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Sonntag, 03 Februar 2013 16:39

Lieber ein grauer Schleier vor Augen, als eine Praline in der Hand.

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Was war denn das? Wirklich jetzt eine Überraschung, oder nur die Bestätigung der negativen Erwartung? Der HSV bleibt die Pralinenpackung im Sinne von Forrest Gump: Verarschung ist das halbe Leben! Nasser Arsch und kein Spaß dabei!

Was musste man schon alles in seinem Fitnessclub ertragen. Das Spielermaterial des Stadtteilvereines war zugegebener Weise die Krönung der Zumutung, aber, das Duschen mit Boll und Konsorten hatte ein Ende, als man beim Stadtteilverein auf den Trichter kam, ein anderes Sportstudio der Stadt zu nutzen.

Heute Morgen dann war ich früh an den Geräten, um mir den Frust und die Fassungslosigkeit über die gestrige Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt aus den müden Knochen zu hanteln. Trotz meines „ich-will-nicht-darüber-sprechen“ Gesichts, kam Klaus angewackelt, seines Zeichens ein Turnkumpel von meinem Vater und ehedem Oberliga-Torhüter bei Phönix Lübeck. Wir philosophierten über das gestrige Spiel, welches Klaus natürlich nicht gesehen hatte, aber dennoch eine eigentümlich kompetente Meinung darüber verfassen konnte.

Schnell erlangten wir Einigkeit darüber, dass der HSV ohne ein abgestimmtes System zu spielen scheint, wohingegen die Frankfurter ihre Angriffsbemühungen sehr fleißig strukturiert vorgetragen haben. Auch die Verteidigungsarbeit der Frankfurter konnte man als fleißig vorgetragen bezeichnen. Das klingt jetzt etwas herablassend, aber, wenn man solch schlichter Taktik nichts wirksames entgegenzusetzen hat, kann man der eigenen Leistung, ohne Wenn und Aber, eine schlichte „6 ohne Setzen“ testieren.

Vor dem Spiel war schon alles klar. Alle Leute, die man traf und mit denen man sprach, übten sich in einer pessimistischen Perspektive. Die meisten mehr zum Ulk, die wenigen Wissenden aber mit einem toternsten Ton der Überzeugung. Jedes Mal, wenn der Spieltag für uns wie gemalt da liegt und wir alle Möglichkeiten haben, endlich mal wieder einen entscheidenden Schritt zur ernsthaften Manifestierung unserer eigenen Ansprüche zu machen, klatschen wir formidabel auf die Fresse.

Einem absolut durchschnittlichen Übungsleiter wie dem Herrn Veh gelingt es, eine ebenso durchschnittlich Ansammlung von Spielermaterial zu einer funktionierenden Mannschaft zu formen. Und Ei der Daus, ein Herr Lakic kann blöd rumstehen und den einen oder anderen Ball per Kopf in Richtung Tor dirigieren.

Ich gehe ja schon lange nicht mehr zum Fußball, um Spaß zu haben, oder um mich an den Freuden des sozialisierenden Gruppenerlebnisses zu ergötzen. Nein, man sucht ab und zu auch den Mehrwert in der Taktikanalyse, man zwingt sich also selber, das Spiel zu lesen. Beim HSV hat man leider in letzter Zeit zu häufig das Gefühl, dass man sich ein Stück großer Ferkelwemser Literatur à la Shades of Grey erhofft, am Ende steht man aber nur mit einer abgegriffenen 80er Jahre Ausgabe der Erotikzeitschrift „Praline“ da.

Normalerweise werden mein Vater und ich um unsere Sitzplätze von der Urlaubsvertretung beneidet. Die Reihe 10 im Block 22b, im Stadioneck, direkt über der Uhr bietet eine erstklassige Sicht auf das Spiel. Gerade die erste Halbzeit, in der der HSV traditionell auf die Südtribüne spielt, eröffnet einen dreidimensionalen Blick auf die Abwehrleistung unserer Truppe. Gestern wurde wieder deutlich, dass der Gast den allgemeinen Schnittmusterbogen der Gastmannschaften m Volkspark ausgepackt hatte.

