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Montag, 05 September 2016 20:32

Vier-zu-Vier? Können wir! - Arminia gegen Turbine Potsdam II

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Rundumbeobachtungen

Es gibt Clubs, mit denen man groß wird und die zum Teil des eigenen Lebens werden. Im Falle des Rundumbeobachters ist das der DSC Arminia Bielefeld (falls es noch keinem aufgefallen sein sollte). Und es gibt Clubs, die lernt man darüber hinaus kennen und mögen, weil einem der dargebotene Ballsport gefällt, der vermittelte „Spirit“ ein mehr als sympathischer ist und auf und neben dem Platz nette Menschen herumlaufen (unbedingte Leseempfehlung: frauengeschichten.net). Im Falle des Rundumbeobachters ist das der 1.FFC Turbine Potsdam. Klar, daß der Rundumbeobachter beim ersten Aufeinandertreffen der beiden am Start ist.

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Es geschieht historisches im Waldstadion Quelle: An diesem grauen, nassen und leicht verkaterten Sonntag vormittag findet das erste Zweitliga-Heimspiel der Frauenmannschaft von Arminia statt. Etwa 400 Zuschauer haben sich hinter den Absperrungen versammelt- eine schöne Zahl! Ob sie ausbaufähig ist, dürfen sich die Leser gerne überlegen. Die Mannschaften tasten sich ab. Gleich der erste ernsthafte Angriff der Turbinen sitzt: Tabea Schütt überläuft auf rechts die schwarzweißblaue Defensive, flankt flach und scharf nach innen, wo Neuzugang Lara Prašnikar vollstreckt.

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Torhüterin Brandt rettet kurz darauf in letzter Sekunde vor Turbine-Kapitänin Jenny Hipp. Arminia spielt aber tapfer mit und kommt zu der einen oder anderen Halbchance. Offensiv sieht dat schon ganz töfte aus bei den Blauinnen. Alldieweil nimmt das Publikum seine Plätze ein und gibt erste Stellungnahmen ab: „Tach, Günther, auch da? Gefällt dir?“ – „Prost!“. In der 25. Minute köpft Karolina Brocha nach einer Ecke zum Ausgleich ein. Die polnische Stürmerin, die beim Saisonauftakt in Bremen noch erkrankt fehlte, erzielt damit – Histoooorisch! – das erste Heimtor des DSC-Frauenteams in der Zweiten Liga. Das Publikum applaudiert, sortiert erst die umgefallenen Regenschirme und dann die Prioritäten des Tages: „Erst zur Taufe, dann zum Fußball!“. Arminia kann offensiv. Der Ball ist kaum wieder im Spiel, als Maxi Birker aus 30 Metern abzieht. Der Schuß ist unerreichbar für Torfrau Heinze – Der DSC führt. Schickes Ding!

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In der 35. Minute nutzt Karolina Brocha eine Unaufmerksamkeit in der Potsdamer Defensive zum 3:1. Die Blauinnen sind zu diesem Zeitpunkt feldüberlegen. Turbine kann kaum entlasten. Positiv anzumerken beim 1.FFC: Lidija Kuliš ist wieder da und lieferte den gewohnt ruhigen Job. Gewohnt leidenschaftlich agieren beide Trainer an der Seitenlinie. Es kandlert und wuckelt. Nur drei Minuten nach dem 3:1 schließt Maxi Birker einen Konter zum 4:1 ab. Anerkennung im Publikum. „Die haben mehr Spielverständnis als die Erste Herren“. Ein Satz mit einer Menge Wahrheitsgehalt, die die Leser gerne für sich interpretieren dürfen.

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Halbzeit. Sie bringt den Beweis, daß es geschlechterübergreifende arminiatypische Herausforderungen gibt: „Pommes!“, brüllt es aus der Würstchenbude, „Wir brauchen mehr Pommes!“.

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Nach Wiederanpfiff schaltet Arminia einen Gang zurück. Das Publikum nimmt es erstmal gelassen. „Und? Wie is‘?“ – „Jou.“. Die Turbinen bekommen mit, daß Arminia über die Flügel anfällig ist. Innerhalb von zwei Minuten bringt Tabea Schütt den 1.FFC auf 4:3 heran. Vorbei ist es mit der ostwestfälischen Gelassenheit. „Wie die Männer, echt ey, wiiiie die Männer!“. Jaja, Ähnliches haben wir von den Herren der Schöpfung noch lebendig in Erinnerung. Währenddessen bringt sich der Bielefelder Fußballnachwuchs in Stellung. „Papa, einen harten Ball kann ich nur hart schießen...“. Papas Leisten (beziehungsweise deren unmittelbare Umgebung) hätten diese Information wohl lieber vorher gehabt.

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In der 76. Minute fällt schließlich das 4:4 durch Aline Reinkober. Arminia startet eine Schlußoffensive. Turbine bleibt weiterhin bei Kontern gefährlich. Weitere Tore fallen aber nicht mehr.

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Ich bin eigentlich kein Freund des ewigen „Typisch Arminia“- Genöhls. Aber ein 4:4 scheint ja im Moment tatsächlich arminiatypisch zu sein. Das schöne daran: Nächste Woche kann alles schon wieder ganz anders aussehen. Festzuhalten ist, daß Arminias Frauenteam in der Zweiten Liga mithalten kann und die Stimmung im Umfeld nach dem Aufstieg positiv ist. Dat wird schon! Ein Besuch lohnt sich, unsere Blauinnen freuen sich über jede Unterstützung. Und der Rundumbeobachter hat Teil eins seiner Traumpaarung erleben dürfen. Teil zwei folgt voraussichtlich beim Hallenturnier in Jürmke nächsten Januar. Und Teil drei (DSC gegen Turbines erste auf grünem Rasen)...Nun, die nächste Pokalauslosung kommt bestimmt. Oder die übernächste. Oder das nächste Benefizspiel.

Come on, you girls in blue, weiter geht’s!

Der goldene Klops des Tages geht an:

Die zweite Eintrittskarte. Zahle eine, erhalte versehentlich zwei. Keine Sorge, sie wird nicht bei ViaNOgo auftauchen.

 

Jan-H. Grotevent

Jahrgang 1975.

Gefühlte Zuständigkeiten:

Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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