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Mittwoch, 13 Februar 2013 21:04

Wie heißt Dein Stadion denn heute? Chronologie einer Seuche

geschrieben von 

Weserstadion Name unverkäuflichWir haben es gut hier in Bremen, denn wir haben haben ein Stadion. Okay, jetzt werden viele von Euch sagen: "Moment mal, in unserer Stadt haben wir auch ein Stadion!" und manche sagen vielleicht sogar: "Ätsch, bei uns gibt's sogar mehrere Stadien!" Aber wir hier in Bremen haben nicht nur ein Stadion, unseres heißt auch noch so! Jetzt wird es schon ruhiger, denn in den meisten Profifußball-Standorten Deutschlands gibt es so etwas nicht mehr. Dort müssen sich die Menschen mit einer "Arena" oder einem "Park" auseinandersetzen, davor wurde meist noch lieblos der Name eines Sponsoren geklatscht. Von den 54 Sportstätten der Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga tragen derzeit ganze 34 den Namen eines Sponsors, nur 20 Stadien erfreuen sich noch an einem traditionellen bzw. werbefreien Namen (davon nur zwei in der Bundesliga: das Stadion im Borussia-Park in Mönchengladbach sowie das Weserstadion in Bremen). Die jüngste Verschandlung eines Fußballstadions wurde heute bekannt: die Namensrechte des Nürnberger Stadions, für das sich die Club-Fans leidenschaftlich für eine Umbenennung in "Max-Morlock-Stadion" eingesetzt hatten, wurden an den Elektrokonzern Grundig verkauft. Der 1. FC Nürnberg wird also in naher Zukunft in der "Grundig-Arena" spielen. Das ist zwar nicht ganz so brechreizerregend wie "e@syCredit-Stadion", schön ist das aber auch nicht.

Ich bin kein Werbe- oder Marketing-Experte, ich gehöre zu denen, die beworben werden sollen, also zu denjenigen, denen man mit solchen Kampagnen das Geld aus der Tasche ziehen will. Grob vereinfacht gesagt funktioniert Werbung ja so: geh den Menschen nur lange und oft genug mit deinem Firmen- oder Produktnamen auf die Nerven, dann werden sie deinen Mist schon irgendwann kaufen. Die Effizienz dieser Taktik ist selbst unter Experten mindestens umstritten, zumal der "Overkill" schon längst weit überschritten ist: ein durchschnittlicher deutscher Großstadtbewohner wird mit über 1.500 unterschiedlichen Werbebotschaften pro Tag bombadiert, aber wegen der inflationären Werbeflut nehmen wir weniger als zehn Prozent davon überhaupt noch wahr. Das einzige Mittel, was der Werbeindustrie dagegen einfällt, ist: noch mehr Werbung. Traditionen und ideelle Werte werden hierbei ohne die geringste Rücksicht ignoriert, hauptsache die Werbefläche ist vermietet. Klar, auch ich weiß dass Profifußball ohne Sponsoring und Werbung (leider!) schlicht unmöglich ist, doch finde ich es im zunehmenden Maße erschreckend wie skrupellos dabei über Traditionen und ideelle Werte hinweg gegangen wird. Ich denke, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster wenn ich prophezeie: sollte dieser Trend anhalten, dann werden auch bald Kirchen oder andere noch als "heilig" geltende Orte mit Werbung zugepflastert werden.

Ich frage mich sehr oft, wie welt- und realitätsfern die Werbemacher mittlerweile geworden sind. Denken die, weil sie ein Fußballstadion mit dem Namen z.B. einer Automarke verschandeln, gehe ich auch noch los und kaufe mir das Ding? Oder dass ich mein Konsumverhalten verändere, nur weil seit einiger Zeit vor einem Werbeblock im Fernsehen noch ein Extra-Spot gezeigt wird (was soll der Quatsch? "Diese Werbeblock wird ihnen präsentiert von..."?). Vielleicht bin ich ja ein Sonderfall, ich weiß es nicht, aber wenn das Stadion meines Lieblingsvereins von einem Sponsorennamen versaut wird, dann bin ich in erster Linie sauer auf den Sponor auf kaufe dessen Zeug erst recht nicht. Wenn meine Lieblingsserie im Fernsehen dreimal von Werbung unterbrochen wird, dann bin ich von den Spots genervt, was mich die beworbenen Produkte automatisch mit einer negativen Emotion asoziieren läßt (und ausserdem schalte ich weg, was die Werbung überflüssig macht). Im günstigsten aller Fälle ignoriere oder übersehe ich Werbung, wodurch sie ebenfalls ihren Sinn und Zweck verliert. Also, was soll der Mist?

