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Montag, 01 Juli 2013 19:49

Reboot tut meistens gut

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Mannschaft FCKAuf den Tag genau vor fünf Wochen spielten der 1. FC Kaiserslautern im Rückspiel der Relegation um die Rückkehr in die erste Bundesliga. Genau fünf Wochen ist es demnach her, dass der 1. FCK es grandios versemmelte und den Aufstieg nicht packte, weil er schlicht und ergreifend gnadenlos auf dem Spielfeld unterlegen war. Somit ist es auch fünf Wochen her, dass ich zum letzten Mal in die Tasten gegriffen habe und meine Eindrücke zu diesem Spiel in Einsen und Nullen gepackt habe.

Anschließend kam der Reboot. Also das Zurücksetzen aller Ereignisse, Statis und sonstiger Elemente die im Laufe einer Saison das Leben eines Fußballfans beeinflussen. Dazu zählen die Spieler, die Trikots, die Karten und die Pläne, Hoffnungen und eben auch Befürchtungen.

Alles zurück auf Null. Wirklich auf Null?

Die beiden Saisons 2011/2012 und 2012/2013 haben so einige Kratzer hinterlassen. Schäden auf der Festplatte sozusagen. Es wurden “Alternate Tracks” angelegt und aktiviert, um diese Schäden nicht im Ausfall enden zu lassen. Aber jedesmal wenn diese alternative Spur angesprochen wird ist deutlich, dass es dort einen “Schaden” gibt. Die Anzahl von alternativen Spuren auf einer Festplatte ist endlich. So ähnlich ist es auch mit den Gefühlen der Fans. Auch die sind offenbar “endlich”.

Selten wurde der Trainer schon in der Urlaubszeit so in Frage gestellt. Hat Franco Foda ein System? Kennt er sein System? Wie soll in der kommenden Saison ein vernünftiges System gespielt werden? Der Ruf “Foda raus” in den Foren und sozialen Netzen war deutlich vernehmbar. Aber genau das wird eben nicht passieren.

Unser Vorstandsvorsitzender Stefan Kuntz gab als Saisonziel “irgendwas bis Platz 5” aus. Der nächste Schlag in die Magengrube. Lautete in der vergangenen Saison die Zielsetzung “direkter Wiederaufstieg” und wurden die Fans am Ende der Saison wegen der “überzogenen Erwartungen” vom Chef darauf hingewiesen die Ansprüche mal etwas herunterzuschrauben, so wird mit diesem Saisonziel gleich von Anfang an klar gemacht, dass man sich bloß keine Hoffnung machen soll, im nächsten Jahr wieder erstklassig zu spielen. Oder etwa doch? Ist das nur “Zweckpessimismus”, um die Ansprüche gering zu halten und somit die Euphorie zu entfachen, wenn wir dann doch wieder eine Siegesserie hinlegen?

Keine Ahnung was dieser fünfte Platz ausdrücken soll. Es sollte nicht der Anspruch des 1. FC Kaiserslautern sein im Mittelfeld der zweiten Liga zu enden. Wer seine Ansprüche so reduziert wird niemals zu Höchstleistungen angespornt.

Interessant wirken die Aktivitäten auf dem Transfermarkt. Hieß es noch im Januar, angesichts des Transferfensters, dass wir nun über einen Kader verfügen, der sowohl Erst- als auch Zweitliga tauglich sei und nur an zwei oder drei Positionen noch verstärkt werden müsse, so empfand man den Beginn des Transferfensters durchaus als positiv. Es waren mehr Abgänge als Zugänge zu vermelden. Somit schien es, als ob der Kader von “Maggathesken” Ausmassen auf ein Normalmaß reduziert würde. Auch wenn der Abgang von Itay Shechter finanziell sicherlich interessant in der Bilanz zu betrachten sein wird, waren es tatsächlich recht deutliche Abgänge.

So stehen auf der Abgängerseite bislang zu Buche:

  • 3 Verträge die nicht verlängert wurden und ausliefen (Abel, Amri, Baumjohann)
  • 2 ausgeliehene Spieler die zu ihren Vereinen zurückkehren (Weiser, Hoffer)
  • 3 Spieler die an andere Vereine ausgeliehen werden (Jessen, Nsor und Sukuta-Pasu)
  • 4 Spieler die “verkauft” wurden (Köhler, Shechter, Linsmayer, Micanski)

Letztlich also 10 “echte” Verträge die aktuell nicht mehr zu Buche schlagen - je nach Vertragslage mit den ausleihenden Vereinen.

Darüber hinaus gibt es noch zwei “Hängepartien” mit Wooten und Swierczok bei denen nicht klar ist, ob sie “zurückkehren” aus ihrem bislang ausgeliehenen Status oder weiter verliehen oder gar “verkauft” werden.

