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Freitag, 01 Februar 2013 15:17

Die nächste Krisensitzung, dasselbe Problem: Schalker Wut auf vianogo oder „Ein Schlag in die Fresse und ein Tritt in die Eier“

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IMG 7034Der Januar 2013 wird vermutlich als der „Monat der Krisensitzungen“ in die Schalker Annalen eingehen; nach dem Supporters Club Große Fan-Krisensitzung auf Schalke: Ein erster Schritt in eine bessere Zukunft?! und dem Kartenpreisausschuss Pakt mit dem Teufel, Drogen & Schalke auf dem Strich: Der Kartenpreisausschuss und der viagogo-Deal hatte gestern der Schalker Fanclub-Verband (SFCV) zur Aussprache geladen.

Ca. 80 – 90 Schalkerinnen und Schalker waren dem Aufruf gefolgt und ins Clubheim gepilgert, wo die drei hauptamtlichen Vorstände des SFCV, Frank Arndt, Rolf Rojek und Arthur Saager, ebenso zur Verfügung standen wie die ehrenamtlichen Aufsichtsratsmitglieder Rainer Vollmer, Heiner Tümmers und Bezirksleitersprecher Uwe Schabio. Mit Uwe Kemmer, Armin Langhorst und Ingolf Müller waren zudem drei Mitglieder des Aufsichtsrates des Hauptvereins vertreten. Moderiert wurde der Abend nach einer kurzer Begrüßung durch Frank Arndt, in der dieser betonte, es gebe keine Tabuthemen und alles könne kontrovers, aber vernünftig diskutiert werden, von Michael Zylka, der trotz teilweise hochkochender Emotionen den Überblick behielt und alle Wortmeldungen berücksichtigte.

Die Aussprache begann mit einer kurzen Ansprache von Rolf Rojek, er habe den guten Vorsatz gefasst, „nicht mehr so viel zu erzählen bzw. zu schreiben“, da ein Teil der derzeitigen Unruhe wohl seine Schuld sei. Dafür wolle er sich entschuldigen, auch wenn er es nie persönlich gemeint habe. Er hoffe, dass „wir wieder zu einer großen Schalker Familie würden, in der man sich auch mal die Meinung sagen kann, ohne beleidigt zu sein“.

Nach einer kurzen Nachfrage bzgl. des nächsten Sprachrohrs (ist in Druck) wandte sich die Diskussion sofort dem derzeitigen Aufregerthema Nr. 1, dem heißumstrittenen Deal des Vereins mit dem Ticketanbieter viagogo Schalkefans gegen viagogo – Plebiszit an der Bande und bald auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung?

, zu: Ein weibliches Mitglied des Supporters Club (SC) fragte, sie kenne keinen, der viagogo gut fände, warum die Fanvertretung nichts dazu sage? Frank Arndt entgegnete, der SFCV hätte es diskutiert und sei zu dem Ergebnis gekommen, „das können wir akzeptieren“.

Die nächste Rednerin, ebenfalls vom SC, schlug in dieselbe Kerbe; woher der Verein wisse, welche Spiele nicht ausverkauft seien, warum man die Tickets nicht lieber in den freien Verkauf gebe, warum der Schwarzmarkt generell legalisiert und die AGB geändert würden (Frank Arndt: „wir sind gegen eine Legalisierung des Schwarzmarkts“) und warum der SFCV nicht im Sinne der Fans handele? (Nicht nur) an dieser Stelle sah man Frank Arndt deutlich an, wie unwohl er sich in seiner Haut fühlte, als er versuchte, die Bedeutung des Deals herunterzuspielen und auf die Schuld derer zu verweisen, die ihre Tickets bereits jetzt dort einstellten. Zudem würden die bislang sehr hohen Bearbeitungsgebühren und Versandkosten ab Vertragsbeginn 1.7. „auf 6 oder 8 € gedeckelt“. Die Frage, warum Schalke sich plötzlich mit „so einem Partner an einen Tisch setze“, blieb weitgehend unbeantwortet. Auf den erneuten Hinweis, der Aufsichtsrat (AR) des Vereins habe ja auch zugestimmt, ergriff Uwe Kemmer das Wort, ja, der AR habe einstimmig zugestimmt, er verstehe aber jeden, der dem Deal kritisch gegenüberstehe. Er frage sich auch, wie er es sehen würde, wenn er nicht im AR wäre; seiner Meinung nach werde der Schwarzmarkt aber nicht völlig freigegeben, die Änderung der AGB werde noch geprüft und man dürfe auch die Schalker nicht vergessen, die bereits jetzt „zu Schweinepreisen“ z. B. ihre Karten für das Heimspiel gegen Galatasaray dort „raushauten“. Der Vereine habe halt „auch wirtschaftliche Zwänge“, auch „wenn uns allen nicht wohl dabei ist“ (höhnisches Gelächter im Publikum). Er lasse sich nicht in Abrede stellen, dass alle im AR der Meinung seien, im Sinne des Vereins entschieden zu haben.

