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Montag, 07 März 2016 18:54

Arminia in Bochum

geschrieben von 

Rundumbeobachtungen DSC2015/16-XX

Da stehen wir nun. Mit einer staksigen Defensive, einer wirkungslosen Offensive und der erweiterten Tabellenspitze vor der winterkalten schwarzweißblauen Nase. Der Fabi verspricht eine Reaktion (obwohl...war das nicht schon vor dem Freiburg-Spiel?). Nöthe konkretisiert das zu „notfalls einen umkloppen“. Meint er wohl eher als Sinnbild für eine wiederentdeckte kämpferische Einstellung. Nobby Nobbs formuliert es etwas eleganter und weitsichtiger: Arminia soll wieder kompakter werden. Hat er recht. Läßt man die aktuelle sportliche Situation außen vor, hat man in Bochum eigentlich nix zu verlieren. Blendet man die aktuelle Situation wieder ein, ist zu ergänzen: Außer Punkte auf den Sechzehnten. Also mit leicht flauem Gefühl ab anne Castroper...

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Mit das lustigste an Auswärtsfahrten ist immer der Marsch vom Bahnhof zum Stadion. Aus Münster gekommen schließt man sich dem just eingetroffenen Sonderzug an. Der wird vom Staatstrachtenverein nicht nur begleitet, sondern transparent moderiert. „Kurz stehenbleiben, weil wir noch auf die anderen warten. ... Jetzt weitergehen...Bitte geben Sie Getränkedosen und –flaschen in die eigens dafür aufgestellten Behältnisse.“. Das „Behältnis“ ist eine von vielen blauen Mülltüten. „Aufgestellt“ ist auch relativ. Der Herr und Meister der Mülltüten, ein freundlicher Rastafari, rast zwischen den Arminen umher und sammelt. Vor dem Stadion rudelweiser Einlaß. Daneben die Kavallerie. „♪ ♫ Bibi und Tina, auf Amadeus und Sabrina ♪ ♫“, intoniert die schwarzweißblaue Invasion. Polizei-Hottehü streicheln mißlingt. Will Hottehü nicht. „Den haben heute schon 50.000 angegrabbelt, dem reicht’s“, sagt Bibi (oder Tina) hoch zu Roß. Wenn dem so ist, kann ihm Nummer 50.001 eigentlich auch egal sein.

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Es gibt nur ein Stadion, in dem der Rundumbeobachter öfter war als im Ruhrstadion, und das ist die Alm (wenn auch mit sehr deutlichem Abstand). Und erst jetzt kommt er dazu, aus dem Ruhrstadion zu berichten – Ein weiteres Argument gegen Bielefelder Fahrstuhlfahrerei. Ein schickes, schön enges Stadion, das trotz Modernisierungen seine ursprüngliche Stadionarchitektur erhalten hat. Stichwort: Lichtmasten als Sportschau-Models.

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Im Vorfeld des Spiels hat die aktive Fanszene angekündigt, sich in den Sitzplatzbereich der Gästeecke zu begeben, da so ein besserer Support möglich sei. Diese Maßnahme ist nicht nur im Hinblick auf die baulichen Voraussetzungen nachvollziehbar, sondern erweist sich als hervorragende Stimmungsgrundlage. „Die Ultras“ auf dem Sitzer und ein knallvoller Steher, das harmoniert gut zusammen. Schon vor dem Spiel fetzt die Stimmung mal so richtig. „AllezAllez, ladihoooo!“.

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Nobbs hat die Defensive tatsächlich umgestellt. Salger spielt links hinten für Schuppan. Dafür rückt Althauer Hornig in die Innenverteidigung. Vorne spielt UlmUlmUlm für Ryu. Schon nach vier Minuten haut der VfL einen ans Metall. Ansonsten hat Arminias Defensive die flink nach vorne spielenden Bochumer ganz gut im Griff, auch wenn der eine oder andere Wackler dabei ist. Berengar kommandiert den Sitzbereich. Und good ol‘ Müz kehrt aus dem Unruhestand zurück und kümmert sich um die Steher. Beide Megaphone und beide Gästeecken harmonieren hervorragend. „Da gehen mehr Arme“, brüllt Müz. Bei mir nicht, ich habe nur die beiden. Und insgesamt bleiben auch kaum Arme unten.

