Stotternder Start, Fanfreundschaft und Becherpfand
Das Jahr beginnt mit einem Schwarzweißblauen Fanfest – die großen Brüder aus Hamburg sind zu Gast. Der HSV gewinnt das Freundschaftsspiel mit 1:0, die anschließende Fanparty hat eine weitaus höhere Schlagzahl. Die Rückrunde beginnt holprig, aus den ersten sechs Spielen holt Arminia sechs Punkte. Dabei lassen sie eine 3:0-Führung gegen Darmstadt nochmal spannend werden. Die späteren Aufsteiger Aalen und Sandhausen sind für die Krämertruppe zu abgezockt. Viele Arminenfans stehen Mitte Februar von verschlossenen Türen in Wiesbaden – die wohl spontanste Spielabsage der Saison. Die Lokal Crew hat Fünfjähriges und veröffentlicht eine DVD zum Jubiläum.
Derby, Klassenerhalt, Abschied und Shirts
März 2012. Arminia führt binnen fünf Minuten mit 2:0 gegen Burghausen. Burghausen hat es binnen weiterer fünf Minuten ausgeglichen. In Saarbrücken wird souverän mit 4:2 gewonnen. Am 17. März kommen die Preußen aus Münster, der gute alte Erbfeind! 22.000 auf der Alm! Das Derby der Liga (laut Voting auf liga3-online)! Es gibt einen Fanmarsch! Es gibt die Choreo des Monats (laut Voting auf liga3-online)! Es gibt ein dummes 2:2 in der Nachspielzeit, das einem das ganze Wochenende versaut...Man braucht nicht zu erwähnen, daß das Derby ein Hochrisikospiel war- entsprechend zahlreich sind die Ordnungskräfte und –mächte vor Ort, entsprechend perfekt sind sie organisiert:
Ordner (filzt Fan): „Kannst Du mal gerade zur Polizei rübergehen, die sollen mal bitte kommen wegen dem Typ mit Käppi...“.
Fan (will nicht unhöflich sein): „Okay“.
Nächste Ordnerin (rennt zur Polizei, es geht um Typen mit Käppis)
Fan (auf dem Weg zum Block, zur rückkehrenden Ordnerin): „Waren Sie jetzt bei der Polizei?“
Ordnerin: „Wegen dem Typ mit Käppi? Nein.“.
(Fan geht zur Polizei, die Richtung Stadioneingang marschiert)
Fan: „Die Ordner am Eingang fragen nach Ih...“
Polizei: „Der Typ mit Käppi, wissen wir schon.“
Typ mit Käppi: guckt irgendwo Derbyfußball
In Heidenheim wird verloren. Über den Elfmeter zum 1:1 im Spiel gegen Offenbach wundern sich die Offenbacher am meisten. In Haching geht Arminia mit 0:5 unter. Die Abstiegsplätze robben sich wieder bedrohlich nahe heran, doch da zeigt die Mannschaft gegen Chemnitz eine ihrer besten Spiele, gewinnt unterstützt von 1.500 Arminen das Dreckfresserspiel in Oberhausen und schlägt Carl Zeiss Jena zu Hause mit 2:1- der Klassenerhalt ist perfekt. Nun ist es das Ziel, „Zuschauerkrösus“ zu werden. Ein Sponsor kauft 3.500 Karten für das letzte Heimspiel gegen Bremen II und schmeißt sie in die Runde. Parallel dazu werden T-Shirts von Fans für Fans verkauft, der Erlös kommt dem Verein zugute. Das Spiel gegen die schon länger abgestiegenen kleinen Werderaner ist mit „grauenhaft“ noch nett umschrieben. Herzlich ist die Abschlußfeier vor dem Block, bei dem wir uns von einem sichtlich gerührten Markus Schuler verabschieden. Der linke Renner mit dem Silberblick war der einzige Spieler, der Arminias jüngsten Niedergang komplett von der ersten bis in die dritte Liga mitgegangen ist. Und so endet die erste Drittligasaison nach 16 Jahren auch für uns Fans versöhnlich und fröhlich.
