Eine oft gestellte Frage unter Duisburgern, meist während 9000 verzweifelte Zuschauer mit ihren Händen über dem Kopf zusammengeschlagen im weiten, leeren Rund des neuen Wedaustadion stehen, lautet: „Warum tun wir uns das an?“ Genauso oft lautet die Antwort: „Ich weiß es auch nicht, aber ich muss.“ Es sucht sich ja auch keiner aus, und wenn, dann landet keiner hier beim MSV. Mein Vater hat mich mit 7 Jahren das erste Mal mitgenommen, ob es auf eigenen Wunsch war weiß ich auch nicht mehr. Wahrscheinlich nicht, aber ich bin doch froh ein Duisburger zu sein, begründen kann ich es nur mit der Liebe zu meinem Verein und der Verbindung zu meiner Stadt.
Es fing ganz unscheinbar an, als ich 2005 mein erstes Spiel miterlebte. Direkt auf dem Stehplatz. Und sofort war ich wie gefangen in dieser unbeschreiblichen Atmosphäre. Wer sich noch dran erinnern kann, wie sein erstes Spiel war, weiß bestimmt was ich meine. Ich war vom Zebra-Twist vor dem Spiel begeistert, wedelte überschwänglich meinen Schal, und die erfahrenen alten Hasen lachten, als ich ihnen den Schal ins Gesicht wedelte, beim Einlauf allerdings nicht mehr. Ab diesen Momenten war ich gefesselt, an diesen unbeschreiblich nervigen, tollen, komischen Verein, der einen einfach nicht mehr los lässt. Und ein jeder MSV Fan der sich finden lässt wird nicht sagen, er liebt diesen Verein weil der so toll ist oder so schön oder so erfolgreich. Man muss einfach die Liebe zu diesem spüren, auch wenn es kitschig klingen mag.
Verschiedenen Eskapaden mit gewissen Bauunternehmern und darin involvierten Personen ist es zu verdanken, dass der MSV gerade dort rumdümpelt wo er ist. Im tiefsten Sumpf der 2.Liga, mit einem Berg von Schulden. Nebenbei lässt sich der Verursacher regelmäßig als Retter feiern, was wohl den meisten Fans wie ein Stich in die Magengrube erscheint, aber das ist eine andere Geschichte. 2 mehr als erfolgslose Ausflüge in Liga 1 habe ich miterlebt, in denen wohl jeder Duisburger etwas an Größenwahn litt, aber irgendwann muss man ja auch mal positive Gefühle herauslassen können, und dann neigt man auch mal nach 4 Punkten aus 2 Spielen an Europa zu glauben, ansonsten gab es höchstens Zweitligamittelmaß, und auch das Image von Duisburg hilft nicht über das des Vereins, und zwar das einer grauen Maus hinweg. Ich könnte ein ganzes Buch damit füllen, mit den Versuchen einer Beschreibung, wie es ist MSV-Fan zu sein, aber das können und wollen sicherlich die Meisten hier nicht lesen, man kann es, wenn mal mit einem lästigen Kaugummifleck vergleichen, den man sich, aus welchen Gründen auch immer, irgendwo hingeklebt hat und ihn nicht wieder los wird. Wenig liebevoll, aber irgendwo ist der Verein so zu beschreiben. Etwas sarkastisch und übertrieben mag es erscheinen, aber es gibt keine für die Allgemeinheit logischen Gründe zur Erklärung.
Und wie geht man als Fan, oder in meinem Fall als Jugendlicher mit so etwas um? Die Allermeisten in meinem Alter wissen nicht was Fanliebe bedeutet, und machen sich darüber lustig, aber mir ist auch das egal, so wie das Graue-Maus Image des Vereins, all das macht einen doch nur noch stolzer. Die Liebe zu meinem Verein, niemand kann sie mir nehmen. Der MSV ist ein großer Teil meines Lebens, er bestimmt meine Wochenenden, meinen Lifestyle, in die Schule gehe ich nie ohne meine Mütze und oft trage ich verschiedene MSV-Pullis, Schals oder Jacken. Da kann ich auf Hollister gut verzichten. Natürlich wünsche ich mir ein besseres Image und 1. Liga, aber all das steht nach der Liebe zum MSV. Mal nebenbei, mir ist es ganz natürlich nicht egal in welcher Liga der MSV spielt, der Unterschied ist, ich werde da sein, egal in welche Liga es geht.
Man liebt den Verein, oder man will nichts mit ihm zu tun haben, aber die Bekloppten, die jedes Spiel kommen, Sonntags um 2 Uhr Nachts aufstehen um nach Sandhausen zu fahren, die sind füreinander da und stehen bedingungslos zu diesem Verein, egal ob es dadurch gelebt wird meckernd und biertrinkend im Stadion zu stehen, oder den Verein bis zur 90. Minute zu unterstützen bzw. ihm seine Liebe durch die blau-weiß wehenden Fahnen und leidenschaftlichen Gesängen zu zeigen. Wenn es den blau-weißen Seelen manchmal einfach zu viel wird, die lustlosen Kicker auf dem Rasen zu sehen, die sich einen Dreck um den Verein und seine Zukunft oder Tradition scheren, flüchtet man sich hier auch mal gerne in starken Sarkasmus, was auch mal dahin führen kann, dass man die letzten 20 Minuten eines Spiels eine gelbe Maskottchen-Ente die zu guten Zwecken im Stadion war zu supporten und mit ihr eine Laola-Welle zu machen. All das spiegelt wohl die Liebe und bedingungslose Zuneigung zu diesem Verein wieder, auch wenn es die meisten wohl niemals nachvollziehen können. Wenn man auch diese Aussagen über den eigenen Verein zu hören bekommt, jeder MSV Fan, egal ob Ultra, Familien-Block oder Sitzplatz-Fan, ob einfach nur Stehplatz-Liebhaber oder Oberrang-Supporter, jeder wird sagen: „Ich bin stolz ein Zebra zu sein!“
Tim Wagner
