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Montag, 19 August 2013 14:44

Bundesliga - jetzt sind wir wieder da!

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Unsere Braunschweiger Eintracht ist mit drei Niederlagen in die Spielzeit gestartet und steht somit ohne Punkte in der Tabelle der Bundesliga und hat sich auch aus dem Pokal verabschiedet. Auf dem Papier könnte es also schlechter kaum aussehen. Lediglich die noch schlechteren Ergebnisse dreier anderer Vereine bewahren uns scheinbar vor den Abstiegsrängen. Die Faktenjäger und Internetexperten dürften daher schon jetzt größte innere Erregung verspüren: Haben sich doch ihre ach so sensationellen Voraussagen bewahrheitet: Braunschweig ist nicht reif für Liga 1. Doch sind dies lediglich Zahlen und Sätze auf Papier, ob echtem oder digitalem ist dabei völlig egal. Interessant ist, was sich auf dem Platz, den Rängen, in der Mannschaft abspielt. Auch wenn die Bundesliga mehr als jede andere deutsche Spielklasse nun mal auch den Ergebnisfußball prägt, liegt die Wahrheit noch immer auf dem grünen Rasen und nicht in den tiefen digitaler Datenbanken.

Wer sich die Auftritte der Eintracht direkt angeschaut hat, konnte etwas anderes betrachten: Die Experten, die unsere Eintracht von Beginn an abgeschrieben haben, haben bisher kein bisschen Recht! Natürlich haben wir uns alle etwas anderes erhofft, doch was erwarten wir denn? Im Pokal bekommen wir eines, wenn nicht DAS, schwerste Los aus dem „Amateure“-Topf: Bielefeld. Selbst gerade aufgestiegen hatten sie gegen uns, auch wenn neuen, Bundesligisten nichts zu verlieren. Dazu noch eine volle Hütte im Rücken und schon trifft uns genau das, was wir so oft selbst geschafft haben: Die Sensation, wenn der „Kleine“ den „Großen“ schlägt. Ärgerlich, aber kein Skandal. Dazu kommt, das wir unsere Mannschaft und Startelf mit mehreren Neuzugängen erweitert haben und somit das bisher perfekt einstudierte taktische Verständnis von Beginn an gar nicht so funktionieren kann wie sonst.

„28 Jahre wurde etwas vermisst – EINTRACHT“

Am ersten Spieltag der Bundesliga-Saison hieß der Gegner Werder Bremen. Eine Mannschaft, die ebenfalls von Beginn an in der unteren Tabellenhälfte untergebracht war, wenn man den diversen Meinungen wahrer Experten und Möchtegern-Fachmännern Gewicht schenkte. Vor Beginn des Spiels gab es eine Choreo, die zeigte, das nicht nur die Mannschaft und der Verein in Liga 1 angekommen waren, sondern auch die Fans der Eintracht ganz oben mitmischen können. Die heimische Südkurve zeigte sich erst mit schwarzen Folien als eine dunkle Fläche, vor der ein schwarzer Banner mit weißer Aufschrift „28 Jahre wurde etwas vermisst“ angebracht war. Pünktlich zum Einlauf der Spieler wendeten sich die Folien und die Kurve erstrahlte in Blau und Gelb, ebenso der Banner, welcher die gleiche Aufschrift wie vorher trug. Darauf folgten große Folien, die vom Stadiondach bis zum Zaun reichten, auf denen das lange vermisste zu lesen war: EINTRACHT. Für diese Arbeit meinen größten Respekt an die Macher und Initiatoren!

