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Dienstag, 25 April 2017 16:04

Die Nummer X in OWL - Arminia gegen den FSV Gütersloh 2009

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Rundumbeobachtungen

Der Klassenerhalt ist nur noch Formsache, da kann man sich ideellen Dingen wie etwa einem Derbysieg widmen. Ja, sowas gibt es auch bei Arminia. Auf der Alm! Zum dritten Mal haben die Blauinnen den Haupttempel des Vereins in dieser Saison zur Verfügung, zum zweiten Mal heißt der Gegner FSV Gütersloh 2009. Die West ist offen und gut besucht. Die Stimmung läuft an. „Steht auf, wenn Ihr Arminen seid“, intoniert der Fanclub der Frauen. „Nee, jetzt noch nich‘“, sagt man auf der Tribüne.

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Arminia hat in der vierten Minute eine dicke Chance, trotzdem gehört dem FSV die Anfangsphase. Auf den Blöcken mit den mittelhohen Buchstaben ist man siegesgewiss. Bei einem Angriff der in Rot spielenden Nachbarinnen: „Wird nix...[wird tatsächlich nix]...Sag ich doch“. In der 22. Minuten kommt Maxi Birker über links. Ihre lange Flanke wird zu kurz geklärt und Sarah Grünheid erzielt mit einem trockenen Hieb ins lange Eck das 1:0. Jacques Offenbach dudelt, der Fanclub erinnert an ein Pokalspiel aus dem letzten Jahr.

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Ausgeglichenes Spiel nach der Führung, das weniger von Torchancen denn von Staksereien geprägt ist. Da die absoluten Highlights fehlen, denkt sich die Schiedsrichterin ein Spiel zur Publikumsbelustigung aus. Es heißt „Abseits“ und geht so: Man hat bei abseitsverdächtigen Szenen drei Möglichkeiten: a) es war abseits, b) es war nicht abseits, c) es wird komplett übersehen. Über das ganze Spiel hinweg bietet die SchiRi alle drei Varianten in bunter, spielunabhängiger Mischung an und rät selber kräftig mit. Das Publikum will nicht raten. Das regt sich auf: „Nimm der die Pfeife weg“. In der 30.Minute spielt Gütersloh das 1:1 schön heraus, Torschützin ist die auffällige Magdalena Richter.

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In einem Derby steckt eine Menge Ehrgeiz. Wird der mit Abseits-Raten kombiniert, steigt auch die Hektik. Die Partie wird bissig geführt. Arminia geht dabei etwas rustikaler zu Werke als der Gast von der Schnitzelfabrik. Die Folge sind ein paar Gelbe für die Blauinnen. Auch auf den Rängen wird es hektischer. „Gütersloh, wir hören nix“, brüllt der Fanclub. Der FSV hat einiges an Anhängerschaft dabei. Den Konter übernimmt eine Stimme, die offenbar schon länger keine Zahnärztin mehr gesehen hat: „Biewefelp, waff feip Ihr flefft“. Bielefeld, was seid Ihr schlecht. Booooah! Hatter bestimmt lange dran gefeilt. Mit einem für den DSC eher glücklichen 1:1 geht es in die Pause.

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Halbzeit. Riesenandrang an der Haskenhoffschen Feldküche. „In Schalke oder Dortmund würde es schneller gehen“, stellt ein intrawestfälischer Experte fest. Um dann mit einer Schale Fritten ausgestattet mitten auf der Treppe zur West stehen zu bleiben und alles zu blockieren. Ein generelles Alm-Phänomen. Sowieso, Ostwestfalen und Treppen: Vor dem Spiel hat es in der Stadtbahnhaltestelle jemand eilig und rast die Rolltreppe rauf. Die runterfährt. Beschleunigungseffekt gleich null. Vielleicht ist das Teil unserer kulturellen Identität: In Dortmund haben sie echte Liebe, auf Schalke sindse Kumpel und Malocher – wir können keine Treppen steigen. Ostwestfalen, Ostwestfalen, Hey, Hey...

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In der zweiten Halbzeit geht es hektisch weiter. Der FSV will mehr. „Gütersloh, wir hören nix“, brüllt der Fanclub. „Abfteiger! Abfteiger!“, kontert der Stimme gewordene Dentalsteinbruch. Seine Zahnärztin winkt ab. Mitte der zweiten Halbzeit hat Gütersloh eine Riesenchance, als mehrere Blauinnen  die Kirsche von der Linie kratzen müssen. Nostalgie auf der Westtribüne: „Damals, als ich noch gespielt habe...“. Ja, damals...als die DSC-Frauen 1919 an der Pottenau standen und warteten. Auf den FSV Gütersloh. 90 Jahre lang. Arminia ist mit Verteidigen beschäftigt und stochert die mit viel Übersicht vorgetragenen Gütersloher Angriffe immer mal eben so aus der Gefahrenzone. Bis in der 80.Minute das unvermeidliche passiert und Shpresa Aradini die Führung für den FSV erzielt – Der Jubel der Nachbarinnen zeigt ebenso wie die Hektik in der Partie, das eine Menge Derby-Prestige in der Partie steckt.

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Das kommt auch in der Häme zum Ausdruck, als der Gast in der Schlussphase einen Elfmeter verschießt und die endgültige Entscheidung um ein paar Minuten vertagt. „Ey, Biewefelp, Rückfpiele unter freiem Himmel fimp verbotem!“. Der ist also immer noch da. Hat die Zahnärztin keinen Notdienst? Betäubung scheint ja schon zu wirken. Ach ja, die endgültige Entscheidung. Die erzielt Svenja Hörenbaum in der Nachspielzeit nach einem FSV-Konter.

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Gütersloh hält die Klasse. Bei Arminia bleibt es Formsache. Mit einer im Vergleich eher schwachen Leistung geht das Derby verloren. Maul abwischen, weiterspielen, wie Markus Wuckel sagt (Gut, „Maul“ hat er nicht gesagt). Nichtsdestotrotz: Man kann sich über ein verlorenes Derby ärgern, ohne in der Tabelle irgendwo hin schielen zu müssen. Ja, sowas gibt es auch bei Arminia.

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Der goldene Klops des Tages geht an:

Nichts gegen den zweifellos interessanten Lebensentwurf Zahnärztin, nebenbei Schiedsrichterin (oder umgekehrt). Für ein ostwestfälisches Derby erscheint er eher unpassend.

 

Jan-H. Grotevent

Jahrgang 1975.

Gefühlte Zuständigkeiten:

Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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