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Freitag, 04 Januar 2013 11:49

Mit Verlaub, Herr Coenen, Sie sind ein ...!

geschrieben von 

holtby

Am 28.12.2012 gab der FC Schalke 04 bekannt, dass Nationalspieler Lewis Holtby die angebotene Vertragsverlängerung nicht annehmen, sondern den Verein vielmehr zum Saisonende verlassen werde. Sportvorstand Horst Heldt wurde dazu zitiert „Wir haben uns gewünscht, dass Lewis seine Zukunft auch über die Spielzeit hinaus beim FC Schalke 04 sieht. Doch ähnlich wie Klaas-Jan hat er nun eine persönliche Entscheidung getroffen, die wir respektieren. Wir sind uns sicher, dass er bis zum letzten Spieltag der Saison alles dafür geben wird, zum sportlichen Erfolg unserer Mannschaft seinen Beitrag zu leisten.“ 

Soweit die nüchternen und völlig normalen Fakten: Ein Vertrag läuft aus und der Spieler möchte sich verändern. Weder die genauen Details des angebotenen Vertrages noch der zukünftige Verein sind bekannt; Holtby hat lediglich immer betont dass – auch aufgrund seines englischen Vaters - sein großes Ziel die PremierLeague sei.

In den einschlägigen Schalker Foren und Netzwerken setzen umgehend heiße Diskussionen ein, wobei zwischen „wir verlieren unseren besten Mann!“ und „gut, dass die Lusche endlich weg ist!“ alles vertreten ist. Wie immer dürfte die Wahrheit in der Mitte liegen. Meine ganz persönliche Meinung dazu ist, dass Lewis zu Beginn der Saison und als Kapitän der U 21 Nationalmannschaft gezeigt hat, was für ein hervorragender Spieler aus ihm werden kann, dass er aber – siehe zweite Saisonhälfte – noch deutlich konstanter werden muss. Meines Erachtens kommt der wahrscheinliche Wechsel ins Ausland daher für ihn zu früh; nach zwei bis drei weiteren Jahren auch internationaler Erfahrung mit Schalke hätten ihm mit Mitte 20 immer noch alle Türen offen gestanden.

Unter die enttäuschten Fan-Stimmen, wie man denn nur freiwillig den bekanntermaßen geilsten Club der Welt verlassen könne, mischen sich leider auch hasserfüllte, die Holtby neben den handelsüblichen „Söldner“ und „Fußballhure“-Nettigkeiten empfehlen, sich „bloß umgehend zu verpissen“, am besten „direkt einen Strick zu nehmen“ und ihm wünschen, dass er an seiner (bisweilen recht offensiven) „Schei**twitterei ersticken möge“. In diese aufgeladene Situation und nach einer ohnehin von Zwist und Pfiffen geprägten Hinrunde hinein fragt nun die größte Boulevardzeitung Deutschlands scheinheilig „Wird Holtby zum Schalke-Buhmann?“, um einen Tag später die durch nichts bewiesene Andeutung, es ginge ihm ums Handgeld, mit angeblichen Zahlen zu untermauern „Doppeltes Gehalt war Holtby zu wenig!“ Man muss nicht sonderlich phantasiebegabt sein, um sich vorzustellen, was danach los war.

Den Gipfel der polemischen Stimmungsmache gegen einen jungen Spieler, der nichts weiter tut als von seinem Recht auf Vertragsfreiheit Gebrauch zu machen, aber erreicht nunmehr der „Kommentar aus der Chefredaktion“ des dazugehörigen Boulevardsportblatts: „Holtby sei selber schuld“, dass die Fans sauer sind, schließlich „habe er alle verarscht“,  weil er auf entsprechende Nachfragen besagten Blattes „geschwafelt habe“, dass eine Vertragsverlängerung möglich sei. Das sei nur „Blablabla“ gewesen, da er jetzt „abhaue“ - man „freue sich schon darauf, wenn er nach seinem ersten Tor für den neuen Klub das Vereinsemblem küsse!“

Dieses Machwerk ist nicht nur aufgrund der Wortwahl einer der widerlichsten und populistischsten Artikel, die ich je lesen musste – und das aus demselben Verlagshaus, das nicht müde wurde, Manuel Neuer im Zuge seines Wechsels zu den Bayern „bewundernswerte Charakterstärke“ und den von dem Wechsel und der Krokodilstränenpressekonferenz enttäuschten Schalkefans „verblendeten Hass“ zu unterstellen. Ein Neuer, der sich keine zwei Jahre vor dem Wechsel im offiziellen Schalke-Jahrbuch mit „Innerhalb von Deutschland ist für mich ein solcher Schritt nicht denkbar. Manuel Neuer beim FC Bayern München - das passt nicht. Ich habe früher in der Kurve gestanden und nicht gerade nette Dinge über die anderen Vereine geschrieen... Wie soll ich denn da das Trikot dieser Clubs tragen?“ zitieren ließ, als aufrechter, nur an seiner sportlichen Weiterentwicklung interessierter Sportsmann? Weil man weiß, dass beim FC Bayern alle für Nüsse spielen? Bei einem, der auf Schalke groß geworden ist, der sich auch auf seiner Homepage als „Junge aus der Kurve – Heimat ist nicht nur ein Wort!“ inszenierte, war die Fan-Wut „abartig“ – aber bei Holtby sind die normalen „jaja, ich fühle mich hier wohl“-Aussagen, die jeder Fußballprofi auf entsprechende Medienfragen äußert, verdammenswürdige „Verarsche“?!?

