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Montag, 25 Mai 2015 19:35

Dabei geblieben und weiter voran

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Aufstiegsgedanken-Rundumbeobachtungen DSC14/15-28

...schön, irre, geil, fantastissimo! Gänsehautentzündung! Wir sind zurück in der zweiten Liga, Aufsteiger Arminia! In Bielefeld singt man Trallala! Woran erkennt man einen Arminia-Blog? Daß er sich in bisher drei Jahren Existenz zweimal Aufstiegsgedanken macht. Aus alt mach‘ neu und bleib‘ dabei!, so hieß es vor zwei Jahren. Und ist Arminia dabei geblieben? Ist der DSC vielleicht sogar besser geworden?

Der sportliche Vergleich ist schnell gezogen. 2013 ist Arminia aufgestiegen. 2015 ist Arminia aufgestiegen, wurde Drittligameister und Pokalhalbfinalist. Zwar holte man in 2013 zwei Punkte mehr, aber das ist bei 38 Spielen marginal. Viel wesentlicher ist, daß vor zwei Jahren zehn Spieler 59 Ligatore erzielten. In dieser Saison erzielten 13 Spieler 75 Tore. Das spricht für die verbesserte sportliche Qualität. Ich muß nicht nochmal erklären, wie und warum in so ziemlich allen Mannschaftsteilen nachgebessert wurde, das ist haben wir alle gesehen. Ebenso wie 2013 stimmt der Teamgeist. Das sieht man daran, wie schnell später Dazugekommene wie Dennis Mast, UlmUlmUlm oder Manuel Junglas integriert wurden und sich auch gern selbst integrierten. Und wie 2013 gilt auch 2015, daß Arminias Mannschaft enorm sympathisch ist. Wer „Alle aufm Zaun“ miterlebt hat, wer gesehen hat, wie dem sonst so „knallhart“ auftretenden Fabi im Interview nach dem Aufstieg die Augen schwammen, der hat die Jungs einfach lieb. Im Vergleich der Mannschaften 2013 und 2015 bleibt festzuhalten: Liebenswertes Team, sportlich besser. Paßt!

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Die ruhige und besonnene Art der Vereinsarbeit ist ebenfalls kontinuierlich weitergegangen. Die nachhaltige Arbeit des Präsidiums Zillies wird vom Präsidium Laufer weitergeführt. Die finanzielle Situation ist angesichts der sportlichen Glanzlichter in den Hintergrund gerückt, bleibt aber eine wesentliche Baustelle im Club. Die Stadiongesellschaft hilft ein ganzes Stück weiter, ebenso das Entgegenkommen von Gläubigern und natürlich das Engagement von Gerry Weber, dem ich an dieser Stelle ganz besonders danken möchte. Auch Markus Uhlig und Samir Arabi leisten weiterhin erstklassige Arbeit. Als Arminia vor zehn Jahren der Club war, dem die Banken vertrauten, hat man eine tolle Ausgangssituation verdödelt. Jetzt, mit vielen Miesen an den Hacken und gezwungen, kleine und wohlüberlegte Schritte zu tun, gehen diese kleinen Schritte weiter und weiter in eine vielversprechende Richtung. Im Vergleich der Vereinsarbeit 2013 und 2015 bleibt festzuhalten: Weiter so!

„Paßt“ und „Weiter so!“- Wie paßt der Abstieg da ins Bild? War er wirklich das „Trauma“, der „Umbruch“ (mal wieder) und das „Typisch Arminia“? Seit gestern wissen wir, daß die vor Jahresfrist vergeigte Relegation nicht nur gegen Arminia (obwohl sie an dem Tag wirklich scheiße gespielt haben), sondern vor allem für Darmstadt 98 spricht. Zugegeben, im Nachhinein ist es einfach, zu sagen, daß das Drittligajahr ein „sabbatical“ war, zumal die Pokaleinnahmen die finanziellen Einbußen größtenteils kompensiert haben dürften. Davon abgesehen, sowohl Vereinsarbeit als auch sportliche Entwicklung sind durch den Abstieg nicht unterbrochen, sondern fortgesetzt worden, jeweils in eine positive Richtung.

