Mi24May2017

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Normalerweise schreibe ich selten bis nie über einzelne Spiele, denn ich sehe darin seltenst eine Notwendigkeit, da ich mir denke, dass die die dabei waren es eh selbst erlebt haben und die die nicht dabei waren dann am End einfach selbst schuld sind.
So denke ich eigentlich auch über unser gestriges Spiel in Frankfurt, aber da das Spiel für mich in vielerlei Hinsicht ein besonderes, ja gar historisches war, muss ich ein paar Worte verlieren.

Besonders, weil es für uns zum einen ein Rhein-Main-Derby war, auf das wir eine Spielzeit verzichten mussten, auch wenn unsere "Freunde" aus FFM nicht müde werden, zu betonen, dass es für sie kein Derby ist. Aber was ist denn dann ein Derby, wenn nicht ein Spiel zwischen zwei Mannschaften bzw. zwei Städten, die regional so nah (knappe 40km) beieinander liegen, die aber dennoch so unterschiedlich sind, von ihrer Art, ihrer Mentalität, ihren Menschen und deren Fußballfans sich untereinander nicht ausstehen können aus diversen Gründen. Und jetzt kommt mir nicht mit fehlender Tradition und so nem Gedöns, liebe Gummiadler. Bei unseren ersten Aufeinandertreffen in den 90igern und Anfang der 2000er habt ihr alles dafür getan, dass ihr euch die Abneigung der Mainzer Fans verdient habt. Und euer großkotziges Gelaber von wegen "Wir sind der größere, tollere und bla Verein!" das glaubt ihr ja selbst nicht mehr. Sportlich wie wirtschaftlich, das ist einfach mal Fakt, hat Mainz 05 zu euch aufgeschlossen, auch wenn ich im Netz so viele Kennerkommentare gelesen habe, dass die Eintracht ja so viel mehr an Potenzial was Sponsoren und Fans betrifft hat. Nun, es ist nicht so, dass sich die tollen möglichen Sponsoren in FFM um euch reißen, was man so aus der Presse entnehmen kann und was euer Fanaufkommen angeht, da habt ihr wohl recht, wobei ich froh bin in Mainz nicht so viel Gesocks zu haben, wie ihr es habt. Aber Hauptsache das Gesocks hat Tradition. Was ihr dabei vergesst ist, dass sowas fortschreibend ist und dass wir euch derzeit eine ganze Menge an Symphathien abgrasen und eine eigene Geschichte schreiben, die dennoch sich auch auf Tradition berufen kann, wenngleich unsere nicht so schillernd ist, wie die der launischen Diva vom Main.

Aber wieder zurück zum Thema: Derbyspieltag.
Wie gesagt, für uns ist dieses Spiel definitiv ein Derby, auch wenn die Kartoffelbauern aus der Pfalz da sicherlich in der Brisanz und in Sachen Prestige noch vor Frankfurt anzusiedeln sind.