Kommen wir zurück zu den Orten, die für uns Fußballfans oft den Mittelpunkt unserer Freizeit darstellen, den Stadien. Ich habe nachfolgend eine Chronologie des Sponsorennamen-Wahnsinns aufgelistet, wobei ich mich auf die Stadien der aktuellen Erst-, Zweit- und Drittligisten beschränkt habe.

  • 19. Juli 1997: der Sportpark Ronhof im bayrischen Fürth wird in "Playmobil-Stadion" umbenannt
  • 1. Juli 1998: das Ulrich-Haberland-Stadion in Leverkusen wird in "BayArena" umbenannt
  • 1. Juli 2001: das Volksparkstadion in Hamburg wird in "AOL-Arena" umbenannt
  • 1. Juli 2002: das Niedersachsenstadion in Hannover wird in "AWDarena" umbenannt; das Müngersdorfer Stadion in Köln wird in "RheinEnergieStadion" umbenannt und das Stadion an der Liebigstraße in Burghausen wird als "Wacker-Arena" neu eröffnet.
  • 13. Dezember 2002: in Wolfsburg wird die "Volkswagen-Arena" eröffnet
  • 1. Juli 2003: der Sportpark Unterhaching wird in "Generali Sportpark" unbenannt
  • 13. Januar 2004: die Alm in Bielefeld wird in "SchücoArena" umbenannt
  • 1. Juli 2004: in Freiburg im Breisgau wird das Dreisamstadion in "badenova-Stadion" umbenannt; das Piepenbrock-Stadion an der Bremer Brücke in Osnabrück wird in "osnatel-ARENA" umbenannt und das Waldaustadion in Stuttgart wird in "GAZi-Stadion auf der Waldau" umbenannt
  • 18. Januar 2005: in Düsseldorf wird auf dem ehemaligen Standort des abgerissenen Rheinstadions die "LTU-Arena" eröffnet
  • 1. Mai 2005: in Frankfurt am Main wird das Waldstadion in "Commerzbank-Arena" umbenannt
  • 19. Mai 2005: in München wird zwischen einer Müllkippe und der Kläranlage Großlappen die "Allianz-Arena" eröffnet
  • 1. Juli 2005: trotz vorheriger gegenteiliger Beteuerungen von Manager Rudi Assauer wird in Gelsenkirchen die Arena AufSchalke in "Veltins-Arena" umbenannt
  • 1. Dezember 2005: das Westfalenstadion in Dortmund wird in "Signal-Iduna-Park" umbenannt
  • 15. März 2006: das Frankenstadion in Nürnberg wird in "e@syCredit-Stadion" umbenannt
  • 1. Juli 2006: das Ruhrstadion in Bochum wird in "rewirpowerSTADION" umbenannt; in Frankfurt am Main wird das Stadion am Bornheimer Hang in "Frankfurter Volksbank-Stadion" umbenannt
  • 2. Juli 2007: in Rostock wird das Ostseestadion in "DKB-Arena" umbenannt
  • 4. Juli 2007: die "AOL-Arena" in Hamburg wechselt den Sponsor und wird in "HSH Nordbank-Arena" umbenannt
  • 13. Juli 2007: die "Augsburg Arena" wird in "impuls arena" umbenannt
  • 11. Oktober 2007: in Wiesbaden wird die "Brita-Arena" eröffnet
  • 1. Juli 2008: in Aalen wird das Städtische Waldstadion in "SCHOLZ ARENA" umbenannt
  • 20. Juli 2008: in Paderborn wird die "paragon arena" eröffnet
  • 30. Juli 2008: das Gottlieb-Daimler-Stadion in Stuttgart wird in "Mercedes-Benz-Arena" umbenannt
  • 26. Juni 2009: die "paragon arena" in Paderborn wird in "Energieteam-Arena" umbenannt
  • 1. Juli 2009: die "LTU-Arena" in Düsseldorf wechselt den Sponsor und wird in "ESPRIT-Arena" umbenannt
  • 1. Juli 2010: die "HSH Nordbank-Arena" in Hamburg wechselt abermals den Sponsor und wird in "Imtech-Arena" umbenannt. Den Hamburgern ist das längst zu blöd geworden, sie nennen das Stadion wieder Volksparkstadion. Am selben Tag wechselt das "Playmobil-Stadion" in Fürth zum den Sponsor und wird in "Trolli ARENA" umbenannt; zudem wurde die MSV-Arena in Duisburg in "Schauinsland-Reisen-Arena" umbenannt und das Albstadion in Heidenheim an der Brenz wurde in "GAGFAH-Arena" umbenannt.
  • 24. Juli 2010: in Ingolstadt wird der "Audi-Sportpark" eröffnet
  • 4. September 2010: die "GAGFAH-Arena" in Heidenheim an der Brenz wechselt den Sponsor und wird in "Voith-Arena" umbenannt
  • 10. Dezember 2010: das Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden wird in "glücksgas stadion" umbenannt
  • 16. März 2011: das Erzgebirgsstadion in Aue wird in "Sparkassen-Erzgebirgsstadion" umbenannt
  • 30. Juni 2011: der "Generali Sportpark" in Unterhaching wird wieder in Sportpark Unterhaching zurückbenannt
  • 1. Juli 2011: die "impuls arena" in Augsburg wechselt den Sponsor und wird in "SGL arena" umbenannt; die Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim wird in "Wirsol Rhein-Neckar-Arena" umbenannt
  • 3. Juli 2011: in Mainz wird die "Coface-Arena" eröffnet
  • 17. September 2011: in Halle an der Saale wird am Standort des abgerissenen Kurt-Wabbel-Stadions der "ERDGAS Sportpark" eröffnet
  • 1. Januar 2012: das "badenova-Stadion" in Freiburg im Breisgau wechselt den Sponsor und wird in "MAGE SOLAR Stadion" umbenannt
  • 14. Juni 2012: die "Energieteam-Arena" in Paderborn wechselt den Sponsor und wird in "Benteler-Arena" umbenannt
  • 29. Juni 2012: in Offenbach am Main wird das "Sparda-Bank-Hessen-Stadion" eröffnet
  • 30. Juni 2012: da der Vertrag auslief, trägt das "e@syCredit-Stadion" in Nürnberg übergangsweise den Namen "Stadion Nürnberg"
  • 14. Februar 2013: Grundig wird als neuer Inhaber der Namensrechte für das "Stadion Nürnberg" vorgestellt. Wahrscheinlicher neuer Name: "Grundig-Arena"