Das Spiel begann wenig spektakulär, mit Vorteilen im Ballbesitz für Bremen, jedoch nur solange, bis sie unsere Hälfte betreten wollten. Dort arbeitete das Mittelfeld sowie die Abwehr sehr stark und Petkovic im Tor klärte alles, was dann doch durch unsere Reihen kam. Diese Erkenntnis war auch jene, die am wichtigsten war: Wir gehen nicht unter! Die Mannschaft kämpft und gibt alles! Mehr erwartet keiner in Braunschweig. Zumindest niemand, der nicht aufgrund des Aufstiegs Anhänger der Eintracht ist. So wurde die Mannschaft zum Halbzeitpfiff unter großem Jubel verabschiedet. Die 2. Halbzeit begann mit einer Großchance für Bremen in der 48. Minute, doch zeigte Petkovic auch hier sein Können und hielt die Null fest. Braunschweig kam mit der Einwechslung von Boland richtig in Fahrt und spielte ab der 60. Minute offensiven Fußball. Auch hier zeigte sich der Wille und die Leidenschaft mit der jeder einzelne Spieler an die Sache heran ging. Leider fehlte an diesem Tag das Glück, die Latte war im Weg und das Tor manchmal ein paar Zentimeter zu klein. Bremen fiel in dieser Zeit hauptsächlich durch seinen Anhang auf, welcher sich in der Mitte der zweiten Halbzeit mit Pyro und Spruchband „Kein Fußball den Faschisten“ präsentierte. Als Reaktion darauf gab es aus der Braunschweiger Kurve vereinzelt Pfiffe, teilweise jedoch auch Applaus. Ich persönlich danke den Bremern für diese kleine „Choreo“! Faschisten haben die Politik in die Stadien gebracht, also müssen sie heute auch mit der Politik ihrer Gegner leben!

Doch nun weg von der Politik und zurück zum Spiel. Eintracht drückte weiter und Bremen kontert. Immer wieder versuchten sie unsere Abwehr zu durchbrechen und scheiterten. In der 82. Minute klappte es dann doch und Bremen schaltete schnell genug um. Ein langer Ball, ein Heber, 0:1. Sofort erinnerte ich mich an ein Pokal-Spiel vor einigen Jahren. Braunschweig als Drittligist gegen die großen Bremer von der Weser. Lange hielten wir mit, doch kurz vor Ende fingen wir uns ein Gegentor. Den Sieg hätten wir damals wie heute verdient, doch in keinem von beiden Spielen hatten wir Erfolg. Jetzt war es wichtig die richtige Reaktion auf das Gegentor zu finden. Die Angst war groß, das nun die Mannschaft einen Knacks bekommt. Es wäre verständlich gewesen, als Aufsteiger, der 82. Minuten alles gegeben hat, fängt man sich ein solches unglückliches Tor. Doch die Reaktion war von Mannschaft wie Fans eindrucksvoll. Sofort nach dem Ausgleich schallte ein lautes „Eintracht, Eintracht, Eintracht“ aus der Kurve und die Jungs in Blau-Gelb sammelten nochmals alle Kräfte die noch übrig waren. So kam man in den letzten 10 Minuten des Spiels noch zu zwei Großchancen, mehreren Ecken und einem Freistoß aus ca. 20 Meter. Jedoch hatte Bremen das Glück auf seiner Seite. In der 88. Minute rettete ein Spieler den Ball auf der Linie, Neuzugang Jackson verpasste kurz darauf das Tor nur knapp mit einem Kopfball und auch der Freistoß ging nicht gefährlich aufs Tor. Abpfiff. Enttäuschte Gesichter, bei Spieler wie Fans. Doch war uns allen bewusst, das diese Niederlage nicht auf die Kappe unserer Truppe ging, sondern einfach das Ergebnis von fehlendem Glück und vielleicht auch der ein oder anderen skurrilen Schiri-Entscheidung war. Das, was unsere Mannschaft geleistet hatte, war wunderbar und ein Beweis der Qualität, die in ihr steckt. Aus all diesen Gründen fanden sich bis knapp eine Stunde nach Spielende noch immer mehrere hundert Eintracht-Fans in der Kurve wieder, die unermüdlich für die Mannschaft sangen. Es musst raus! Der Stolz, die Dankbarkeit. Wir haben verloren, doch unsere Mannschaft ist das Größte! „Wir sind Stolz auf unser Team – Eintracht Braunschweig!“

