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Dienstag, 13 Januar 2015 20:14

2014 - 12 Monate saure Äpfel mit Hertha oder die Alte Dame ist ne echte Bank!

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Apfel

Der Apfel ist eine köstliche, heimische Frucht mit starker Symbolkraft. Ich liebe Äpfel sehr und es hat gute 20 Jahre gebraucht, bis ich trotz einer Allergie im Jahr 2014 endlich wieder welche essen konnte - alte Sorten aus dem Umland! Wie habe ich die vermißt. Es war ein Highlight des vergangenen Jahres. Normalerweise ist mein Lieblingsverein für solche Akzente im Alltag zuständig. Davon kann hier aber nicht die Rede sein.

Sportlich war 2014 ein unterirdisches Jahr für jeden Hertha-Fan. In diversen Foren mögen es einige nicht, wenn man die Rückrunde der Saison 13/14 mit der Hinrunde 14/15 in einen Erlebnistopf wirft. Ich verstehe das, gehöre aber selbst zu den Vertretern, die beide Halbserien in einen Zusammenhang setzen wollen. Nach einer hervorragenden Aufsteigerhinrunde folgte eine ernüchternde Rückrunde. Keine Frage, wir haben zu Beginn einen erfrischenden, flinken Fußball geboten, der sicherlich kräftezehrend sein würde und dann tatsächlich durch verletzungsbedingte Ausfälle unserer Kreativabteilung abgewürgt wurde (Baumjohann verletzte sich schon früh erneut sehr schwer, es folgte Cigerci, der gerade Fahrt aufnahm und sein Potential zeigte). Von einem veritablen 6. Platz der Hinrundentabelle ging es im freien Fall auf den 17. Platz in der Rückrundentabelle. Wir waren Aufsteiger und haben unser Saisonziel erreicht - Klassenerhalt! Natürlich ist es legitim, sich zunächst damit zufriedenzugeben, wenn nicht gar zu freuen. Es ist aber auch legitim, darin schon gewisse Vorboten für die Folgesaison auszumachen. Und erst recht ist es legitim, in der Rückschau zu erkennen, daß es in der Winterpause 13/14 interne Vorfälle gegeben haben muß, die dem starken Mannschaftsgefüge Schaden bereitet haben. Inwieweit die Lolitageschichte und Ausmusterung einzelner Spieler zu Saisonbeginn noch nachhallten und in die Rückrunde reinstrahlten mag eine Frage sein. Vielleicht hat die Mannschaft wirklich nur zuviel Aufwand in der Hinrunde betrieben und das Schicksal aller Aufsteiger geteilt, den Tribut dafür in der Rückrunde zu zahlen. Vielleicht auch nicht. Ich kann mir nicht helfen, ich hatte immer das Gefühl, dieser Absturz sei mit Aufwand und Verletzungspech allein nicht zu erklären. Es ist zumeist die Art und Weise, wie Niederlagen zustande kommen, die einen stutzig machen. Nun ja, Fühlen heißt Nicht-Wissen.

In der Sommerpause haben wir das Transferfenster weit geöffnet und mächtig gelüftet. Viele Spieler gingen, viele Spieler kamen neu zur Mannschaft - darunter einige Knaller. Preetz schaffte es unter anderem große Namen nach Berlin zu lotsen. Stocker, Heitinga, Kalou... Es wurde damit auf die Defizite und Verletzungssorgen reagiert. Der Kader war breit aufgestellt und nominell absolut konkurrenzfähig, um die Saison im gesicherten Mittelfeld zu bestehen und gut 5, 6, 7 Mannschaften hinter sich lassen zu können. Natürlich weiß jeder Fanprofi, daß die 2. Saison nach Aufstieg die härtere ist und die neuen Mitspieler erst in die Mannschaft integriert werden müssen. Die Verletzungssorgen blieben uns treu und gewiß war es manchmal nicht einfach, eine geeignete Startelf zu finden. Aber wurde sie auch wirklich gesucht?

