Mi29Mar2017

rundumbeobachtungen
Back Aktuelle Seite: Blog Rundumbeobachtungen Tradition, Moderne und das Erbseneintopfschild
Donnerstag, 20 Februar 2014 19:24

Tradition, Moderne und das Erbseneintopfschild

geschrieben von 

Das MAFA - Rundumbesichtigungen

dscmafa-karte 002Wenn man schon eine Sitzplatzkarte nehmen muß, kann man mal das MAFA besuchen. Also schalte ich vor dem Pauli-Spiel vom Rundumbeobachter-Modus in den Rundumbesichtiger-Modus. Ein Motto des MAFA ist “Spüre, höre und erlebe Arminia”. Ich bin also gespannt, ob das MAFA tatsächlich die besonderen Eigenheiten des DSC, dieses oft beschworene und kaum zu präzisierende „besondere Arminia-Gefühl“ wiedergeben kann. Um es vorweg zu nehmen: Jupp, es kann.

Die Idee eines Arminia-Museums gab es seit 2001. Treibende Kraft des Projekts war und ist Fanbeauftragter Christian Venghaus. Die finale Phase der Vorbereitung machte Vizepräsident Laufer im Juli 2012 im Rahmen der Eröffnung der „Jetzt-Weichalm“ öffentlich. Im Oktober 2012 wurde ein Spendenaufruf gestartet. Diejenigen, die 119,05 € spendeten, sind an der Wand rechts neben dem Eingang verewigt. Im März 2013 schließlich wurde das Museum/Archiv/Forum Arminia (= MAFA) eröffnet. Es ist im alten VIP-Bereich der Westtribüne untergebracht, dem „Sechzehner“ gegenüber. Für die Konzeption der 220 m² Ausstellungsfläche arbeitete man mit Michael Falkenstein von der Firma Syrex zusammen, wie schon bei der Ausstellung zum 100jährigen Vereinsjubiläum am Kesselbrink. 

 dscmafa1dscmafa3dscmafa12

 

 

 

 

 

 

 

Die drei Euro Eintritt sind als Spende für das MAFA gern gegeben. Man geht durch einen Wellblechtunnel und steht im Ausstellungsraum. Der erste Reflex, ob man will oder nicht: „Was? Das ist alles?“. Klar, 220 m² sind keine zweite Kunsthalle. Das MAFA ist kompakt, und wenn man sich länger darin aufhält, stellt man fest, daß eben diese „Dichte“ für ein Museum über Arminia genau richtig ist. Neben den Exponanten sind Touchscreens angebracht, die vertiefendes Video-, Audio- und Fotomaterial präsentieren. Wie die Ausstellung von 2005 wird das MAFA mit Stadionatmosphäre beschallt. Damals wie heute eine gute Idee, die vertrauten Chants und Anfeuerungsrufe gehören zu einem „Arminia-Erlebnis“.

dscmafa5Direkt rechts neben dem Eingangstunnel sind Mannschaftsutensilien und die Trikots der letzten 35 Jahre ausgestellt. Ein erster Nostalgie-Effekt: Ich kann meine komplette Zeit mit Arminia anhand der Trikots nachvollziehen. Westerwinter und Schröder im „Abtei“-Trikot, Meinke im „Schüco“-Trikot, Bodo Sievers im „Jahnplatzforum“-Trikot und in Sölde verloren, Bruno Labbadia 1999 im 1970er-Retro-Trikot bei der 3:0-Aufstiegsparty gegen Gütersloh, Daei und Reina im „Gerry Weber“-Trikot, Kamper und Wichniarek im „Krombacher“-Hemd...

Gegenüber dem Eingangstunnel ist, quer über eine ganze Wand, eine Timeline angebracht, die anhand einer Fieberkurve die Vereinsgeschichte des DSC von Emil Schröder bis Stefan Krämer darstellt. Für diejenigen, die Arminias Geschichte vertiefen wollen, ist jetzt Textarbeit angesagt. Diese ist aber leicht verdaulich. Die „Ups and Downs“ der Vereinsgeschichte sind kurz und kompakt dargestellt und werden durch Illustrationen aufgelockert. Highlights, die nicht unmittelbar mit der Vereinsgeschichte zusammenhängen sind unabhängig von der Timeline aufgeführt, wie etwa das erste Flutlichtspiel. Übrigens: Wundert es jemanden, daß die Fieberkurve eine Zickzackkurve ist...?