Auswärts in Dortmund - „Wie viele fangen wir uns?“

Nachdem wir also gegen Bremen unglücklich verloren hatten, stand nun das erste Auswärtsspiel auf dem Plan: Dortmund, Westfalen-Stadion. Wahnsinn! Voller Vorfreude ging es nach Dortmund, wo ich mich fragte, warum der Verkauf der letzten 1000 Auswärtskarten 4,5 Stunden vor Spielbeginn anfängt. Aber sei es drum, in Dortmund kann man die Zeit schon totschlagen, bis die Braunschweiger aus Braunschweig ankommen. Außer dem wäre der Verkauf der Auswärtskarten derzeit sowieso einen Beitrag für sich Wert...Nun aber zum Spiel: Gut 7000 Fans der Braunschweiger waren angereist um sich dieses Spiel anzuschauen. Fragte man mal rum, wie das Spiel wohl endet, hatte nahezu jeder den Tipp mit einer 3 oder 4 vor dem Doppelpunkt. Eine Klatsche hätte hier niemanden gewundert und auch nicht gestört. Der Traum Bundesliga ist Geschenk genug. Die Stimmung war mit dem Anpfiff gut und wurde immer besser. Vor dem Anpfiff gab es eine Choreo, bei der blaue, gelbe, weiße und rote Fahnen Blöcke in die Farben des Vereins und der Stadt färbten. Auf dem Rasen sah man das, was man erwarten konnte. Dortmund war spielbestimmend und drückend. Doch schaffte es das Bollwerk Braunschweig die Kiste in der ersten Halbzeit sauber zu halten und immer wieder gelang es den leidenschaftlich kämpfenden Löwen den Millionen-Männern des BVB´s die Bälle zu klauen, wegzutreten oder kontrolliert nach vorn zu spielen. Diese Angriffe führten zwar selten zu Großchancen, doch zeigte es, das hier zwar zwei Mannschaften mit unterschiedlichen Qualitäten spielen, wir aber auch nicht Spanien gegen Nordkorea sehen. Wir Fans feierten jede Minute, in der es 0:0 stand und träumten vom Punktgewinn in Dortmund. Für uns alle wäre dies eine Sensation! Die Mannschaft zeigte auf jeden Fall das dies möglich war.

In der zweiten Hälfte ging es eigentlich weiter wie in der Ersten. Dortmund machte Druck, unsere Eintracht verteidigte und schaffte hin und wieder einen guten Durchbruch nach vorn. Auffällig und für uns zu dem Zeitpunkt nicht erklärbar war die Stille der Südkurve. Erst als in der 75. Minute Hofmann es schaffte den Ball in unserem Tor unterzubringen und uns aus den Träumen des Punktgewinns riss, wurde das Stadion und die Kurve laut. Der Grund für dieses Schweigen war eine Polizeikontrolle, bei der laut Presse 60 Ultras gefilzt wurden und ihnen von der Polizei untersagt wurde, Trommeln mit ins Stadion zu nehmen. Als Reaktion auf diese Willkür reagierten alle Dortmunder Ultragruppen mit einem Stimmungsboykott. Ob die übrigen Fans aus Solidarität schwiegen, weiß ich allerdings nicht. Auf dem Rasen stand es nun also 1:0 für den BVB und Dortmund ließ den Ball nun durch die Reihen laufen und drang hin und wieder in den Strafraum vor, wo Hofmann in der 85. Minute von Bicakcic zu Fall gebracht wurde. Reuss verwandelte den Elfmeter zum 2:0. Die Reaktion unserer Braunschweiger war wie nach dem 1:0 in der 75. Minute bzw. dem 0:1 gegen Bremen. „Weiter kämpfen!“ Es wurde mit letzter Kraft gerannt und gegrätscht, gekämpft und geackert und so belohnten sich unsere Löwen kurz vor Schluss mit dem Anschlusstreffer zum 2:1 nach einer Ecke durch Kratz. Die Freude war riesig und ein kleiner Funke Hoffnung auf die Sensation, den Ausgleich keimte kurz auf. Der Abpfiff folgte jedoch schnell und so verloren wir erneut, doch haben wir wieder Löwen gesehen, die Löwen sind. Eine Mannschaft, die gegen Dortmund 75. Minuten das Tor sauber hält! Ein Team, in dem jeder für jeden alles gibt und alle zusammen eine EINTRACHT bilden, die mit Stolz, Liebe und Respekt den Löwen auf der Brust tragen und das Erlebnis Bundesliga leben! Auch hier gab es nach dem Spiel noch lange Gesänge, die der Mannschaft zeigten, das wir in keinster Weise enttäuscht oder sauer über die Leistungen sind. Im Gegenteil, wir sind Stolz auf diese Leistung! Doch in den Gesichtern der Fans sah ich genau das, was ich fühlte: Verwirrung. Freu ich mich darüber, das wir so gut gestanden haben und bloß 2 Dinger kassiert haben? Ärger ich mich, das wir den Punkt unglücklich verloren haben? Dortmund hat verdient gewonnen, keine Frage, aber bei dem Kampf unserer Mannschaft hätte sie sich einen Punkt auf jeden Fall verdient.