Die „Chefredaktion“ heizt so ganz gezielt die Stimmung gegen Holtby weiter an, um sich dann in Kürze auflagenträchtig über die furchtbaren Schalkefans oder flatternde Nerven bei Holtby zu empören. Hier wird in absolut verantwortungsloser Weise weiter Öl ins Feuer gegossen, um Unruhe in unseren Verein zu bringen, damit man händereibend weiter über „Chaos“ beim „Skandalclub“ berichten kann. Ich hoffe inständig, dass die Mehrheit auf Schalke die Perfidie dieser Masche durchschaut und die Richtigen auspfeift! 

Januar

Susanne Blondundblau

Schalkerin, Juristin, Königsblaue, Ehefrau, Blondine, Dauerkarteninhaberin, Schreiberin, Tochter, Fragenstellerin, Schokojunkie, Vereinsmitglied, Gerechtigkeitsfanatikerin, Falschsängerin, Christin, Vielfotografin, Meerliebhaberin, Sturschädel, Rheinländerin, Fastimmergutgelaunte, Meinungssagerin, Käferfahrerin, Forendiskutantin, Schwester, Unorganisierte, Frühaufsteherin, Freundin, Engagierte, Mensanerin, Balkongärtnerin, Chefin, Bücherfreak, Schnelldenkerin, Reisefreudige, Auswärtsfahrerin, Vollweib, Sudokuchampionesse, Nervensäge, Kolumnistin, Neugierige, Nichtraucherin, Buchmitautorin, Optimistin, Schwimmerin, Ruhrpottliebhaberin, Frikadellenqueen, Zuhörerin, Caipirinhamixerin - und jetzt auch noch Bloggerin! ;-)

7 Kommentare

  • Kommentar-Link Thomas T Freitag, 04 Januar 2013 13:25 gepostet von Thomas T

    Diesen unmißverständlichen Tacheles wünscht man sich vom Verein, wenn Schalker Spieler so angegangen werden. Auch im Fall Jones.

    Einmal mehr DANKE BUB!

  • Kommentar-Link Daniel Ku Freitag, 04 Januar 2013 13:30 gepostet von Daniel Ku

    Vergessen wir nicht die Betroffenheit, die dieses Schmierblatt an den Tag legen wird, sollte sich der besagte Spieler wohlmöglich etwas antun, oder depressiv werden und den damit verbundenen, heuchlerischen Aufruf, dass sich nun endlich was ändern müsse im Profifußball! Ich könnte Kotzen....

  • Kommentar-Link skAndy Freitag, 04 Januar 2013 14:17 gepostet von skAndy

    Großartiger Artikel. Danke.

  • Kommentar-Link Uwe Freitag, 04 Januar 2013 14:44 gepostet von Uwe

    Westline ist tot, BuB lebt! Und zwar ausgesprochen eindrucksvoll.

    Vielleicht sollte man diesen Kommentar Holtby und/oder dem Verein zur Kenntnis geben, er hätte eine weite Verbreitung verdient und nötig.

  • Kommentar-Link Resser Marker Freitag, 04 Januar 2013 15:09 gepostet von Resser Marker

    Hätte von mir sein können... war es aber nicht! Schade! ;-)

    Und deshalb Glückwunsch zu diesem Kommentar, der aber sowas von ins Schwarze trifft!

  • Kommentar-Link Konrad Freitag, 04 Januar 2013 17:23 gepostet von Konrad

    Der Vergleich mit dem unsäglichen Neuer-Wechsel trifft den Nagel abba sowas von auf den Kopf! diesen Blog sollte man allen um die Ohren hauen, die die BLÖD immer noch für so supertoll informiert und unbestechlich halten.

    Und einem Medienhaus in Lüdenscheid noch direkt mit. ;-)

  • Kommentar-Link Herr Wieland Freitag, 04 Januar 2013 18:45 gepostet von Herr Wieland

    Ich glaube weiterhin, dass diese Berichterstattung vom Verein gewollt ist, und auch im Fall Farfan (Söldner, Gierprofi) vom Verein gewollt war. Horst Heldt schützt den Spieler nicht und die Zeitung hat offensichtlich Informationen über Vertragsangebot und -nachfrage. Der Verein bekommt nur dann noch eine Ablösesumme für Holtby, wenn man ihn davon "überzeugen" kann, dass die Zeit bis Sommer ein Spießrutenlauf für ihn wird. Eben das wird grade gesät. Und Bild verdient natürlich auch bestens daran, was später wiederum nicht zum Schaden des FC Schalke 04 sein wird.

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