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Montag, 06 Mai 2013 12:02

Lieber Basset als Tiger - Trainersuche auf Schalke

geschrieben von 

Babbel, Benitez, Büskens, di Matteo, Favre, Heynckes, Jol, Labbadia, Moyes, Olsen, Schuster, Streich, Tuchel, Veh und Wenger sind in alphabethischer Reihenfolge und ohne Anspruch auf Vollständigkeit die Trainer, die im letzten halben Jahr bereits von den Medien mehr oder minder lautstark und fix mit Schalke in Verbindung gebracht wurden. Insofern dürfte uns der derzeitige Hype um die angebliche Verpflichtung des „Tigers“ Stefan Effenberg eigentlich nicht mehr erschrecken. Mir läuft es trotzdem eisig kalt den Rücken runter, wenn ich von unseren Verantwortlichen Aussagen wie „Ich wünsche mir das Bayern-Gen für Schalke“ (Heldt) lese.

Auch das nahezu augenblicklich einsetzende Lob-Gejaller ehemaliger bayrischer Weggefährten von Effenberg (von Kahn über Rummenigge bis hin zu Beckenbauer meldeten sich alle zu Wort) macht mich eher misstrauisch: Wenn der  liebe Stefan doch so ein supidupigeiler Winnertyp ist, warum behaltet Ihr ihn dann nicht selber?! Schalke ist KEIN Idiotenhügel für ausgediente Bayernstars! Und wenn der Tiger doch so auf einen Trainerjob brennt und jederzeit bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, warum hat er dann nach dem Ende seiner aktiven Karriere fast ein Jahrzehnt verstreichen lassen, bis er den Trainerschein machte und sich stattdessen lieber damit beschäftigt, möglichst publicitywirksam seiner Ische die Zunge in den Hals zu stecken und ein bisschen den Sky-Cokommentator zu mimen?!

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Nun kann es uns zwar grundsätzlich egal sein, welche privaten Vorlieben ein Trainer pflegt, aber ich persönlich muss neben dem ganzen „Skandal“-geschrei, das uns eh zuverlässig an den Hacken klebt, nicht noch einen Trainer haben, der regelmäßig in den Klatschspalten auftaucht. Sehr viel wichtiger ist aber die fehlende sportliche Qualifikation:

Effenberg. Hat. KEINE. Erfahrung. Als. Trainer. Nichts, null, nada, niente. Und da reicht es für einen Club mit CL-Ambitionen eben nicht aus, wenn man vor mehr als einem Jahrzehnt unbestritten ein sehr guter Fußballer war und mit einigen hervorragenden Trainern zusammengearbeitet hat. Erfolg als Spieler garantiert noch lange keinen Erfolg als Trainer (Loddar wird es bestätigen können, auch Olaf Thon hat da sicher eine Meinung zu) und umgekehrt. Mit Jürgen Klopp war der derzeit wohl beste Trainer der Liga zu seinen aktiven Zeiten bestenfalls Zweitligadurchschnitt.

Alle, die jetzt Effenberg pushen wollen, verweisen auf seine Leaderqualitäten – daher meine Frage: Wo bitteschön hat er die denn außerhalb des Platzes jemals bewiesen? Die „Initiative Borussia“ ist jedenfalls kläglich gescheitert und anstelle von Nehmerqualitäten kam beim Abgang eine Menge beleidigte Leberwurst durch.

BassettraurigKellerkApropos Nehmerqualitäten: Wir haben einen Trainer, der genau diese bereits bewiesen hat. Jens Keller hatte eigentlich bei Medien wie Fans keine Chance, aber die hat er genutzt, obwohl direkt kübelweise Häme über ihm ausgegossen wurde. „Mit Keller in den Keller“ und „Das Gesicht der Krise“ waren nur einige der Schlagzeilen, mit denen er bedacht wurde – er hat sich davon nicht beirren lassen und kontinuierlich Punkte gesammelt, die Schalke zur drittbesten Mannschaft der Rückrunde machten (mehr war angesichts der Form der beiden Unaussprechlichen und unseres Verletzungspechs nicht drin) und gute Chancen auf den wichtigen CL-Quali-Platz lassen. Ja, er guckt immer wie ein trauriger Basset, dem man gerade sein Futter geklaut hat, und ich hätte auch nichts gegen eine etwas mitreißendere Mimik einzuwenden. Aber er ist bereits deutlich lebhafter am Spielfeldrand geworden – und sämtliche Signale aus der Mannschaft und von Trainingskiebitzen weisen darauf hin, dass er die Mannschaft vernünftig anspricht und erreicht und das sollte wichtiger sein als ein möglichst großspuriges Auftreten vor den Kameras dieser Welt. Wir haben bereits genug verbal Inkontinente in unseren Reihen, wie man bei der Trainersuche „wir wissen, mit wem wir zusammenarbeiten“ – „ach was, es ist noch nichts entschieden“ wieder einmal beispielhaft sehen konnte. Dann lieber die zurückhaltenden, aber durchaus witzigen Antworten von Keller, der die Journalisten bei der Frage nach Effenberg cool beschied „er kann sich ja dann neben Veh setzen!“ Bei den teilweise grotesken Spekulationen um seinen Job und den wenig zielführenden Aussagen von Heldt und Tönnies wäre längst nicht jeder so relaxt geblieben. Und der preisgekrönte Film „Schiffbruch mit Tiger“ ist erst einige Monate alt, da muss Schalke noch kein Remake drehen.

