Aue – Meidericher SV: Tote Hose im Erzgebirge
geschrieben von Tim Wagner in Hier beim MSVWieder stand für den MSV nicht gerade ein fußballerischer Leckerbissen auf dem Programm, aber was soll’s. Steht man halt mal für ein Spiel in Aue früh, früh will heißen um halb 3 morgens, auf um gegen 3 Uhr mit dem Bus Richtung Sachsen zu fahren. Ungefähr 8 Stunden Fahrt durch verschiedenste und verlassen wirkende Dörfer verschlief ein großer Teil der Busbesatzung, um spätestens bei der Ankunft, nachdem man noch ein gutes Stück von der Polizei begleitet wurde (Risikospiel oder so) festzustellen: Ist das ein scheiß Wetter. Wo sind wir überhaupt?
Bei klirrender Kälte und Nieselregen ging es schon 2 Stunden vor Anpfiff in’s noch verlassene Erzgebirgsstadion, wo der Gästeblock erstmal ansehnlich mit diversen Zaunfahnen bestückt wurde. Schön sah’s aus! Die 2 Stunden bis zum Anpfiff wurden mit leckeren Nudeltöpfen und ein bisschen Fahnenschwenken überbrückt, dann ging es endlich los. Endlich? So spannend versprach das Spiel nicht zu werden, und auch das Wetter ist bis zum Anpfiff nicht besser geworden, aber immerhin gab es die Aussicht auf die letzten Punkte im Kampf gegen den Klassenerhalt. Die ca. 300 Duisburger waren über den relativ großen Gästeblock relativ verstreut, aber es bildete sich dennoch ein Stimmungskern in der Mitte des Blocks. Stimmung – über weite Teile des Spiels nicht herausragend, nur ab und zu einige Ausreißer nach oben. Passend dazu bot die Mannschaft den mitgereisten Duisburgern aber auch absolute Magerkost. Angriff fand so gut wie gar nicht statt und auch die Abwehr wirkte hier und da etwas löchrig, irgendwie schien die Luft nach den letzten Spielen raus. Immerhin blieb es beim 0:0, wenn auch sehr glücklich, konnten die Zebras doch froh sein, dass Aue das ein oder andere Mal vor dem Tor etwas versagte.
Der Auer Stimmungskern rund um die „Erzgebirgade“ hatte heute nicht den besten Tag erwischt. Vielleicht ist das auch der Normalzustand, vernehmen konnte man sie jedoch nur, wenn auch dann deutlich, bei den „Wismut – Aue“ Echos und „Steht auf wenn ihr Auer seid“, ansonsten blieben sie ziemlich blass und stellten nichts Besonderes da. Jedenfalls kein Grund, sich auf das nächste Gastspiel im Erzgebirge zu freuen.
Nachdem die zweite Halbzeit spielerisch der ersten glich, die Stimmung zwar ganz ok war, der größte Teil der mitgereisten Duisburger sich aber nicht zum supporten überzeugen ließ, war der Gästeanhang über den einen Punkt doch ziemlich froh, die Serie von ungeschlagenen Spielen, mittlerweile sind es 6 Stück, hält weiter bestand. So verabschiedete man sich mit einem „Und schon wieder nicht verloren – MSV“ von der Mannschaft und zurück in die Busse.
Da ich den Nudelkopf nicht probiert hatte, gab es nichts was mich hier halten würde. Aue – eine Auswärtsfahrt die ich im nächsten Jahr lieber gegen Münster oder Bielefeld eintauschen würde. Es folgte eine lustige und unterhaltsame Rückfahrt, während der man auch noch den Sieg der Augsburger und wichtiger, die Niederlage unserer Nachbarn aus Düsseldorf bejubeln konnte. Nächste Saison, nachdem man Köln schon erfolgreich in den Aufstiegskampf pfuschen konnte, noch ein Derby mehr? Wäre doch geil. Wenn man schon nicht selber gewinnt..
Ein einstelliger Tabellenplatz ist für den MSV zwar noch möglich, scheint aber nach diesem Spiel wieder etwas weiter in der Ferne. Punktemäßig nicht, auch der nächste Gegner scheint schlagbar. St. Pauli ist am Sonntag an der Wedau zu Gast, ein Sieg wäre schön, um den Klassenerhalt wirklich endgültig unter Dach und Fach zu bringen, aber nach den anstrengenden letzten Spielen ist es verständlich, wenn es nicht mehr zu Höchstleistungen reicht.
