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Montag, 06 März 2017 20:50

Wer tut, der tut...oder auch nicht - Arminia gegen Wismut Aue

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Rundumbeobachtungen

Uns Arminen genügt eine Partyfahrt nach Hannover und ein ehrenwertes Ausscheiden im Pokal, und schon hamwa wieder alle gute Laune. Brauchen wir etwa Party und Pokal als Fluchtfahrzeuge vor einem grauen Alltag, der so aussieht, dass a) Arminia immer noch in einem engen Abstiegskampf steckt, b) die Konkurrenz in der Lage ist, jederzeit zu punkten?

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Wie dem auch sei, zurück in den grauen Alltag. Heute heißt er mal wieder Sechs-Punkte-Spiel. Gegner ist die BSG Wismut Aue  bzw. der FC Erzgebirge Aue. Wird unsere Band den Positiv-Trend fortsetzen können? Wird es ein krampfiges Rumpelmatch? Kurz nach Spielbeginn gibt es die erste Ecke von rechts. Salger bringt die Kirsche rein und DIE BAND FÜHRT! Hemlein hat reingestochert! Waaaaaahnsinn! Wir feieeeeern! Dann gibt es Freistoß von halbrechts. Salger bringt die Murmel rein und mitten ins Feiern MACHEN SIE DAT ZWEITÄÄÄ! Heißa, wir kommen ja gar nicht mehr aus dem Feiern heraus! Nach den ersten beiden Spielaktionen überhaupt ein 2:0, das hat fast historische Dimensionen!

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Und das Publikum verhält sich auch historisch, wie weiland im 30jährigen Krieg. Damals sind zwei brandenburgische Reiter über den (Alten) Markt galoppiert, und alle Bielefelder so: „Boah! Wat passiert denn hier!?“. Nur Block 3 war damals schon skeptisch („Die werden doch wohl nicht den Teutoburger Wald erobern“) und ist es auch heute: „Dat wird noch eng, wartet ab!“. Öööööiiii! Über ein schlechtes Spiel können wir uns noch aufregen, wenn es so weit ist.

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Zum Beispiel jetzt. ...Was schreiben, wenn bis zur Halbzeit nüscht passiert und noch zwei bis drei Absätze Platz bis zum Pausentee sind. Gut, auf Block 3 bezeichnet man die Gäste als „grüne Grashüpfer“ und den SchiRi (gerade in diesem Zusammenhang nicht ganz zu Unrecht) als „Grünschnabel“ und hinten links rufen ein paar Vorwitzige „Meier raus!“. Unten köpft Nöthe auf die Kiste, aber was schreiben zum Rest...wie lautet die Texterregel? Kein Blogeintrag ohne Comic Sans – Nee, das war's nicht...Nichts schönreden, aber diplomatische Formulierungen verwenden. Genau. Ouh...das wird schwer...

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....wie bringste das am besten...moment, ich hab’s gleich...solange gibt’s es ein Bild von einem gepfählten Wischmop...

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Et voilà: Die verbleibenden 40 Minuten der ersten Halbzeit zeichnen sich durch eine nicht bis ins letzte vollkommene Spielstruktur beider beteiligten Formationen und einer entsprechenden Visualästhetik aus. Aber wenigstens passt das Ergebnis.

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Halbzeit. So gut wie niemand zahlt passend an der Pizzabude. Mit der Folge, dass dort eine Menge 50-Cent-Stücke rausgegeben werden. So viele, dass man den Bestand an 50-Cent-Stücken weltweit gefährdet sehen muss Das hat zur Folge, dass irgendwann keine 50-Cent-Stücke mehr für die Hauswaschmaschine des Rundumbeobachters übrig sein werden. Sollte es einmal soweit kommen, sind je nach Tageszeit entweder Arabi, Hesl, Klos oder Kramny schuld. Wie sonst auch.

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„Wer tut, der tut“, heißt es auf Block 3 bei Wiederanstoß. Tja, oder auch nicht. Zumindest tut Arminia nix. Aue irgendwie auch nicht. Fabian Kalig (der so aussieht, wie ich mir Klaus Störtebeker vorstelle) dribbelt ins Toraus. „Aus! Aus! Aus!“, brüllt jemand auf Block 3. Sein Nebenmann ergänzt geistesgegenwärtig und gewitzt: „Das Spiel ist aus, Deutschland ist Weltmeister!“. Die beste Pointe des Nachmittages (ehrlich!)! Michael Görlitz‘ zweiter (und viel schwierigerer) Versuch, ein Eigentor zu erzielen, ist erfolgreich. Die Skepsis auf der Alm wächst. Zumal die Blauen weiterhin Ergebnisverwaltung betreiben. Oder was sie dafür halten. Guck mal, der Jahrhunderttrainer ist da. Und er ist nicht begeistert.

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Wenigstens die Ränge bemühen sich. Berengar hält mit der Süd eine „SchwarzWeißBlau ist unsere Welt“-Chorprobe ab („Das war nix, nochmal!“). „Steht auf, wenn Ihr Arminen seid!“. Aufstehen wäre’ne Maßnahme. Während es auf den Tribünen so leidlich klappt, steht auf dem Hybridschlamm keiner auf. Und langsam aber sicher steigt das Unbehagen auf der Alm. „Spielt Fußbaaaall, verdammt!“. Nö. „Wo ist der Kampf!“. Hier nich‘. Wismut Aue kriegt mit, dass sie Fußball spielen können bzw. dürfen. Wie weiland im 30jährigen Krieg, als brandenburgische Truppen tagelang die Sparrenburg belagerten, um später festzustellen: Das Gemäuer ist leer. Nichtmal die Eisbude hat offen. Schließlich ist es am eingewechselten Nicky Adler, durch das offene Burgtor zu schreiten und das 2:2 für den fünffachen Europapokalteilnehmer aus Räuchermann-Country zu erzielen. Der Rest ist Resignation.

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Und Leere und Niedergeschlagenheit. Es ehrt Fabi und Kramny, dass sie sofort nach dem Spiel zur Süd kommen. Macht die Situation aber nicht besser. Welcher Knoten ist da bloß im Kopf des Kollektivs? Mit der Mentalität befassen wir uns die Tage nochmal intensiver an anderer Stelle. Natürlich sind es noch elf Spiele und Arminia kann einen ganzen Haufen Punkte holen, nur...wie? Kann gut sein, dass Hannover die letzte große Party für länger war. Arminia darf uns alle aber gern vom Gegenteil überzeugen.

Der goldene Klops des Tages geht an:

Dieses elende Arminia-Kharma. Weil es wieder von allen bemüht wird.

Jan-H. Grotevent

Jahrgang 1975.

Gefühlte Zuständigkeiten:

Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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