1212

Dieser Derbyspieltag stand allerdings auch unter einem speziellen Stern, denn es sollte gleichzeitig auch der Auftakt zur Aktion "12:12" sein, der bundesweiten Initiative gegen die neuerlichen Auswüchse und Hirngespinnste von Verbandsfunktionären und Politik.
Die aktive Frankfurter Szene nahm ausnahmsweise auch mal an einer bundesweiten Solidaritätsaktion teil, was in den letzten Jahren eigentlich nie der Fall war, doch aufgrund der Brisanz des Themas hatte man offenbar auch in FFM den Kopf eingeschaltet und wollte ein Zeichen setzen.
Umso gespannter war ich, inwieweit sie sich beteiligen würden und wie gut sie es durchsetzen könnten, wobei ich da eher weniger Zweifel dran hatte. Grundsätzlich war ich insgesamt auf die Aktion und auch auf unser Mainzer Publikum sehr gespannt.
Bereits vor Anpfiff hatten die Frankfurter sehr gute Banner aufgehängt, die auf recht einfache Art und Weise die Situation erklärten. Dabei bedienten sie sich unter anderem bei einem Zitat von Martin Niemöller, das sie abwandelten und auf die Situation ummünzten:
"Als sie die Hools aus den Stadien verbannten, habe ich geschwiegen. Ich war ja kein Hool! Als sie die Ultras aus den Stadien verbannten, habe ich geschwiegen. Ich war ja kein Ultra! Als sie uns normale Fans aus den Stadien verbannten, war niemand mehr da, der uns hätte helfen können!" Jetzt kann man natürlich über den Ursprung des Zitats und den Vergleich NS-Regime - Verbände/Politik trefflich streiten und sich auslassen, ob das jetzt politisch oder wie auch immer geartet korrekt ist. Eins kann dieser Spruch aber doch sehr trefflich leisten, wenn man sich nicht an irgendwelchen Etiketten bzw. irgendwelchen Nazi-Vergleichen festhält: Er zeigt selbst Otto-Normal-Fan auf, wie ernst die Lage ist und wie wichtig mündige Bürger in allen Lebenslagen, ja auch beim Fußball, sind.

spruchband ffm

Den Frankfurtern hier etwas Böses zu unterstellen halte ich für extrem weit hergeholt und übertrieben. Wie sagt der Amerikaner so schön "Desperate times call for desperate measures!" - in einer Zeit wo sich viele Fans ernsthafte Gedanken um den Fortbestand ihrer Fankultur machen, muss es erlaubt sein, auch mal ein provokantes Zitat abgewandelt zu rezitieren, ohne dass man dabei gleich irgendwelche Vergleiche zu historischen Schandtaten der NS-Zeit zieht.

Als das Spiel dann jedenfalls losging, war die Kulisse beängstigend und für mich zugleich sehr beeindruckend, denn das Schweigen im weiten Rund von knapp 50.000 Zuschauern zeigte doch recht eindrucksvoll, wie solidarisch Fußballfans zusammenstehen können, wenn es um ein gemeinsames Ziel, um den Erhalt ihrer Fankultur geht, und das selbst bei einem so brisanten Spiel.
So muss das sein, so zeigt man eindrucksvoll, dass das Produkt Fußball ohne seine Fans nichts wert ist. Die Atmosphäre hatte mehr etwas von einem Tennisspiel und beide Seiten haben vorbildlich mitgezogen. Sehr sehr gut und ein gelungener Auftakt für die Aktion!

Nach 12:12 Minuten ging es dann aber voll los und das auf beiden Seiten. Klar, dass die Frankfurter behaupten, sie hätten uns nicht gehört liegt in der Natur der Sache, die Frage ist dann nur, warum sie dann auf unseren Wechselgesang, bei dem der Stehplatzbereich ein "FSV" vorgibt und der Rest mit "Mainz 05" antwortet, mit einem gut hörbaren "Hurensöhne" antwortete... Aber gut, solche Sprüche sind ja normal bei einem Derby, von wegen "Ihr ward so lächerlich..." und all so'n Kram. Sei's drum, denn auf dem Platz zeigte unsere Mannschaft, wer der Chef im Rhein-Main-Gebiet auf sportlicher Ebene ist.
Und seien wir mal ehrlich, darum geht es doch in einem sportlichen Wettbewerb, oder?

Klar, dass FFM mehr Krawallbrüder und mehr Gewaltpotenzial hat, geschenkt. Wissen wir. Interessiert uns nicht. Ganz im Gegenteil, wir sind vielmehr stolz darauf, dass das in MZ nicht der Fall ist.
Und was die viel gerühmte Nordwestkurve angeht, so mussten wir feststellen, dass diese maximal noch ein Schatten von vor 5, 6 Jahren ist. Scheinbar hat man auch in Frankfurt mit der Mentalita und den Modefans zu kämpfen und scheinbar werden auch dort alte, stimmgewaltige Szeneleute irgendwann amtsmüde... Vielleicht begnügt man sich aber mittlerweile auch einfach mit dem zweifelhaften Titel des "Deutschen Randalemeisters". Wenn's schee macht...

