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Freitag, 11 Januar 2013 14:15

Wo bleibt der Brasilianer?

geschrieben von 

So jetzt hab ich bereits seit einigen Wochen keinen Blog mehr über meine Löwen veröffentlicht. Weder hier bei Fankultur noch in meinem privaten. Woran liegt das, denn eigentlich möchte man ja meinen es gäbe bei uns genug Stoff!?
Es fehlt mir zurzeit einfach irgendwie die Motivation und ohne Motivation ist die Kreativität stark eingeschränkt. Mich nervt Sechzig einfach gerade richtig massiv.

Zum einen ist es die sportliche Seite. Es ist immer das Selbe. Der Verein nimmt sich viel vor, die Mannschaft startet vielleicht sogar passabel, aber bricht dann mit Sicherheit ein undpokalbochum bietet zumeist Rumpelfußball per excellence. Von der sportlichen Leitung wird man immer nur gebeten der neuen Mannschaft, dem neuen Trainer zunächst etwas Kredit zu gewähren und geduldig zu sein. Aber warum sollte man noch geduldig sein? Die Herren vergessen dass wir seit der Saison 2000/01 fast ausschließlich diesen Grottenfußball geboten bekommen. Egal ob unter Lorant, Götz oder Schachner um nur einige Trainer zu nennen. Wie soll man nach fast 13 Jahren Augenkrebs noch Geduld haben? Fast 13 Jahre immer irgendwo im sportlichen Nirgendwo egal ob Bundesliga oder zweite Liga. Ausnahmen hier im negativen der Abstieg 2004 und im positiven die darauf folgende Saison wo man knapp am Wiederaufstieg scheiterte. Leute wie ich die zu den Allesfahrern gehören sind hiervon besonders betroffen, den wir investieren mit am meisten Zeit und Geld um diesen Diven hinterher zu fahren und sehen in der Folge auch die meisten dieser Spiele live. Genauer stört mich dieser schlechte Fußball vor allem bei „Heimspielen“. In Verbindung mit diesen tristen Spielen in der grauen Arena ist das einfach eine tödliche Mischung. Bei Auswärtsspielen hingegen hat man wenigstens eine lustige An- und Abreise mit Freunden die einen für den Kick entschädigt.

AA-Grundsteinlegung 13 11 2002-734074Zum zweiten nerven mich unsere Situation mit dem Investor und wie manche Fans damit umgehen bzw. Sie dafür zum Teil sogar mit verantwortlich sind. Jetzt frägt sich bestimmt manch einer wie Fans dafür verantwortlich sein können oder? Ganz einfach. In dem man zu allem „Ja“ und „Amen“ sagt oder grundsätzlich keine Meinung hat und zu jedem Schwachsinn einfach nur schweigt. Los ging es unter der Diktatur Wildmoser in der auch die Spaltung der Fanszene begann. Egal was der Entenmörder wollte, die Truppe der Lemminge unter Führung machtgeiler Funktionäre der Arbeitsgemeinschaft der Fanclubs (ARGE) segnete alles ab. Und da diese auch das höchste Vereinsorgan die Delegiertenversammlung mehrheitlich stellten waren die ARGE das ultimative Instrument zum Machterhalt. Man versprach Ihnen einfach Erfolg und Freikarten was Grund genug war jede noch so stupide Idee ohne zu denken durchzuwinken bzw. ihr sogar zuzujubeln. Das ärgste und verheerendste Beispiel ist die Allianz-Arena. Wie blöde musste man sein bei diesem Projekt nicht auf die Barrikaden zu gehen bzw. dann die als „Störer, Plärrer und Verräter „ zu beschimpfen die auf die Barrikaden gingen? Sein wir doch mal ehrlich, war es jemals nötig das der TSV 1860 ein Stadion für 70000 Leute braucht? War es jemals realistisch das ein TSV 1860 so ein Stadion zu gleichen Teilen finanzieren kann wie ein Verein der (fast) jedes Jahr Titel holt und schon allein in der CL Millionen pro Saison einfährt? Wohl eher nicht! Aber wie bereits erwähnt Wildmoser versprach Erfolg und keiner kam auf die Idee, dass es sportlich auch abwärts gehen könnte oder es Probleme bei der Finanzierung gibt. Nicht mal als die Kirchkrise durch die Bundesliga fegte und man aufgrund von finanziellen Engpässen eine Baugrube für eine Sporthalle auf dem Trainingsgelände wieder zuschütten musste wurden kritische Stimmen laut.