Nach dem Einwurf, es sei doch „Augenwischerei“, dass plötzlich die Fans wieder schuld sein sollten, wenn der Verein entgegen des Leitbilds und die große Mehrheit des Fans für vergleichsweise lächerliche 3 Mio. € einen Deal durchdrücke, den er noch vor drei Jahren in ähnlicher Weise vor Gericht verfolgt habe, ließ auch der nächste Redner eine ausgesprochen temperamentvolle Breitseite gegen viagogo los: Er verstehe nicht, warum nach dem Theater u. a. beim HSV ausgerechnet der „Kumpel- und Malocherclub“ mit diesem Anbieter vorneweg marschieren müsse; es stimme nicht, dass immer Tickets über seien; es sei ganz klar ein „Pakt mit dem Teufel“, wenn man einen Schwarzmarkthändler legitimiere; er frage sich, wo das Geld hingehe, ob Schalke direkt oder indirekt über die IMG 7339Sponsoringeinnahmen von den Aufschlägen profitiere; die 3,6 Mio. € für 3 Jahre seien bei Schalkes Umsatz doch „Peanuts“, man hätte sich ehrlicherweise die „Maske des Leitbilds klemmen sollen“ und eine Kapitalgesellschaft mit Gewinnmaximierung ausrufen sollen. Man müsse sich nur einmal im Internet die Erfahrungsberichte und Bewertungen von viagogo-Kunden anschauen, ein verlässlicher Partner sehe anders aus; daher rufe er alle Schalker auf, den Antrag auf Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zu unterstützen. Nachdem der Applaus verebbt war, führte Uwe Kemmer noch einmal aus, „jeder sicher planbare Euro“ helfe dem Verein; uns „gehe es zwar nicht dreckig“, aber man sehe ja z. B. in Bremen – jahrelang Musterbeispiel hanseatischer Finanzkunst - , was passieren könne, wenn die sportlichen Ziele bzw. das internationale Geschäft verfehlt werden.

Die nächste Wortmeldung kam von einem Mitglied des Kartenpreisausschusses, der dort bereits das Thema Strafverfolgung gegen derzeitige Schwarzmarktanbieter thematisiert hatte: Obwohl er mehrere absurd überhöhte Angebote bei viagogo (u. a. 4 Tickets für das Spiel gegen Galatasaray für 1.700 €) ausgedruckt und sich als Zeuge zur Verfügung gestellt habe, habe Alexander Jobst eine Anzeige abgelehnt, weil ein Vertrag mit dem Partner bestehe. „Die zwei Brüder da vorne“ (gemeint waren A. Jobst und P. Peters) seien „eiskalt“. Peter Peters habe ihn dann an der Tür abgefangen und nach seinem Beruf gefragt; den habe er zwar nicht verraten, aber er werde sich „daran beteiligen, dass die Herren nicht damit durchkämen“. Auch er als Vorsitzender eines Fanclubs trüge Verantwortung für die Kartenverteilung; Peter Peters habe ihm aber gesagt, der Verein „sei müde geworden, dagegen anzugehen. Die Karten würden ja eh teurer verkauft, also können wir auch etwas daran mitverdienen“. Er schloss mit den Worten, allein das Wort „Zweitmarktanbieter“, das sich wohl nur ein Marketingmensch ausgedacht haben könne, verursache ihm Unbehagen, es sei und bleibe Schwarzmarkt.

