Man könnte darauf hoffen das Vereine und Verbände hierbei ein Vorbild sind, zeigen, wie man erfolgreich gegen Neonazis vorgehen kann und Abstand nehmen von reiner Symbolik. Doch auch hier gleicht das Handeln genau dem, was auch Polizei, Staat und Menschen tun. Es gab die rote Karte gegen Rassismus, Aktionen mit Reden von Spielern und Funktionären und Stellungnahmen zu konkreten Vorfällen, doch nichts, was das Problem wirklich angeht. Auch wenn es mal konkreter wird und ein Verein gezielt sich äußert, endet das Engagement oft mit dem Absenden einer Stellungnahme, in der immer wieder erklärt wird, das selbstverständlich keine Neonazis gewünscht sind. Dies ist wohl auch das Mindeste was ein Verein tun kann, doch hat eine symbolische Aktion wie eine solche Stellungnahme keinerlei negative Auswirkungen auf die rechten Gruppen im Stadion. Es trifft sie nicht, sie haben nichts zu befürchten, denn der Kampf wird ihnen in solchen Schriftstücken wenn überhaupt nur angedroht, in kaum einem Fall aber wirklich aufgenommen. Es fehlt hierbei eine Verknüpfung zwischen Polizei und Vereinen, die sich ausschließlich mit rechten Gruppen, rechter Gewalt und ihren Ausdrucksformen beschäftigt und so gezielt mit Stadionverboten gegen Neonazis vorgehen könnten, wie es Werder Bremen für einzelne Personen des Dortmunder Anhangs getan hat. Auch die Verbände haben kein großes Interesse daran, Neonazis zu bekämpfen, da sie in den vergangenen Monaten ihre Zielgruppe auf alle aktiven Teile der Kurve ausgerichtet hatten und kein Auge für die rechte Gefahr frei hatten. Genau wie die Vereine reagierten sie mit symbolischen Aktionen auf rechte Vorkommnisse, nicht aber mit entschlossenen Handlungen. Hier allerdings liegt ein weiterer gefährlicher Trugschluss, denn die Diskussion um Sicherheit und Gewalt kann keine Erfolge erzielen, wenn man sich hierbei auf Ultras konzentriert. Oftmals sind es gerade die Ultras, die durch ihre Philosophie und Überzeugung von Vielfalt in der Kurve den Rechten entgegentreten und Paroli bieten.
Daher benötigen wir dringend konkrete Konzepte und Überlegungen, wie vorgegangen werden soll, wenn rechte Gruppen in die Kurven drängen und Fans auf die politische Gesinnung aufmerksam werden. Es muss ein Teil des Dialogs zwischen Fans, Vereinen, Verbänden und Polizei werden, denn sonst werden wir immer wieder Zustände wie in Aachen haben. Schweigt die Masse kann sich eine Gruppe wunderbar entfalten und vergrößern, Macht erringen und sich stärken, bis zu dem Punkt, wo der Kampf gegen andere, gegen all jene, die nicht der Ideologie folgen, begonnen werden kann. Zuerst sucht man sich hierbei die Linken raus, die meist in geringer Zahl versuchten die Neonazis aus den Stadien zu bringen. Doch glaubt ihr wirklich, es wäre Ruhe, wenn die Linken vertrieben wären? Für viele ist eben dies die Rechtfertigung nichts zu tun. Man ist nicht links, hält von Politik im Stadion sowieso nichts und von daher ist es einem lieber, man hört nicht viel von den Rechten, als das man sich antifaschistische Dinge seitens der Linken anhören muss. Ein Eigentor, das gefährlich werden kann. Wie auch auf der Straße heißen die Opfer der Rechten nicht nur „Antifa“ und „Ausländer“, sondern ein Jeder von uns, egal ob links oder nicht, egal ob Ausländer oder nicht, ist ein potentielles Opfer rechter Täter.
Für uns Fans, die Fußball und ihren Verein lieben kann es daher nur ein Ziel geben: Ein offensiver Kampf gegen Rechts, den jeder nach seinen Möglichkeiten vollzieht. Hinweise aus den Kurven an Verein und Polizei immer dann, wenn rechte Symbole oder Verhaltensweisen gesichtet werden. Engagiertes und ernstzunehmendes Vorgehen der Vereine, durch genaue Betrachtung der Lage und eine gezielte Anwendung von Stadionverboten für genau diese Gruppen, nicht für jene, die angeblich irgendwann irgendwo bei irgendeiner Straftat gesichtet wurden. Die Verbände müssen erkennen, das eine Debatte um Sicherheit und Gewaltbekämpfung nur dann erfolgreich und sinnvoll sein kann, wenn man sich auf wahre Gewalttäter wie Neonazis konzentriert, statt Pyrotechnik mit Rechtsextremismus und Gewalt gleichzusetzen und die Übeltäter in der gesamtem Ultraszene zu suchen. Die Polizei muss bereit sein ebenfalls engagiert zu arbeiten und in den stärkeren Dialog zu treten. Nur gemeinsam kann man diesem Problem, was bei manchen Vereinen stärker, bei anderen schwächer auftritt, lösen.
In diesem Sinne erhoffe ich mir das die breite Masse das Schweigen bricht und die Augen öffnet. Eine Masse aus Fans, Vereinsvertretern, Polizisten und Funktionären muss begreifen das Fußball und gesellschaftlicher Alltag in diesem Bereich sich sehr ähnlich sind und wir mit den Handlungsweisen des Alltags keine Probleme beheben, sondern sie lediglich verschweigen, deckeln und unsichtbar machen, bis sie explodieren und ganz (Fußball-)Deutschland wieder erschrocken und schockiert ist, wie denn solche Rechte Gewalt möglich sei. Nur so, durch engagiertes Handeln, statt wilder Symbolik kann wirklich Sicherheit erzeugt und Gewalt verhindert werden.