Das Ende wird allerdings durch den Überfall einiger hirnferner Zeitgenossen auf einen Bremer Fan getrübt. Malte K. kämpft tagelang mit dem Tod.
Pokale und Votings – Die Highlights des Jahres
Arminia gewinnt den Westfalenpokal. Gegen die mit der Taube aus Münster. 2:0! Im DFB-Pokal kommt der SC Paderborn zur ersten Runde auf die Alm. Am heißesten Tag des Jahres siegt Arminia im allerorts zum Derby hochgefeierten Spiel mit 3:1. In der zweiten Runde kommt Leverkusen und gewinnt gegen eine taktisch perfekt eingestellte Arminia erst in der Verlängerung mit 3:2. 24.800 Zuschauer sehen das Spiel gegen die Werkself, man schwärmt von der Atmosphäre und von alten Bundesligazeiten.
Arminia wird 2011/2012 tatsächlich Zuschauerkrösus! Fabian Klos ist der Stürmer der Saison (Voting auf liga3-online)! Marc Rzatkowski ist der Mittelfeldspieler der Saison (Voting auf liga3-online)! Trainer Stefan Krämer ist der Hoffnungsträger der Saison (Voting auf liga3-online)! Die Choreo zum Münster-Spiel ist die Choreo des Jahres (Voting auf liga3-online)! Die Eckfahne auf der Alm, dem schönsten Stadion der Liga (Voting auf liga3-online) vor Block J ist die Eckfahne der Saison (gut, nein, aber gäbe es ein Voting auf liga3-online...). Was lernen wir daraus? Arminen sind die hartnäckigsten Voter auf liga3-online.
Saisonstart mit Bockwurst und Kitschplänen
Im Juli gründet der Arminia Supporters Club eine Mitfahrzentrale für Fans. Ein Viertelmillion Fernsehzuschauer und 12.000 auf der Alm verfolgen das Eröffnungspiel der Drittligasaison 2012/2013, Arminia spielt gegen Aachen 1:1. In der Woche drauf holt Arminia ein glückliches 1:1 beim kleinen BVB. Auf dem Gästeblock der kultigen Roten Erde wird Bockwurst aus dem Glühweintopf serviert. Mal was anderes.
Arminia fängt an, ein Museum im alten VIP-Raum der Westtribüne zu planen. Arminia hat zwar kein Geld, will aber das Museum (so Vize Hans-Jürgen Laufer). Das Museum wird über Eintrittsgelder, aber auch über Spenden finanziert. Wer 119,05 € spendet, wird im Museum namentlich verewigt. Im Frühjahr 2013 soll das Museum fertig sein. Bin gespannt und in freudiger Erwartung!
Der August beginnt mit einem Herzinfarktspiel gegen Saarbrücken. Aus den nächsten sechs Spielen holt Arminia 15 Punkte und reist als Spitzenreiter zum Derby nach Münster...
Derbykater und Identitätssuche
...verschläft das komplette Spiel und verliert mit 0:4- trotz vollem Faneinsatz und Choreo des Monats (Voting auf liga3-online). Von der sportlichen Demütigung erholt sich das Team recht fix, die moralische Demütigung beim Anhang sitzt tiefer – das zeigt sich vor allem in deutlich zurückgehenden Zuschauerzahlen bei Heimspielen. Oberwasser haben die obligatorischen Nörgler, die es eh schon immer gewußt haben.
2012 ist ein Jahr der kreativen Marketingaktionen wie die Plakataktion „Der DSC ist wieder da – Und Du?“. Und die Imagekampagne „Wir sind Ostwestfalen“. Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus: Der DSC ist wieder da und wir sind Ostwestfalen.
Auch wir sind 12:12
Im November spielt Arminia dreimal in Folge unentschieden und verliert die Tabellenspitze ein bißchen aus dem Blick. Beim 0:0 in Osnabrück ist ganz großes Risikospiel: Ausgewählte Personen dürfen einen „sichtgeschützten Bereich“ betreten, sollen sich da ausziehen und von einem Pyrospürhund beschnüffeln lassen. Der Arminia Supporters Club bezeichnet die Maßnahme als „unverhältnismäßig, entwürdigend und nicht hinnehmbar.“ Kann man so stehen lassen. Zumal nichts gefunden wurde.