An dieser Stelle ergriff Rainer Vollmer das Wort und stellte klar, dass keinesfalls alle auf dem Podium den Deal mit viagogo toll fänden, vielmehr hätten sie alle eine „private Meinung“ dazu, er selber sei dagegen.

Der nächste Beitrag wandte sich direkt an Uwe Kemmer, auch er habe ihn in den Aufsichtsrat gewählt, müsse jetzt aber feststellen, dass er etwas ganz anderes sage als auf der Jahreshauptversammlung, wo es u. a. um Kartenpreise und ablösefreie Spieler gegangen sei. Der Angesprochene blieb dabei, es sei kein Spieler mit Ablösesumme verpflichtet worden; er finde zudem nicht, dass man den Schwarzmarkt freigeben solle und er sähe die derzeitige Nichtverfolgung auch als unglücklich an. Ein kurzer Appell von Moderator Michael Zylka, viele Fragen könnten nur die Verantwortlichen des Vereins beantworten, verhallte weitgehend ungehört…

Die folgende Wortmeldung wies darauf hin, dass jetzt alle so täten, als seien sie dagegen, öffentlich lese man aber das genaue Gegenteil; er erwarte, dass der SFCV die Meinung der Fans vertrete, dieses „Wachsweiche“ sei nicht im Sinne des Leitbilds. Frank Arndt erklärte daraufhin erneut, der SFCV habe das in Vorstand und Aufsichtsrat diskutiert, aber nicht ins Tagesgeschäft des Vereins eingreifen wollen. Er sei nach wie vor dagegen, den Schwarzmarkt freizugeben. Prompt kassierte er von den nächsten beiden Rednerinnen den Vorwurf, die Interessen des Vereinsvortands und nicht der Fans zu vertreten. Aufgabe der Fanvertretung sei eben nicht, in vorauseilendem Gehorsam alles abzunicken, sondern aktiv die Meinung der Fans weiterzutragen. Wenn Peter Peters öffentlich lapidar sage, Schalke sei nun einmal keine Demokratie und die verantwortlichen Gremien hätten das halt so beschlossen, müsse die Fanvertretung aufschreien und nicht schweigen. Andernfalls solle sich jeder Schalker an der Unterschriftenaktion beteiligen, um zu zeigen, dass das höchste Gremium eines Vereins die Mitgliederversammlung sei.

Als nächstes meldete sich unter Applaus einer der beiden Initiatoren der Unterschriftenaktion zu Wort: Er lasse sich nicht belügen, im Kartenpreisausschuss habe Alexander Jobst auf Nachfrage explizit zugegeben, dass man bereits derzeit seine Karte bei viagogo teurer verkaufen könne, da der Verein nicht mehr dagegen vorgehe; heute hingegen habe er in einem sky-Interview verkündet, den Schwarzmarkt bekämpfen zu wollen. Es sei doch „Blabla“, dass „ebay böse und vianogo gut sei“. Frank Arndts Einlassung dazu lautete unverändert, er sei gegen den Schwarzmarkt, verfolge diesen aber nicht. Die daraufhin von der jungen Frau vom SC gestellte Frage, warum der SFCV als Fanvertretung nicht vor seiner Stellungnahme die Meinung der Fans einhole und nicht unsere Interessen vertrete, wurde etwas unglücklich mit „ wir vertreten vielleicht nicht Deine Interessen…!“ beantwortet, was zu allgemeiner Empörung unter den Zuhörern führte. Als sich die Gemüter wieder etwas beruhigt hatten, betonte Frank Arndt, es seien nicht alle gegen viagogo, sie hätten mit „genügend“ Leuten gesprochen und alle hätten akzeptiert, dass sie sich so entschieden hätten.

