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Mittwoch, 21 August 2013 08:19

Erstens kommt es anders...

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gws006 Erstens kommt es andersWas haben wir nicht alle geunkt vor Saisonstart, auch ich. Miese Testspielergebnisse, minimalistische Transferpolitik, erneutes Ausscheiden im Pokal gegen einen Drittligisten, so ziemlich alles wies für Werder Bremen auf beinharten Abstiegskampf hin. Doch nun präsentiert sich der grün-weiße Stadtmusikanten-Klub in einem völlig anderen Bild: je ein 1:0-Sieg in Braunschweig und gegen Augsburg lassen den SVW derzeit von einem Europapokalplatz grüßen, ein solcher Saisonstart gelang Werder Bremen zuletzt zu Beginn der Saison 2006/2007 (4:2 in Hannover und 2:1 gegen Leverkusen), damals wurde man am Ende Dritter. Auch bemerkenswert: zwei Zu-Null-Siege in Folge, das gab es zuletzt in der Spielzeit 2009/2010 (am 32. Spieltag 1:0 gegen Köln, danach am 33. Spieltag 2:0 auf Schalke), auch diese Saison wurde auf dem dritten Platz beendet. Doch bei allen schönen Zahlenspiereien und bei aller Euphorie kann ich nur davor warnen jetzt abzuheben: am kommenden Wochenende müssen die Dutts zu den Kloppos nach Dortmund in den Pott, dieser Brocken dürfte deutlich schwerer zu stemmen sein. Meiner bescheidenen Einschätzung nach dürfte der BVB in dieser Saison das einzige Team sein, dass der roten Hydra aus München Paroli bieten könnte – für Werder ist da wohl kaum mehr als ein Punkt drin. Ich persönlich wäre damit aber völlig zufrieden.

Die bisherigen Ergebnisse waren also völlig anders als vor Saisonstart erwartet. Ebenfalls anders als erwartet dürfte es bisher für Stürmer Marko Arnautović laufen, die sechs Punkte wurden ohne ihn eingefahren. Und es ist zumindest stark zweifelhaft ob der exzentrische Österreicher in Zukunft zum Gewinn weitere Punkte beitragen wird, denn es vergeht derzeit kein Tag an dem nicht neue Wechselgerüchte um die Nummer sieben bekannt werden. Sympathiepunkte dürfte er sich mit seinen Reaktion eher wenige verdient haben, denn die bisherigen Angebote von Celtic Glasgow und West Ham United schienen dem 24-jährigen seiner unwürdig. Er würde Bremen nur bei Angeboten von Chelsea oder Real Madrid vorzeitig verlassen, sowas nennt man in Psychologenkreisen auch Megalomanie. Der Verein selbst macht längst keinen Hehl mehr daraus Arnautović, dessen Vertrag am 30. Juni 2014 ausläuft, abgeben zu wollen, um die Vereinskasse mit etwa sechs bis sieben Millionen Euro aufbessern zu können. Man setze ihn aber auch nicht unter Druck, hieß es heute in der Kreiszeitung Syke, der Verein würde seine Vertragslaufzeit respektieren. Mit Respekt ist das bei Arnautović aber so eine Sache: sein nächtliches Autobahn-Abenteuer, dass ihm zwei Spiele Suspendierung einbrachte, war gegenüber Mannschaft und Fans ebenso wenig respektvoll wie der kleine Eklat kurz nach seinem Wechsel zu Werder Bremen, als er einen Mitspieler großkotzig anschnauzte: "Was willst Du eigentlich? Ich bin Champions League-Sieger!" (obwohl er zum Erfolg von Inter Mailand 2010 keine einzige Spielminute beigetragen hatte und nur bei zwei von insgesamt 15 Spielen überhaupt im Kader stand). Die Liste von Respekt- und Disziplinlosigkeiten ließe sich leicht um viele weitere Punkte erweitern, doch das könnte man ihm alles nachsehen, wären seine Leistungen auf dem Platz entsprechend überragend – doch auch das war nicht der Fall. Arnautović absolvierte für Werder Bremen bisher insgesamt 82 Pflichtspiel-Einsätze, dabei erzielte er magere 16 Tore. Diese Quote ist bei weitem nicht gut genug, um sich ein solch flegelhaftes und anmaßendes Verhalten abseits des Platzes leisten zu können. Die Anzahl der Fans, die in ihm nur noch einen spätpupertierenden, nervenden und arroganten Möchtegern-Hipster sehen, steigt jedenfalls stetig an und nicht wenige wünschen sich, das er noch vor Ende der Sommer-Transferperiode (Montag, 2. September 2013, 12:00 Uhr) seinen Namen unter den Vertrag eines anderen Klubs setzt. Den Verein bemitleide ich allerdings jetzt schon.

Da wir gerade beim Thema endlose Ärgernisse sind: Trikotsponsor Wiesenhof macht mal wieder unrühmlich von sich reden. In einem gestern Abend vom ARD-Magazin "Report Mainz" ausgestrahlten Bericht (zu sehen hier) wird deutlich dokumentiert, dass die vollmundig und äußerst medienwirksam versprochenen Tierschutz-Verbesserungen beim Geflügelfleisch-Hersteller nicht im geringsten umgesetzt wurden. Arbeiter treten immer noch brutal auf die armen Tiere ein, die sich weder wehren noch ausweichen können. Werder Bremen hatte nach den (viel zu kurzen) Protesten zu Beginn der vergangenen Saison versprochen (!) Wiesenhof zu beobachten und, falls nötig, das Sponsoringverhältnis neu zu bewerten. Auch dieses Versprechen wurde bisher nicht eingehalten, fiel Wiesenhof in den vergangenen Monaten nicht nur durch systematische Tierquälerei negativ auf, sondern auch durch Lohndumping, Arbeiterausbeutung und Subventionsbetrug in Millionenhöhe. Nicht wenige Fans haben sich das neue Trikot, dessen diesjähriges Design durchaus ansprechend ist, in dem Vertrauen gekauft, Werder Bremen würde den unentfernbar auf der Brust aufbeklebten Sponsor wie versprochen kontrollieren, so das der Fan die Spielbekleidung seines Lieblingsklubs bedenkenlos und mit gutem Gewissen tragen könne. Das erweist sich nun ein weiteres Mal als Trugschluß und mir drängt sich die Frage auf, ob man das Trikot angesichts dieser beschämenden Umstände zurückgeben kann und falls nicht, wieviel ein öffentliches Versprechen eines Werder-Verantwortlichen noch wert ist. Ich werde mal eine entsprechende Anfrage mit Bitte um Stellungnahme an Werder Bremen schicken, über Ergebnisse werde ich Euch auf meiner Facebook-Seite auf dem Laufenden halten. Die Facebook-Seite dieses Blogs findet Ihr unter https://www.facebook.com/GruenWeisseStimmungslage.

Thilo Schmidt

In der "Grün-Weißen Stimmungslage" schreibt der 32-jährige Autor Thilo Schmidt über viele Themen rund um den Fußball-Bundesligisten SV Werder Bremen, gelegentlich auch über andere Fußball-Themen. Unabhängig, kritisch, investigativ, gelegentlich satirisch.

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