Auf in die Provinz oder... Auswärtssieg in Ingolstadt!
geschrieben von Tim Wagner in Hier beim MSVIngolstadt gegen den MSV Duisburg. Klingt nicht sonderlich spektakulär, weder für uns Duisburger, noch für irgendeinen anderen. Letztendlich waren ca. 400 Bekloppte im Gästeblock vom „Audi Sportpark“ zu finden, die ihren Verein unterstützen wollten. Mehr oder weniger. Aber dazu später mehr.
Da Ferien sind, war ich bei Bekannten zu Besuch und reiste von dort aus nach Ingolstadt an und traf mich im Stadion mit meinen Leuten. Vor dem Stadion ein ziemlich..nun ja, komisches Ereignis. Auf dem Weg zum Gästeblock liefen wir an einem Kleinbus vorbei, aus dem mehrere Mitglieder einer in der Duisburger Fanszene bekannten Gruppe sprangen, und anfingen eine Parole gegen eine andere Duisburger Gruppe zu grölen. Lautstark. Hallo? Was soll das? Muss ich jetzt nicht verstehen, und ich werde dazu auch keinen weiteren Kommentar abgeben, zumal man es auch schon gewohnt ist in unserer Fanszene, aber das muss nun wirklich nicht sein. Ein ziemlich unspektakuläres Bild gab das Stadion selber ab, der Ingolstädter Stehplatz ziemlich leer, Dauerbeschallung mit Werbung aus den vielen Lautsprechern inklusive. Ungefähr 5000 Zuschauer waren insgesamt da, aber gerade ich als Duisburger darf mich über niedrige Zuschauerzahlen nicht beschweren. Obwohl beschweren darf ich mich, aber lästern nicht, schließlich verirren sich in Duisburg auch nur durchschnittlich 11000 Duisburger ins Stadion. 400 Duisburger an einem Samstag in den Ferien waren nicht unbedingt viel, aber dennoch zufriedenstellend. Noch zufriedenstellender allerdings das Zaunfahnenbild rund um den Gästeblock. Schön anzusehen wie immer mehr Zaunfahnen auch auswärts ihren Platz finden. Man könnte sogar sagen, auswärts gibt es mehr MSV-Zaunfahnen zu bestaunen als im Wedaustadion, da es im Wedaustadion ein altbekanntes Problem mit den Zaunfahnen gibt, denn wenn man sie am Oberrang auffhängt überdeckt sie die Werbung von König Pilsener für die „König Pilsener Fankurve“. Fankurve. Kein Kommentar. Nun aber wieder nach Ingolstadt. Es waren sogar so viele Fahnen, dass einigen Gruppen Zaunfahnenplätze fehlten. Wer zuerst kommt malt zuerst...
Dann ging das Spiel endlich los, der Gästeanhang war von Anfang an ziemlich gut aufgelegt, die Stimmung dementsprechend ziemlich gut und lauter als der kleine Kreis der supportenden Ingolstädter. Dennoch Respekt an diese Leute die versuchen, in dieser Fanszene überhaupt etwas zu bewegen, auch wenn ich sie nicht mehr als ein, zwei Mal vernehmen konnte. Auch die Mannschaft spielte gut auf, griff früh an und kämpfte. Ja, so möchte ich das auch sehen. In der 18. Minute fiel verdienterweise auch das 1:0 für meine Zebras. Technisch fein gemachtes Tor vom früheren Düsseldorfer Jovanovic. Na, möchte jetzt nochmal jemand „Scheiß Fortuna Düsseldorf....“ singen sobald er eingewechselt wird oder an den Ball kommt? Wohl eher nicht. Alles schon vorgekommen in dieser Saison. Wo ich gerade am meckern bin, auch dieses Spiel gab es im Gästeblock einige wenige Gruppen, die sich offensichtlich in den Kopf gesetzt haben jegliche Gesänge zu boykottieren. Habe ich nicht gerade noch gesagt die Stimmung war gut? War sie auch! Bis auf disen Teil war die Mitmachquote gut und Mitte der 1. Halbzeit schepperte jedes Lied ganz ordentlich, passend zum Spiel des MSV. Kampfbetont und bissig. Jawoll! Mit der Führung ging es in die Halbzeit und anschließend in den 2. Durchgang. Der MSV blieb weiter am Drücker und hielt verdient das 1:0, bis die rote Karte für Ingolstadt kam. Ich muss sagen, ich habe gar nicht genau mitbekommen wofür der Ingolstädter diese Karte bekommen hat (in der Zusammenfassung erfuhr ich, wegen einem Ellbogencheck), ich freute mich natürlich aber trotzdem. „Jetzt müssen wir den Sieg doch in der Tasche haben..“, dachte ich mir. Hm.. Mit der zahlenmäßigen Überlegenheit der Zebras schwand ihre Überlegenheit. Das Spiel wurde aus Duisburger Sicht deutlich defensiver, Ingolstadt konnte sich mehr und mehr Chancen erspielen, es wurde nochmal ziemlich spannend. Dementsprechend erlösend der Abfiff. Was ein geiler Sieg!