Zum x-ten Male in dieser Saison, sah man einen Gegner, der seine Angriffsbemühungen auf seine linke Angriffsseite projizierte. Wir verlagerten willenlos auf unsere rechte Abwehrseite und dank der Hüftsteifheit unser linken Abwehrseite, war es für den Gegner ein Leichtes, auf seine rechte Angriffsseite zu verlagern, um dann unglaublich konfuse Verschiebungsbemühungen von uns zu sehen, die man ohne große Mühen ausnutzen konnte. Sporadisch rückte Aogo wieder ins linke Mittelfeld, um den Grand Canyon zwischen Jansen und Son zu schließen, was aber auch wiederum das Mittelfeld statischer und noch ausrechenbarer machte.

Ein zynischer Gedanke kam mir noch. Vielleicht ist das geschlossene Transferfenster eine teilweise Begründung für die kollektive Minderleistung der Truppe gestern. Jetzt müssen alle miteinander Ausharren, bis zum Ende der Saison. OK, Geld kommt, dann kann man sich ja mal umtun. Das Gefühl hatte ich zumindest ein wenig gestern Abend. Neben dem nassen Arsch, den ich hatte. Vaddern stellte fest, dass die Sitzkissen wohl nicht komplett durchgetrocknet waren, nachdem er meins von der Kakaoorgie der letzten Woche gereinigt hatte. Wenigstens hatte er auch sein Sitzkissen ebenfalls gereinigt und litt nun mit.

Mit Klaus und seiner Oberliga Karriere hat man nun auch eine direkte Analogie zu einem seiner damaligen Gegenspieler, Uwe Seeler. Sportidol, Vereinsikone und mittlerweile nicht mehr so gerne gesehener Dummschwafler.

In der heutigen Ausgabe der Hamburger Morgenpost „rechnet er mit seinem HSV ab“. Mal abgesehen davon, dass Herr Seeler froh sein kann, dass man beim HSV ihm nicht einmal eine (durchaus fällige) Rechnung präsentiert hat, sondern ihm lange Zeit Denkmäler gebaut hat, ist die (von Uwe Seeler) medial geführte Auseinandersetzung um die Vertragsverhandlungen des HSV mit seinen Enkel Levin Öztunali, für viele HSVer ein weiterer Negativaspekt im öffentlichen Auftreten von Uwe Seeler. Ebenso der Umstand, dass Herr Seeler seine Abrechnung über eine Hamburger Zeitung verkündet, die höflich ausgedrückt, dem Stadtteilverein mehr zugetan ist, passt sie in das Medienbild, dass Herr Seeler in den letzten Jahren vermittelt hat: in so manches Mikrofon wurde so mancher Mist unaufgefordert gesprochen. Auch in Geldfragen war sich Herr Seeler nicht zu schade, Werbung für ein Geldinstitut zu machen, welches zum Sponsorenkreis des Stadtteilvereines gehört. Das hat bestimmt dem konkurrierenden Geldinstitut gefallen, welches zum Sponsorenkreise seines HSV gehört. Ach ja, es ist ja nicht mehr Ihr HSV, Herr Seeler. Ich kann Ihnen aber im Gegenzug versichern, dass Sie auch schon lange nicht mehr „Uns Uwe“ sind.

Ich bin ja nun wirklich kein romantischer Fußballfan und habe schon verstanden, dass es auch für junge Spieler ums berufliche Fortkommen geht. Und jeder soll sich um die Perspektive bemühen, von der er überzeugt ist, dass sie die richtige für einen selbst ist. Ich verstehe in diesem Zusammenhang aber nicht, wie es angehen kann, dass der Vater von Levin Öztunali (OK, Erziehungsberechtigter hin oder her) gleichzeitig Berater und angestellter Jugendscout beim HSV sein kann.

Genauso verstehe ich es nicht, dass Uwe Seeler sich in der vorletzten Woche noch dahingehend geäußert hat, sich aus der Vertragsverhandlungsgeschichte rauszuhalten, im nächsten Atemzug aber in der Presse rumplärrt.

Und wieder einmal ist eindrucksvoll belegt worden, dass der HSV der dämlichste, aufregendste, coolste und geilste Verein der Welt ist.

Und nächsten Samstag sind wir wieder dran und schlagen Dortmund.

Man muss das Spiel nur lesen wollen!

1 Kommentar

  • Kommentar-Link Susanna Freitag, 29 März 2013 22:19 gepostet von Susanna

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