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Dienstag, 11 August 2015 19:40

DFB-Pokal in Rostock 2015

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DFB-Pokal 2015-FCHvsFCK - 1Es war mal wieder eine lange Tour im DFB Pokal. Ähnliche Entfernungen hatten Freiburg und Stuttgart. Nur dass wir, neben den knapp 800 Kilometern, auch noch Sonntag abends um 18:30 Uhr antreten dĂŒrfen und sich somit fĂŒr zahlreiche Fans das Thema AuswĂ€rtsfahrt nach Rostock erledigt hatte, bekamen sie doch einfach keinen Urlaub an dem Montag. ZusĂ€tzlich gab es das Problem, dass in Rostock die Hanse-Sail stattfand was zu einer Hotelknappheit im Umkreis von ca. 50 Kilometer um die Hansestadt fĂŒhrte. Somit waren die Planungen fĂŒr diese Fahrt, dank der grandiosen Fehlplanung der Herren im grauen Anzug aus Frankfurt, mal wieder extrem schwierig.

Es gab, bei den GesprĂ€chen vor, wĂ€hrend und nach dem Spiel deshalb immer die Fragen, wo man ĂŒbernachte oder ob man gleich wieder zurĂŒck fĂŒhre. Da ich nicht mehr zu der Hauruck-Fraktion gehöre und mir mein Leben doch etwas lieber ist als es auf der Autobahn an einem BrĂŒckenpfeiler enden zu lassen, entschloss ich mich, lieber den kurzen Weg zurĂŒck nach Hamburg anzugehen und erst Montag frĂŒh die endgĂŒltige Heimreise anzutreten. Von Businsassen erfuhren wir, dass sie Montag gegen viertel nach fĂŒnf in Kaiserslautern ankamen. Wie die armen Kerle, die an diesem Tag noch arbeiten mussten das Bruttoinlandsprodukt an diesem Tag in den Keller gerissen haben kann sich jeder vorstellen, der einmal eine solche Ochsentour mitgemacht hat. Wohl dem der Urlaub hatte.

Genau aus diesem unsĂ€glichen Grund der unmöglichen Anstoßzeiten gab es auch in nahezu jedem Stadion der 32 Erstrundenspiele entsprechende SpruchbĂ€nder. Warum Freiburg an einem Sonntag um 14:00 in Hamburg, Kaiserslautern am Abend um 18:30 oder auch Mainz am Sonntag um 20:30 im ĂŒber 600 Kilometer entfernten Cottbus antreten mĂŒssen bleibt wohl fĂŒr immer das Geheimnis der DFB-Herren im Planungszirkel.

 

 

Willkommenskultur

DFB-Pokal 2015-FCHvsFCK - 2Nachdem ich vor ziemlich genau vor drei Jahren meine erste AuswĂ€rtsfahrt nach Rostock erleben durfte, waren die WillkommensgrĂŒĂŸe der Hansa-AnhĂ€nger nicht mehr so ganz ĂŒberraschend. Hier etabliert man sich offenbar in einer Welt der “EinschĂŒchterung” die sehr deutlich zu verstehen gibt, dass man GĂ€stefans nicht mag. Alleine schon der Hinweis des 1. FC Kaiserslautern e.V. in seiner Information an die GĂ€stefans, im Stadionumfeld auf das Tragen von Schals, Trikots oder MĂŒtzen zu verzichten deutet schon an, dass dort nicht zimperlich mit dem Anhang des Gegners umgegangen wird. Dazu das immense Polizeiaufgebot rund um das Stadion. Die erste Barriere weist dann auch freundlich darauf hin, dass man auf dieser Straße nicht weiter kommt. Auf die Frage, wo man denn parken könne kommt die Antwort “Im Innenstadtbereich”. Es sollte im Rahmen der vielgepriesenen Willkommenskultur doch möglich sein, den dort an den Barrieren stehenden Polizisten einen Zettel an die Hand zu geben, wo solche Fragen sinnvoll beantwortet werden können. Schrieb doch der 1. FCK bei seinen Fanhinweisen, dass man versuchen solle, in der Parkstraße einen Parkplatz zu finden. Man solle die großen ParkhĂ€user meiden. Die Polizei schickt die GĂ€stefans aber genau in diese Richtung. Ansonsten sind die Damen und Herren in Dunkelblau freundlich und können sogar lĂ€cheln.