Ich komme zurück auf die Äpfel. Den bekanntesten Apfel - dem, vom sogenannten biblischen Baum der Erkenntnis. Meiner ganz persönlichen Erkenntnis - es hat keinen Sinn mehr mit Luhukay! In meinem letzten Blog habe ich schon für mich herausgefunden, daß ich mit diesem Trainer keine Erwartungen und Träume bezüglich Hertha mehr haben kann. Inzwischen hat sich nach meiner Einschätzung die Lage sogar noch verschlechtert. Ich habe jegliches Vertrauen in die Arbeit und Entscheidungen des Trainers verloren. Trotz unserer Verletzungsmisere finde ich, daß wir dennoch eine recht passable Mannschaft auf den Platz stellen könnten. Aber es passiert nicht. Im Gegenteil, ich könnte einige Beispiele aufzählen, in denen ich die Spiele regelrecht vercoacht finde (SGE!!, DSC, S04, TSG) oder mich frage, worin genau die Vorgaben des Trainers bestehen. Wir müssen auswärts nicht das Spiel machen. Die Frage Schieber oder Kalou stellt sich mir nicht - beide, denn er kann sowohl auf den Flügel oder die 10. Welches Konzept und welche Taktik soll eine bestimmte Startelf umsetzen, um den Gegner in die Knie zu zwingen? Wir haben Spieler verpflichtet, die mehr mit dem Konzept Bankdrücken vertraut sind, als gut sein kann. Ich gehe noch weiter, es gibt Spieler, die regelrecht mit Nichtwürdigung gedemütigt werden. Wenn man sich zu einem Pralinchenposten durchringen kann, dann MUSS man erst recht einen Kalou bringen. Dieser Mann hat quasi auf der Bank sitzend 5 Tore geschossen! Stocker ist ein anderes Beispiel, bis zur Zermürbung hat er die Grashalme des Amateurstadions kennengelernt. Und und und, stets werden Trainingsrückstände geltend gemacht oder gar keine Gründe. In unserer größten 10er-Not wurde stur und stoisch Hany Mukhtar nicht beachtet. Daß es trotz größter Personalsorgen mit bestimmten Spielern nicht einmal versucht wird, erschließt sich mir nicht. Es werden Spieler auf ungeliebte Positionen verbannt, obwohl eine alternative Aufteilung möglich wäre, bei der sie eben genau ihre Stärken haben und ausspielen könnten. Unterläuft einem jungen Spieler ein Fehler, findet er sich auf der Motivationsbank wieder oder wird gar öffentlich demontiert. Welche Signale werden da an die Spieler selbst, die Kollegen oder Fans gesendet? Es erschließt sich mir aber, wenn diese Spieler unzufrieden sind und dies nach außen transportieren. Es erschließt sich mir, wenn ich eine verunsicherte Mannschaft auf dem Platz sehe. Es erschließt sich mir, wenn ideenlose Individuen über den Platz streifen. Was ich da sehe, sind keine Fußballsöldnermillionäre die mal kämpfen und siegen sollten. Was ich da sehe sind glattgebürstete, zurechtgestutzte Buben. Keine Entgleisungen, kein Risiko. Weder persönliche Entgleisungen bei den Spielern, noch auf dem Rasen. Das einmal gewählte taktische Konzept wird durchgezogen, wo man sich auf den Rängen Risikobereitschaft wünscht. Der Hindukusch wird immer noch am gegnerischen Strafraum verteidigt.

Das bringt mich wieder zur alten Apfelsorte "Der Fisch stinkt immer vom Kopf".

Ich habe nach großer, sehr großer, Skepsis mich dahingearbeitet, Preetz' Arbeit zuweilen sogar gut zu finden. Was er wirklich, wirklich gut macht, sind seine absoluten Stillschweigen-Transfers. Und in der Babbel-Nummer war er einwandfrei - Respekt Langer! Jetzt kommen die Aber. Zunächst einmal, muß ich zugeben, daß der erste Fehler bereits bei mir lag: Nach all dem Tohuwabohu habe ich sehnsüchtig die Brille der Ruhe und Kontinuität aufgesetzt. Ich bin auf diesen JLu-Zug aufgesprungen, bereitwillig und habe das Glas immer sehr halbvoll gefunden. Nüchtern betrachtet hätte man schon damals sagen und sehen können, daß jeder Trainer mit dieser Mannschaft aufgestiegen wäre. Solide Arbeit einfach, nicht hervorragende. Der Ruhestifter ist dem Provinzcalvinisten gewichen. Ich habe also selbst viele Sehnsüchte hineininterpretiert und diese Entwicklung Preetz zugeschrieben. Nun bin ich allerdings der Meinung, er managte von einem Extrem ins andere. Nach dem massiven Trainerverschleiß in der letzten Abstiegssaison, scheint er nun ebenso vehement am Trainer festzuhalten, obwohl wir geradewegs dem Abstieg zusteuern (die Konkurrenz befindet sich tendenziell im Aufwind im Gegensatz zu uns). Jaja, JLu ist ein hervorragender Zweitligatrainer mit dem wir direkt wieder einen Rekordaufstieg hinlegen. Ich möchte weinen. Zurück zum Apfel. Schon viele haben mehr Kompetenz in der Vereinsführung gefordert. Ehemalige, Hinz und Kuntz, Miesepeter, Fans. Und da ist was dran, das muß man so erkennen. Vom Management erwarte ich adäquate Maßnahmen, keine Korrekturschaukel, gute Kommunikation und Mediation, gute Personalpolitik. Vom Trainer erwarte ich auch Kommunikation, Taktik, Konzept, Weiterentwicklung der Mannschaft. Dieses alte Problem der Hanns-Braun-Straße ist offensichtlich nicht behoben worden. Anscheinend wird den Spielern nicht transparent kommuniziert, was man von ihnen konkret erwartet und welche nachvollziehbaren Gedankengänge bestimmten Entscheidungen zugrunde liegen. Das gilt gleichermaßen für die Medizinabteilung (Kompetenz! und Kommunikation). Die muß übrigens mal gewaltig hinterfragt werden. Hier wie dort erreichen den Fan verschwurbelte Meldungen, bei denen man ständig das Gefühl hat, nur die halbe Wahrheit zu hören. Wie ist es möglich, daß mit der finanziellen (geborgten) Entspannung und diesem Kader unser Verein derart strauchelt und stümpert?!? Fürwahr, ich denke, es kommt wirklich nicht oft vor, daß die Mannschaft besser als ihr Trainer ist. Wenn man das Potenzial allerdings nicht auf dem Rasen zu sehen bekommt, dann liegt es am Übungsleiter. Darin sehe ich die Ursache. Aufsichtsrat, werden sie aktiv, wenn Preetz es nicht wird!

