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Donnerstag, 26 September 2013 21:07

RWE Blog #2

geschrieben von

rw-essenKnapp 48 Stunden liegen nun zwischen dem Spiel gegen Wattenscheid am Dienstag und jetzt. Trotzdem habe ich den Abend immer noch nicht ganz verarbeitet und weiß nicht so recht, was ich schreiben soll, über wen, und wo ich anfange.

Vielleicht vorweg schon mal, Rot-Weiss war immer Himmel und Hölle und ist mit einer speziellen Erwartungshaltung „gesegnet“, sodass man nach 2 Siegen im Prinzip aufgestiegen ist, nach 2 Niederlagen aber alles zum Teufel wünscht und schwarz malt.

Die gedankliche Entwicklung, dass man nach der Insolvenz 2010 mal anfangen sollte, Geduld zu entwickeln und sich mit kleiner gebackenen Brötchen zufrieden zu geben, wird wohl noch eine Zeit lang auf sich warten lassen...

Im letzten Blog hatte ich vermutet, dass mit 6 Punkten etwas Ruhe im Umfeld einkehren würde – ansonsten aber der Kopf des Trainers vehement gefordert werden könnte.

Anscheinend trifft das aber nicht genau so zu, denn selbst mit einem späten Siegtreffer am Dienstag (und damit 6 Punkten) wären die Reaktionen von einem Teil des Publikums wohl kaum anders ausgefallen, dazu aber später mehr.

Spielerisch herrscht weiterhin absolute Ideenlosigkeit, um es mal auf den Punkt zu bringen, der RWE spielt diese Saison einfach Scheiße!

Das häufige Umstellen des Systems, welches dann meist kaum erkennbar ist, reicht mir aber nicht als Begründung aus, warum man bislang genau so viele Doppelpässe wie FDP-Abgeordnete im Bundestag gesehen hat!

Man möchte das Wort „Fussball“ teilweise gar nicht in den Mund nehmen.

Das Fehlen einer Stammformation in der Abwehr wirkt sich natürlich nicht positiv auf die defensive Stabilität aus, sodass es hinten immer direkt hektisch zugeht und man kaum Ruhe ins Spiel bekommt.

Das Mittelfeld kommt völlig espritlos daher mit einer erschreckenden Ideenarmut, sodass Tore eigentlich nur nach Standards oder wenn Gevatter Zufall mitspielt, fallen.

Und der Sturmtank vorne mit der Fleischkappe, von dem ich als Typen und Motivator wirklich viel halte, ist leider spielerisch limitiert und scheinbar immer noch nicht in die Bewegungsabläufe der Mitspieler integriert, sodass von ihm gerissene Löcher oder geschaffene Räume fast immer ungenutzt bleibt – vielleicht probiert man hier auch mal etwas Neues, und gönnt Kollege Knappmann, der bis jetzt alle Spiele von Anfang bis Ende bestritten hat, eine kleine Verschnaufpause.

Meine letztmalige Kritik, wieso man Koep/Lemke nicht in der Startelf wiederfindet, wurde zur Hälfte scheinbar erhört, jedoch bleibt es weiterhin unverständlich, wieso bei Letztgenanntem 30 Minuten Einsatzzeit anscheinend das Höchste der Gefühle sind.

Was nach all dieser Kritik aber nicht zu kurz kommen soll und was mich auch für die weitere Saison etwas positiver stimmt, ist die Tatsache, dass die Moral in der Truppe absolut intakt zu sein scheint und die Jungs über den Kampf schon einige Zähler zurückgeholt haben, die sie vorher durch das Fehlen der spielerischen Klasse aus der Hand gegeben haben.

Sollte man also das kreative Problem bald lösen können, dürften die Ergebnisse häufiger stimmen.

Jedenfalls habe ich nicht den Eindruck, als ob die Truppe gegen den Trainer spielen würde, womit wir zum zweiten Absatz kommen.

Wir haben einen Trainer, der auf mich immer den Eindruck eines sportlich qualifizierten Übungsleiters gemacht hat, dessen Kapazitäten in Liga 4 noch nicht an ihre Grenzen stoßen – umso merkwürdiger wirkt die aktuelle sportliche Entwicklung.