Wie es weiterging ist ja bekannt. Wildmoser musste im Frühjahr 2004 aufgrund der Stadionaffäre gehen, ein paar Wochen später stieg der TSV ab und seit dem nicht mehr auf.1595283686-brasilien-2j09 Die erste beinahe Insolvenz wegen der Arena folgte kurz vor Saisonende 05/06 und man musste die Anteile an der Arena an die Roten verkaufen damit das Pack uns „rettet“. Jetzt war man nur noch Mieter beim verhassten Rivalen. Viele Löwenfans währen damals bereits lieber insolvent gegangen und zwangsabgestiegen. Aber der Großteil hat es hingenommen, Hauptsache Profifußball. Im Jahre 2011 war man wieder so gut wie insolvent. Und was macht Präsident Dieter Schneider, welcher damals frisch im Amt war? Anstatt einer geordneten Insolvenz mit Neuanfang z.B. in der Bayernliga, verkauft er die Mehrheit der Anteile der Profisspielbetriebsgesellschaft (GmbH & Co. KGaA) an einen dubiosen Geschäftsmann aus Jordanien (liebevoll Scheich oder Mecki genannt). Für mich ein echter Schock, jetzt waren ausgerechnet meine Löwen der erste deutsche Verein der sich so eine Fußballheuschrecke eingefangen hat. Einige Löwenfans gehen seit dem gar nicht mehr zu Mannschaften der KGaA, manchen nur noch mit Bauchweh. Ich z.B. gehe zwar noch hin, aber stecke kein Geld mehr in die Firma. Meine Dauerkarte hab ich nach 17 Jahren gekündigt und gehe jetzt mit meinem Schiedsrichterausweis umsonst ins Stadion. Auch die emotionale Bindung welche dank der Arena eh schon beinträchtig war litt stark. Ist das überhaupt noch Sechzig? Der Verein den ich liebe, der der 66 Meister wurde, 65 in Wembley im EC-Finale stand, mit dem ich in Meppen oder Leeds war das ist der TSV München von 1860 e.V. und nicht diese Firma. Und dieser Verein hat seine höchste Herrenmannschaft zurzeit nun mal in der A-Klasse. Wie dem auch sei auch hier war es dem Großteil der Fans egal bzw. Sie waren dankbar für die „Rettung“ und Hauptsache Profifußball egal wie ehrlos. Und wie es bei solchen Fans immer ist, fingen Sie gleich wieder das Träumen an. CL gegen Barcelona und einen Brasilianer kaufen war für viel nur noch eine Frage der Zeit denn Sie meinten wohl das es Sechzig so ergeht wie ManCity. Aber Pustekuchen, es ging sportlich so weiter wie jedes Jahr, mit Mittelmaß, keine Superstars, keine Brasilianer.

ismaikschneiderInzwischen ist diese ganze Investorengeschichte wieder zu einer richtigen Posse verkommen, wie es sie nur bei Sechzig geben kann. Das Bild das der TSV zurzeit mal wieder in der Öffentlichkeit abgibt ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten (wobei man das ja über die Jahre gewohnt ist). Zu allem Überfluss spaltet der offene Streit zwischen Präsident und Scheich die Fans in noch mehr Lager. Die Fans die pro Rettung durch Investor waren bestehen jetzt aus zwei Lagern: Die einen sind pro Dieter Schneider, denn er hat ja den Verein durch seinen Einsatz gerettet und ist als Präse eh der Chef der lächelnd auf Fanclubfeiern winkt. Die anderen sind pro Ismaik. Sie meinen das „Löwenfreund“ Ismaik der Erlöser ist und Schneider der Champions League und den Brasilianern im Wege steht. Ich bin in der glücklichen Position zu keinem der beiden Lager zu gehören, ich bin gegen beide. Gegen Ismaik weil Investoren Gift sind und gegen Schneider weil er nun mal den Verein verkauft hat. Und zurzeit erntet Schneider nur die Geister die er rief.

Ich hoffe inständig, dass der Investor sein Engagement beendet und diese KGaA endlich an die Wand gefahren wird. Eine geordnete Insolvenz ist das einzige was Sechzig wirklich retten kann. Man wäre die Schulden los, man wäre die Arena los und könnte frisch daheim im Sechzigerstadion von neuen anfangen. Und selbst wenn wir auf ewig in der Bayern- oder Regionalliga rumdümpeln und gegen Verein wie Fürstenfeldbruck mit 0:5 vor 1500 Zuschauern verlieren wäre so ein Spiel nicht annähernd so trist wie ein Sieg in der grauen Arena an der Autobahn. Aber ich bezweifle das es so weit kommen wird. Mit Sicherheit wird es wieder irgendeinen faulen Kompromiss geben. Ihr werdet sehn bald gibt es eine gemeinsame Pressekonferenz, beide machen auf Friede Freude Eierkuchen und stellen dabei den nächsten drei Jahresplan vor. Alle denken wieder: „Super jetzt steig ma auf und der Brasilianer sitzt schon so gut wie im Flugzeug“. Und in einem halben Jahr ist man wieder dort wo wir jetzt stehen. Hurra!

Phillip Rapp

Geboren bin ich im Jahre 1982, aufgewachsen in 8000 München 90; München-Giesing (wo ich immer noch wohne) und arbeite im öffentlichen Dienst.

Ich bin Allesfahrer beim TSV 1860 München und leidentschaftlicher Groundhopper mit einem besonderen Fable für Amateurgrounds.

Wenn Ihr mehr über meine Touren lesen wollt könnt Ihr das in meinem regulärem Blog "Fußballtagebuch eines Blauen" welches Ihr unter http://oidgiasinger.blogsport.de/ findet.

Viel Spaß beim schmöckern!

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