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Sonntag, 13 Januar 2013 19:38

Der Dialog – Weg als Ziel? Weg zum Ziel?

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dialogDialog – Der auch in der Tagespolitik sehr hippe Begriff ist im Munde vieler Fans. Wir verbinden mit ihm eine meist nicht präzise beschriebene Wendung zum Besseren: „Ein Dialog würde helfen“, „Der Dialog bringt die Lösungen“, „Wir wollten immer den Dialog“ und ähnliches haben wir immer wieder von Fans und Fanszenen gehört, wenn es um Austausch (oder Konfrontation) mit Verbänden, Vereinen, Polizei oder Politik ging. Aber was ist ein Dialog oder „der Dialog“ eigentlich genau und was kann man davon erwarten? Reden wir drüber. Reden wir vom Reden.

„Dialog“ heißt: Miteinander sprechen. Rede und Gegenrede, aber auch: Zuhören, Verstehen und verstanden werden. Ziel eines Dialogs ist, daß die Gesprächspartner einander erklären und sich gegenseitig zuhören. So können sie nachvollziehen, was die jeweils anderen denken und warum. Wie also können Fans und – wahlweise – Vereine, Verbände, Polizei und Politik miteinander reden, sich gegenseitig zuhören und sich verstehen?

Zum Reden braucht es authentische, sachliche und begründete Argumente. Seitens Verbänden, Polizei und Politik ist dazu eine „Populismusbremse“ zu wünschen. Die Fans müßten eine einheitliche und glaubwürdige Stimme finden und organisieren. Zum Zuhören und Verstehen muß man die Argumente der jeweils anderen in sich aufnehmen und wirken lassen. Das tut im Moment niemand unvoreingenommen. Alle Beteiligten müssen sich Positionen verschaffen, die gegenseitig ernst genommen werden können - ohne Abwehrhaltung, Voreingenommenheit oder Abwertung. Die Vereine und Verbände dürfen die Fans nicht nur als „Sicherheitsrisiko“ oder „Konsumenten“ begreifen. Die Polizei darf nicht mehr von „potentiellen Straftätern“ ausgehen. Die Politik darf nicht mehr von „potentiellen Wählern“ ausgehen. Und die Fans müßten sich von „ACAB“, „Befruchte Dich selbst“ und auch Pyro-Aktionen verabschieden. Es sind schwere Hürden, die auf dem Weg zum Dialog zu nehmen sind.

Obwohl der Dialog das Risiko trägt, sich in Endlosdebatten zu verlieren – als Mittel kann er natürlich zu einer „guten Entscheidung“ beitragen. Er kann helfen, das jeweilige Thema genau zu umreißen. Er kann helfen, gemeinsame Lösungen zu finden, zu bewerten und auszuwählen. Doch ist der Dialog nicht mit der Entscheidung selbst und keinesfalls mit einer Entscheidung zu Gunsten der Fans gleichzusetzen. Er ist auch nicht zu verwechseln mit „Entscheidungsbeteiligung“, die Entscheidung treffen immer noch die Entscheidungsträger. Auch wenn Dialoge etabliert werden – es wird auch dann Entscheidungen geben, die nicht im Sinne aller sind. Aber vielleicht führen Dialoge dazu, daß Entscheidungen besser begründet und besser nachvollziehbar sind. So sind sie vielleicht auch besser zu akzeptieren.

Der Dialog ist an sich ein Weg zum Ziel – Ein Problem gemeinsam detailliert umreißen und gemeinsam eine Entscheidung vorbereiten. Im Moment hat der olle Konfuzius recht: Der Weg ist das Ziel. Im Moment ist es, wenn wir Dialoge etablieren wollen, vor allem wichtig, diesen gemeinsamen Weg erstmal zu finden. Dazu wird – und zwar auf allen (!) Seiten eine Menge Besonnenheit nötig sein.

Aber wenn schon ein Baumarkt sagt: „Man muß einfach mal anfangen“...

Jan-H. Grotevent

Jahrgang 1975.

Gefühlte Zuständigkeiten:

Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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