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Dienstag, 18 Februar 2014 08:25

Der Ich-hab-nix-gesehen-Blog

geschrieben von 

gws leerIch habe dieses Wochenende nix gesehen. Wirklich absolut gar nichts. Denn ich habe mir zum ersten Mal seit wasweißich-wievielen Jahren ein komplett fußballfreies Wochenende gegönnt und bin stattdessen zur A State of Trance 650 "New Horizons" ins niederländische Utrecht gefahren (ja, auf solche Musik stehe ich total). Nachdem ich die Grenze überquert hatte hat mir mein Mobilnetzbetreiber jeden Zugang zum Internet verwehrt, aber selbst wenn ich Facebook, Twitter & Co zur Verfügung gehabt hätte, hätte ich wohl nicht draufgeschaut. Ich wollte mal für kurze Zeit abschalten vom Werder-Stress. Als ich wieder nach Bremen zurückgekehrt war erfuhr ich nur das nötigste: das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach endete 1:1-Unentschieden, der Sportsfreund Lukimya hatte wohl nicht gerade seinen besten Tag erwischt und Neuzugang Obraniak hatte seinen ersten Treffer im grün-weißen Trikot erzielt, was mich natürlich sehr für ihn gefreut hat. Ein Unentschieden gegen Mönchengladbach war ebenfalls mehr als ich erwartet hatte, ich hoffe natürlich dass das die Vorzeichen eines positiven Trends sind.

Tja, wie gesagt, ich selber kann zum Spiel nur sehr wenig sagen, deshalb dachte ich mir dass ich mal andere an dieser Stelle zu Wort kommen lasse. Dies hier wird also quasi ein Ich-erzähle-Euch-was-andere-Leute-gebloggt-haben-Blog. Nach einem entsprechenden Aufruf erreichten mich einige Zusendungen über meine Facebook-Seite (zu finden hier), unter anderem auch vom User "Alex Werder". Der hat mir einen tollen Beitrag geschickt, der aber leider zu lang ist um ihn hier vollständig widergeben zu können. Der gute Alex hat sich jedenfalls gefragt, wie es sein kann dass man von Werder zwei so völlig verschiedene Halbzeiten gesehen hat. Ob Trainer Dutt den Spielern in der Halbzeitpause endlich mal die richtigen Worte gefunden und ihnen "in den Hintern getreten" hätte, so fragt sich Alex. Jedenfalls machte es für ihn den Anschein, als ob nach dem Seitenwechsel eine komplett andere Mannschaft auf dem Platz gestanden hätte. Besonders positiv sind ihm Kroos, Caldirola und Ignjovski aufgefallen, Zweiteren sieht er als die vielleicht beste Besetzung für die Position des linken Außenverteidigers: "Er ist ruhiger und schneller in der Rückwärtsbewegung, was unserer Defensive nur zu Gute kommt. Somit kommt mir die Überlegung, dass den eher offensiven als defensiven García bei Bedarf im Mittelfeld einzusetzen." Eine taktische Variante, die mindestens einer Überlegung wert sein dürfte. Alex hebt aber nicht ab, denn zu seinem Fazit gehört auch folgende Passage: "Den Gladbachern kann man beinahe dafür danken, dass sie ihre Großchancen nicht genutzt haben, sonst wäre das Spiel wahrscheinlich wieder in einem Desaster geendet" und weiter: "Aber mit dem Punkt kann man zufrieden sein. Ich persönlich hoffe, dass wir die Leistung aus der zweiten Hälfte in die nächsten Begegnungen gegen Frankfurt und Hamburg weiter tragen können. Dazu benötigt es einfach nur Konstanz. Dann bin ich halbwegs zuversichtlich, dass wir uns in den nächsten Wochen etwas weiter von den Abstiegsrängen entfernen können."