Der Nächste wollte wissen, ob es stimme, dass die Vertreter des SFCV Angestellte des Vereins seien (von Frank Arndt mit Nein, da seien aber Kommunikationsfehler gemacht worden, nur Teile des SFCV seien in die Fanabteilung übergegangen, beantwortet) und warum der Verein nicht gegen den Schwarzhandel vor Ort vorgehe; es seien doch „immer die gleichen Gesichter“, die Tickets an den Parkplätzen kaufen und vor den Eingängen mit Aufpreisen weiterverkaufen würden. An dieser Stelle meldete sich kurz von hinten der Fanbeauftragte des Vereins, Patrick Arnold, der ansonsten die Debatten als aufmerksamer Zuhörer verfolgte, zu Wort: Man habe es versucht, aber es sei eine wahre „Sisyphus-Arbeit“, gegen diesen Händlerring anzugehen; für jeden, dem man Hausverbot erteile, kämen zwei Neue nach.

Der nächste Redner bekundete lautstark „allerhöchsten Respekt“ für die Leute, die sich vorne hinstellten; viele Fragen könnten sie doch gar nicht beantworten und er könne sich lebhaft vorstellen, wie Alexander Jobst dem SFCV den Deal schmackhaft vorgestellt habe. Es „solle doch jeder aufstehen, der noch nie einen Pakt mit dem Teufel geschlossen habe“; er wünsche sich nur, dass die heute geäußerten Bedenken an den Vorstand getragen würden.

Der nächste Beitrag kam wiederum von einem enttäuschten Mitglied des Kartenpreisausschusses; auch er halte den viagogo-Deal für juristisch und ethisch höchst fragwürdig, es gäbe aber noch andere Fragen, die für die Sozialverträglichkeit des „Kumpel- und Malocherclubs“ wichtig seien, wie die Frage, ob Dauerkarten nicht in mindestens zwei Raten abgebucht werden könnten oder wie das „Tausend-Freunde-Sozialticket“ gestaltet werde. Auch ihm sei bereits der Begriff „Zweit-“ statt Schwarzmarkt suspekt.

Auch der folgende Redner erntete viel Beifall für die sarkastische Feststellung, er sei seit den 70er Jahren Schalker, ein paar Pakte mit dem Teufel habe er schon geschluckt, aber viagogo sei der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Er habe als Fanclubleiter und Mitglied des Kartenausschusses immer aus voller Überzeugung Sanktionen gegen illegale Verkäufer unterstützt und die plötzliche 180 Grad-Kehrtwende sei „ein Schlag in die Fresse und ein Tritt in die Eier!“

Auch der zweite Initiator des Antrages auf Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ergriff das Wort: er habe bereits auf der Kartenpreissitzung gefragt, ob man ihn verarschen wolle, auch jetzt habe er das Gefühl, die Verantwortlichen seien schlecht auf das Thema viagogo vorbereitet; sie erhielten breite Zustimmung aus ganz Deutschland, aber die eigene Fanvertretung schweige. Er wolle wissen, wo seine Interessenvertretung sei, der SFCV solle doch ein Bindeglied zwischen Verein und Fans sein, wer die Meldung auf der Homepage formuliert habe (Frank Arndt… der Vorstand gemeinsam, aber darauf komme es doch nicht an). Einige Bezirksleiter hätten sich zudem geweigert, die Informationen über die Unterschriftenaktion an die Fanclubs ihres Bezirks weiterzuleiten; auch habe ihm der SFCV die Kontaktadressen der Fanclubs verweigert und ihn auf das Jahrbuch verwiesen. Er sei der Meinung, dass jedes Mitglied zumindest informiert werden solle, um sich selber ein Bild und eine Meinung von der Aktion machen zu können. Daraus entspann sich eine kurze Diskussion über Datenschutz – Arthur Saager: „Wir geben keine Daten raus!“ – und mehrere anwesende Bezirksleiter gaben an, die Mail ebenso wie die offizielle Stellungnahme des SFCV z. T. mit eigenen Kommentaren weitergeleitet zu haben. Bezirksleitersprecher Uwe Schabio betonte, man habe niemandem verboten, die Mail weiterzuleiten.