Soweit zu den obersten drei Ligen in Deutschland. Ausgehend vom Ground Zero in Fürth verbreitet sich das Werbevirus mit zunehmender Geschwindigkeit. In den unteren Ligen verbergen sich noch unzählige weitere Vergewaltigungen, als Beispiele seien hier das "PokerStars.de-Stadion an der Lohmühle" in Lübeck, die "MDCC-Arena" in Magdeburg, die "Red Bull Arena" in Leipzig, die "BELKAW-Arena" in Bergisch Gladbach und die "Geberit-Arena" in Pfullendorf genannt. Sehr hübsch sind auch ein paar Stilblüten aus Österreich, wie beispielsweise die "Keine Sorgen Arena" in Ried am Innkreis.

Bleibt die Frage, wie wir Fans in Zukunft mit dieser Seuche umgehen. Ich mag mich nicht so recht damit abfinden, dass dieser rücksichtslose Ausverkauf von der breiten Fanmasse so gleichgültig hingenommen wird. Vereinzelt gibt es natürlich Proteste, wie beispielsweise die (sehr unterstützenswerte) "Max-Morlock-Stadion jetzt!"-Initiative der Fans des 1. FC Nürnberg. Auch die Nachricht des Farbbeutelanschlags auf das Schild der DKB-Arena in Rostock habe ich mit einem gewissen Wohlwollen aufgenommen. Vielleicht verläuft diese Werbewelle im Sande, wenn den weltfremden Werbefuzzies klar wird, wie schnell die Identifikation mit dem Namen eines Stadions verloren geht, wenn er sich alle zwei Jahre ändert. In Hamburg nimmt man von den Sponsoren-Wechselspielchen kaum noch Notiz, die HSV-Fans nennen das Stadion längst wieder Volksparkstadion, egal welcher Sponsor die Namensrechte gerade inne hat. Wenn dieser Verschleißeffekt auch in den restlichen Bundesliga-Standorten Einzug hält, dann besteht vielleicht die Hoffnung dass man sich wieder auf die traditionellen Namen besinnt.

Abschließend hier noch die Liste der "gallischen Dörfer": Stadien der obersten drei Ligen, die sich dem Sponsorenvirus bisher erfolreich widersetzen konnten.