Endlich ist mein MSV nicht mehr im Tabellenkeller und wird von überall plattgetreten! Das ist ein befreiendes Gefühl, nach dieser anstrengenden Hinrunde! Danke Jungs, ihr habt euch so gewandelt. Ihr seid zu einer Einheit geworden, die kämpft und zueinander steht! Es geht bergauf. Endlich macht es wieder Spaß ins Stadion zu gehen und euren Fußball zu sehen. Der Klassenerhalt ist nicht sicher, aber ich bin optimistisch wie lange nicht mehr. Die Mannschaft wurde jubelnd empfangen, es gab eine Laola-Welle und danach trat man die entspannte Rückfahrt an.
AUSWÄRTSSIEG!
MSV-FCK:Wenn man schon keine Tore schießt…
geschrieben von Tim Wagner in Hier beim MSV…freut man sich über andere Sachen so, als wäre es ein Tor. Es war die 65. Minute, als Kaiserslauterns Idrissou die gelb-rote Karte sah (welch ein Wunder.. dazu später mehr) auf den Rängen jubelte man so ausgiebig und schadenfroh, dass man fast glauben könnte, es wäre ein Tor gefallen. Fast ungläubig schauten einige sich um, als blau-weißes Konfetti vom Oberrang herab fiel und plötzlich das ganze Stadion stand und aus vollem Halse „Auf Wiederseeeehn, auf Wiederseeeeehn“ rief. Verrückt an der Sache ist, es gab wirklich Personen die glaubten, es wäre ein Tor gefallen. So meine Mutter, die während dieser Szene am Stadion vorbei fuhr und nur den Jubel hörte. Passanten auf der Straße bestätigten sogar auf Nachfrage noch, dass es 1:0 stehe. Tatsächlich blieb es aber beim 0:0, aber man schöpfte wieder Hoffung. Auf einen Punktgewinn im Abstiegskampf wohlgemerkt. Die Ansprüche hier in Duisburg haben sich schon verändert, mittlerweile ist man auf den langwierigen und zähen Abstiegskampf eingestellt.
Optimismus sieht anders aus, aber als die Sonne aus den dicken Wolken hervor kroch und auf die nicht ganz ausverkaufte Nordkurve schien, machte sich doch etwas wie Vorfreude bei einigen breit. Die ersten Gesänge wurden angestimmt, tatsächlich freute wir uns auf den Beginn des Spiels. Eine schöne Choreo zum Einlauf und es ging los. Im Gegensatz zum Spiel gegen 1860 München war die Stimmung von Anfang an deutlich besser. Nicht besser hingegen waren altbekannte Probleme. Zum einen der Schiedsrichter, der dem MSV einen klaren Elfmeter verwehrte und zahlreiche kleine Fouls gegen uns übersah, was auf den Rängen mehrmals für „Schieber, Schieber“ Rufe sorgte, und zum anderen die Abschlussswäche meiner Zebras. Obwohl, als Abschlussschwäche kann man das vielleicht nicht bezeichnen, da es gar keine Abschluss gibt. Mehrere Male konterten der MSV und es ergaben sich diverse Möglichkeiten für den Spieler den Ball aufs Tor zu bringen: Entweder, ein direkter Abschluss. Aber die Hoffung auf so einen hat man in Duisburg schon lange aufgegeben. Mittlerweile glaube ich, sie schießen nicht, weil sie es einfach nicht können. Gar nicht. Die zweite Möglichkeit war, einen anderen Spieler mit einem steilen Pass zu schicken, aber man spielte lieber dahin, wo es eigentlich ungünstig war.
