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Montag, 18 Januar 2016 20:11

Kartoffelsalat, Visionen und früher war der HSV mehr Discokugel

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Ein knappes Jahr des kompletten Wahnsinns liegt hinter uns Anhängern des HSV. Egal, ob man nun Fan, Mitglied oder nur ein wohlmeinender Fußballfreund ist, wir sind froh, dass wir dieses Jahr in dieser Form überstanden haben. Wenn man ehrlich ist und in der Nachbetrachtung, blickt man auf ein Jahr zurück, dass man nicht ein zweites Mal erleben möchte und ich als solch wohlmeinender Fußballfreund gegenüber anderen Clubs, wünsche so einen Irrsinn auch keinem anderen Verein und seinen Fans an den Hals. Anderseits war man auch irgendwie Teil dieser unglaublichen Geschichte, was meinem persönlichen Verhältnis zum HSV und den Anhängern zuträglich gewesen ist. Es hat mich und viele HSV-Freunde in unserem Selbstverständnis gefestigt. Man durfte im Verlauf auch gerade des vergangenen Sommers erkennen, wo Schleimer, Heuchler und Hyänen sitzen. Das ist eine sehr befreiende Erkenntnis.

HONDO1Kartoffelsalat und VisionenMein Unwohlsein begann eigentlich fast genau vor einem Jahr, bei der ordentlichen Mitgliederversammlung im Congress Centrum zu Hamburg, wo die Mitgliedschaft die ersten notwendigen Maßnahmen beschloss, um den Hamburger-Sportverein e.V. personell und funktionell so aufzustellen, dass die im Sommer 2014 beschlossene Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung in die HSV AG technisch abgerundet werden sollte. Der Umbauprozess des maroden „alten“ HSV sollte eingeleitet werden und es lag zwar alles da wie ein offenes Buch, nur hatte ich bis zum vergangenen Sonntag das bestimmte Gefühl, dass es viele Anhänger des HSV gibt, die den Ernst der Lage aus dem Geschäftsjahr 2013/2014 und die Tragweite bis in die mittelbare Zukunft, nicht begriffen haben bzw. begreifen wollten.

Im Januar 2015 wurden wir mit besten Nachrichten überhäuft: der Gönner Klaus-Michael Kühne ermöglichte dem HSV und seinen Anhängern, dass das Stadion wieder Volksparkstadion heißt und der Club trotzdem keinen finanziellen Schaden durch diesem „werbefreien“ Namen nimmt. Ein weiterer HSV Gönner und großer hanseatischer Mäzen, Alexander Otto, stellte dem Club eine beträchtliche Geldsumme zur Verfügung, damit die Errichtung des HSV Campus, dem Jugendinternat am Volksparkstadion, endlich konkret in die Wege geleitet werden kann. Der „alte“ HSV hat das dafür von den Anhängern per Anleihe aufgebrachte Geld direkt für „andere Dinge“ verbraten.

Die sportliche Situation war zur Halbserie jenseits von Trudeln, wir befanden uns bereits im Sturzflug und eigentümlicherweise gelang es dem Torso von Mannschaft, im allerletzten Moment den Relegationsplatz einzunehmen. Zu den Spielen gegen den KSC gibt ehrlicherweise nichts Objektives von meiner Seite zu sagen. Außer vielleicht, dass der KSC es im Hinspiel in den eigenen Händen hatte, das Thema für sich vorzeitig zu entscheiden. Es konnte ja bis dahin keiner ahnen, dass sich dann der fußballerische Schöngeist Marcelo Diaz, ähnlich wie Felix Magath, in das kollektive Gedächtnis der HSV Anhänger einfräsen wird. Der Wahnsinn wir dann komplettiert, wenn man Stand Januar 2016 weiß, dass der HSV nicht nur Marcelo Diaz in Richtung Celta Vigo abgegeben hat, sondern auch Zoltan Stieber, den maßgebliche Vorbereiter des 1:2, in Richtung Nürnberg auf Nimmerwiedersehen ausgeliehen hat.