dscmafa7Im Innenraum des MAFA stehen acht Säulen, die mit Bildern, Texten und Ausstellungsstücken über Mannschaften, Stadion, Medien, die Abteilungen des DSC und die Fans informieren. Dabei wird neben den Fakten auch das Arminiatypische herausgestellt, wie etwa der herzkaspernde Uli Zweetz und die allgegenwärtige manische Depression des Umfeldes („Das verlieren die eh noch“). Ausstellungsstücke sind unter anderem der Spielberichtsbogen eines Schiedsrichters, alte Traineraufzeichnungen, Fankutten und Fanschals sowie der Originalschuh, mit dem Jonas Kamper einst Olli Kahn einen Freistoß in die Maschen schweißte. Gerade solche Ausstellungsstücke machen die Fakten greifbar. Der Kamper hat für einen „Pferdetritt“ (Matze Hain) ganz schön kleine Füße.

 dscmafa4dscmafa10 

 

 

 

 

 

 

Zu den Fenstern hin – mit Blick auf die „Jetzt-Weichalm“ und auf die gerade eintreffenden Kiezkicker – werden vor einem großen Bild der Reservebank unter Kalli Feldkamp alle Trainer auf dem Touchscreen vorgestellt. Wieso habe ich damals eigentlich Ingo Peter gefeiert? Davor weisen Hockeyschläger, Schlittschuhe und Billardkugeln auf das weitere (breiten)sportliche Angebot des DSC Arminia Bielefeld hin. Ich fühle mich spontan erinnert an ein Motiv aus der guten, alten Mitgliederkampagne: „Komm! Spielen!“. Fußball mag zwar dominieren, wenn man an „Arminia Bielefeld“ denkt, doch sollten die anderen Sparten des Vereins darüber nicht vergessen werden. Wie lautet ein anderes populäres Motiv des DSC? „Arminia ist mehr!“.

dscmafa8Die Wand, die der Timeline gegenüberliegt, ist ganz der Alm und dem Stadionerlebnis gewidmet und ist meine Lieblingsecke des MAFA. Die dort ausgestellten Stücke lösen bei mir ganze Erinnerungsketten aus. Ein paar Beispiele: Ich sehe den Plan für den Ausbau der Alm zum „L“ – Wer erinnert sich noch, daß hinter Block 3 und 4 mal Bäume standen? Ich sehe das Schild, daß Erbseneintöpfe feilbietet – Es hat hinter der heutigen Ecke Block 3/Block J gehangen, außerdem mal direkt hinter dem alten Block 5. Wo wir schon mal beim alten Block 5 sind -  Wem fällt der Eingang Melanchthonstraße wieder ein? Zwei Schritte, und man war auf‘m Block? Wer erinnert sich an die Getränkebude, die links hinter diesem Eingang stand, mit der grauen Rückwand aus Plastikplane, heute komplett ungenutzte Fläche? Wer hat noch einen Becher aus der Saison 96/97 mit seinem persönlichen Helden (Ich! – Stu-dti!)?

Die aktuelle Sonderausstellung zeigt den Aufstieg 2013. Der dazugehörige Touchscreen stellt Kader und Betreuerstab des Aufstiegsteams vor. Zahlreiche Bilder dokumentieren das gegenwärtige „Up“ auf Arminias Timeline, ebenso wie eine Vitrine mit Exponaten zum Aufstieg – Wer hat sich denn das „Wir sind gerne zweitklassig“- Shirt ausgedacht? Ist mir im letzten Mai gar nicht aufgefallen. Ich bin gern Armine. Klassenunabhängig.

dscmafa11 dscmafa9dscmafa2

 

 

Fazit: Das MAFA benutzt keine Special Effects, sondern Bilder und Exponate, die den DSC „greifbar“ machen und die eigenen Erinnerungen an Erlebnisse und Episoden mit Arminia ansprechen. Ist genau richtig so! Und so ist das MAFA für Arminen etwas ganz Wunderbares. Außerdem ist es wichtig, über die Geschichte des Clubs Bescheid zu wissen. Allgemein im Fußball und besonders bei Arminia wird oft zu sehr in der Gegenwart gelebt und man läßt sich stark von dieser mitreißen. Dabei ist ein gewonnenes Spiel ebenso wie ein verlorenes Spiel nicht mehr als 90 Minuten an irgendeinem Wochenende in 109 Jahren Arminia-Geschichte. Und gerade wir sollten aus der Vergangenheit lernen, damit ihre Fehler in Gegenwart und Zukunft nicht nochmal gemacht werden. Auch daran erinnert das MAFA und das ist gut und wichtig. Ob das MAFA als informatives Museum für „Neutrale“ geeignet ist, kann ich nicht beurteilen, da ich bei Arminia nicht neutral bin und sein kann, aber: Glaube schon. Ich schließe mich dem Aufruf des Vereins an: „Überzeugt euch am besten selbst von dieser einzigartigen Atmosphäre und stattet dem MAFA einfach einen Besuch ab.“.

Fotostrecke der Firma Syrex

Kurzfilm des Filmhaus Bielefeld zum MAFA

 

Jan-H. Grotevent

Jahrgang 1975.

Gefühlte Zuständigkeiten:

Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.