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Bisher hat Arminia die Angriffswellen der Bochumer überstanden, soweit, so gut. Allerdings passiert nach vorne so gut wie...ach was...es passiert gar nichts. Dabei läßt der offensiv spielende VfL durchaus Räume. Leider werden schnelle Vorstöße der mal wieder roten Blauen dem Gegner viel zu oft in die Füße gespielt. Unverständnis im Gästeblock, als im Mittelfeld Handspiel gegen Arminia gepfiffen wird. „Der war auf der Schulter!“. – „Ganzer Arm gilt als Hand!“ – „Aber Schulter nicht als Arm!“. In der 30.Minute zeigt der VfL seine Klasse. Ein Bielefelder Einwurf wird abgefangen. Der Konter wird über zwei Stationen rasant zu Ende gespielt und Simon Terodde...na ja, der kann’s. 1:0. Reflexartig sucht der Gästeblock nach Schuldigen in der DSC-Verteidigung, Ergebnis: Notfalls war es immer Salger. Dabei war in der Szene vor allem der VfL gut.

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Im folgenden drückt Bochum weiter und der Gästeblock brüllt weiter. Hesl pariert einen Distanzschuß. Bei Arminia passiert weiterhin so gut wie ... ach was, nix passiert nach vorne. Der Gästeblock hat weiterhin die Abwehr auf dem Kieker. Tja, wenn wir es einmal auf was abgesehen haben, haben wir es konsequent auf was abgesehen. „Ostwestfalen, Ostwestfalen, hey, hey!“ laut im Block und im Kopp. Denn die Abwehr zeigt sich im Gegensatz zum Angriff deutlich stabilisiert im Vergleich zu den Spielen gegen Baden und in Württemberg. Verloan hamwa dat noch nich.

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Halbzeit. Laut Ansgar Brinkmann ist eine CurrywurstPommes der beste Treibstoff für erfolgreiche Auftritte in Bochum. Jener Treibstoff zeigt sich im Vergleich zu früheren Besuchen im Ruhrstadion deutlich verbessert. Damals bedeutete „Currywurst“ eine kleingeschnippelte, aus der Ölwanne kommende Bratwurst, über die der Grillgewürzketchup aus der typischen Plastikflasche gequetscht wurde- einschließlich zweideutiger Begleitakustik. Auch die Optik des Ergebnisses erinnerte bisweilen stark an das genaue Gegenteil von Essen...Wo wir beim Thema sind: Die passende Bezeichnung für die Entsorgungsstationen im Ruhrstadion fällt auf eben dieser: „Latrine“. Immerhin ist es eng genug, daß die erste Halbzeit diskutiert werden kann. „Rodriguez für Ulm, damit nach vorne endlich mal was passiert!“. Und das alles bringt uns wiederum zu Ansgar Brinkmann zurück. Als der die Latrine verläßt, wird er um Selbsteinwechslung gebeten.

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Kaum hat man bei Rückkehr den obligatorischen „Na? Schon Ausgleich,höhö“-Schenkelklopfer gebracht, da passiert’s auch schon. Hemlein feuert einen zweiten Ball in Richtung VfL-Hütte. Den kriegt Haberer an Oberschenkel und Unterarm. Weiter geht es vom Elfmeterpunkt. In Zeiten der „Muß man den geben?“-Frage ist jeder Elfmeter strittig, dieser ist keine Ausnahme. Was man auf jeden Fall nicht geben muß, ist Gelb für Haberer. Gut, daß der Forderung nach einer Auswechslung von UlmUlmUlm nicht entsprochen wurde. Elfer kann der wunderbar, so auch jetzt. Riesenjubel in unserer Ecke, Bierdusche. YEAH! Der Support legt wieder eine Schüppe drauf. In Folge zieht der VfL ein gewaltiges Powerplay auf und umkreist handballstyle den DSC-Strafraum. Der nächste Schuß knallt ans Gestänge. Die Blauen fighten und zeigen sich zweikampf- und kopfballstark. „Foul‘ ihn“, ruft jemand im Gästeblock. „Quatsch!“, widerspricht einer von der Sonnenseite, „das lösen wir spielerisch!“. Und er hat gar nicht mal so unrecht, die Defensive spielt übersichtlich. Leider werden weiterhin ein paar Kontersituationen verbaselt. UlmUlmUlm kriegt einen eigenen Schuß Freistoßspray vor die Füße, als er vor Ausführung durch Hesls Strafraum hüpft.