Bundesliga ist mehr als 3 Punkte!

Alles in allem kann ich aber sagen das es ein Gefühl gibt, das mich derzeit durchkommt, in jedem Moment, in dem ich an die Eintracht denke: Stolz! Stolz auf das, was ihr, liebe Spieler, auf dem Platz gezeigt habt. In jedem Spiel habt ihr mit Leidenschaft alles geben und habt euch nicht im geringsten irgendetwas vorzuwerfen. Die 0 Punkte sind Scheißegal. Wir erwarten nichts, nur die Leidenschaft und den Kampfgeist, den ihr habt und immer hattet! Natürlich, gerne hätten wir gegen Bremen einen oder gar drei Punkte gehabt, gestern in Dortmund auch gern einen Punkt mitgenommen, aber wir dürfen nie vergessen, woher wir kommen. Uns fehlt es nicht an Qualität für den Klassenerhalt, liebe „Experten“, wir sind auch kein Fürth. Unseren Spielern fehlt die Erfahrung, die sie derzeit sammeln und die sie noch stärker machen wird. Im Verlauf der Hinrunde wird es erkennbar werden, das diese Erfahrung kommt und sich aufbaut. Das Einstudieren von taktischen Abläufen geht weiter und unsere Verantwortlichen haben es bisher immer gezeigt: Die langfristige Arbeit zahlt sich aus! Mein Vertrauen hat jeder dort im Verein und ich bin mir sicher das wir bald ein Spiel wie gegen Bremen gewinnen werden.

Ich kann für mich nur sagen das es nichts geileres gibt als Braunschweiger zu sein. Ein Leben mit der Eintracht ist wundervoll und ich danke jedem einzelnen im Verein für die Arbeit, die jeden Tag geleistet wird. Diese Saison ist für alle zum genießen, denn es ist die Krönung der letzten Jahre. Komme was wolle, es geht um mehr als um den Sieg. Es geht darum, der Mannschaft das zu geben, was sie verdient, diese wunderbare Stadt zu repräsentieren und zu zeigen, das Braunschweig nach ganz oben gehört. Und, auch wenn es heute viel zu früh dafür ist und ich auch nicht glaube das es soweit kommt: Stehen wir am Ende doch unter dem Strich und gehen wieder runter, dann steige ich lieber mit dieser unseren Mannschaft ab als mit einem Haufen zusammengekaufter Söldner die Klasse zu halten. Doch davon gehe ich gar nicht aus und viel lieber als mit dieser Mannschaft abzusteigen würde ich mit dieser Mannschaft all den selbsternannten Experten zeigen, das Braunschweig den Klassenerhalt schafft! Auf diesem Weg habt ihr unsere vollste Unterstützung und für das bisher Geleistete kann ich nur sagen:

Danke Eintracht, Danke Mannschaft!

Wir sind Stolz auf unser Team!

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