Aber was fast immer behielt derjenige Spieler einfach den Ball. Lief einmal nach rechts, wieder gerade aus und..verlor dann den Ball. Chance vertan. Wenn man wenigstens einmal versuchen würde zu schießen..
Nach der nach wie vor umstrittenen roten Karte für Sukalo (Angeblich eine Tätlichkeit, aber warum gibt es dann nur ein Spiel Sperre?) gaben wir und viele andere im Block die Hoffnung auf einen Punktgewinn schon auf. Kollektives Aufatmen, als es mit einem 0:0 in die Pause ging. Fairerweise muss ich aber sagen, dass sowohl in der ersten Halbzeit als auch in der zweiten Halbzeit der Kampfgeist endlich mal wieder stimmte.
Hitzig wurde das Spiel nach der roten Karte für Kaiserslautern, deren Anhang recht zahlreich erschienen war und dessen Gesänge man doch einige Male gut auf unserer Seite des Stadions vernehmen konnte. Die Spieler gerieten öfters aneinander, die Nordkurve hoffte wieder auf den Punktgewinn. Die Stimmung kochte. „Wer ist der Schreck vom Niederrhein?“ beeindruckte wohl auch die Lauterer und das ganze Stadion sang. Sowohl nach und auch vor dieser Hochphase war die Stimmung auch gut, vor allem der Stimmungsblock war während der ganzen 90 Minuten in guter Verfassung. Nach Abpfiff waren wir sowohl mit unserem Auftritt auf den Rängen als auch mit dem der Spieler auf dem Rasen zufrieden. 0:0 gegen den Dritten, lange in Unterzahl aber trotzdem gekämpft. Das wollen wir in Duisburg sehen.
Nächsten Freitag geht es zum Nachbarn nach Bochum, mit der Leistung vom Spiel gegen Kaiserslautern kann man durchaus optimistisch sein, ein Sieg ist aber auch ein Muss, denn Dresden rückt uns auf die Pelle, und den Klassenerhalt erwarte ich schon noch. ;-)
Sind ja nur die Duisburger...
geschrieben von Tim Wagner in Hier beim MSV„Also, die Terminierung.“
„Bekommen wir für ein Spiel viel Geld?“
„München gegen Lautern vielleicht. Montag also.“
„Sandhausen bringt nichts, also Freitag.“
„Und Duisburg?“
„Keine Ahnung. Freitag?“
„Ok, interessiert eh keinen.“
„Langweiliger Spieltag.“
„Wer spielt jetzt Freitag?“
„Äh…Ich mach Pause.“
Oder: „Die Terminierung der Spieltage bei der DFL.“
Das Warten hat bald ein Ende! Auch in Liga 2 beginnt in einer Woche endlich die Rückrunde. Wieder im Block stehen, abgehen, Fußball gucken, Kollegen treffen, wir alle haben das vermisst, über die so lang erscheinende Winterpause. Doch eins trübt die Vorfreude so ein bisschen, für die einen mehr, für die anderen weniger. Wer sich den 20. Spieltag der 2. Bundesliga genauer anschaut, dem wird es vielleicht auffallen, was mich stört. Der Termin. Freitag, 18:00 in Dresden. Fast 600 Kilometer sind es von Duisburg bis nach Dresden. Na, Dankeschön, DFL! Wie soll ich bitte dahin kommen wenn ich Schule habe? Wie sollen Leute, die zu normalen Zeiten arbeiten dahin kommen? Gar nicht. Außer man nimmt sich Urlaub, die Option habe ich als Schüler aber nicht. Aber es sind ja auch nur wir Duisburger. Fahren eh nur 300 Mann hin, wieso Rücksicht nehmen? Wieso sich Gedanken bei der Terminierung machen? Die Duisburger interessieren doch eh keinen. Oder was?
Es betrifft aber nicht nur uns Duisburger. Im Gegenteil. Nach was wird die Terminierung ausgelegt? Nach Entfernungen jedenfalls nicht, auch wenn das am naheliegendsten erscheint. Auf Fans und unsere Fankultur wird bei der Terminierung keine Rücksicht genommen. Folgend habe ich die Spiele des 20. Spieltags nach den Entfernungen geordnet aufgestellt:
Paderborn – Braunschweig 220km
Frankfurt – Ingolstadt 320km
München – Kaiserslautern 380km (Mo.)