Die wichtigste Erkenntnis des Jahres liefert unser Sportlicher Leiter Samir Arabi – der kurz vor Weihnachten seinen Vertrag verlängert – auf der Jahreshauptversammlung: „Wir haben uns mit kleinen, aber stabilen Schritten verbessert. Club und Mannschaft haben eine Zukunft“. Weiter so!
Mit einer starken Leistung wird Wacker Burghausen besiegt. Die Niederlage beim feststehenden Regionalligisten aus Aachen ist überflüssig wie ein Loch im Fuß. Gegen den kleinen BVB wird aus einem 0:2 ein 4:2 gemacht. Auch die Bielefelder Fanszene mach sich Gedanken zum „Sicheren Stadionerlebnis“ der DFL und beteiligt sich an „12:12“. Es wird für uns erst im Fall des Aufstiegs konkret- Hoffen wir, daß Arminia seine Politik des Dialoges weiterführt und weiterführen kann.
Und nu?
Vor der Saison habe ich gesagt: Wenn sie mit 40 Punkten in die Winterpause gehen, spielen sie ernsthaft um den Aufstieg mit. Nun haben sie 39 Punkte. Nicht, weil sie zu schlecht für 40 Punkte waren, sondern weil das letzte Spiel in Saarbrücken ausgefallen ist. So ist mal wieder keine sportliche Prognose möglich. Der Schuldenstand ist reduziert, die Stadiongesellschaft wird noch ein paar Mille abarbeiten, Gerry Weber wird dem Verein ab und an noch was zustecken. Eine langfristige Perspektive ist das nicht, kann und darf es nicht sein. Wir sind nicht aus der Talsohle raus. Aber wir scheinen endlich zu wissen, in welche Richtung wir müssen.
Was die Ambivalenz zum Umfeld betrifft: Nicht wenige haben ihr Versprechen, niiiie wieder auf die Alm zu gehen, wahr gemacht. Auch, wenn ich es gründlich satt habe, es immer und immer wieder zu sagen: Liebe Ostwestfalen, Ihr könnt mit Arminia unzufrieden sein, Ihr könnt über sie meckern, Ihr könnt mit Recht enttäuscht von ihr sein – Aber ihr könnt sie auch einfach liebhaben, so wie sie ist und sie unterstützen. Sie ist mehr als Leverkusen im Pokal. Um es mit Eric Agyemang zu sagen: „So sieht’s aus, meine Herren!“.
Für die Fanszene ist eine stärkere Vernetzung wünschenswert, vor allem virtuell. Mein Wunsch für 2013: Lernt Euch alle kennen, ihr einzelkämpfenden Facebook-Fanseiten und Arminia-Twitterer!
Mann des Jahres: Wenn 2012 das Jahr von irgendwem war, war es das Jahr des Stefan Krämer. Die Leistung unseres wuschelköpfigen empathischen Kurzärmelträgers ist herausragend. Hoffen wir mal, das aus dem Jahr des Stefan Krämer die Epoche des Stefan Krämer wird. Es wird interessant werden, wenn der Verein mal den Aufstieg als Saisonziel setzt oder setzen muß.
Auch in 2013 Alles für Arminia!
Quellen von und Dank an:
arminia05, ArminiaFantastica, Drachenfeuer2007, dscmicha, hons84, Klasmeister, Lokal Crew, Popscenede, terrorsittich

Im Jahr 2012 weiß man nicht genau, wohin es mit Arminia Bielefeld geht. Im Jahr 2012 ist das Verhältnis Arminia zu Arminias (potentiellem) Umfeld ambivalent. Im Jahr 2012 ist Arminia Bielefeld also so wie jedes Jahr. Aber: Im Jahr 2012 ist Arminia Bielefeld durchweg drittklassig. Das ist der Unterschied zu den Vorjahren. Hier der multimediale Rückblog auf das Jahr 2012, von Block 3.