Für mich war das Drumherum um die vergangene Saison geprägt von unglaublichem Gelaber der Leute, die im Nachklapp der Ausgliederung wohl meinten, irgendwie zu kurz gekommen zu sein. Möchtegern-Journalisten hetschen bis heute als Schreibtischtäter gegen das aktuelle Präsidium und den Aufsichtsrat, genudelt mit wichtigtuerischen Pseudo-Informationen ehemaliger Betreiber der Ausgliederungsbemühungen. Der Sommer war geprägt von einem fröhlichen Draufschlagen auf einen immer noch angeschlagenen HSV. Jeder Pfeife bei dem auch noch so allerletzten Medium, meinte es sei ungeheuer angesagt, talentfreie Witze über den HSV machen zu müssen. Höhepunkte waren die „Rucksack-Affäre“ und die armselige Kolportage über das eigentlich sehr traurige Familliendrama im Hause Artjoms Rudnevs. Wie wirklich erschütternd trist die Hamburger Medien agierten, durfte ich persönlich im Twitter-Dialog mit dem Sport-Chefradakteur der Hamburger Morgenpost, Matthias Linnenbrügger, erfahren: als die komplette Tragweite der Rudnevs-Geschichte publik wurde, weil der HSV und der Spieler zum Selbstschutz beschlossen hatten, eine aufklärende Presseerklärung zu veröffentlichen, stellte sich der Herr Linnenbrügger eigentümlicherweise einigen zu recht empörten HSV-Twitterern und rechtfertigte sich mit einer Argumentation, die fassungslos machte: man habe schließlich nur bei der B**d abgeschrieben…

Mein persönliches Schweigen hier als Blogger war dem Umstand geschuldet, dass die Situation allgemein sehr auslaugend war und zusätzlich es viele Interessen gab, den Club zu schädigen. So wurde ich beispielsweise kontaktiert, ob ich nicht mal was über eine interessante Geschichte über Spieler xyz fallen lassen möchte. Facebook- und Twitter-Fake-Accounts machen so etwas möglich.

Anderseits gibt es glücklicherweise in dieser Stadt sehr viel loyale HSVer, die wissen, wann es richtig ist die Fresse zu halten, bzw. ein Gespür dafür haben, wenn Vertreter der Presse versuchen, unglückliche Spieler in die Pfanne zuhauen.

HONDO2DiscokugelAm Sonntag war wieder eine ordentliche Mitgliederversammlung (MV) des HSV e.V., der Zuspruch war sehr ernüchternd, so waren zur Spitze nur 334 Mitglieder anwesend, obwohl die behandelten Themen sehr wichtig und interessant gewesen sind.

Es scheint in der Tat so zu sein, dass die Mehrheit, die nur für Fußball da ist, mit der Delegierung des Fußballgeschäfts zufrieden ist. Ebenso scheint es so zu sein, dass es den ehedem „engagierten“ Mitgliedern offenkundig scheißegal ist, was der vorher immer auf das Schild gehobene Universalsportverein nun treibt. Ebenso frage ich mich immer wieder, wie bei aktuell 6.000 aktiv sporttreibenden Mitgliedern, eine solch geringe Beteiligung zustande kommt. Egal, ich bin auch nur wegen Fußball da.

Erkenntnisse der MV: der finanzielle Umbau der AG ist im vollen Gange, die 16,9 Millionen Euro Verlust sind nicht rein monetärer Verlust, sondern auch zu unbekanntem Umfang gespeist aus der Neubewertung des Spielerkaders und der damit verbundenen Korrektur der Abschreibungen. Die Bankschulden konnten auf 23 Millionen Euro reduziert werden.

Der HSV e.V. trägt aber auch Beschädigungen aus der Vergangenheit mit sich. Das aktuell betrachtete Geschäftsjahr 2014/2015, also das Jahr des Umbaus, bzw. der Diversifizierung in AG und e.V., lieferte „unbekannte“ Verbindlichkeiten in der Höhe von 200.000 Euro, was den eigentlich (sehr) positiven Abschluss auf bummelige 180.000 Euro schmälerte. Ein konkretes Minus wurde dadurch generiert, dass eine Betriebsprüfung für die Geschäftsjahre 2009-2013 anhängig ist und im e.V. anteilige Rückstellungen (360.000 Euro) für ggf. wirksam werdende Steuernachforderungen mit sich zieht.

Als allgemeines Fazit kann man das einleitenden Wort des Rechnungsprüfers des HSV, Klaus Manal zu seinem Bericht sehen: es gibt Mitglieder, die akzeptieren und begreifen sollten, auf was für einer Veranstaltung sie eigentlich sind. Es ist die Mitgliederversammlung des HSV e.V.


Meine persönliche Ergänzung dazu:

Und kein gehobener Fussballstammtisch für die notorischen Laberfürsten des „alten“ HSV.

Einen konkreten und konstruktiven Beschluss hat es auch gegeben. Die Satzung wurde in weiten Teilen modifiziert, weil es mit der Ausgliederung zu formalen Unstimmigkeiten gekommen ist, die es zu korrigieren galt. Bei der MV im Januar 2014 wurde die Gründung einer Satzungskommission beschlossen, die gremienübergreifend eine modifizierte Satzung ausarbeiten sollte. Das ist im Konsens geschehen und somit war es im Januar 2016 der Mitgliedschaft möglich, dieses Thema mit der erforderlichen ¾ Mehrheit vertrauensvoll zu beschließen.

 

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