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Samstag, 18 Februar 2017 23:51

Mit Waffeln - Arminia gegen Werder

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Rundumbeobachtungen

Endlich starten auch die Blauinnen wieder in die Rückrunde. Die Anreise zum Heimspiel erfolgt mittels der Regionalbahn 67. Ansage von Kamerad Blech im Triebwagen: „Warendorf Einen Müssingen“. Und wie das in dieser Bimmelbahn so ist, jedes Mal ist einer drin, der sich in Warendorf ordentlich Einen Gemüssingt hat.

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Das heutige Exemplar telefoniert non stop und beschreibt dem unsichtbaren Gesprächspartner die vorbeihoppelnde Geographie. „Boah, kumma, da find Weinaftsbäume aufm Feld, möhöhöhö“. Ja. Das kommt vor, wenn ein Riesenschild „Gartencenter“ am Eingang steht. „Da iff’ne Klapfe? If weif niff, ob da’ne Klapfe is‘.“. Ich bin mir sicher, Du wirst es bald herausfinden, werter Mitreisender. Nicht ärgern. Es geht nach Bielefeld, Wetter ist schön, Arminia spielt! Gespielt wird auf glorreichem Grund an der Schillerstraße, das Waldstadion Quelle ist gesperrt. Eingelaufen wird zu pathetischer Musik, die einen interessanten Kontrast zur Stimme des Stadionsprechers bietet („Mit der Nummer 34: Warendorf Einen Müssingen“).

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Man ist herrlich nahe dran, kriegt das obligatorische KlatschKlatschKlatsch beim gegenseitigen Begrüßungsspalier und jedes gesprochene Wort auf dem Platz mit. Druck haben die Blauinnen weiß Gott nicht heute. Zu Gast ist der BuLi-Absteiger von der Weser, der in dieser Saison noch kein Spiel verloren hat und Arminias Frauen im Hinspiel die erste Niederlage seit Zeitaltern bescherte. Die Teams belauern sich, die Ladies von der Weser sind etwas flinker unterwegs. Arminia ist aufmerksam („Dreh Dich!“), aber über den rechten Flügel etwas offen. Werder bekommt das mit und erzielt genau über diese Seite nach zehn Minuten das 0:1.

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Papa erklärt Töchterchen das Spiel (auch’ne Art, die nächste Generation auf schwarzweißblauen Kurs zu bringen). Hier und da ein Fluch, wenn ein Zuschauer es nicht schafft, einen ins Seitenaus gesausten Ball so elegant ins Feld zurückzukicken wie Aylin Yaren. Alldieweil erzielt Werder das 0:2. „Köpfe hoch“, brüllt Markus Wuckel seinen Blauinnen zu. Und tatsächlich ist die eine oder andere Spielerin im schwarzweißblauen Dress ein wenig zerknirscht. „Kommen Sie her, es reicht“, tönt die Schiedsrichterin und hält Celine Preuß (offenbar wegen Meckerns) den gelben Karton vor die Nase. Kamila Kmiecik schimpft laut vor sich hin.

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Aber Wuckels Worte fruchten. Lena Schulte setzt sich über rechts durch und flankt flach. Sarah Grünheid setzt nach und stochert zum 1:2 ein. Optimismus hinter der Bande. „Unter Druck machen die auch Fehler“, stellt der kollektive Ballsportsachverstand zufrieden fest. Leider fängt sich Arminia kurz vor der Pause noch unglücklich das 1:3.

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Halbzeit. Wer hat sich beim Besuch der Schillerstraße auch schon gefragt, warum das Gebäude im Hintergrund so aussieht?

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Vorne so schick, hinten so derbe? Verwaltung und Produktion? Eigentum und Scholle? Haus und Atelier? Und wenn es ein Atelier ist, was für Schollen werden da produziert? Und welches Eigentum wird verwaltet? Das Eigentum an produzierten Ateliers von der Scholle? (Und wegen solcher Gedanken will ich besser auch nie wissen, wo eine Klapse ist).

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Zu Beginn der zweiten Halbzeit werden verlockend viele Waffeln und Mettbrötchen am Rundumbeobachter vorbei getragen. Na, dem Phänomen gehen wir genauer auf den Grund und werden im gemütlich Vereinsheim von Rot-Weiß Bielefeld fündig. Lecker Mampf für schmale Cent. Wenn man jetzt meint, das sei nicht fußballtypisch, liegt das nur daran, dass es auf der Alm weder Mettbrötchen noch Waffeln (direkt vom Eisen) gibt. Beides ist auf das schärfste zu kritisieren.

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Die Spielerinnen von der Weser erzielen in der 58.Minute das 4:1. Ein Hundchen am Spielfeldrand weiß: Damit ist die Chose durch. Es jault herzzerreißend. Neben dem Kunstrasengeläuf („Der Rasen hat sich gut gehalten im Winter, hähähä“) macht sich die arminiatypische latente Unzufriedenheit breit: Wir haben verloren und trotzdem ist noch’ne halbe Stunde zu spielen. Dennoch spielen die Blauinnen tapfer weiter, die Einstellung stimmt bei unseren Damen. Und so gebührt ihnen das Tor des Tages, ein herrlicher Distanzschuss in den Knick, wiederum durch Sarah Grünheid.

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Insgesamt war es ein ordentlicher Auftritt Arminias mit ein paar Wacklern in der Defensive. Man muss sich nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen, um Werders direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga zu prognostizieren, in Bremen läuft’s rund (Nimmt halt Turbine Potsdam in der nächsten Saison Revanche für den DSC). Die paar Restpunkte, die für unsere Durchmarschiererinnen noch zum Klassenerhalt notwendig sind, müssen sie gegen andere holen. Und das werden sie auch tun. Zum Schluss auch hier nochmal ein Gruß an Bloggerin Romina und Empfehlung an die Leserschaft. Wir lesen uns morgen. Ohne Waffeln.

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Der goldene Klops des Tages geht an:

Das arme, jaulende Hundchen. Klops als Fresschen tröstet.

Jan-H. Grotevent

Jahrgang 1975.

Gefühlte Zuständigkeiten:

Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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