Das die Betonung oftmals auf den guten Trainingsleistungen liegt und die Spieler wohl nur „ihre PS nicht auf die Straße“ bringen können, mutet zwar leicht wunderlich an, scheint aber durchaus möglich zu sein, so bizarr es auch klingen mag.

Seine Art und Weise, mit persönlicher Kritik umzugehen, mag nicht jedermanns Sache sein, allerdings war wohl auch noch keiner in so einer brisanten Situation, vondaher sollte man da auch Zugeständnisse machen.

Wohin man mit Schnellschüssen kommt, haben wir oft genug am eigenen Leib erfahren, weshalb ich den Verantwortlichen auch noch locker Kredit bis zur Winterpause einräume – sollte sich vom Spielerischen her nichts verändern, macht es Sinn, sich für 2014 einen neuen Coach zu suchen.

Schließlich bewertet man einen Trainer am allereinfachsten am Erfolg, und wenn dieser eine gesamte Hinrunde lang ausbleibt, gepaart mit Rumpelfussball á la Jens Jeremies, wird es allmählich Zeit, sich nach einem Nachfolger umzusehen.

Dies soll keinesfalls die Leistungen, die ein Waldemar Wrobel vor allem in dieser schwierigen Zeit erbracht hat, schmälern, jedoch kann man nicht nur von vergangenem Erfolg zehren – wobei, was rede ich hier eigentlich, ich schreie auch jedem entgegen der es wissen will oder auch nicht, dass wir Deutscher Meister 1953 sind!

Einen schnellen „Heilsbringer“ hingegen sehe ich zum einen nirgendwo am Horizont, zum anderen hat man schlicht und ergreifend kein Geld, um Wrobels Vertrag und den eines neuen Mannes zu bezahlen – ansonsten hätte man sicherlich auch Ali Bilgin verpflichten können, welcher sich dem Spitzenreiter aus Lotte (und seinem Busenfreund und dortigem Trainer, Ramazan Yildirim) angeschlossen und bei seinem Debüt natürlich direkt den 1:0-Siegtreffer erzielt hat, aber das interessiert hier niemanden.

Ich jedenfalls bin froh, dass der Doc (Dr. Michael Welling, Vorstandsvorsitzender) zu seinen Worten steht und nicht mehr Geld ausgibt als eingenommen wird: denn wo das hinführt, kennen wir wie gesagt ja nur zu gut.

Sicherlich ist es schwierig, einen etwas distanzierteren Blick auf die gesamte Angelegenheit zu richten - ich selbst bin auch der Meinung, dass wir mindestens in die 2. Bundesliga gehören, und das so schnell wie möglich – aber man muss sich damit anfreunden, das wir finanziell nicht zu den bestaufgestelltesten Teams gehören, und dass das reine Geld auch kein Garant für Erfolg ist, denn sogar RB Leipzig hat mehrere Anläufe in einer deutlich schwächeren Regionalliga gebraucht.

Was aber natürlich nicht heißen soll, dass meinen seinen Unmut nicht kundtun darf, was uns zum letzten Absatz heute führt, den Fans.

Was am Dienstag, speziell nach den beiden Treffern der Roten, auf den Rängen ablief, ging in meinen Augen unter die Gürtellinie.

Natürlich kauft man mit der Eintrittskarte auch sein Recht auf freie Meinungsäußerung, jedoch macht in meinen Ohren hier immer noch der Ton die Musik und nicht jeder Zeitpunkt ist dafür angebracht.

Das kein extatischer Jubel beim Ausgleich ausbrach, ist jedem klar, der sich den Hut nicht mit dem Hammer aufsetzt – erschreckend fand ich hierbei, dass sich viele scheinbar eine Niederlage herbeigesehnt hatten, um mit noch mehr Nachdruck den Kopf des Trainers zu fordern – und dabei das gute Verhältnis Mannschaft ↔ Fans aufs Spiel gesetzt haben.

Jedes Fass hat seine Grenzen, jedoch das eigene Vereinslied, welches nach Toren eingespielt wird, niederzupfeifen und weiterhin Stimmung gegen den Trainer zu machen, damit ist einfach niemandem geholfen – sollten die Pfiffe auch dem Coach gegolten haben, ziehe ich meine Anschuldigung zurück, das war allerdings in so einer emotionalen Situation schwierig zu differenzieren.