IMG 7344An dieser Stelle unternahm Michael Zylka einen erneuten Anlauf, nach anderen Themen als viagogo zu suchen, aber auch die nächste Fragerin wollte von Armin Langhorst wissen, warum er persönlich für den Deal gestimmt habe. Die – wenig überraschende – Antwort lautete, man habe es „eingehend und kontrovers diskutiert und sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber der wirtschaftliche Vorteil überwiege und darum habe man wohl zustimmen müssen (!)“. Ein Zwischenruf, wie denn der Vorstand des FC Schalke damit umgehe, wenn die heute thematisierten Probleme an sie herangetragen würden, ob es da ggf. noch Spielraum gebe, wurde nur kurz mit „der Deal steht“ beantwortet.

Auf die nächste Frage, wie lange der AR für seine Entscheidung zu viagogo Zeit gehabt habe, wurde offensichtlich, dass die Information und Entscheidung in ein- und derselben (!) Sitzung gefällt wurde…

In der Folge ging es hin und her, nach einer kurzen Darstellung von Frank Arndt zur bisherigen unproblematischen Handhabe des Sozialtickets („über den Preis kann man reden“) über die angedachten Arbeitskreise des „demotivierenden“ Kartenpreisausschusses, die lang geplante Rampe (der Antrag liegt wohl beim Bauamt) gelangte man wieder zum alles beherrschenden Thema des Abends. Ein Redner sprach an, dass gerade ältere Schalker „unendlich frustriert“ über den viagogo-Deal seien; sie hätten das Gefühl, es seien nur noch Kunden statt Fans erwünscht und man unterscheide sich nicht mehr „von den Bajuffen“ – und vom SFCV komme nur „Wischiwaschi“. Frank Arndt betonte, sie hätten sich hinterfragt und wüssten, dass sie Fehler gemacht und Defizite haben; man versuche aber, auch durch Gespräche mit SC und UGE, sich bis zur Sommerpause neu aufzustellen. Rainer Vollmer führte aus, der SFCV habe sich im letzten halben Jahr neu aufstellen müssen und müsse nunmehr ganz klar den Ton verschärfen und kritischer werden, wozu man u. a. eine Art „Pressesprecher“ brauche“. Er sei dankbar für diese Veranstaltung, die fortgesetzt werde solle.

Auf Nachfrage erklärte er noch, der SFCV sei ebenso wie die anderen Fanvereinigungen einige Tage vor der offiziellen Verkündung des Deals von Alexander Jobst informiert worden. Die Frage, ob der SFCV mit der Verquickung seiner Vorstände in Aufsichtsrat und Wahlausschuss des Hauptvereins und die Vergabe der Fanclubtickets unabhängig genug von diesem sei, um auch einmal unbequeme Faninteressen zu vertreten, wurde nur mit einem Verweis, dass Kartenverkauf ausschließlich Sache der Fanabteilung sei, beantwortet.

Die nächste Frage lautete, warum gleichzeitig ein „Protzprojekt“ wie das „Tor auf Schalke“ gestartet werde, wenn man sich für läppische 1,2 Mio. € an viagogo verkaufen müsse – Antwort Frank Arndt „Ich glaube nicht, dass Schalke sooo klamm ist. Ich persönlich finde das Projekt super…“. Uwe Kemmer betonte, das Projekt sei bislang mehr eine Vision, eine „Leitplanke“, eine Art Bebauungsplan, wie die Infrastruktur langfristig aussehen solle; es seien aber noch keine Bauanträge oder Architektenaufträge erstellt worden, die Umsetzung richte sich selbstverständlich nach den finanziellen Gegebenheiten. Er könne sich nicht vorstellen, dass man sich vor Abzahlung der Arena „ein weiteres Riesenprojekt ans Bein binde“, Priorität hätten zunächst nur die Trainingsplätze und die Spielstätte für die U 23. Es gebe auch noch keine Kostenplanungen, nur Schätzungen (Einwurf eines Bauingenieurs im Publikum: „Wenn schon die Schätzung heute 25 Mio, € lautet, reden wir in 5 Jahren über 40, 50, 60 Mio, € Kosten!“)

