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Montag, 08 Mai 2017 09:09

Flasche halbleer – VfL Bochum gegen Arminia

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Rundumbeobachtungen

Nach “voller Pulle” ist nun “Flasche leer”. So charakterisierte der VfL Bochum in seinem Vorbericht zum Spiel den heutigen Gast. Und in der Tat ist rund um Arminia die Debatte “Flasche halbleer oder halbvoll” mal wieder in totaler Blüte. Nach dem dusseligen 1:1 gegen Fürth schwankte das Umfeld zwischen “Jetzt nochmal alles” und “Lass die Saison und die zweite Liga abhaken”. Irgendwo dazwischen steht die Realität, und die heißt heute: Bochum. Der Rivaaale.

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Wir sind also mal wieder im Ruhrstadion, das es geschafft hat, seinen klassischen Charme und die “aus Wettbewerbsgründen notwendige” Modernisierung zu vereinen. Obwohl Bier durch den Beton der Tribüne in den Außenbereich tropft, was die Standfestigkeit des Stadions schon ein bisschen in Frage stellt. Viele tolle Sachen werden einem im Eingangsgewühl versprochen: Spürhunde, intensive Kontrollen...Nichts davon gehalten. Nach dem Gewühl draußen ist man recht fix drin. Wie schon in der letzten Saison hat die aktive DSC-Szene den Sitzplatzbereich bezogen. Und wie schon in der letzten Saison können die Gästefans – etwas über 3.000 – so eine gute Wucht beim Support erreichen.

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Kurz orientieren: Rot, Blau, rechts, links...okay, Mann bin ich nervös. Geht um was. Ganz ruhig: Arminia in Auswärtsrot auf unsere Ecke. Der DSC beginnt schwungvoll. Bochum wird hoch angegangen, viele Bälle erobert. Flo Dick schleudert einen Einwurf in den Strafraum des VfL. Bochums Keeper Riemann fliegt drunter her, und Keanu staudert dat Dingen REEEEEEIN! Der Gästeblock liegt sich in den Armen, Erleichterung zur Führung. Das erspart uns den Spruch nach 15 Minuten: “Sie spielen gut, aber schießen kein Tor.”.

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In der 17. Minute macht Locke Hemlein einen auf Erfurt. Der VfL kommt seinerseits zu Chancen, allerdings läuft bei den Gastgebern wenig zusammen. Dass die Saison für Bochum gelaufen ist, mag eine Rolle spielen. Arminias hohes Anlaufen, die Zweikampfaggressivität und der frühe Rückstand haben Stiepermann & Co. aber sichtbar kalt erwischt. Ja, die halbvollen ostwestfälischen Flaschen spielen ordentlich. Teilweise sind auch ein paar ansehnliche Spielzüge dabei, obwohl weiß Gott nicht alles klappt. “Sie schießen, wenn sie abspielen sollten und spielen ab, wenn sie schießen sollten”, heißt es im Gästeblock und das trifft es ziemlich genau - fürs ganze Spiel.

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Der Support ist klasse. Und der zurückgekehrte Wolle Hesl ist klasse und boxt einen fiesen Schuss aus der Gefahrenzone. Davarí ist noch nicht einmal im Kader. Nicht unwahrscheinlich, dass dessen Bielefelder Karriereabschnitt beendet ist. Die Bochumer Kicker scheint der Rückstand nicht groß zu stören, das Bochumer Publikum schon. “Warum seid Ihr H*ren so leise?”, brüllt der Gästeblock. Führung nach 45 + 1 Minuten.

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Halbzeit. Riesenschlange vor und im Herren-WC, oder was das Ruhrstadion dafür hält. Stimme aus dem Gewühl: “Näää, sich nach’m P*ssen die Hände nicht waschen...das hat ja mal gar keinen Stil!”. Wow! Im Angesicht dieses Aborts über Stil reden, das hat...Stil. Mal kurz Werbung: westline.de, Westfalens Fußballportal, auf dem ich auch öfters mal auf Wörterjagd bin, hat jetzt ein eigenes Arminia-Forum. Falls wer mitmachen möchte, hier entlang, bitte.

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Auch der zweite Abschnitt beginnt mit ein paar ordentlichen schwarzweißblauroten Angriffen. Arminia spielt ein paar Ecken heraus. Prietl rast von halblinks in die Kiste, legt sich aber leider den Ball zu weit vor. Er spielt in Richtung Yabo, der gegen Riemann zu spät kommt. “Alle die Arme!” - “Alle die Fäuste!” - “Alle die Hände!” – und alle Oberkörperextremitäten werden in die Höhe gereckt. “Kämpfen und Siegen!”. Der Gästesupport, optisch unterstrichen durch die Motto-Shirts, steht tabellarisch um einiges höher als die Mannschaft, um nicht zu sagen: Erstklassig! Die Bochumer besingen ihr Gründungsjahr.

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Mitte der zweiten Halbzeit wird die “Haustechnik” ausgerufen. So etwas tolles gibt es im Ruhrstadion. Haustechnik! Ob die wohl jemals bei sich auf Klo waren? Und wieso tropft da Bier aus der Tribüne, häh? Machma ran, Haustechnik. Und bring den Balljungen mal Tempo bei, heute sind öfter zwei Bälle auf dem Grün als Tom Schütz sich die Schuhe schnürt. Und das ist oft! (Fällt sowas eigentlich nur mir auf?)

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Die schwarzweißblauen Zungen hängen auf der Höhe von Schütz’ Schnürsenkeln. Die Bielefelder Band ist merklich platt und entlastet kaum noch. Ja, natürlich wird es wieder spannend. Dem VfL bleibt nix anderes übrig, als nach vorne zu spielen. Da hilft auch ein hektisch “Määäp! Määäp! Määäp!” brüllender Mitarmine nix. Ein Rufposten, der eine codierte Nachricht an die Jungs weitergibt?

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Bochum ist am Ruder. Hesl, die Latte, das Toraus – es gibt einige Herzinfarktmomente für den Gästeblock. Tja..und schließlich wird das Spiel dann doch noch zur Blaupause der jüngeren Arminia-Geschichte. Da ist das krumpelige Gegentor. Selim Gündüz rutscht eine Flanke so unglücklich (aus unserer Sicht) über die Mauke, dass Hesl (nein, keine Schuld) sich strecken kann, wie er will.

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“Jetzt verlieren wir das noch...”, jault man wie üblich auf dem Gästeblock. Laut Eckart von Hirschhausen ist Bielefeld die “Hauptstadt des therapeutischen Humors”. Patienten gäbe es genug. Obwohl die Blauen nochmal einiges nach vorne werfen und einen eindeutigen Handelfmeter (nachher gesehen) nicht kriegen, es reicht nicht mehr zum Auswärtssieg.

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Das war keine “Flasche leer”-Leistung. Wären die Rahmenbedingungen andere, könnte man sagen: “Okay, Auswärtspunkt, gute Leistung, leider nach 70 Minuten abgebaut.”. Die Rahmenbedingungen sind aber nun mal die, die sie sind. “Jetzt! Haut! Braunschweig! Weg!”, überschlägt sich eine verzweifelte Stimme nach dem Spiel. Halbleer ist die Flasche. Also: Nehmt die letzten zwei Schlucke aus der Pulle! Dann war sie doch halbvoll!

Der goldene Klops des Tages geht an:

Die Signalstörung auf dem Rückweg. *neeeeeerv*

 

Jan-H. Grotevent

Jahrgang 1975.

Gefühlte Zuständigkeiten:

Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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