  • Aachen: Tivoli
  • Berlin: Olympiastadion, Stadion An der Alten Försterei
  • Braunschweig: Eintracht-Stadion
  • Bremen: Weserstadion
  • Chemnitz: Stadion an der Gellertstraße
  • Cottbus: Stadion der Freundschaft
  • Darmstadt: Stadion am Böllenfalltor
  • Dortmund: Stadion Rote Erde
  • Erfurt: Steigerwaldstadion
  • Hamburg: Millerntor-Stadion
  • Kaiserslautern: Fritz-Walter-Stadion
  • Karlsruhe: Wildparkstadion
  • Mönchengladbach: Stadion im Borussia-Park
  • Münster: Preußen-Stadion
  • Potsdam-Babelsberg: Karl-Liebknecht-Stadion
  • Regensburg: Jahnstadion
  • Saarbrücken: Ludwigsparkstadion
  • Sandhausen: Hardtwaldstadion

Noch mehr Osterdeich-Schnack von mir gibt's auf twitter.com/Thilo_mit_H

 

Nachtrag: Mehr Informationen über die Nürnberger Initiative "Max-Morlock-Stadion jetzt!" findet Ihr auf deren Homepage sowie auf deren Facebook-Seite. Auf der Homepage findet sich auch eine Online-Petition, zu deren Teilnahme ich Euch hiermit bitten möchte.

8 Kommentare

  • Kommentar-Link Jan-H. Grotevent Donnerstag, 14 Februar 2013 12:10 gepostet von Jan-H. Grotevent

    "doch finde ich es im zunehmenden Maße erschreckend wie skrupellos dabei über Traditionen und ideelle Werte hinweg gegangen wird. "

    Zitat von SCHÜCO auf die Frage, warum man unsere Alm nicht "Schüco-Alm" genannt habe: "Dann würden weiterhin alle 'Alm' sagen und unser Name würde kaum wahrgenommen".

    (unabhängig von alldem, was Schüco für Arminia getan hat)

  • Kommentar-Link Florian M Donnerstag, 14 Februar 2013 13:06 gepostet von Florian M

    Wenn das Stadion Rote Erde genannt wird, dann bitte auch das Stadion am Bruchweg. ;)

  • Kommentar-Link Thilo Schmidt Donnerstag, 14 Februar 2013 13:10 gepostet von Thilo Schmidt

    @Florian M: Ich habe mich auf die AKTUELLEN Spielstätten der Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga beschränkt. Im Stadion Rote Erde spielt die U23 von Borussia Dortmund in der 3. Liga; im Stadion am Bruchweg findet meines Wissens nach derzeit kein erst-, zweit- oder drittklassiger Fußball statt.

  • Kommentar-Link Alexander Donnerstag, 14 Februar 2013 14:41 gepostet von Alexander

    Interessanter Artikel, gute Zusammenfassung.

    Ich kann dir in dem Wunsch der Ent-Kommerzialisierung vollkommen folgen, aber nicht wegen deiner Ausführungen zu Werbung und Sponsoring. Weil ... es wirkt. Ob man es persönlich so empfindet oder nicht, Grundig bspw. wird definitiv einen positiven (vielleicht nicht nur, aber vor allem) Effekt verspüren. Allein dass es Grundig überhaupt noch in der Form gibt, hatte ich z.B. bis gestern nahezu aus den Augen verloren. Jetzt redet man wieder drüber - die Markenbekanntheit wird gesteigert - und morgen ist die Aufregung vorbei und es heißt dann in den offiziellen Medien Heimspiel für Heimspiel "Und wir schalten um in die Grundig-Arena". Und das "gemeine" ist: Selbst wenn der Kampf um MMS danach weiter ginge, so erhöhte das nur die Medienpräsenz weiter. Und spätestens außerhalb Frankens ist es dem Konsumenten doch egal, ob eine Fangruppierung gern einen anderen Namen haben will.

    2016 - das für mich das Datum. Da hat der Club die Chance einen Fuß in die Tür zu kriegen und Bader hat anklingen lassen, dann ernsthaft drüber nachzudenken (vorher kann er das gar nicht mangels Einfluss auf die Entscheidung), ob man aus Imagegründen und pro Fankultur sich auch ein MMS leisten kann und will.

  • Kommentar-Link Patrick Potthoff Freitag, 15 Februar 2013 10:30 gepostet von Patrick Potthoff

    @Alexander:

    Die Markenbekanntheit wird steigen, aber ich glaube, dass bei Sponsoren ein Denkfehler vorherrscht:

    Reichweite schafft keine Beziehungen.