Mit einem weiteren Blick auf die Uhr bat Moderator Michael Zylka in die Schlussrunde. Den Hinweis, Schalker könnten zwar viel, aber nicht alles ertragen und man solle dies bitte an den Vorstand weitertragen, konnten wohl noch alle unterschreiben, bezüglich des Optimismus‘, jetzt gehe es wieder bergauf in Sachen Fanvertretung, herrschten hingegen sehr unterschiedliche Meinungen vor. Arthur Saager betonte nochmals, natürlich mache man sich Gedanken, aber schalke habe in ganz Deutschland Fans und Bezirke und es gebe auch welche, denen viagogo sch****egal sei, wenn ihre Karten sicher seien und der Verein dafür noch Geld bekäme. Ein Lacherfolg war die nächste Frage, ob sich auch der SFCV von viagogo sponsern lassen würde. Rolf Rojek meinte spontan ja, er würde dann versuchen, mit den Einnahmen die Preiserhöhungen aufzufangen. Der AR sei doch nicht blind und habe nach bestem Gewissen entschieden. Es sei nun einmal schwierig, ein kurzfristiges Meinungsbild aus 22 Bezirken zu erhalten; sie seien dabei, das zu verbessern und bräuchten auch kritische Meinungen. Auch im Leitbild stände, man solle andere Meinungen akzeptieren. Sollte die außerordentliche Mitgliederversammlung den Deal ablehnen, sei die Entscheidung dafür vielleicht falsch gewesen…

Auf Nachfrage, ob er sich nicht zumindest hätte enthalten oder um Bedenkzeit bitten müssen, wenn keine Zeit zur Nachfrage in den Bezirken zur Verfügung gestanden habe und er rede wieder nur für den Verein statt für uns Fans, erklärte er, er habe nach der Vorstellung keine Bedenken mehr gehabt. An dieser Stelle gab es wieder erboste Zwischenrufe, da vorher noch von „massiven Bauchschmerzen“ bei dem Deal die Rede war. Allein einem entschiedenen Ordnungsruf Michael Zylkas, bislang sei man bei allen Gegensätzlichkeiten fair miteinander umgegangen, ist es zu verdanken, dass die Veranstaltung hier nicht kippte. Über einen kurzen Exkurs über die Sponsoren des SFCV (dieselben, die der Verein auch hat) und die Erfolge der Knappenschmiede (ein Teilnehmer hatte angemerkt, man solle lieber Max Meyer spielen lassen statt weiter Geld für Transfers wie Bastos und Raffael auszugeben) schieden sich die Geister weiter: Während ein Redner meinte, es sei unfair, von Rolf Rojek ohne Bedenkzeit ein sofortiges Veto zu erwarten, meinte ein anderer, es sei alles wie früher, die Veranstaltung sei erschütternd gewesen. Das Plenum sei eindeutig und der SFCV könne sich nicht darauf zurückziehen, dass irgendwo einer säße, der viagogo gut fände. Ihm sei Angst und Bange, dieselben Ausreden zu hören, wenn wirklich mal die Frage der Umwandlung des vereins in eine Kapitalgesellschaft gestellt werde. Die Fanvertretung müsse „klar Position beziehen und nicht dem Verein in den A**** kriechen!“

Rainer Vollmer wies darauf hin, dass diese harsche Kritik zum Teil zutreffe; der SFCV müsse ganz klar kritischer werden, auch bei der 12:12-Aktion habe man „gepennt“ und es werde in Zukunft „kein Wischiwaschi mehr geben“. Nach diesem „Schlusswort“ dankte Michael Zylka allen Anwesenden für die größtenteils sehr faire Debatte und die investierten fast zweieinhalb Stunden. Nicht nur aufgrund der zum Teil noch lange in Kleingruppen weitergeführten Debatten und der laufenden Unterschriftenaktion (Samstag, 2.2. zwischen 12:30 - 14:30 Uhr Unterschriftensammlung im „Anno 1904“ auf der Schalker Meile) darf man wieder einmal gespannt sein, wie es auf Schalke und in der Fanszene weitergeht…