Für uns war das Derby am Schluss natürlich besonders geil, denn ein Sieg im Stadion der Eintracht war uns noch nicht gelungen. Dementsprechend war es schon ein historisches Erlebnis. Alle die da nicht dabei gewesen sind, sollten sich von nun ab permanent in den Arsch beißen, denn Karten hätte es für den Gästeblock noch einige gegeben.
Aber wenn man sich wegen der schlimmen Randale und den ach so bösen Frankfurtern in die Hosen macht, oder aber meint neuerdings Wichtigeres zu tun zu haben als noch vor ein paar Jahren, als wir mit 6.000 Leuten nach FFM fuhren und alles noch so toll neu war, dann hat man es auch nicht besser verdient und sollte getrost mit dem Arsch daheim bleiben!

auswartssieg ffm

An dieser Stelle sei zum besonderen Ärgernis all derjenigen, die sich vorher Gedanken um Leib und Leben gemacht haben, gesagt, dass dies das entspannteste Derby war, auf dem ich jemals gewesen bin. Die Fantrennung war hervorragend, geradezu vorbildlich für ein Spiel mit so viel Brisanz und Rivalität. Die Polizei war äußerst bedacht, zurückhaltend und entspannt und selbst die Ordner im Block waren freundlich und problemlos, wenn man von ein paar kleineren Diskussionen über lächerliche Dinge, wie das freihalten von 30cm Rettungsweg noch vor Spielbeginn mal absieht. Das hatte sich aber dann spätestens mit dem ersten Tor auch geregelt und alles war locker!
Insgesamt ein mehr als erfolgreicher Abend für uns, aber auch für die Fankultur! So darf es gerne weitergehen!

Weitere Fotos findet ihr auf www.rheinhessen-on-tour.de und www.zaunsturm1905.de !

Freitag, 28 September 2012 15:37

Die Mainzer Fantage - Ein Dialog-Ansatz

geschrieben von

mainzer fantageDie ersten Mainzer Fantage liegen nun bereits knapp zwei Wochen hinter uns und es hat eine Weile gedauert, dass sich die Eindrücke setzen konnten und die Akkus wieder aufgeladen waren. Und da auch diese Woche noch eine tolle englische ist, komme ich erst jetzt dazu etwas über die "Woche im Zeichen der Fankultur" zu schreiben.

Mit ein wenig Abstand betrachtet hat sich das Resümee, dass wir als Organisatoren der Fantage bereits kurz nach Ende der Veranstaltungsreihe in Form unseres Abschlussberichts gezogen haben bestätigt und gefestigt. Die Fantage waren für uns und für Mainz ein voller Erfolg. 

Montag, 03 September 2012 00:00

"Ich bin kein Gewalttäter und dennoch für Pyrotechnik!"

geschrieben von

mainz05„Wer für den Fußball ist, ist gegen Gewalt!“ – Dieser markante Ausspruch von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach beschäftigt mich auch gut eineinhalb Monate nach dem sogenannten Sicherheitsgipfel in Berlin, an dem die Präsidenten und Sicherheitsbeauftragten der ersten drei deutschen Ligen auf Einladung von DFL, DFB und dem Bundesinnenminister teilnahmen.

Und da haben wir es wieder, das Wörtchen „Gewalt“, das derzeit geradezu inflationär benutzt wird, wenn es um die „Zustände in deutschen Stadien“ geht. Vor allem im Zusammenhang mit Pyrotechnik können oder wollen die deutsche Medienlandschaft, die Verbands- und Vereinsfunktionäre und oftmals auch der „normale“ Bürger nicht differenzieren.