    Namingrights werden vor allem durch diese gestiegene Markenbekanntheit gerechtfertigt. Das kann man dann auch schön in nem steigen Chart darstellen und alle begeistern, ABER niemand kann die tatsächliche Wirkung auf das Geschäft bemessen.

    Ich glaube, wenn Grundig sich bereit erklären würde, das Stadion Max-Morlock Stadion zu nennen UND damit werben würde, dass diese Firma sich dafür eingesetzt hätte, man einen viel höheren Effekt erzielen könnte.

    Das ist alles ein eingerostetes Paradigma, in dem vermeintliche Statistiken vortäuschen, dass Namingrights - so wie sie heute sind - sinnvoll wären.
    Ich halte das für Unsinn.

    Das ist alles so ähnlich wie der tote Hase der auf der Straße liegt. Man findet den Anblick widerlich, aber guckt trotzdem hin. Das heißt, aber nicht, dass ich mir den Hasen mitnehme und mir zum Abendbrot brate.
    Genauso ist es mit der Markenbekanntheit. Sehen und Wahrnehmung ist nicht gleichzusetzen mit Handlung. Ich werde mir keine Grundig-Fernseher kaufen, nur weil ich Grundig jetzt wieder im Gedächtnis habe.

    Nur die Firmen setzen sich durch, die positive Vorstellungsbilder von sich und zu ihren Nachfragern zu schaffen im Stande sind. Siehe Apple, Porsche, McDonalds whatever....

  • Kommentar-Link Rossobianco Freitag, 15 Februar 2013 16:04 gepostet von Rossobianco

    Alles eine Frage der Zeit und die "Namensgeber" der Top-Adressen denken da in weit größeren Rahmen als es in Burghausen oder Unterhaching der Fall sein mag. Umgekehrte Frage: Wer von den Fans der jüngeren Generationen kennt noch dei Originalnamen der englischen Stadien die umbenannt wurde....? Und genauso wird ein 15-Jähriger Brite durchaus den Namen des Sponsors behalten, wenn eine deutsche Mannschaft in der Champions-League im Signal-Iduna-Park aufläuft gegen meinetwegen Chelsea...

    Das betrifft aber nur die Global Player! Das deutsche Publikum wird durchaus auch erreicht. Über das Radio zum einen, die ARD-Schlußkonferenz bietet einen riesigen Reklamemarkt.... und die Konsequenzen, wenn der Reporter dann doch "Frankenstadion" sagt, sind ja bekannt! Aber das gilt demnach nur für die erste Liga...

    Und nur in der lohnt es sich aus für die "No-Tradition-Clubs" sich über einen Sponsornamen zu positionieren. Bsp.: Der Vfl Wolfsburg hat keinen tradionellen Stadionnamen (außer VfL-Stadion), wen juckt es wie dieser Ground heißt???? Gleiches gilt für Vereine, die erst in den letzten Jahren zu "Ruhm und Ehre" gekommen sind und ein völlig neues Stadion gebaut haben, siehe Augsburg oder Ingolstadt, natürlich auch Hoffenheim oder Mainz.

    Es wäre demnach genauso unsinnig und würde umgekehrt auch niemals Tradition fördern, wenn RB Leipzig im Dieter-M.-Stadion oder Hoffenheim im Dietmar-H.-Stadion spielen würde. Man kann über einen traditionellen Namen keine Tradition erwerben.

    Und was die "echten Fans" betrifft, also diejenigen, die INS Stadion gehen oder gar pilgern - wo gehen die denn hin????
    Nicht nur der Hamburger geht in seinen Volkspark, der Lautrer "uff de Betze", der der Bremer ins Weserstadion.... der Schalker geht auch immer noch "auf Schalke", der Stuttgarter "nach Cannstatt", der Kölner nach "Müngersdorf" und der Fürrther "zum Ronhof" Und wenn sie in Braunschweig nach dem Aufstieg das Ding wieder Jägermeister-Arena nennen würden, echte Löwen gehen "zur Hamburger Straße", auch in 50 Jahren noch.

    Fazit: Da wo der Volksmund einen "Arena"-Namen annimmt, weil er keine Reminiszenz hat, ist das auch ok! Da wo Reminiszenz verschwindet, weil ein Namensgeber ausradiert wird, muss der Fan und Bürger sich fragen, warum er das zulässt, aber da fällt mir spontan nur Stuttgart, Leverkusen und Dresden im Profibereich ein.