Alles in allem ist es somit vor dem Spiel recht lĂ€ssig. Zeit fĂŒr ein Eis und dann mal langsam Richtung GĂ€stekĂ€fig schlendern. Dort auch zahlreiche Mannschafts-Neuner der Polizei, freundliche WillkommensgrĂŒĂŸe der Rostocker Fanszene - einige der vergangenen Jahre sind offensichtlich ĂŒberpinselt worden - somit also alles im alten Klischee. Der “böse Osten”.

Der Einlass in den GĂ€steblock erfolgt pĂŒnktlich und recht unkompliziert. Einfache Kontrollen “Viel Spaß” - war das nun ernst oder ironisch gemeint? - und dann das Warten auf den Spielbeginn. Die Wurst ist grausam, das Wasser kĂŒhl.

 

Das Spiel

DFB-Pokal 2015-FCHvsFCK - 8Nach der ersten Halbzeit im Auftaktspiel in Duisburg und der dortigen Erkenntnis, dass man unsere Mannschaft relativ leicht seiner spielerischen QualitĂ€t berauben kann, wenn man Halfar bei der Ballannahme presst und “Pritsche” - irgendwie wehre ich mich solche Spitznamen zu verwenden, aber hier ist es offenbar angebracht, denn Przybylko fĂ€llt mir schon schwer - auch unter Druck setzt, fĂ€llt unserem Mittelfeld nichts mehr ein und es geht nur noch mit langen BĂ€llen aus der Abwehr heraus. Somit war die Erwartungshaltung bei mir auf ein Unentschieden, VerlĂ€ngerung und anschließendem Elfmeterschiessen im Grunde bei nahezu 100 Prozent. Also eine Kopie des letztjĂ€hrigen Pokalspiels in Wiesbaden. Genau so kam es denn auch. Selbst wenn der Trainer auf ein 4-3-3 System umgestellt haben sollte, konnte man nicht sehen, dass man den Gegner aus der dritten Liga im Griff hat. Im Gegenteil. Waren es meistens die Rostocker die Alarm machten und nur von unserem TorhĂŒter, Marius MĂŒller, am Erfolg gehindert wurden.

So kam es, wie es kommen musste, VerlĂ€ngerung und dann auch noch Elfmeterschießen.

Ausgerechnet unser ehemaliger Held aus dem Jahr 2008, Marcel Ziemer, aktuell Publikumsliebling in Rostock, verhalf uns zum Weiterkommen. War er doch der einzige der zehn TorschĂŒtzen, der am Tor vorbei schoß. Welch tragische Gestalt. Er tat mir in dem Moment und auch noch nach dem Spiel, unendlich leid. Es gab schon immer solche Spieler, die großes fĂŒr den 1. FCK geleistet haben und dann irgendwie bei ihren neuen Vereinen vor unserem Tor versagten. Erik Jendrisek ist auch solch ein Spieler. Aber das war in einem anderen Spiel.

Es war kein berauschendes Spiel. Am Ende hatten wir das GlĂŒck auf unserer Seite. Der Kampfgeist, der Wille und die Leidenschaft der Rostocker wurde nicht belohnt.

 

Die Stimmung

DFB-Pokal 2015-FCHvsFCK - 7DFB-Pokal 2015-FCHvsFCK - 5Vor drei Jahren bei dem letzten Pokalspiel in Rostock gab es noch einen Boykott der Suptras und das Stadion war mit 7.000 Zuschauern recht leer. Der Boykott ist Vergangenheit und offenbar mag man zwar die GĂ€ste nicht, wenn aber so ein richtiger “Feind” wie Kaiserslautern kommt, ist das Stadion schon gut gefĂŒllt. 20.100 Zuschauer und ein voller Suptras-Block hinter dem Tor und neben dem GĂ€steblock bringt einiges an Stimmung. Es war ein beeindruckendes Hin- und Her - zumindest im GĂ€steblock, was da so an UnterstĂŒtzung abgefackelt wurde. NatĂŒrlich haben die Rostocker die Oberhand im eigenen Stadion und natĂŒrlich wird man an die “Wand gesungen”, aber so ganz ungeschlagen wollte unser Anhang sich offensichtlich auch nicht geben. Das hat Laune gemacht und war schon gut laut von allen Seiten.

