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Mittwoch, 22 Januar 2014 13:30

Zum Fankongreß 2014 in Berlin

geschrieben von 

2014-01-18 12.21.41Es war das erste Mal, daß ich am Fankongreß teilnahm. Im Prinzip eine logische Folge der Tatsache, daß selbiger quasi vor meiner Haustür standfand und sich im Laufe vieler Jahre neben dem Fußball selbst und meinem Verein natürlich vor allem die Fanseite mit all ihren Facetten immer mehr in meinen Blickwinkel schob.

Ich sage es gleich vorweg: Ich bin kein aktiver, organisierter Fan!

Ich bin Kurvensteher, Auswärtsfahrer so oft wie möglich, Hertha-Mitglied, DK-Inhaber, Ultra-Sympathisant, pro Pyro, für eine bunte Anhängerschaft, gegen stumpfe Doktrinäre.

Schon allein durch meine zahlreichen Auswärtsfahrten bin selbst ich mit Problemen in Berührung gekommen, obwohl ich meist auf eigene Faust anreise und die viele andere noch deutlich drastischer erlebt haben - gerade, wenn sie im Konvoi unterwegs sind. Ich möchte mir das nicht länger untätig zumuten und mich künftig mehr engagieren, damit wir Fans beschwerdefrei unserer Leidenschaft nachgehen können.

 

Die diesjährige Zusammenkunft darf als Erfolg gewertet werden - statt der eingeplanten 500 Teilnehmer kamen mehr als 700 „Vertreter“, die sage und schreibe 80 Vereine repräsentierten!
Das war sicherlich auch Verdienst des breiten und attraktiven Programms. In 2 großen Blöcken am Vor- und Nachmittag haben die Organisatoren mehrere Themenstränge vorbereitet, zu denen Vorträge/ Workshops angeboten wurden, die die Teilnehmer nach Gusto besuchen konnten: Mitsprachemöglichkeiten im Verein, Umgang mit Medien und Rechtsfragen, Fußballwerte, Dilemma der Amateurvereine, Wohnzimmer „Stadion“, Fanarbeit. Eingerahmt und unterbrochen von Stärkungspausen mit Schrippe, Curry, Erbsensuppe und vielem mehr. Alles Nachzulesen bei ProFans im Programm.
Ich habe mich für das Gebiet Verein und Mitglieder entschieden. Schon länger beschäftigen mich die Fragen, inwieweit die von DFL und DFB aufgestellten Statuten überhaupt noch eingehalten werden und vor allem, was genau bedeutet eigentlich die Satzung meines Vereins für mich als Mitglied?

Ich habe viel gelernt und kann nur sagen: Leute, lest Eure Satzung, Ihr habt Einfluß, wenn Ihr wollt und nicht vergessen, wir Mitglieder bevollmächtigen das Präsidium - nicht umgekehrt!
Unsere Kurve hält zahlreiches Material zum Download bereit.

Abschluß des 1. Tages bildete die große Podiumsdiskussion Fußballfans & die Polizei: Getrennt in den Farben, getrennt in der Sache? Der 2. Tag diskutiert die Selbstregulierung innerhalb der Kurven.

Erster Aufreger im Vorfeld war die Absage vom nordrhein-westfälischen Innenminister Jäger per Brief u.a. mit kolportierten Äußerungen wie etwa «Straftäter reisen quer durch Deutschland, provozieren auf dem Weg zum Stadion Krawalle und Ausschreitungen».
Behauptungen, die herzlich wenig geeignet sind, den tiefer gewordenen Graben zwischen Ordnungshütern und Fußballanhängerschaft auch nur stückweit zuzuschütten.
Auch hier stellt sich erneut die Frage, ob dies überhaupt erwünscht ist.

Vor dem gesamten Teilnehmerfeld fanden sich doch würdige Podiumsdebattanten:
Christian Bieberstein (Fanvertreter, Unsere Kurve), Hendrik Große-Lefert (Sicherheitsbeauftragter DFB), Prof. Dr. Albert Scherr (Soziologe, Freiburg), Prof. Dr, Thomas Feltes (Kriminologe, Bochum), Donato Melillo (unser Fanbeauftragter) und mit netterweise kurzfristiger Zusage Bernd Heinen (Vorsitzender Nationaler Ausschuss Sport und Sicherheit NASS, NRW) und Hans-Ullrich Hauck (Leiter Polizeidirektion 2, Berlin).
Moderiert wurde das ganze von unserem Stadionsprecher Fabian von Wachsmann - Heimspiel, natürlich waren auch die Berliner Fans speziell Herthaner zahlenmäßig am meisten vertreten. Wir hatten’s ja nicht weit.