Hamburg – Cottbus 410km
Köln – Aue 500km
Regensburg – Hertha 500km
Aalen – Bochum 500km (Fr.)
Dresden – Duisburg 600km (Fr.)
Berlin – Sandhausen 650km (Fr.)
Fällt was auf? Die Spiele mit den weitesten Entfernungen liegen auf den für Fans ungünstigsten Terminen. Der MSV natürlich wieder mit dabei. Oder ist es Zufall, dass ausgerechnet unsere Auswärtsspiele beim TSV 1860 München immer auf einen Freitag (oder einen Mittwoch) gelegt werden? Letzte Saison war das Auswärtsspiel in Dresden übringens auch an einem Freitag. Wenigstens ein bisschen Rücksicht für uns Fans sollte man doch erwarten können, gerade wo die Bilder der bunten Kurven so vermarket werden. Wozu gibt es denn die Terminierung? Wenn es darauf keine logischen Antworten gibt, und sowieso immer die Spiele mit den größten Entfernungen auf den Freitag gelegt werden, kann man die Freitagsspiele auch abschaffen.
Nicht, dass es nur die 2. Bundesliga betreffen würde. Nein, auch Augsburgs Anhänger mussten Sonntags durch das halbe Land nach Düsseldorf reisen, und um halb 8 wieder die Heimreise antreten. Es gibt zwar auch Duelle wie Bayern gegen Fürth, Leverkusen gegen Frankfurt und Mainz gegen Freiburg, deren Entfernungen wohl deutlich geringer sind. Trotzdem werden diese Spiele auf den Samstagstermin gelegt, und nicht Düsseldorf gegen Augsburg.
Allein an diesem Spieltag gibt es genug Beispiele, um zu zeigen, wie wenig die Fans bei der Terminierung von Spieltagen beachtet werden. In den meisten Fällen gar nicht. In Duisburg hat man sich langsam daran gewöhnt, auf einen Freitagabend abgeschoben zu werden, trotzdem ist es jedes Mal ärgerlich, wenn einem dadurch die Chance seinen Verein auswärts, zum Beispiel nach Dresden, zu begleiten, genommen wird. Zum Glück gibt es eine Woche später das erste Heimspiel meines geliebten Meidericher Spielvereins, und die Kurve wird endlich wieder gefüllt sein. So richtig weiß keiner, was in der Rückrunde mit dem MSV passieren wird, weitere Freitagsspiele wird es mit Sicherheit geben. Mal mehr und mal weniger sinnvoll, aber in nächster Zeit wird sich daran wahrscheinlich nichts ändern.
Zwischen Größenwahn und grauer Maus – Hier beim MSV
geschrieben von Tim Wagner in Hier beim MSV
Eine oft gestellte Frage unter Duisburgern, meist während 9000 verzweifelte Zuschauer mit ihren Händen über dem Kopf zusammengeschlagen im weiten, leeren Rund des neuen Wedaustadion stehen, lautet: „Warum tun wir uns das an?“ Genauso oft lautet die Antwort: „Ich weiß es auch nicht, aber ich muss.“ Es sucht sich ja auch keiner aus, und wenn, dann landet keiner hier beim MSV. Mein Vater hat mich mit 7 Jahren das erste Mal mitgenommen, ob es auf eigenen Wunsch war weiß ich auch nicht mehr. Wahrscheinlich nicht, aber ich bin doch froh ein Duisburger zu sein, begründen kann ich es nur mit der Liebe zu meinem Verein und der Verbindung zu meiner Stadt.
Es fing ganz unscheinbar an, als ich 2005 mein erstes Spiel miterlebte. Direkt auf dem Stehplatz. Und sofort war ich wie gefangen in dieser unbeschreiblichen Atmosphäre. Wer sich noch dran erinnern kann, wie sein erstes Spiel war, weiß bestimmt was ich meine. Ich war vom Zebra-Twist vor dem Spiel begeistert, wedelte überschwänglich meinen Schal, und die erfahrenen alten Hasen lachten, als ich ihnen den Schal ins Gesicht wedelte, beim Einlauf allerdings nicht mehr. Ab diesen Momenten war ich gefesselt, an diesen unbeschreiblich nervigen, tollen, komischen Verein, der einen einfach nicht mehr los lässt. Und ein jeder MSV Fan der sich finden lässt wird nicht sagen, er liebt diesen Verein weil der so toll ist oder so schön oder so erfolgreich. Man muss einfach die Liebe zu diesem spüren, auch wenn es kitschig klingen mag.