Keller hat sich durch sein beharrliches Arbeiten in den letzten Monaten den Respekt vieler Schalkefans erworben, er kennt die Mannschaft, die hochtalentierte B-Jugend und das Umfeld – und zu Guter Letzt dürfte er trotz seiner Trainererfahrung deutlich billiger sein als Stefan Effenberg, Geld, das Schalke gut gebrauchen kann. Zudem garantieren auch andere, größere Trainernamen keinen Erfolg im Schalker Biotop. Die Frage, ob Jens Keller der Richtige ist, ob man ihm zutraut, Schalke zu trainieren, kann nicht von Platz 4 oder 5 abhängen. Und es wäre wirklich einmal an der Zeit, einen Trainer, der bereits ansatzweise beweisen konnte, dass er „Schalke kann“ einmal kontinuierlich arbeiten zu lassen und nicht wieder beim kleinsten Gegenwind oder bereits vorauseilend einzuknicken, um mit vermeintlich „großen Lösungen“ spektakulär und teuer auf die Schnauze zu fliegen. Ein Basset brüllt vielleicht nicht so furchteinflößend wie ein Tiger, dafür ist er ausdauernder und familientauglicher – und endet seltener als Bettvorleger.

PRO JENS KELLER AUF SCHALKE!

Blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

Susanne Blondundblau

Schalkerin, Juristin, Königsblaue, Ehefrau, Blondine, Dauerkarteninhaberin, Schreiberin, Fragenstellerin, Schokojunkie, Vereinsmitglied, Gerechtigkeitsfanatikerin, Falschsängerin, Vielfotografin, Meerliebhaberin, Sturschädel, Rheinländerin, Fastimmergutgelaunte, Meinungssagerin, Käferfahrerin, Unorganisierte, Frühaufsteherin, Freundin, Engagierte, Mensanerin, Bücherfreak, Schnelldenkerin, Reisefreudige, Auswärtsfahrerin, Nervensäge, Kolumnistin, Neugierige, Nichtraucherin, Buchmitautorin, Optimistin, Schwimmerin, Ruhrpottliebhaberin, Zuhörerin, Caipirinhamixerin - und jetzt auch noch Bloggerin! ;-)

6 Kommentare

  • Kommentar-Link Klaus Montag, 06 Mai 2013 12:31 gepostet von Klaus

    Pro Jens Keller auf Schalke! Wir brauchen keine Selbstdarsteller, sondern ehrliche Arbeiter!

  • Kommentar-Link Bettina Montag, 06 Mai 2013 13:20 gepostet von Bettina

    Als Fortunesin könnte es mir ja am Arsch vorbeigehen, was bei Euch so los ist. Tut es aber nicht. Da hat Schalke einen guten Typen als Trainer, der auch noch (für den Verlauf dieser Saison) erfolgreich ist, und wat passiert? Und dann auch noch Effe... Warum nicht gleich den Loddar? Glück auf, 95 olé, und hoffentlich sehen wir uns nächste Saison - MIT Jens Keller!

  • Kommentar-Link Tim HH Montag, 06 Mai 2013 13:35 gepostet von Tim HH

    Als HSVler kann ich nur DRINGEND vom Irrglauben an ein wundertätiges Bayern-Sieger-Gen abraten. Fink, Loddar, Effe, Kahn kochen auch alle nur mit Wasser, haben aber den Anspruch, sofort hofiert zu werden. Denn sie waren ja mal wer mit Bayern.

  • Kommentar-Link BlauundweißeinLebenlang Montag, 06 Mai 2013 16:54 gepostet von BlauundweißeinLebenlang

    Ob BuB wohl in der schalkeinternen Presseschau auftaucht? :-) Gut gebrüllt, Ti.... Löwin!

  • Kommentar-Link NichtDERWeazl Montag, 06 Mai 2013 18:05 gepostet von NichtDERWeazl

    Mal wieder schön geschrieben bub. ich habe aber so ein dummes Gefühl, dass an der Sache was dran ist. So wie sich unser Club derzeit uns gegenüber gibt brauchen die einen wie den Tiger, der kann uns dann den Mittelfinger auch pysisch zeigen und nicht wie p.p. Nur verbal....sry 4 Handy t9

  • Kommentar-Link Malaoshi Dienstag, 07 Mai 2013 23:12 gepostet von Malaoshi

    PRO Keller.

    Alleine die Tatsache, dass Horst Held offen über die Trainersuche redet, spricht für mich eindeutig GEGEN Jens Keller. Und nach dem Brimborium der letzten Wochen wäre Jens Keller, selbst wenn er bleibt, leider nur ein Trainer auf Abruf, nur eine 2-B-Lösung. Diese Fakten SIND nun schon geschaffen worden, leider leider...
    Das Porzellan ist (verbal) schon zerschlagen worden. Warum?

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