Wie sehr das Verhältnis gelitten hat, wurde auf dem Podium deutlich und durch Wortmeldungen aus dem Plenum. Die Äußerungen des DFB-Abgesandten fand ich schwammig nichtssagend, es ist nichts hängen geblieben, das ich hier zitieren könnte. Mir ist einfach etwas anderes bei dieser Diskussion aufgefallen, die vom Kicker als „…mehr Monolog…“ bezeichnet wurde. Es ist wichtig WER die Standpunkte an den Mann bringt. Herrn Heinen vom NASS fand ich unerträglich eitel in seinem Auftreten, sicherlich hat er recht, wenn er sagt, er könne ebenso viele Beispiele aufzählen wie der Fanvertreter Bieberstein, wenn es um Fehlverhalten der Gegenseite geht und würde entsprechend Applaus ernten vor einem Polizei-Auditorium. Ja. Wäre da nicht dieser herablassende, trotzige Unterton. Dialog kann nur stattfinden, wenn beide Seiten aufeinander zugehen. Am sachdienlichsten fand ich die Beiträge von Feltes, Hauck und Scherr und den Wortbeitrag eines Fürther Fans sowie eines Engländers. Es gibt Handlungsbedarf bezüglich der Gewalttäterdatei, auch vom DFB, und es muß ganz klar betont werden, daß das Verhältnis zwischen Polizei und Bürger, denn das sind wir Fans, grundsätzlich asymmetrisch ist! Ein Fakt, den Heinen durchgehend unterschlagen hat. Im Gegensatz dazu hat Hauck von der Berliner Polizei zuständig u.a. für’s Oly mehrmals das Gespräch angeboten für eine Nachbereitung von Vorfällen an Spieltagen und sich kritisch über das Vorgehen mancher Kollegen geäußert. Ich kann mir nicht helfen, ich habe ihm das abgekauft. Das Vertrauen der Fans ist nachhaltig gestört (zerstört?), durch den DFB in der Pyro-Debatte und erst recht durch die letzten unverhältnismäßigen Polizeieinsätze.
TNT - kommt der Fan in die Stadt heißt es beinah „lock up your daughter, lock up your wife“, versucht der Fan einen alten Status quo seiner Rechte wieder herzustellen, wird ein real marginales Entgegenkommen (Polizei/ DFB) als Wahnsinnszugeständnis gedeutet. Wenn ich das Taschengeld um 10€ kürze und später wieder 2€ mehr gebe, dann habe ich nichts erhöht sondern immer noch 8€ weniger als vorher. Knick knack!
Mir ist die Problematik total klar, dennoch fand ich Bieberstein dort keinen glücklichen Vertreter für die Fanbelange. Mir hat er zu sehr gemauert und etwas mehr Eloquenz wäre der Sache sicherlich dienlicher gewesen. Ich glaube, es können nur Leute vom Schlag des  Berliner Polizeivertreters und des Fürther Fans die Sache voranbringen - locker, Prise Humor, gut reden und trotzdem feste Standpunkte haben! Man muß seine Interessen gut verpacken! Wenn man miteinander in Dialog kommt, veräußert man nicht gleich Latifundien eigener Belange und Werte. Es wird nicht anders gehen, lamentieren hilft nicht, verkapseln auch nicht und es wird so bleiben: Wir Fans sitzen IMMER am kürzeren Hebel!
Mir wurde deutlich, in welchem Dilemma auch die Fanbetreuer stecken als Mediator im Spannungsfeld zwischen Ordnungsmacht und eigenem Anhang. Ihre Position und Arbeit muß gestärkt werden, sie müssen unbedingt unabhängig arbeiten können und gefördert werden. Es müßte eine Regelung her, die das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Fanbetreuer und Fan in rechtsrelevanten Fällen nicht belastet. Für jeden Verein sollte eine Fanhilfe aufgebaut werden, die konkret vor Ort Rechtsbeistand leistet. Polizei sollte wie bereits in Berlin gekennzeichnet sein - und bitte auch von vorne! Die Robocop-Uniform nur in Notfällen einsetzen und sich ein Beispiel am britischen Bobby nehmen: unbewaffnet, freundlich, direkt ansprechbar - per se die menschlichste Form der Deeskalation. Hin zu einem Klima, daß das Gegenüber ursprünglich Artgenosse und nicht Avatar ist.

Während der Podiumsdiskussion erhielten wir Kenntnis von den Vorfällen in Köln, die leider - wie auch von DFL-Geschäftsführer Rettig (auch einer, mit dem sich reden läßt) betont - Schatten werfen auf den Fankongreß. Bedauerlicherweise haben auch hier die Medien wieder auf die unsägliche, aufmerksamkeitsheischende Mesalliance gesetzt. Selbst die Zeit verquickt in einem online-Beitrag Köln-Schlägerei, Foto vom Relegationsspiel F95:HBSC und Fankongreß. Ein Heer Ahnungsloser fühlte sich wieder mit sachfernen Kommentaren auf den Plan gerufen. Daran läßt sich gut erkennen, welch realitätsfernes Bild in der medialen Berichterstattung von „den Fans“ schon längst in der Vergangenheit gezeichnet wurde. Die Herrschaften in der Kölner Innenstadt haben rein gar nichts mit jenen beim Fankongreß zu tun! Nicht wahr, Herr Heinen?

Im Fokus sollte stehen, wieviele engagierte, aktive Fußballfans verschiedenster Farben (!) friedlich (!) solch ein Unterfangen wie beschrieben auf die Beine stellen - ehrenamtlich (!!!). Den Ausrichtern Unsere Kurve & ProFans, den Gästen und allen Teilnehmern gebührt Dank. Ich kann nur an alle appellieren: Informiert Euch, werdet aktiv, seid Teil des Ganzen, leistet Euren Beitrag zu einem Fußballerlebnis wie Ihr es wollt!

Die Webseiten von Unsere Kurve & ProFans bieten mannigfaltiges Informationsmaterial!

2014-01-22 14.00.41

Ich mag nicht länger tatenlos sein. Freunde und ich gründen eine Fußballpartei FPD, es wird der Versuch sein, uns Fans mehr Gehör und Einfluß zu verschaffen. Wir Fans in Deutschland sind eine riesige, heterogene Gruppe mit unglaublicher monetärer Kraft, die aber mit ihren Forderungen zumeist auf der Strecke bleibt. Die Politik sucht gerne die Nähe zum Fußball und wir suchen jetzt stellvertretend für alle die Nähe zur Politik!

Ha Ho He!

Das ist nur mein persönlicher Ausschnitt vom Fankongreß, ich kann nicht allen gerecht werden und hoffe sehr, daß andere Blogger Themen aufgreifen, die hier vermisst werden.

 

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