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Und auch eine weitere positive Tendenz zeigte sich nach dem Abstieg: Zwangsläufig war Arminia mal wieder eine bundesweite Lachnummer. Jetzt, ein Jahr später, bin ich mir ziemlich sicher, daß Arminia im Pokalhalbfinale nicht nur die Mehrheit der Sympathien hatte, sondern diese auch über den Schlußpfiff hinaus behalten hat. Die Republik hielt mit einem Außenseiter, verabschiedete sich aber vom DSC Arminia Bielefeld. Aus der Lachnummer wurden die „Bielehelden“. Das ist ein weiterer wesentlicher Verdienst der Pokalsaison. Es ist wunderbar, sich „Arminia“ zu fühlen und dafür Anerkennung zu bekommen.

Sicherlich wartet die Leserschaft nun auf den Vergleich der Trainer 2013 und 2015. Nö. Mache ich nicht. Der Vergleich war von Anfang an überflüssig, jetzt ist er das endgültig. Ich komme lieber zu meinem Steckenpferdchen: Publikum, Fans und Umfeld. Und das beginnt tatsächlich mit einem allerletzten Zitat von Stefan Krämer, der 2013 sagte, es sei wichtig, die Zuschauer zurückzuholen. Das hat funktioniert, wie wir wissen. Doch mit Zurückholen allein ist es nicht getan, man muß die Zuschauer auch binden. Im Schnitt kamen über 4.000 Zuschauer mehr zu den Liga-Heimspielen als 2012/2013. Rechnet man den Pokal dazu, ist der Heimspielschnitt der Zweitligasaison 2013/2014 erreicht. Viel haben wir diskutiert über „Eventfans“ und „Erfolgsfans“. Aber: Der „Eventie“, der nur zum Relegationsspiel und zum Pokalspiel gegen Gladbach kam, der hat zwei emotionale Extreme erlebt. Die werden ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen. Der kommt wieder. Der „Eventie“, der gegen Golfsburg auf die Alm kam und die Gänsehautentzündung miterlebt hat, kommt auch wieder. Auch die Entwicklung der Mitgliederzahlen spricht da eine deutliche Sprache.

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Natürlich ist unser Denken grundsätzlich dasselbe geblieben: Gezeter und Weltuntergang nach Niederlagen, Bundesliga 2017 nach Siegen, alles in Frage stellen, alles feiern...Ihr kennt das. Da unterscheiden sich 2013 und 2015 nicht groß. Und trotzdem war 2014/2015 eine neue Nuance im Arminia-Feeling. Marcus Uhlig hat es so zusammengefaßt: Nach dem Abstieg gab es ein „Jetzt erst recht“-Gefühl, das dann über die Saison, befeuert vom Pokal, eine Eigendynamik entwickelte. „Funky“ sind wir laut Arnd Zeigler geworden. Jetzt gehe es darum, die Fröhlichkeit zu bewahren, so Uhlig weiter. Wir haben in dieser Saison gelernt, daß man Arminia nicht mit irgendwelchen Erwartungen verbinden muß, sondern sie einfach dafür liebhaben kann, daß sie Arminia ist. Nun gilt es zu hoffen, daß wir die Fröhlichkeit tatsächlich bewahren können. Wer die Sau rauslassen kann, muß sie auch wieder einfangen können. Diesbezüglich wird uns die nächste Saison öfter mal auf die Probe stellen. Die gute Arbeit wird sich auszahlen, früher oder später, trotz Rückschlägen, die es weiterhin geben wird. Es geht voran. Schritt für Schritt. Wenn wir hinter die Zweikämpfe, Standards, Tore und Tabellen gucken, sollte uns das auch klar werden und bleiben. Und dann gewinnt „Typisch Arminia“ vielleicht auch mal eine andere, neue Qualität.

Ja, es ist ein besserer DSC als 2013. Es geht weiter voran. Schön, das miterleben zu können.

Soweit zu 2014/2015. In der Sommerpause gibt es noch einen „Rest of Rundumbeobachtungen 14/15“-Text (Ihr glaubt gar nicht, wieviel am Rande noch rundumbeobachtet werden konnte). In der Sommerpause wird es noch den einen oder anderen Text geben, sowohl hier als auch von den Kollegen auf FANKULTUR.COM – like und follow lohnt sich also. Sonst bin ich pünktlich zur Zweitligasaison wieder mit unserem „funky“ DSC am Start.

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Okay, Lohmann hat keine eigene Hymne bekommen. Angesichts des eben dargestellten bin ich durchaus bereit, darüber hinwegzusehen. Es gibt wichtigeres. Zum Beispiel einen neuen Running Gag für nächste Saison ausdenken...Wat nehm‘ ich denn da...?!

 

Jan-H. Grotevent

Jahrgang 1975.

Gefühlte Zuständigkeiten:

Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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