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Samstag, 15 Oktober 2016 15:33

„Erwartest nix und kriegst die Hälfte“ - Arminia gegen Würzburg

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Rundumbeobachtungen

Länderspielpause vorbei und das erste Flutlichtmatch dieser an Fragezeichen reichen und an Siegen armen Saison. Ein Dauerfragezeichen in dieser Spielzeit ist ja immer die Aufstellung und das taktische System. Heute ist das Fragezeichen Schuppan für Voglsammer, 4-3-3 und Hartherz links vorne. Um die Taktik zu verdeutlichen, so sah sie von Block 3 beim Anstoß aus:

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Wie üblich arrangiert sich Block 3 zu Beginn des Spiels – „Wooooooah...da muß ich hin“. Man begegnet auf der Alm ja öfters geschriebenen Hinweisen (gesprochenen öfter) aus der Kategorie „Ach, tatsächlich.“. Während Arminia und die zu Beginn forschen Würzburger das erste Mal so halb aufs Tor schießen, plädiere ich für den Hinweis „freie Platzwahl“ auf den Karten für die Südtribüne. Zurück zum Spiel, obwohl in den Rundumbeobachternotizen kaum was zum Spiel steht. Arminia spielt also mit der handelsüblichen Viererkette, davor zwei defensive Sechser und Junglas. Hinten erstmal dicht, vorne mal gucken. Was beim pfälzischen Abstiegskampfkonkurrenten so gut geklappt hat, klappt auch gegen einen Aufsteiger. Und hinten es klappt auch so leidlich, sieht man mal von dem einen oder anderen Cacutaluaschen Wackler ab. Nach vorne passiert nix.

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Etwa in der 20. Minute ist der Fabi (gefühlt) zum ersten Mal am Ball. Der SchiRi meint, ein Foul gesehen zu haben und pfeift Fabi zurück. Aufregung auf Block 3: „Mann, ist der SchiRi schlecht, das schlechteste, was ich hier je gesehen habe, und ich habe schon viel schlechtes gesehen!“. Vielleicht ist es eine gute Therapie für Arminen, sich das Langzeitgedächtnis wegschnippeln zu lassen, das würde einiges erleichtern. Wobei das mit dem SchiRi der Wahrheit ziemlich nahe kommt. Bis dahin hat der Man in Yellow die gelbe Karte sehr locker sitzen gehabt. Sieben gelbe verteilt er insgesamt, in einem Spiel, wo zwei genügt hätten. Die Konsequenz, Ampeln folgen zu lassen, hat er dann nicht. Dafür schafft er den Vorteil ab und verlegt jeden Freistoß e-x-a-k-t auf den Tatort. Ein Wunder, daß er bei Einwürfen nicht das Freistoßspray zückt.

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*singsingsing* „Jeder soll es sehen, daß wir auch in schlechten Zeiten zu Arminia gehen“. 14.102 Zuschauer. „Wo ist Kalle?“ – „Der’s auffe Couch.“. Eventfan-Debatte in 5...4...3...Oder einfach mal bleiben lassen. Supporten! *singsingsing* „Allez, Deutscher Sportclub“. Irgendein Autohaus verkündet zur 30. Spielminute auf der Anzeigetafel: „Noch 15 Minuten bis zur Halbzeit. Jetzt nochmal Gas geben“. Oder überhaupt mal Gas geben. In den Rundumbeobachternotizen steht kaum was zum Spiel. Nach vorne geht nichts. Die Truppe wirkt kopflos, ratlos, verunsichert. Nicht einmal das ständige Daumen-hoch und In-die-Luft-applaudieren, wenn ein Paß mal wieder ins Nimmerland geht, wirkt überzeugend. Treffendes Zwischenfazit auf Block 3: „Kommste her, erwartest nix und kriegst die Hälfte“. Zum Halbzeitpfiff ein herausgedöstes 0:0. Und das mulmige Gefühl, daß Würzburg nur einen ernsthaften Angriff braucht, um die Blauen auszuknocken.

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Rudi Giersch. Er war lange Kapitän. Er war das Vereinsfaktotum, das immer ein freudiges Wort zu Jubelzeiten und ein sachliches Wort zu Krisenzeiten hatte. Rudi Giersch lebte Engagement in einem Sportverein vor, abseits von Toren, Punkten und auf und nieder. Danke, Keite! Du spielst jetzt oben mit Kitti Hellweg und Butterbürste Claus-Oehler. Hier unten fehlst Du!

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0:0 ist ja immerhin ein Punkt. „Wenn Kaiserslautern verliert, sind wir auf dem Relegationsplatz.“. Arminias Taktik in der zweiten Halbzeit sieht so aus (andere Richtung halt):

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Anspruchsdebatte in 5...4...3...Armine sein heißt, Ansprüche entweder fern jeder Realität zu bekräftigen oder minütlich zu relativieren. Während sich der Rundumbeobachter überlegt, ob Langzeitgedächtnis wegschnippeln wohl weh tut, setzt sich auf dem Platz die Kartenflut fort. Pfiff-Karte- Darauf hätte man Live-Wetten plazieren können, allerdings mit mieser Quote. In der zweiten Hälfte ist Arminia etwas bissiger, ohne das etwas wirklich auffälliges dabei herausspringt. Beim Fehlpaßjubiläum (500. Fehlpaß? 750. Fehlpaß? Ich hab bei 456 den Faden verloren) Resignation auf Block 3. „Jungs, echt, wir können’s auch lassen...“. „ALLE DIE FÄUSTÄÄÄÄ!“. Resignation auf der Süd. Jungs, echt, wir können’s auch lassen...

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Metadebatte auf Block 3 (ohne Countdown). Darf man Meckern? Darf man über Meckern meckern? Darf man über Mecker-Meckern Meckern? Armine sein ist ein Gefühl und damit eine persönliche Sache. Weder ein Kampfbegriff noch ein Bewertungsmaßstab für das Gefühl anderer. Debatten darüber, wie ein persönliches Gefühl „richtig“ auszuleben ist oder Debatten, die persönliche Gefühle anderer in Frage stellen, bewegen sich irgendwo zwischen merkwürdig und überflüssig. Vor allem dann, wenn das Gefühl eh bei allen dasselbe ist: Arminia ein Leben lang.

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Schluß mit Pathos. Gerade als die Blauen sich in der Schlußphase ein bißchen aufraffen, spielt Würzburg den einen ernsthaften Angriff zu Ende und knockt die Blauen aus (symbolisch dafür und auch für den SchiRi: Behrendts Nasenbeinbruch). Resignation, „Es macht schon wieder keinen Spaß hier“, Frust, „Wir ham die Schnauze voll“, Wut, „Hört auf, ey!“, blinde Wut, „Ziege für Rehm!“. Donnerndes Pfeifkonzert und kurze Gespräche vor der Süd.

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Rüdiger Rehm bleibt Trainer, wie wir jetzt wissen. Die (wöchentlich rotierenden) Führungsspieler sollen vorangehen. Wie wär’s mal mit dem guten, alten „Geist von Schmerzlake“? Mehr fällt mir im Moment auch nicht ein. Für das Umfeld ist die Geschichte klar. Man singt den Refrain eines Twisted Sister- Klassikers und guckt den dazugehörigen Clip. Da fliegt einer raus. Mehrfach. Und dieser eine sieht auch ein bißchen aus wie...

Der goldene Klops des Tages geht an:

Sucht Euch wen aus. Alle außer Börner. Der hat ordentlich gespielt. Hartherz ging so.

 

Jan-H. Grotevent

Jahrgang 1975.

Gefühlte Zuständigkeiten:

Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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