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Samstag, 03 Oktober 2015 16:52

Arminia gegen 1860 München

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Immer diese miesen letzten zehn Minuten, nach denen es immer ein Unentschieden gibt. 30 Punkte hätten wir mehr, wenn es die letzten zehn Minuten nicht gäbe (und einen weniger, weil wir dann gegen Bochum verloren hätten). Aber das ist halt Arminia. Das war schon immer so. „Immer“ heißt in diesem Fall übrigens 1997/1998, als die letzten zehn Minuten tatsächlich fatale Auswirkungen auf den Saisonverlauf hatten. Damals war Middendorp noch Trainer und hat Uwe Fuchs für Billy Reina eingewechselt. Und die Kombination von „1860“ und „letzte zehn Minuten“ ist also immer ...äh...  Zum Glück ist jedes Spiel ein neues Spiel. Heute zum Beispiel beginnt es um 18.32 Uhr und es steht 0:0. 16.787 Zuschauer auf der Alm (etwa 700 Sechzger). Die Herbstsonne scheint. „DSC Allez Ohooo“ von der Süd und 1860 hat Anstoß.

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Die miesen letzten zehn Minuten sind noch lange hin. Um uns nicht lange auf die Folter zu spannen, legt Arminia miese erste zehn Minuten hin. Gerade hat die Alm sich halbwegs eingesungen, da kombinieren sich die Sechzger über rechts durch die  blaue Defensive. Marius Wolf nimmt den vorhersehbaren Paß in den Abwehrrücken auf und erzielt das 0:1. Die Atmosphäre bleibt auf dem Level „halbwegs eingesungen“. „Forza, Forza, Forza DSC!“ mittellaut für sechs Minuten. Es folgen ein paar zögerliche Annäherungen auf beiden Seiten. Schuppan köpft direkt auf Ortega im Giesinger Tor. Ja. Der Ortega. Er muß ein paar mal nachfassen heute abend und hat eine sehr expressive Gestik. Das war doch früher nicht so! Aber laßt uns aktuelle Spieler diskutieren. Block 3 stellt zum Beispiel fest, daß Klos so wichtig, so gut und so toll wie Michael Ballack ist. Nur, daß Ballack nie Drittligameister wurde und Fabi keine Werbeverträge hat. Wofür könnte Fabi Werbung machen? Für Krauss-Maffei Wegmann? Überlegene Panzerung und punktgenaue Feuerkraft?

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Wir können sowas in Ruhe debattieren, denn auf dem Platz geht es chillig hin und her. Soundtrack von der Süd: „Voran Arminia Bielefeld“, der Teil mit „Lalala“. Auf dem benachbarten Block J ist mehr Gelaufe als auf dem Grünen. Und interessante Gesprächsfetzen klingen rüber. „Was ist los heute?“ – „War doch nie besser hier“. Die Einwechslung von Salger wird gefordert. „Der hätte den Gegentreffer unter Garantie verschuldet.“. Wir gehen also immer von einem Kollektivversagen aus, fordern aber präventiv den Einsatz eines Kickers, den wir dann einfach mal pauschal doof finden können. Die Arminenseele ist so komplex, da brauchste vier Klapsmühlen gleichzeitig. Herrlich!

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Wechsel nach einer halben Stunde. Für Dennis Mast, der offenbar in der Startelf war, kommt Affane und mit ihm mehr Schwung ins schwarzweißblaue Spiel. Und der erste ordentlich Angriff bringt den Ausgleich. Paß auf Hemlein, der flankt und Fabi macht Werbung für einen Baumarkt: „Mach Dein Ding!“. Die Alm wird lauter. No limit! Und mitten rein der Halbzeitpfiff. Schade eigentlich, lief gerade gut.

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Holst Dia a Leberkassemmln und a Moß. Koa Brathendln am Würstlstand? Hast hoit a Brezn. Der Gegner kommt aus Minga, und da ist gerade Oktoberfest, noch bis zum 4. Oktober. In Bielefeld ist Oktoberfest in zwei Wochen. In Münster ist Oktoberfest bis zum 10.Oktober. Die beiden urbayerischen Metropolen werben mit dem urwestfälischen Spruch „O’zapft is‘“. Ungezählte Westfalen quetschen sich in Dirndl und Krachlederne oder in irgendwelche Klamotten, von denen sie meinen, jetzt wie echte Madln und Buam auszusehen. Und dann feiern sie was, das mit ihrem regionalen Kulturkreis nun so gar nichts zu tun hat. Hauptsache Sauf-Event, zu einer Kirmesband, die sich erfolglos am urbayerischen „Thank you for the music“ versucht. Kung Fu-Plattler? Nie gehört. Ist das bayrisch?