Nun ist per Stand heute jedoch die Einkaufspolitik des 1. FC Kaiserslautern doch wieder erstaunlich. Aus den ursprünglich genannten 2-3 Spielern sind zwischenzeitlich schon wieder sieben Neue geworden. Teilweise gekauft (Jenssen, Ring, Zoller), geliehen (Stöger, Occéan) oder verpflichtet (Gaus, Matmour). Wie nun der endgültige Kader am 1. September, also nach Ende des Transferfensters, aussehen wird ist wohl alles andere als klar. Wir dürfen also gespannt sein, was so alles noch passieren wird. Fährt der Mannschaftstross ja morgen erst einmal ins Trainingslager nach Österreich.

Was geschah sonst noch?

Im Nachwuchsleistungszentrum Fröhnerhof soll nun erst einmal “umgebaut” werden, bevor mit den Neubauten begonnen werden kann. Die Neubauphase soll beginnen, wenn man sich mit der Stadiongesellschaft über den Kauf bzw. die Pacht für die Grundstücke einig ist. Hat denn vor Auflage der Anleihe für das NWLZ keiner mit der Stadt gesprochen und einen entsprechenden Vorvertrag oder zumindest eine Absichtserklärung unterschrieben? So holt man sich über 6 Millionen Euro von den Fans, um dann mit der Stadt über den Rückkauf oder die Pacht zu “verhandeln”. Merkwürdige Vorgehensweise. Darüber hinaus sei die Frage erlaubt, warum man erst jetzt mit den Umbaumaßnahmen beginnt, hatte man doch seit mittlerweile zwei Jahren die 2,8 Mio Euro vom Verkäuferdarlehen in der Kasse. Wurde letztes Jahr auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung noch das Märchen vom Veruntreuen der Vereinsgelder erzählt, wenn in den Fröhnerhof investiert würde, so geht es offenbar heute ohne Probleme. Die Halbwertszeit der Gedächtnisse von Fans wird wohl seitens der Vereinsführung auf extrem kurz geschätzt.

Es bleibt nun also spannend, was vor dem ersten Spiel am 20. Juli um 13 Uhr in Paderborn so alles passieren wird. Welche Spieler werden noch kommen, welche werden noch gehen? Findet Franco Foda endlich ein Spielsystem oder muss man wieder, wie am vergangenen Freitag beim Regionalligisten FC Homburg, mit Kontern rechnen und eine 3:2 Niederlage einstecken? Wie wird sich die Fanszene diese Saison zusammenfinden? Der Umzug der Frenetic Youth könnte eine Lücke entstehen lassen. Wie werden sich die Zuschauer nach den ersten Spielen im Stadion äussern? Geht das Leerspielen des Stadions weiter oder wird der Negativtrend gestoppt? Wie werden sich die finanziellen Spielräume verändern, wenn die Bilanz zu dem erwartenden Verlust und damit wieder finanziellen Auflagen seitens der DFL führen?

Bislang ergibt sich bei mir noch nicht die freudige Erwartung der neuen Saison. Somit hat der Reboot bei mir noch nicht viel Positives ergeben. Hoffentlich stehe ich mit diesem Gefühl alleine und der Start der neuen Saison bringt einen tollen, offensiven, kampfbetonten Fußball mit tollen Spielen. Mit Karlsruhe haben wir ja sogar wieder ein “altes Derby”. Das dürfte zumindest der Stimmung etwas gut tun. Darüber hinaus mit Düsseldorf auch wieder einen Verein mit Fans die Stimmung machen. Das werden sicherlich die Highlights der Saison. Über den Rest legen wir einfach mal den Mantel der Verschwiegenheit.

In diesem Sinne - Lasset die Spiele beginnen.

 

Fotoquelle: Der Betze brennt

Jochen Grotepass

- Vorstandsmitglied "Perspektive FCK"
- Mitglied IG "Unsere Kurve"
- gewähltes Mitglied im Satzungsausschuss des 1. FC Kaiserslautern e.V.
- Allesfahrer

3 Kommentare

  • Kommentar-Link Schorsch Dienstag, 02 Juli 2013 02:32 gepostet von Schorsch

    Bin auch dafür das man Atze oder Jäggi wieder holen soll, die hatten wenigstens Stars geholt. So wie den Afrikaner mit den roten Zöpfen oder schnelle Belgier, wo sogar Sportschaureporter von schwärmten.

  • Kommentar-Link Jochen Grotepass Dienstag, 02 Juli 2013 10:02 gepostet von Jochen Grotepass

    @Schorsch
    Solche Kommentare sind immer wieder erfrischend und zeigen deutlich, dass eine kritische Sichtweise durchaus angebracht ist.

  • Kommentar-Link M@c41 Mittwoch, 10 Juli 2013 13:23 gepostet von M@c41

    Hoffentlich stehe ich mit diesem Gefühl alleine...
    Nee, alleine stehst du nicht!
    Schön auch mal eine etwas distanziertere und auch "nüchterne" Einschätzung zu lesen.
    Diese "...wie sind wir ach so toll aufgestellt und Alles wird gut Erwartung", die nun schon seit dem Wiederaufstieg vor dem letzten Abstieg jedes Jahr aufs neue kolportiert wird, geht mir auf den Sack.
    Es wird langsam Zeit, daß auch geliefert wird!

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