Es hatte sich eine Menge Frust angestaut, der entladen werden musste, die Art und Weise war aber mehr als unpassend und hässlich.

Das man damit einer offensichtlich verunsicherten und spielerisch limitierten Mannschaft die Tugend raubt, mit der sie solche Spiele umbiegt, nämlich den Kampf, macht das Ganze noch drastischer, und man kann schneller als man es denkt Richtung Tabellenkeller taumeln und letztendlich gegen den Abstieg kämpfen - und das ist auch das Stichwort, wieso sollte die Mannschaft noch kämpfen, wenn sie und der Trainer, zu dem das interne Verhältnis offensichtlich intakt ist, gnadenlos beleidigt werden?

Ich hoffe inständig, dass wir nach dieser Saison nicht vor einem größeren Scherbenhaufen als 2010 stehen, denn die Zeichen stehen auf Sturm, und die nächsten Wochen bringen Gegner, gegen die es die ohnehin schon stark verunsicherte Mannschaft sehr schwer haben wird.

Damit der Herbst nicht noch ungemütlicher wird, als er meistens eh schon ist, verabschiede ich mich mit einer Passage aus dem alten Fanlied „Dir RWE“ von Another Tale:

„Schluss mit Gelaber und Vereinsmeierei,
wenn ihr heut' gewinnt, ist das Einerlei,
jubeln, jammern, spielen oder steh'n,
Wir sind der Verein, wir sind RWE

Freitag, 20 September 2013 11:05

RWE Blog

geschrieben von

rw-essenHallo und herzlich Willkommen zum Blog rund um den Regionalligisten (West) Rot-Weiss Essen. Hier werdet ihr in einigermaßen regelmäßigen Abständen eine Mischung aus Spielbericht, Stimmungsbericht und diversen kleinen Anekdoten über den RWE finden.

Da die korrekte Schreibweise des Vereinsnamens immer noch häufig zu Verwirrung führt, allen voran bei der (mittlerweile sogar als Sponsor aktiven) Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, kurz WAZ, oder, um die Dimension der illustren Namensgebung mal zu verdeutlichen, Weßtdeutsche-Allgemeinezeitung, oder West-Deutscheallgemeine-Zeitung, werde ich fortan nur die Abkürzung RWE benutzen.
Ich erkläre das hier nur so groß und breit, damit sich kein Anhänger von Rot-Weiß Erfurt versehentlich in einem vereinsfremden Blog wiederfindet. Das auch diverse Anhänger Probleme mit dem eigenen Vereinsnamen haben (die Vorsilbe „SC“ ist seit geraumer Zeit zu vernehmen), ich hier nicht als allwissender
Erzähler rüberkommen möchte und ich somit auch noch teure Buchstaben sparen kann, hab ich mich für diesen Schritt entschieden.

Ich komme aber nicht umhin, den Gründervätern um Georg Melches meinen Lob hinsichtlich deren Weitsichtigkeit auszusprechen, dass man das „ß“ später im Internet nicht darstellen kann und man sich direkt für das „ss“ entschieden hat. Hut ab!

Jetzt aber mal direkt mittenrein in die Saison, die am Wochenende schon ihren 8. Spieltag erlebt hat.

Freitagabend, Flutlichtspiel, traditionsreicher Gegner, der auch ein paar Fans mitbringen wird – kurzum, es war alles angerichtet für einen Abend, an dem man eigentlich wieder mal positiv spüren sollte, warum man sich seit Jahren durch diverse Sportanlagen, unter anderem in Liga 5, gequält und seinem Verein die Treue gehalten hat, anstatt es sich einfach zu machen und zu beschließen, jetzt Dortmund-Fan zu werden.

Die ersten 7 Spiele zusammenzufassen würde den Rahmen hier sprengen, deshalb mal kurz:
Vor der Saison auf dem Papier deutlich verstärkt, von vielen zum Aufstiegsfavoriten gemacht, Stadion ist endlich fertig und man hat nach guten 20 Jahren wieder 4 Tribünen, dazu eine Westtribüne, die im Osten steht. Man merkt, Essen ist und bleibt ein sehr spezielles Pflaster.
Leider wurde in meinen Augen verpasst, den Kader an den richtigen Stellen zu verstärken – die qualitativ beschränkte und verletzungsanfällige Innenverteidigung ist neben der vakanten Position des Spielmachers (mit Kerim Avci hat man den Spielgestalter der letzten Saison verkauft, in einem der nächsten Blogs mal mehr zur Transferpolitik) die größte Baustelle, dazu kommt, das immer noch kein Spielsystem zu erkennen ist.

