch ist es nur eine Schnapsidee...

Ende der Serie.

real130. März 2007, etwa 22 Uhr: Soeben hat Jonas Kamper das 1:0 für den DSC Arminia erzielt - und meinen BVB damit auf den 17. Platz geschossen. Vorletzter nach 27 Spieltagen. In Dortmund schienen die Lichter langsam auszugehen, wir standen mit einem Bein in der zweiten Liga. Was dann folgte, ist oft genug beschrieben worden. Doch die wundersame Wiederauferstehung des Ballspielvereins sollte stets eine Mahnung sein, wo wir noch vor wenigen Jahren standen. Umso unglaublicher ist es, dass ich jetzt, knapp sechs Jahre später, mit gepacktem Rucksack hier stehe und bereit bin für die Abfahrt. Die Abfahrt nach Madrid. Zum Champions-League-Halbfinal-Rückspiel. Mit einem 4:1-Heimerfolg im Gepäck. Wahnsinn!

Zu sechst wollen wir uns vom BVB-Fanclub Supporters Lennetal auf den Weg nach Spanien machen. Unser Leihwagen, ein Neunsitzer eines Rüsselsheimer Automobilherstellers, ist vollgepackt bis obenhin: Getränke, Essen, ein Grill - und jede Menge Taschen. 12 Uhr, die Fahrt kann beginnen. Doch zunächst schießen wir noch ein Startfoto vor dem Westfalenstadion. Und dann geht es los: 1800 Kilometer liegen vor uns von Dortmund nach Madrid. Wir werden uns beim Fahren abwechseln, sodass jeder „nur“ noch etwa 300 Kilometer fahren muss. Angepeilte Ankunft: Montagvormittag, gegen 10 Uhr.

ddorf2Beinahe wäre diese seit längerer Zeit geplante Reisereportage doch noch ausgefallen. Der offenbar verdorbene Dönerteller vom Donnerstagabend ließ mich am Freitag körperlich Achterbahn fahren. Es entwickelte sich ein Kampf gegen die Zeit: Von der Fahrt nach Düsseldorf hatte ich mich - ans Bett gefesselt - bereits innerlich verabschiedet, aber zumindest die Fahrt nach Madrid am Sonntag wollte ich unbedingt mitmachen. Regelrechte Panik machte sich breit, als selbst am Freitagabend immer noch keine Besserung in Sicht war.

Doch 14 Stunden Schlaf in der Nacht auf Samstag bewirkten wahre Wunder: Ich war soweit wieder fit, dass ich mich sogar auf den Weg nach Düsseldorf machen konnte. Erst einmal war ich zuvor in Düsseldorf, vor gut anderthalb Jahren beim DFB-Pokalspiel. Schon damals hatte sich ein bleibend positiver Eindruck hinsichtlich der Zu- und Abfuhr der Gästefans eingeprägt. Und so bestieg ich am Samstagnachmittag frohen Mutes die Regionalbahn zum Düsseldorfer Flughafen, der als Ankunftsort für die Gästefans ausgegeben wurde, während die Fortunen über den Hauptbahnhof anreisten. Vom Flughafen ließ ich mich zusammen mit den anderen Borussen per Shuttlebus zum Stadion befördern. Der Transport und - insbesondere nach dem Schlusspfiff - die strikte Trennung der beiden Fanlager muss als positives Beispiel für andere Stadion herausgehoben werden.

Den einzigen Kritikpunkt bildet die Parksituation, die ich am Rande aufschnappte: Es wird in Reihen ohne Zwischenfahrbahn direkt nebeneinander geparkt. Dadurch besitzen Autos in den hinteren Positionen keine Chance, den Parkplatz vorzeitig zu verlassen. Stattdessen fließt nach dem Schlusspfiff Reihe um Reihe von vorne nach hinten ab - was aber sicher nachteilig ist, wenn sich die Fahrer der vorderen Kfz nach dem Schlusspfiff sehr viel Zeit lassen, man selbst aber gerne möglichst schnell weg möchte.

ddorf1Die Stimmung im Düsseldorfer Stadion war geprägt von der Euphorie nach dem 4:1 über Real Madrid wenige Tage zuvor und der Anspannung, was das Rückspiel drei Tage später bringen würde. Entsprechend war das Spiel auf dem Rasen - das seitens der Borussia mit einer komplett umgestellten Mannschaft begangen wurde - zwar sehr nah, aber doch so fern. Sahins Traumtor löste diese seltsame Grundstimmung und sorgte für eine Welle der Euphorie, wenngleich die Fangesänge letztlich doch irgendwie wieder nur wie ein Einsingen für das Bernabeu wirkten.

Am Ende wurde es nach Kubas zwischenzeitlichem 0:2 und Bodzeks 1:2 kurz vor Schluss noch einmal unnötig spannend, doch das Zittern wandelte sich in Erleichterung, als Schiri Weiner endlich abgepfiffen hatte. Die Hürde Düsseldorf war übersprungen, ab sofort drehten sich alle Gedanken vollends nur noch um Real.

Nach den Vorrundenspielen in Manchester und Amsterdam wartete nun das dritte Europapokal-Auswärtsspiel in dieser Saison auf mich. Mit fünf weiteren Mitgliedern meines Fanclubs sollte es ab Sonntagmittag in einem Leihwagen eines Rüsselsheimer Automobilkonzerns auf in die spanische Hauptstadt gehen. Zunächst klang die Idee völlig verrückt, doch vermutlich war es gerade dieser Umstand, der die Reise für meine Mitstreiter und mich so attraktiv erscheinen ließ. Und es sollte letztlich eine sehr denkwürdige Reise werden, auf der Arnd Zeigler eine nicht unbedeutende Rolle spielen sollte und die niemand von uns wohl so schnell vergessen wird.

Freut Euch daher auf den zweiten Teil meiner Reisereportage, den ihr ab Montag hier lesen könnt.