Eine besonders schöne Formulierung über den gravierenden Unterschied zwischen den beiden Halbzeiten habe ich von Josa Valentín zugeschickt bekommen. Er schreibt mir: "Den Inhalt der Kanülen, die Dutt seinen Schützlingen in der Halbzeit in die Pobacken injiziert hat, sollte der gebeutelte Trainer wohl besser für sich behalten." Josa sieht das 1:1 gegen Mönchengladbach sogar als "kleines Wunder von der Weser": "Dass am Ende trotzdem nur ein Punkt gegen den Abstiegskampf notiert werden darf, werden die einen als schade empfinden. Der genau Beobachter – in dem Fall, der Fan – sollte dafür in ekstatisches Jubelgeschrei ausbrechen und darf auch guten Gewissens den 'Andree Wiedener' anstimmen. Nach Niederlagen gegen Augsburg und Frankfurt kann das 1:1 gegen Favres Team schon mal Eingang ins Kapitel 'Wunder von der Weser' der grün-weißen Geschichtsbücher finden." Sein Ausblick in die nahe Zukunft: "Zu hoffen bleibt, dass der berühmte Aha-Effekt diesmal nicht ausbleibt – und das gute Gefühl nicht ausgerechnet in der umso wichtigeren Partie gegen die Eintracht flöten geht. Dieses Spiel, um Leben und Tod, um Klassenerhalt und Abstieg, um Sein oder Nichtsein, wäre jetzt einfach der falsche Moment, schlapp zu machen."

Ein toller Beitrag kam auch von meinem hochgeschätzten Kollegen "Burning Bush", der in seinem Blog "werder2013" dem SVW sogar Schizophrenie attestierte: "Da hat uns eine Mannschaft aber wieder ganz tief in ihre Seele blicken lassen. Die zwei Gesichter des SVW. Derartig schizophrene Züge geben mir ein Rätsel nach dem anderen auf. WERDER bot uns gestern in voller Gänze dar, zu was man im Stande ist – und zu was nicht." Recht harte Worte findet er zur Leistung von Verteidiger Lukimya: "Der, mit guten Worten kaum korrekt zu beschreibene, Fehlpass von Lukimya ist für mich Sinnbild des Selbstvertrauens dieser Mannschaft. Wie man es dreht und wendet – das ist vom alleruntersten dieser Spielklasse." Der für mich interessanteste Teil beschreibt die Stimmung während der Halbzeitpause: "Mit dem Halbzeitpfiff ist das unmittelbar aufkommende Pfeifkonzert der Zuschauer nicht zu ignorieren. Für mich einer der Schlüsselmomente des Spiels. Nachdem die Unterstützung im letzten Spiel gegen den BVB selbst beim 5. Gegentor kein Ende fand, würde man die Mannschaft heute nicht so davon kommen lassen. Sehr präsent und fast greifbar im Weserstadion." Seinen vollständigen Beitrag findet Ihr hier.

Zum Schluß muss ich noch folgendes loswerden: mir ist aufgefallen, wie krass seit neuesten in den diversen (a)sozialen Medien mal wieder auf Aaron Hunt eingedroschen wird. Es ist völlig legitim Kritik an einem Spieler zu üben, wenn man mit seiner Leistung nicht zufrieden ist, aber wie so oft im Leben macht der Ton auch hier die Musik. Hunt als (Zitat:) "Schwuchtel" zu bezeichnen ist nicht nur aufgrund der ekelhaft homophoben Art der Beleidigung völlig daneben und eines Werder-Anhängers krass unwürdig. Und wenn man schon Kritik übt, dann sollte die auch begründet sein. Ich musste beispielsweise lesen, dass Hunt "lauffaul" sein, obwohl Hunt von allen in dieser Saison bei Werder eingesetzten Spieler die zweitgrößte Laufdistanz zurückgelegt hat (nur Caldirola hat mehr Kilometer für Werder hinter sich gebracht) und sich seine durchschnittliche Laufgeschwindigkeit ebenfalls deutlich über dem Mannschaftsdurchschnitt befindet. Ferner musste ich lesen, Hunt wäre der "Fehlpass-König der Bundesliga", obwohl Hunts Passquote zu den Besten des gesamten Werder-Kaders gehört (nur die Quoten von Aycicek, Ekici, Prödl, Gebre Selassie und des mittlerweile zum FC St. Pauli gewechselten Trybull sind besser). Also Leute, bevor ihr meckert, informiert Euch doch bitte erstmal ordentlich. Auf meiner Facebookseite gibt's beispielsweise fast täglich frische Daten und Statistiken.

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Thilo Schmidt

In der "Grün-Weißen Stimmungslage" schreibt der 32-jährige Autor Thilo Schmidt über viele Themen rund um den Fußball-Bundesligisten SV Werder Bremen, gelegentlich auch über andere Fußball-Themen. Unabhängig, kritisch, investigativ, gelegentlich satirisch.

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