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Sämtliche zu Beginn des Textes aufgeführten Tugenden erfüllt heute der Fabi. Kompakt stehen tut er anatomiebedingt sowieso. Reinkloppen in das Spiel tut er sich heute auch. Und selbst, als es eigentlich nicht mehr weitergeht, zeigt er Reaktion. Und wie. Im Humpelgalopp nimmt er auf halbrechts einen Paß von Nöthe mit, spielt ihn scharf flach vor die Kiste, Nöthe ist mitgekommen und stochert dat Dingen rein...Der Gästeblock jubelt nicht. Er ex-plo-diert! Bierdusche, Bierintensivdusche, Massengebrüll, Massenumarmung, blaue Flecken. Die neue Erfolgskombination „Klos auf Nöthe“ hat wieder gezogen, schon zum dritten Mal seit Winterpausenende. Von der ostwestfälischen Sonnenseite her betrachtet: Dat is Effektivität! Aber jetzt geht das Zittern los. Die Stimmung ist weiterhin genial. „Olé Deutscher Sportclub“, lange und laut. Woanders in Westfalen wird man zeitgleich vom Derby ausgesperrt  und protestiert. Im Ruhrstadion marschiert eine Abordnung Protesttauben auf und besetzt den Mittelkreis.

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Tauben, MS gegen OS, haben alle kapiert? Gut. Dann laßt uns von der Schlußphase reden. Arminia fightet den VfL bis zur 90. Minute weg. Auch bis zur 94. Minute. Auch bis zur 96.Minute. Dann gibt es Gestocher und das Spiel wird vom Elfmeterpunkt aus und von Terodde-Hesl-Terodde und der Punkteteilung beendet. In Zeiten der „Muß man den geben?“-Frage ist jeder Elfmeter strittig, dieser ist überhaupt keine Ausnahme. „Überfälliger Elfmeter“, sagt jemand nach dem Spiel. Keine Freudsche Fehlleistung, sondern ein Bochumer. Auf jeden Fall spielte sich das Ende des Matches irgendwo zwischen überfälligem Elfmeter, überflüssiger Nachspielzeit, überfälliger additional time und überflüssigem penalty ab und der SchiRi hat sich derbe darin verknotet.

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Unterm Strich kann Arminia mit der Punkteteilung zufrieden sein, auch wenn sie auf diese Weise zustande kam. Auswärtspunkt bei einem spielerisch besseren Gegner. Viel wesentlicher an dem Spiel ist die Erkenntnis, daß die Baustellen, die in den letzten Spielen zu Befürchtungen Anlaß gaben, in Bochum fürs erste beseitigt werden konnten. So gesehen können wir mit Blick auf die kommenden Aufgaben optimistisch sein. Und wir können immer noch Gänsehautentzündung. Und den Text von „Bibi und Tina“.

Rundumbeobachters Konzepte zum Kartenvorverkauf #20:

Die Bochumkarte in retro. Nicht vom Design, aber von der portemonnaiefreundlichen Größe.

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Jan-H. Grotevent

Jahrgang 1975.

Gefühlte Zuständigkeiten:

Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

2 Kommentare

  • Kommentar-Link Schwecht bambonum Dienstag, 08 März 2016 12:09 gepostet von Schwecht bambonum

    Kollegialen Gruß von meinscp.blogsport.de !
    Schön geschrieben und mit sympathischem Humor...

    Bielefeld gibts wirklich, ich war da! Ist aber so langweilig, dass die Tauben da zum scheißen nach Gütersloh fliegen.

    Brinkmann ist n Laberkopp und das Ruhrstadion einfach nur schön!

    Wir werden uns wiedersehen!

    Achja: Ostwestfalen Idioten!

  • Kommentar-Link Jan-H. Grotevent Dienstag, 08 März 2016 13:40 gepostet von Jan-H. Grotevent

    Kollegialer Gruß aus dem X-Viertel zurück und Danke fürs Lob! Haut mal rein, daß wir uns in Liga 2 wiedersehen. Bis dahin erkläre ich gerne, was "Liga 2" ist ;) Gued goahn!

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