...allerdings nicht, ohne zu erwähnen, daß eine Anreise zwischen den Sessionen kein Vergnügen ist. Sekt aus Plastikbechern, „Helaaf“ brüllen (sic!), sich albern kostümieren und mit karnevalistischer Tradition so viel zu tun haben wie Philipp Riese mit einer Metalmähne. Zustände wie beim Public Viewing.
Vor dem Spiel erst mal in den Fanshop. Da ist es warm, da gibt es Derbykarten zu kaufen. Die Spiele gegen Münster und Osnabrück sind für Arminia-Mainstreamer vielleicht nicht so attraktiv wie Leverkusen im Pokal, verlaßt Euch aber besser nicht auf die Tageskasse. By the way: Arminia braucht auch abseits des Sky-Abos jede Stimme im Stadion. Es kommen 7.211 Zuschauer auf die Alm. Darunter 2 – 300 Erfurter, die zum Einlauf der Teams eine Runde zündeln. Daraufhin verlassen große Teile des rot-weißen Anhangs den Gästeblock, kehren erst zur Halbzeitpause wieder zurück und drehen ihre Zaunfahnen um. Es hatte vor der Partie Stadt- und Aufenthaltsverbote gegeben, nachdem es beim Gastspiel der Erfurter in 2011 Ausschreitungen gab. Für mehr Hintergründe bitte ich um Kommentare.
Arminia hat einen Punkt in Karlsruhe geholt und damit gegen den meiner Meinung nach sicheren Aufsteiger vier Punkte in der gesamten Saison – das wird eine Menge wert sein. Der Gast aus Thüringen hat letzte Woche die lilaweiße Nachbarschaft besiegt. Der DSC sollte also gewarnt sein, zumal Thomas Hübener und Manuel Hornig in Karlsruhe jeweils ihre fünfte gelbe sahen, Tim Jerat unter der Woche für drei Spiele gesperrt wurde und man damit eine „Not-Defensive“ basteln mußte. Was haben wir nicht alles spekuliert und umgestellt unter der Woche: Sechser zurückgezogen, Nachwuchsspieler debütieren lassen, Platins in den Sturm gestellt (hat’s bei uns ja alles schon gegeben)... Tatsächlich wird Stephan Salger von hinten links nach innen neben Marcel Appiah gestellt. Dafür spielt Marc Lorenz auf links. Philipp Riese vertritt, wie schon in Karlsruhe, den gesperrten Jerat. Und aller unvermeidlichen Unkenrufe zum Trotz: Es funktioniert bestens! Die „Not-Verteidigung“ sieht zu Spielbeginn etwas wacklig aus, findet aber schnell zusammen. Vor allem Salger erweist sich bei den schnell vorgetragenen Angriffen der Erfurter als enorm stellungssicher. Auch Marc Lorenz legt ein tolles Match hin, sowohl hinten als auch vorne. Jonas Strifler ist auf dem besten Wege, sich in die Mannschaft einzufinden. Er ist auf rechts irre zweikampfstark und schaltet sich aufmerksam nach vorne ein. Dat mit die verunglückten Flanken kriegen wir auch noch hin.
Erfurt hat die erste dicke Chance des Spiels. Verteidiger Möckel fallrückzieht knapp über den Kasten – das Tor des Monats soll heute erst später fallen. In der 23. Minute zeigt der wie ein Wilder schuftende Fabian Klos einmal mehr, wie wichtig er ist- er legt Sebastian Hille auf und Arminias Rennwiesel vollendet von halbrechts ins lange Eck – sein sechster Saisontreffer. Nicht schlecht für einen, der gerne mal als Chancentod verschrien wird. Über Fabian Klos kommt unter der Woche das Gerücht auf, der SC Möbelhaus 07 wolle ihn haben. Die Mannschaft muß dazu ein Schweigegelübde ablegen. Fankultur.com weiß jedoch aus sicheren Quellen, daß versucht wurde, unsere Sturmwalze mit einer original imitierten Eichenholzküche zu bestechen. Die Gerüchte sind daher locker zu sehen. Fabi Klos hat mehr Stil. In der ersten Halbzeit gute Stimmung auf der Alm, Südtribüne Co. geben sich alle Mühe, die Wünsche zu erfüllen, die der gesperrte Kapitän Hübener vor dem Spiel an den Support richtet – Eindrücke einschließlich der Erfurter Zündelei hier.