Blau-weiße Grüße und auf drei Punkte morgen,
Susanne Blondundblau

Susanne Blondundblau

Schalkerin, Juristin, Königsblaue, Ehefrau, Blondine, Dauerkarteninhaberin, Schreiberin, Tochter, Fragenstellerin, Schokojunkie, Vereinsmitglied, Gerechtigkeitsfanatikerin, Falschsängerin, Christin, Vielfotografin, Meerliebhaberin, Sturschädel, Rheinländerin, Fastimmergutgelaunte, Meinungssagerin, Käferfahrerin, Forendiskutantin, Schwester, Unorganisierte, Frühaufsteherin, Freundin, Engagierte, Mensanerin, Balkongärtnerin, Chefin, Bücherfreak, Schnelldenkerin, Reisefreudige, Auswärtsfahrerin, Vollweib, Sudokuchampionesse, Nervensäge, Kolumnistin, Neugierige, Nichtraucherin, Buchmitautorin, Optimistin, Schwimmerin, Ruhrpottliebhaberin, Frikadellenqueen, Zuhörerin, Caipirinhamixerin - und jetzt auch noch Bloggerin! ;-)

7 Kommentare

  • Kommentar-Link Michael K. Freitag, 01 Februar 2013 17:13 gepostet von Michael K.

    Einmal mehr danke für deine Mühe und das wunderbar akribische und zutreffende Protokoll! Aus dem offiziellen Statement des SFCV würde kein Teilnehmer die gestrige Veranstaltung wiedererkennen. Lächerlich, wie sie sich nunmehr als aufrechte Kämpfer gegen den Schwarzmarkt präsentieren wollen, während gestern alles verlegen rumdrucksende Würstchen waren. Sind ja nicht alle gegen vianogo, is klar!!!

  • Kommentar-Link Fritz Funke Freitag, 01 Februar 2013 17:42 gepostet von Fritz Funke

    Auch von mir ein großes Dankeschön für das Protokoll. Dieses zeigt mir, dass ich meine Unterschrift völlig zu recht gegeben habe. Es wird Zeit, im Verein, aber auch im SFCV mal auszumisten...

  • Kommentar-Link Marino Castiglione Freitag, 01 Februar 2013 18:28 gepostet von Marino Castiglione

    Auch von meiner Seite einen aufrichtigen Dank an BlondundBlau für das detaillierte Protokoll.

    Der gestrige Abend hat mir gezeigt, dass der Vorstand des SFCV "Glück" hatte: Er hatte die Entscheidung nicht mittragen müssen und konnte sich an den heißen Stellen des Disputs, damit aus der Verantwortung ziehen.

    Ich persönlich habe Verständnis dafür, dass die Mitglieder des Aufsichtsrats letzten Endes gemäß ihrem eigenen Wissen und Gewissen bei Abstimmungen entscheiden müssen. Es existiert wie im Bundestag kein sogenanntes imperatives Mandat.

    Wenn aber ein Gremium wie der Aufsichtsrat sich in einem solch heiklen Thema EINSTIMMIG (!) gegen die eigenen erst jüngst aufgestellten Leitbilder entscheidet und das nur "ein Grummeln im Bauch" auslöst, sollte das doch bedenklich stimmen.

    Sicherlich gibt es Schalker, denen das "viagogo"-Thema ziemlich am Allerwertesten vorbei geht. (gibt es immer)
    Diese Aktion hat jedoch, und das dürfte wohl unbestritten sein, den mit Abstand größten Aufschrei in der "Schalker Familie" in den letzten Jahren und Jahrzehnten ausgelöst.