Auch ist der Berliner Blätterwald seltsam still. So still, daß ich es geradezu faul finde. Die gleiche sportliche Situation hätte seinerzeit orkanhafte Artikel zur Folge gehabt. Und manche Auslassungen lesen sich, als wären sie direkt von der Pressestille diktiert. Der Boulevard ist oft anstregend, die aktuelle Ruhe finde ich gefährlich. Es werden keine Fragen gestellt, wo hinterfragt werden müßte. Jeder deckelt hier jeden. Die Presse Hertha, MP und JLu sich gegenseitig. Wenn Gründe für die sportliche Misere gesucht werden, spart man MP und JLu verdächtig aus. Der Schwarze Peter wird ausschließlich Spielern oder einzelnen Mannschaftsteilen zugeschoben. Seriös finde ich das nicht und wenn man wirklich beabsichtigt, die Fehler zu beheben, dann gehören alle Aspekte auf den Prüfstand. Die Verletzungen, Schiris, der starke Gegner oder was man sonst so nennen könnte, mögen ja gerne offiziell als Alibi bemüht werden, für mich taugen sie schon lange nicht mehr als Argument. Gefährliche Ausreden im Wettlauf gegen den Spielplan, denn nun sind wir mitten im Abstiegskampf, der so nicht nötig gewesen wäre. Wenn die Presse weiterhin so nett bleibt, werde ich sie am Ende der Saison fragen, ob sie die Tabelle etwas schönen könnte.

Wo bleibt die Berliner Chuzpe? Wo ist einer, der Roller umschubst? Die Fans machen es vor: "Kniet nieder, Ihr Bauern, die Hauptstadt ist zu Gast"! Warum? Darum!

Ich will einen Trainer der in seiner Mannschaft Ecken und Kanten wünscht. Ich will einen Trainer, der eine Mannschaft aus Individualisten formt, nicht nur aus Individuen. Ich will eine Vereinsführung, die sich in obigem Sinn eine Scheibe von den Fans abschneidet. Wer soll denn sonst für Hertha in die Bresche springen? Die Konkurrenz wohl kaum.

Wir haben 12 Monate in saure Fußballäpfel gebissen: Ganze 31 Punkte bei 8/7/19! Das wirkt abführend, auf den Trainer hoffentlich!

Wenn man erste Schlüsse aus den Trainingseinheiten 2015 zieht, werden defensiv lieber wieder 4 von 6 Positionen verändert statt nur 2. Auch in der Vorbereitung spricht das erste Testspielergebnis Bände. Das ist einfach zu wenig und verheißt nichts Gutes. Für mich gibt es einfach keinen Anlaß aufzuatmen. Die Linie des letzten Jahres setzt sich irgendwie fort. Wieder werden einige sagen, das läßt sich nicht vergleichen. Vielleicht, aber eine Trendwende sieht anders aus. Währenddessen schießt Kalou Elfenbeinküste zum Sieg. Mann, der wird froh sein, wenn er sich nach dem Africa Cup auf der Bank ausruhen kann. Es wäre nicht auszudenken, was für eine nachhaltig schlechte Außendarstellung es für Hertha bedeuten würde, wenn Kalou den Verein wieder verläßt, sollte sich an seiner Situation nichts ändern. Und bis jetzt besteht kein Anlaß, das zu hoffen.

Wessen Kapitel beendet 2015?

2014 hat für mich persönlich das Kapitel Luhukay ein für alle Mal beendet!

2 Kommentare

  • Kommentar-Link DerDeer Freitag, 16 Januar 2015 01:54 gepostet von DerDeer

    Natalie, Du schreibst mir von der Seele, besser kann man die Misere, die sich Hertha BSC nennt, gar nicht darstellen.

  • Kommentar-Link Achi Freitag, 16 Januar 2015 11:36 gepostet von Achi

    Danke !

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