Hat noch jemand außer mir nach Wiederanpfiff die Zwergfledermaus gesehen, die in Richtung West flog? Eigentlich mögen die kleinen Flattermänner keinen Lärm. Schon gar nicht Lärm, der so geht: „Aaaaaargh!“. Aber die Fledermaus hat genau gesehen, daß der Treffer der Giesinger irregulär war. Auf Block 3 mußte es sich erst rumsprechen. „ZähltnichZähltnichZähltnich“. Kämpferisch stimmt es beim DSC und so langsam kommen sie - *plingPhrasenschwein* -  über den Kampf ins Spiel. Hemlein ist einmal mehr der Temperamentsbolzen im Bielefelder Angriff. Und er ärgert sich mehr und mehr über seinen Gegenspieler, der ziemlich nicklig zu Werke geht. „DSC, DSC, alleeeez!“ von der Süd. Alle, die Arminen sind stehen auf.

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Arminia macht Druck. Und nicht nur die. „Woooaaaah, der Jägermeister haut rein“, stellt jemand auf Block 3 fest. Reinhauen ist auf dem Platz aber nicht, obwohl Hemlein und Affane ordentliche Kracher loslassen. Nöthe trifft nach einem schönen Angriff nur den Pfosten...Mist, das wär’s gewesen. Um die 70.Minute rum steigt die allgemeine Unzufriedenheit mit dem SchiRi. Auf Block 3 wird ein Joker gezogen: „Ich setze mein zweites ‚Pillemann!‘ ein!“. Jetzt hat er nur noch den Publikums-Pillemann. Hemleins Gegenspieler tanzt den Kung Fu-Plattler mit Klos und sieht gelb. Das wiederum versetzt Hemlein in maximale Rage. Ruuuuhig, Locke! Hätte Klaus Kinski einfach „Halt die Schnauze“ gesagt?

Die Schlußphase ist schwer turbulent. Es gibt einige Chancen, etwa einen Freistoß von halbrechts, den Behrendt einfach mal draufdölmert. Und ganz am Ende...Tja. Im Fußball gibt es Situationen, die alle erlebt haben, aber die niemand gesehen hat. Eindruck von Block 3-links-mittlere Höhe: Nicht drin. Tor ist, wenn der SchiRi das sagt. Hat er nicht. So bleibt die Ironie, daß ausgerechnet Stefan Ortega Moreno Arminias Heimdreier verhindert. Nach dem Schlußpfiff muß Hemlein von drei Mann eingefangen werden, der eine Peitsche nehmen will und...

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Immer diese miesen letzten zehn Minuten, nach denen es immer ein Unentschieden gibt. Wat willste sagen- ist heute auch so. Auch heute steht es nach den letzten zehn Minuten 1:1. Unentschieden. Zum ersten Mal diese Woche. Es gibt keinen Grund, sich übermäßig zu freuen. Es gibt keinen Grund, sich übermäßig aufzuregen. Das typische emotionale Vakuum nach einem Unentschieden. Und nach dem achten Unentschieden im zehnten Spiel ist das Vakuum noch viel wattiger. Ist das eigentlich schon ein neuer Rekord? Bestimmt. Arminia kann doch an keinem Trottelrekord einfach so vorbeilaufen.

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Rundumbeobachters Konzepte zum Kartenvorverkauf #9:

Naturalientausch

Der Planet ist verdreht und die Menschheit geht vor die Hunde, das wissen wir alle. Wie kommen wir also an Eintrittskarten, wenn die Währung inne Binsen ist? Clever, wie unsere Fanshopper sind, werden sie Tauschhandel anbieten. Zwei Ziegen, eine Kuh und ein nasses Handtuch für Westtribüne Sitzplatz. Zwei Ziegen, eine Kuh, ein nasses Handtuch und ein kaputter Fön für Osttribüne Sitzplatz. 25 tote Tauben (roh) für Block 1. 25 tote Tauben (gerupft, ausgenommen, grillfertig) für Block 3. Ich miete für alle Fälle eine Garage an. Zum Sparen auf die Dauerkarte.


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Jan-H. Grotevent

Jahrgang 1975.

Gefühlte Zuständigkeiten:

Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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