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Sonntag, 09 Dezember 2012 16:03

113 Jahre e.V. - Ausgliederung in Osnabrück

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Historische Stunden in Osnabrück.
Die Mitglieder des VfL Osnabrück stimmten soeben mit 611 Ja-Stimmen für die Ausgliederung der Profiabteilung des VfL Osnabrück e.V.

''Es ist 15.27 Uhr. Die Neuwahl des Präsidiums steht auf der Agenda. Einziger Präsidentschaftskandidat ist Professor Christian Kröger. Der 44-jährige Vater von drei Kindern stellt sich noch einmal vor und erzählt, wie er zum VfL gekommen ist. Und er würdigt die Arbeit von Wollitz, der diesmal mit stehenden Ovationen gefeiert wird.

Krögers Maxime: Maximaler sportlicher Erfolg bei wirtschaftlicher Stabilität. Er wolle mehr Transparenz schaffen, das Vereinsleben fördern und dazu beitragen, das bestehende Gräben zugeschüttet werden, sagt er. Kröger sieht sich als Präsident nicht als Einzelkämpfer, sondern als Teamplayer. Es ist eine kernige und knackige Rede, die beim Wahlvolk ankommt.

Der Wirtschaftsprofessor wird ohne Gegenstimmen bei fünf Enthaltungen zum neuen Präsidenten gewählt.'' noz.de

Hoffen wir als Fans, dass es die richtige Entscheidung war und unser VfL sich nicht in einen Größenwahn verwickelt, der schlimme Folgen haben kann.




Donnerstag, 22 November 2012 15:45

Auch Osnabrück steht vor dem Abgrund

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Das machten die 5 Stunden deutlich: Der Patient VfL liegt weiterhin auf der Intensivstation, doch das Betreuungspersonal geht immerhin freundlicher miteinander um. So galt es von vornherein nicht als ausgemacht, dass dem Präsidium Entlastung zuteil würde. Denn die Zahlen aus der Saison 2011/2012 waren desillusionierend. Wirtschaftsprüfer Dirk Schütter stellte sie im Rahmen der Gewinn-und-Verlust-Rechnung vor. Schon zuvor hatte Präsident Gert Lehker in seinem Rechenschaftsbericht von einer „wirtschaftlich existenzgefährdenden Situation“ gesprochen.

In der Kalkulation war für die letzte Saison ein leichter Gewinn hochgerechnet worden, am Ende stand ein Verlust von 926000 Euro. „Wir wussten, dass der Plan optimistisch war, aber es gab auch eine defensivere Variante, die von einem Minus von 600000 Euro ausgegangen war und dem Wirtschaftsrat bekannt war“, sagte Lehker. Der Clubchef gab überdies zu, dass der VfL im Vorgriff Sponsorengelder ausgegeben habe: „Das war keine Fahrlässigkeit, sondern pure Not.“ Deswegen sei es unerlässlich, Geld von Eigenkapitalgebern zu bekommen, wie es bei einer Ausgliederung der Profiabteilung der Fall sein könne.

Buchprüfer Schütter erläuterte gut vorbereitet die einzelnen Posten, wo es in der vergangenen Saison gehakt habe; die größten Umsatzverluste rekrutierten sich aus den Bereichen Zuschauereinnahmen (– 280000 Euro), Catering (– 226000) und Sponsorengelder (– 160000). Zusätzlich sorgte das Steuerverfahren mit einer Nachzahlung von 250000 Euro für eine weitere klaffende Lücke.

Schlechte Zahlen allerorten, und dennoch wurde der Jahresbericht ebenso genehmigt wie das Präsidium mit dem im Februar zurückgetretenen Dirk Rasch, seinem Nachfolger Lehker und Vizepräsident Günter Niemeyer entlastet. Kurz vor den Abstimmungen beantragte der von der Opposition für das Amt des hauptamtlichen Präsidenten in einer Vereinslösung ins Spiel gebrachte Ludger Rolfsen eine Pause; er wollte den Kritikern Gelegenheit zu einer Abstimmung geben. Offenbar verständigte sich die Opposition auf die harmlose Variante des Protests: Zum Jahresbericht gab es 370 Ja-Stimmen, einmal Nein und 110 Enthaltungen. Und die Entlastung ging mit 343 Ja-, 11 Nein-Stimmen und 116 Enthaltungen über die Bühne. In beiden Fällen wurde per „Hammelsprung“-Verfahren entschieden, die Mitglieder mussten den Saal verlassen, um ihr Votum abzugeben.

Das war nicht nötig, als es darum ging, Ex-Präsident Rasch und den ehemaligen Schatzmeister im Notvorstand und jetzigen Vorsitzenden des Ehrenrates, Reinhard Coppenrath, zu Ehrenmitgliedern zu machen. Rasch wurde gar – obwohl so etwas laut Satzung gar nicht vorgesehen ist – bei nur wenigen Enthaltungen in den Stand eines Ehrenpräsidenten versetzt. Für die Geehrten gab es stehende Ovationen, beide appellierten in kurzen Reden daran, im Verein zusammenzustehen und Gräben zu überwinden.

Einer, der polarisiert, ist Dieter Prütz als Geschäftsführer der Lila-Weiß Marketing. Der Kaufmann, der in schwerer Zeit (1997) beim VfL als Vizepräsident Verantwortung übernahm und seinerzeit eigenen Angaben nach 100000 DM zur Verfügung stellte, ohne zu wissen, ob er sie jemals wiederbekomme, legte seine Provisionen offen: „Ich bekomme im Schnitt acht Prozent. Dass ich ordentlich verdiene, liegt auch daran, den Umsatz im Vergleich zu 2006 um mehr als 1,5 Millionen Euro gesteigert zu haben“, sagte Prütz, der laut Jahresbericht und eigener Aussage 2011/2012 etwa 300000 Euro an Provision erhalten hat. Prütz erklärte außerdem, er habe dem Vorstand Anfang 2012 angeboten, auf 50000 Euro zu verzichten.

Der von Geschäftsführer Ralf Heskamp präsentierte Acht-Millionen-Etat für die laufende Saison geht von einem Überschuss von 477000 Euro aus; allerdings ist dabei der Erlös aus dem Verkauf des Stadions an die Stadt einkalkuliert. Eine Diskussion gab es nicht; bei 11 Nein-Stimmen und 26 Enthaltungen wurde die Planung durchgewinkt.

Schon zuvor hatte sich Oberbürgermeister Boris Pistorius in einer leidenschaftlichen Rede an die VfL-Familie gewandt. Als Beispiel für Teamgeist hob er das aktuelle Team von Claus-Dieter Wollitz (der Coach erntete mehrfach lautstarken Applaus für seine Arbeit) hervor und sagte: „Von diesem Sportsgeist lebt auch ein Verein. Es gilt jetzt, Fehler auszubügeln und die Zukunft des Vereins zu sichern.“ Mit Blick auf den 9. Dezember sagte der OB: „In den Tagen zuvor wird ein Konzept öffentlich vorgestellt. Andere Partner als die Stadt gibt es nicht. Danach wird jeder wissen, über was am 9. Dezember abgestimmt wird.“ Dieser Tag sei entscheidend für den Fortbestand des Profifußballstandortes Osnabrück. Pistorius unter lautstarkem Applaus: „Ich will hier keinen fünftklassigen Fußball sehen.“


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