    Und es ist ein weitaus größerer Schritt z.B ein "Fritz-Walter-Stadion" umzubennen, als ein "Frankenstadion" oder ein "Wesfalenstadion". Man stelle sich vor, die Bayern hätten zuvor im Franz-Beckenbauer-Stadion gespielt.... hätten sie es umbenannt? Oder der HSV hätte schon in den 90ern den Volkspark in Uwe-Seeler-Stadion umbenannt? Hätten sie es gewagt????? Ich denke nein!

    Aber aus einem Waldstadion eine CoBa-Arena zu machen.... Na und! Die Frankfurter gehen eh weiter in den Riederwald zum Training und nach Niederrad zum Spiel. Und die "Fernsehgäste" aus aller Welt sehen den großen Sponsornamen und merken sich den, die wissen doch gar nicht wo Niederrad liegt! Daher kann ich die "Gewissenskrise" beim Club gut verstehen, wenn man das Stadion einmal umbenannt hat in Max-Morlock-Stadion, gibt es keinen Weg zurück! Never! Der Club muss sich entscheiden, was ihm seine Tradition wert ist! Es ist ja auch nicht der SC Paderborn oder der VfL Osnabrück oder Wacker Burghausen..... es ist der 1.FC Nürnberg! Das ist keine Häme gegen die genannten drei oder andere.... das sind Welten!

    Vielleicht setzt ja Borussia ein Zeichen und benennt das Stadion doch noch in Hennes-Weisweiler-Stadion um, das kann ja dann ruhig auch im "Diebels-Sportpark-Nord" liegen. Ebenso kann das Fritz-Walter-Stadion gerne im "Karlsberg-Sportpark am Betzenberg" stehen..... wenn sie was dafür bezahlen.... von mir aus.... und warum soll ein Max-Morlock-Stadion nicht im Adidas-NürnbergerVersicherungen-Schenker-Industriepark stehn???? Das wäre vielleicht ein Weg für die Traditionsclubs.... für die anderen ist es wurscht wie Klosbrühe! Niemand interessiert, wie ein Stadion in Sinsheim heißt! Oder?

  • Kommentar-Link RevierBorusse Montag, 18 Februar 2013 14:57 gepostet von RevierBorusse

    @ Rossobianco :

    Das Westfalenstadion heißt während CL-Spielen offiziell 'BVB Stadion Dortmund' - auch das hält die englischen Kommentatoren jedoch selten davon ab, unseren Tempel bei seinem echten Namen zu nennen.

    Ferner frage ich mich, ob auch nur ein einziger Fernsehzuschauer oder Stadiongast nach Erwähnung des Aliasnamens losgezogen ist, seine laufenden Versicherungspolicen gekündigt hat um sich der Signal-Iduna an den Hals zu werfen ?
    Ich glaube eher nicht...!
    Gut - dem BVB bringt das angeblich ca. 5 Milllionen Euro pro Jahr, das Stadion ist so gut wie immer ausverkauft und die Mitgliederzahl ist seit Klopps Amtsantritt auch stetig geklettert - von daher braucht man sich auf Vereinsseite keine Sorgen um mangelnde Akzeptanz durch die Fans machen. Trotzdem stünde es einem Verein, der so sehr in der Öffentlichkeit mit dem Pfund der Tradition wuchert wie der BVB, mehr als nur gut zu Gesicht, wenn man als erster BuLi-Verein soweit käme, die ausbleibenden Einnahmen für die Namensrechte zu verschmerzen und dem Tempel seinen natürlichen Namen wiederzugeben: Westfalenstadion !!!

    Die Hoffnung stirbt zuletzt !

  • Kommentar-Link Flo Dienstag, 26 März 2013 15:53 gepostet von Flo

    Eine Besonderheit gibt es.
    In Braunschweig wurde der frühere Name "Städtisches Stadion an der Hamburger Straße" in "Eintracht-Stadion" von 5 Unternehmen zurück umbenannte. Nachzulesen auf eintracht-stadion.com. Eintracht-Stadion hieß der Kasten nämlich als er noch vereinseigen war, aufgrund von Schulden wurde das Stadion an die Stadt BS verkauft und hatte diesen ewig langen Namen, eh sich dafür entschieden wurde die Namensrechte zu veräußern und 5 Unternehmen dankenswerter Weise auf diese Idee kamen.

    Mal sehen ob dieser Name bei einem evtl Aufstieg in Liga 1 noch Bestand hat...

    Und als Braunschweiger kann ich sagen: wir gehen entweder ins Stadion oder ins Eintracht-Stadion aber nie an die Hamburger Straße oder sonst etwas...

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