Verschiedenen Eskapaden mit gewissen Bauunternehmern und darin involvierten Personen ist es zu verdanken, dass der MSV gerade dort rumdümpelt wo er ist. Im tiefsten Sumpf der 2.Liga, mit einem Berg von Schulden. Nebenbei lässt sich der Verursacher regelmäßig als Retter feiern, was wohl den meisten Fans wie ein Stich in die Magengrube erscheint, aber das ist eine andere Geschichte. 2 mehr als erfolgslose Ausflüge in Liga 1 habe ich miterlebt, in denen wohl jeder Duisburger etwas an Größenwahn litt, aber irgendwann muss man ja auch mal positive Gefühle herauslassen können, und dann neigt man auch mal nach 4 Punkten aus 2 Spielen an Europa zu glauben, ansonsten gab es höchstens Zweitligamittelmaß, und auch das Image von Duisburg hilft nicht über das des Vereins, und zwar das einer grauen Maus hinweg. Ich könnte ein ganzes Buch damit füllen, mit den Versuchen einer Beschreibung, wie es ist MSV-Fan zu sein, aber das können und wollen sicherlich die Meisten hier nicht lesen, man kann es, wenn mal mit einem lästigen Kaugummifleck vergleichen, den man sich, aus welchen Gründen auch immer, irgendwo hingeklebt hat und ihn nicht wieder los wird. Wenig liebevoll, aber irgendwo ist der Verein so zu beschreiben. Etwas sarkastisch und übertrieben mag es erscheinen, aber es gibt keine für die Allgemeinheit logischen Gründe zur Erklärung.
Und wie geht man als Fan, oder in meinem Fall als Jugendlicher mit so etwas um? Die Allermeisten in meinem Alter wissen nicht was Fanliebe bedeutet, und machen sich darüber lustig, aber mir ist auch das egal, so wie das Graue-Maus Image des Vereins, all das macht einen doch nur noch stolzer. Die Liebe zu meinem Verein, niemand kann sie mir nehmen. Der MSV ist ein großer Teil meines Lebens, er bestimmt meine Wochenenden, meinen Lifestyle, in die Schule gehe ich nie ohne meine Mütze und oft trage ich verschiedene MSV-Pullis, Schals oder Jacken. Da kann ich auf Hollister gut verzichten. Natürlich wünsche ich mir ein besseres Image und 1. Liga, aber all das steht nach der Liebe zum MSV. Mal nebenbei, mir ist es ganz natürlich nicht egal in welcher Liga der MSV spielt, der Unterschied ist, ich werde da sein, egal in welche Liga es geht.
Man liebt den Verein, oder man will nichts mit ihm zu tun haben, aber die Bekloppten, die jedes Spiel kommen, Sonntags um 2 Uhr Nachts aufstehen um nach Sandhausen zu fahren, die sind füreinander da und stehen bedingungslos zu diesem Verein, egal ob es dadurch gelebt wird meckernd und biertrinkend im Stadion zu stehen, oder den Verein bis zur 90. Minute zu unterstützen bzw. ihm seine Liebe durch die blau-weiß wehenden Fahnen und leidenschaftlichen Gesängen zu zeigen. Wenn es den blau-weißen Seelen manchmal einfach zu viel wird, die lustlosen Kicker auf dem Rasen zu sehen, die sich einen Dreck um den Verein und seine Zukunft oder Tradition scheren, flüchtet man sich hier auch mal gerne in starken Sarkasmus, was auch mal dahin führen kann, dass man die letzten 20 Minuten eines Spiels eine gelbe Maskottchen-Ente die zu guten Zwecken im Stadion war zu supporten und mit ihr eine Laola-Welle zu machen. All das spiegelt wohl die Liebe und bedingungslose Zuneigung zu diesem Verein wieder, auch wenn es die meisten wohl niemals nachvollziehen können. Wenn man auch diese Aussagen über den eigenen Verein zu hören bekommt, jeder MSV Fan, egal ob Ultra, Familien-Block oder Sitzplatz-Fan, ob einfach nur Stehplatz-Liebhaber oder Oberrang-Supporter, jeder wird sagen: „Ich bin stolz ein Zebra zu sein!“
Tim Wagner
Hier beim MSV