Lange Rede, kurzer Sinn, man liegt nach grausamen 45 Minuten gegen einen Aufsteiger zu Hause mit 0:2 hinten. Wenigstens scheint der Trainer seinen Aufstellungs – und Spielsystemsfehler in der Halbzeit eingesehen zu haben - beides korrigiert, und so könnte man durch den späten Ausgleich zum 2:2 durch Laletin (der an beiden Gegentoren die
Hauptschuld trägt, C. Knappmann hatte vorher per Foulelfmeter verkürzt) fast mit einem guten Gefühl nach Hause gehen - wären da nicht nur 8 Zähler aus 7 Spielen, aktuell Tabellenrang 12 und ein Rückstand von 9 Zählern auf den Vorjahresmeister und aktuellen Tabellenführer Sportfreunde Lotte.

So langsam beschleicht einen das blöde Gefühl, dass sich die Saison, was das Ziel angeht, oben mitzuspielen, schon so gut wie erledigt haben könnte, bevor es eigentlich richtig losging. Sollte man am kommenden Wochenende in Velbert keinen Sieg einfahren, dürfte es auch für den Trainer eng werden, denn so langsam ist der Kredit, den sich alle Beteiligten nach der Insolvenzsaison erspielt haben, aufgebraucht, auch weil einige Entscheidungen einfach nicht nachvollziehbar sind. Warum ich immer wieder in einem 4-3-3 beginne, obwohl ich bis jetzt alle Punkte im 4-4-2 geholt habe, ist schwierig zu erklären – ebenso, weshalb man Spieler wie Koep und Lemke höchstens als Einwechselspieler bringt, obwohl beide die Qualität bislang deutlich angehoben haben und auch am Freitag wieder einen Löwenanteil daran hatten, dass man noch einen Zähler mitnehmen konnte.

Fazit ist, dass sowohl für die Mannschaft hinsichtlich einer erfolgreichen Saison (als Ziel wurde eine Verbesserung der letztjährigen Position ausgegeben, das wäre Platz 3) als auch für den Trainer die Wochen der Wahrheit beginnen – holt man aus den nächsten beiden Spielen 6 (überzeugende) Punkte, kehrt im Umfeld etwas Ruhe ein – wenn nicht, dürfte die Zahl derer, die den Kopf des Trainers fordern, exponentiell wachsen. Das diese kaum noch erkennbar in der Unterzahl sind, hat man während des gellenden Pfeifkonzerts, mit welchem die Mannschaft in die Kabine geschickt wurde, durchaus raushören können.

Auf eine Einzelkritik verzichte ich dieses Mal, mitunter weil mein Erinnerungsvermögen durch Wut und eventuell auch durch das ein oder andere Stauder (Produzent des Stadionbieres) getrübt ist.

Dass man moralisch als Gewinner vom Platz gegangen ist, zeigt auch die Reaktion des Ex-Esseners und jetzigen Uerdingers Meik Kuta, der dem Rot-Weissen Torwarttrainer Gregor Pogorzelczyk nicht nur den Handschlag nach dem Spiel verwehrte, sondern auch noch körperlich aktiv wurde – er hatte ja auch nur 22 Minuten gespielt und offensichtlich Energie übrig. 

Der gute Gregor P. war danach aber dermaßen durch den Wind, dass er einige Minuten und Worte der Haupttribünenbesucher brauchte, um diese unverständliche Aktion zu verarbeiten.
Allerdings kann man auch hier nur mutmaßen, ob der Weggang Kutas damals nicht ganz sauber ablief oder er einfach noch emotional zu sehr „gepusht“ war, um einem netten älteren Herren die Hand zu schütteln.

Ich hoffe ich kann nächste Woche aus Essener Sicht etwas erfreulicheres berichten.

So long, Jan D.