Auf mich wirkt das Klischee der Rostocker Fanszene so ein bisschen “aufgesetzt”. Man suhlt sich in dem “Arbeitslosen”-Image und pflegt das asoziale und damit gefĂ€hrliche Dasein gegenĂŒber allen GĂ€stefans. Dabei gibt es offenbar zwei Kategorien, einmal die “Wessis” die laufen sollen und dann noch die “Sachsen”. Die kann man offenbar gar nicht leiden, zumindest wenn man die Graffitis im Stadion und dem Umfeld betrachtet. Letztlich aber braucht man doch die GĂ€ste, um einen Sinn bei der UnterstĂŒtzung zu haben. Gegen einen leeren GĂ€steblock anstinken macht doch auch keinen Spaß.

Zaunfahnen wie “SpĂ€her - immer auf der Suche nach GĂ€stefans”, “Arbeitslos - wo andere Urlaub machen” und “Hansa Rostock und Hartz IV - Workless Class” zeigen so ein bisschen, dass man das Image des Bösen bewahren möchte.

 

Die RĂŒckfahrt

Als das Spiel vorbei war zeigte ein Blick von oben, dass die Polizei offenbar noch keine Blocksperre umgesetzt hatte. Also versuchten viele aus dem Stadion so schnell wie möglich heraus zu kommen. Uns wurde dann, ca. 2 Meter vor dem Tor, selbiges vor der Nase zugeschlossen. Also doch wieder - Blocksperre und warten. Auch hier schon, wie vor drei Jahren, Polizisten die informierten. ErklĂ€rungen abgaben. Versuchten freundlich zu sein. Lautsprecherdurchsagen - die man sogar verstehen konnte. Dann wurden die Busse ausgeleitet, nachdem vermutlich der Polizeihubschrauber freie Fahrt gemeldet hat. Dann noch knapp eine halbe Stunde warten, um anschließend in “Kleingruppen” von ca. 20 Personen das StadiongelĂ€nde verlassen zu können. Nun gut, wir hatten keine Probleme und kamen unbehelligt bis zu unserem Auto in der Parkstraße.

Auf Twitter meldeten einzelne Personen Angriffe auf Schals und Trikots.

Nachdem wir dann auf der Autobahn in Richtung Hamburg unterwegs waren und nach ca. 45 Minuten der Meinung waren, dass wir uns eine Burgerbraterei aussuchen, um noch etwas Warmes in den Magen zu bekommen hatten wir dann eine Begegnung der besonderen Art. Es war offenbar eine Hochburg fĂŒr Rostock-Fans. An der Theke standen gut 30-40 Rostockfans in voller Montur. Kurz ĂŒberlegt, aber wir hatten Hunger. Am Ende passierte nichts. Um Mitternacht in Hamburg angekommen war dann das Ende eines langen Tages und gut 1.000 Kilometer abgespult.

 

Fazit

Lieber DFB, wenn schon Rostock, dann bitte Samstags. Ach ja, bei unserem LosglĂŒck wird das nĂ€chste Spiel bestimmt Aue oder Jena sein.
Auch wenn ich bei einigen ein leichtes KopfschĂŒtteln auslösen werde, ich mag diese Rostock-Tour irgendwie. Ja, nicht ganz ohne aber die Stimmung in dem Stadion ist, Ă€hnlich wie Dresden, einfach Klasse. Das, was da abgeht ist schon toll. Denen, die es nicht verstehen können mögen einmal die AuswĂ€rtstour nach Ingolstadt mitmachen. Vielleicht wird es dann deutlicher.

 

 

Jochen Grotepass

- Vorstandsmitglied "Perspektive FCK"
- Mitglied IG "Unsere Kurve"
- gewÀhltes Mitglied im Satzungsausschuss des 1. FC Kaiserslautern e.V.
- Allesfahrer

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