    Wenn man die einstimmige Zustimmung des Aufsichtsrats dieser breiten Empörung (die auch gestern deutlich wurde) gegenüberstellt, lassen sich nur zwei Schlüsse daraus ziehen:

    1. Entweder hat sich die Vereinsspitze (Vorstand und Aufsichtsrat) so weit von der Basis entfernt, dass kein Gefühl mehr für die Wünsche und Nöte der "normalen" Mitglieder besteht.

    2. Oder die "normalen" Mitglieder leben in einem Wolkenkuckuksheim, das mit der Realität des modernen Fußballs zu tun hat.

    Sollte der Punkt 2 stimmen, erwarte ich von den leitenden Gremien des Vereins, eine klare und unmissverständliche Aussage und Präsentation zu diesem Thema.
    Dann werden aber Dinge wie das jüngst formulierte Leitbild und Claims wie "Wir leben Schalke" unnötig und werden zu guter letzt als der Sand identifiziert, den man der "Schalker Familie" in die Augen streut.

    Wenn aber Punkt 1. zutrifft, und dieser Meinung scheinen immer Mitglieder zu sein, sollten sich die führenden Gremien überlegen, ob sie noch den richtigen Verein leiten.

    Oder um es ein wenig zu überspitzen:
    Als 1989 die Bürger der damals noch existierenden DDR auf die Straße gegangen sind (im übrigen waren das auch nicht ALLE Bürger - viele hatten ja auch ihren Frieden mit dem SED-System geschlossen), haben sie skandiert:
    "WIR sind das Volk!"
    Sollte es jetzt 2013 dazu kommen, das zukünftig immer mehr Fans aktiv werden und den Spruch formulieren "WIR sind der Verein" ?

  • Kommentar-Link Günni Freitag, 01 Februar 2013 19:40 gepostet von Günni

    Wenn ich schon in der offiziellen Verlautbarung des SFCV lesen muss, sie würden sich WEITER entschieden gegen den Schwarzmarkt einsetzen! Wenn sie Eier in der Hose gezeigt hätten, gäbe es das Problem auf Schalke überhaupt nicht in dieser drängenden Form!

    Pro ehrliche Informationen! Pro außerordentliche MV! Pro unabhängige Fanvertretung!

  • Kommentar-Link Andreas Freitag, 01 Februar 2013 21:21 gepostet von Andreas

    Eigentlich müsste man hier den "gefällt mir nicht"-Button drücken, weil es einem nicht nur einen kalten Schauer über den Rücken treibt, was da in der Führungsetage gespielt wird...

    Mir gefällt die Berichterstattung und die ansatzweise Wiedergabe der Stimmung vor Ort gedrückt, muss ziemlich brenzlig gewesen sein... ;-)

    Danke für den aufschlussreichen Bericht.
    BWG & Glück Auf!

  • Kommentar-Link Uwe Freitag, 01 Februar 2013 21:50 gepostet von Uwe

    Susanne,

    vielen Dank für dein sehr treffendes Protokoll. Ich kann als Anwesender nur unterschreiben. Der SFCV gab ein erbärmliches Bild ab....stehend k.O.

    Die Ofiziellen des AR des S04 kaum besser..."...ich denke nah..."..V O R denken wäre angesagt gewesen.

    Und das R.R. sich nicht in der Lage sah, in der AR Sitzung sich der Stimme zu enthalten, schlägt mir den "Kitt aus der Brille".

    Es tut verdamt weh, zu sehen, dass es sich der SFCV als Bestandteil des Konzerns in dessen Räumen gemütlich macht.

    Nur peinlich, zu glauben in einer Kuschelveranstaltung 5 themen zu besprechen. Was sollten nur die weiteren sein hinter viaNOGO und Kartenausschuss?

    Betrübte BWG, Uwe

  • Kommentar-Link stanforever Samstag, 02 Februar 2013 00:27 gepostet von stanforever

    Auch von mir ein Dankeschön für das absolut korrekt wiedergegebene Protokoll. Es ist traurig mit anzusehen wie der Sfcv zu einem zahnlosen Tiger verkommt. Wobei das Thema viagogo nur der Tropfen ist, der das Fass zum überlaufen bringt.
    Glückauf und nochmals danke.

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