Halbzeitpause – Wurstpause, diesmal unter der Haupttribüne. Für manche Leute scheint es irrelevant, daß eine Halbzeitpause nur 15 Minuten dauert. Ein IchIstIchIstIchIstIch wünscht genau zu wissen, was denn „im Angebot“ sei, „Sie haben doch sicher mehr als das, was angezeigt ist“. Es verwundert, daß er nicht die Weinkarte bestellt. Na ja, Entrecôte an fruites de mér mit Möhrensorbet war eh aus. Direkt hinter ihm wirkt der typisch ostwestfälische Querkopp direkt herzerfrischend: „Ääääy, wat dauert dat so lange hier?“. Das Serviermädel fährt den lässigsten Konter des ganzen Spiels: „Tut mir leid, aber wir müssen die Schweine erst noch schlachten“.
Erfurt tritt nach Wiederanpfiff etwas aggressiver auf als in der ersten Halbzeit. Auch Rot-Weiß hat einige Ausfälle zu beklagen – es fehlen Möhnwald und Drexler, der angeschlagene Smail Morabit kommt erst Mitte der zweiten Halbzeit in die Partie, ohne groß Wirkung zu entfalten. Anfang der zweiten Hälfte kann Rot-Weiß ein Jeder-darf-mal-Stochern-Festival nur knapp klären. Eric Agyemang scheitert zweimal in aussichtsreicher Position. „Ackermann“ ist wohl derjenige Spieler, der im Arminia-Umfeld im Moment am meisten kritisiert wird- Ich finde, man sollte ihm Praxis gebe. Kämpferisch hat er gestern überzeugt und mit steigender Praxis kommen auch die Ballgewinne und die Tore wieder. Das Tor erzielt Tom Schütz. Nach einer abgewehrten Ecke. Volley aus der Luft. Strahl! Kondensstreifen! Wömms! Jonas-Kamper-Gedächtnis-Granate! Damit ist das Entrecôte durchgebraten, jedoch nicht für diesen einen auf Block 3, der jede Aktion mit einem Urschrei kommentiert, bei dem jedes Mammut neidisch geworden wäre. Abseitsentscheidung: „ÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄY!“, Einwurf Erfurt: „ÄÄÄÄÄÄÄÄY!“.
Bei RW Erfurt ist eine Band am Start, die besser ist als der Tabellenplatz. Die Kombinationen sind gefällig. Irgendwie wird man aber den Eindruck nicht los, daß es bei RWE eine mentale Schieflage gibt – zu sehr wird sich über Schiri-Entscheidungen aufgeregt, zu oft die Fallsucht praktiziert. Vielleicht ist es der Frust darüber, daß trotz guter Spielanlage wenig herumkommt. Dem ehemaligen UEFA-Cup Teilnehmer ist besseres zu wünschen.
Arminia hat ein eingespieltes Team – eine Grundvoraussetzung für Erfolg in der Dritten Liga. Es war toll zu sehen, wie schnell die „Notlösung“ harmonierte. Philipp Riese meldete letzte Woche Hakan Calhanoglu ab, diesmal sah Nils Pfingsten-Reddig kaum einen Stich gegen ihn. Hier tut sich eine interessante taktische Alternative auf, da Schnatterer, Bischoff und Manno noch kommen. Tom Schütz ist sein Tor zu gönnen, er ist mit einer der wichtigsten Spieler. Bei der Mannschaftsleistung, die gestern gezeigt wurde, will ich aber keinen extra hervorheben. Positiv auch: Arminias „Vormarsch“ wird kaum wahrgenommen, in den Medien sind andere die Hipster. Das war immer schon ein gutes Zeichen, wenn es um Aufstiege ging. Der Zuschauerzuspruch darf gerne besser werden. Also, Leute...
Mädchen des Tages: Das Ballmädchen vor der Westtribüne, Block J. Läßt bei Erfurter Einwürfen die Bälle locker über die Bande kullern anstatt sie den Erfurter Spieler zuzuwerfen, geschweige denn diese irgendeines Blickes zu würdigen. Alles für Arminia! Auch das!
Die Videos stammen aus den fantastischen Kanälen von ArminiaFantastica und dscfansteffos

Jedes Jahr – echt jedes Jahr! – hat Arminia am Karnevalswochenende Heimspiel. Wann endlich nimmt der DFB Rücksicht auf die ganz und gar unkarnevalistischen Arminen, vor allem auf die, die von weiter weg kommen? Es folgt ein karnevalsfreier Rückblog...
