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Mittwoch, 06 März 2013 21:00

Erlebnis "Auswärtsfahrt"

geschrieben von in Für Fußball und gegen Kommerz!

UnbenanntAuswärtsfahrten sind für viele Fußballfans immer wieder besondere Erlebnisse. Zu dem eigentlichen Grund für die Fahrt, die eigene Mannschaft auf fremden Platz zu unterstützen und zum Sieg zu singen, gibt es diverse andere Dinge, die Auswärtsfahrten zu ganz speziellen Spielen machen. In diesem Blog soll es um ein paar meiner persönlichen Erfahrungen bei Auswärtsfahrten gehen, hierbei jedoch weniger um die Spiele an sich, als um das eben angesprochene „drumherum“. Zu Beginn meines Fan-Daseins, ich wohnte damals noch in Braunschweig, folgten Auswärtsfahrten einem gewissen, sich immer ähnelnden Schema: Mit Zug oder Auto in die Stadt des Gegners, unterwegs in Stimmung bringen, ab ins Stadion, danach in großen Gruppen die abreise antreten. Heute, da ich inzwischen aus Braunschweig weggezogen bin und im nördlichen NRW lebe, reise ich meist allein zu den Auswärtsspielen an und eben auch ab. Dies gibt mir heute andere Einblicke und bringt neue Erfahrungen mit sich, die man als reisende Gruppe eher selten hat. Aus aktuellem Anlass, den ich im weiteren Verlauf aufgreife, möchte ich meine Erfahrungen hier teilen.

Meine erste Fahrt zu einem Auswärtsspiel ging in der Saison 2002 / 2003 nach Berlin. Mit dem Sonderzug ging es direkt zu einem naheliegenden Bahnhof, von dort per Fußmarsch durchs Viertel zur Alten Försterei. Unterwegs begleiteten uns immer wieder Beleidigungen und Schmährufe von Balkonen und aus Fenstern. Für mich damals ein beeindruckendes Erlebnis, mit rund 2000 Braunschweigern durch Berlin zu laufen, umzingelt von der Polizei, beleidigt von den Unionern. Eine Situation, die viele kennen werden und auch das Gefühl dabei, mit einer solchen Masse aufzutreten und zu zeigen „Braunschweig ist da“ ist durchaus euphorisierend. Das Spiel gewannen wir mit 1:0 und so wurde gut gelaunt der Rückweg angetreten, wobei uns diesmal Tomaten entgegen kamen als wir den Bahnhof betreten haben. Auch das störte mich wenig und so war der Grundreiz gesetzt, der mich bis heute zu einem großen Freund von Auswärtsfahrten macht.

Weitere Fahrten folgten und eine Tour zum Regionalligaspiel nach Essen erwies sich als besonders Ereignisreich. Mit dem Bus ging es an einem Freitag Abend zum Spiel gegen RWE,wo wir, anders als in Berlin, nicht mit ganzen Tomaten, sondern Ketchup Bekanntschaft machten. Man lernt auch im Bereich des Fußballs nie aus und trifft immer wieder auf neue Möglichkeiten, anderen Fans seine Abneigung mitzuteilen, doch solange es keine Fäkalien sind finde ich es zwar nicht schön selbst getroffen zu werden, aber sehe darin keine Gefahr oder Bedrohung meiner und anderer Personen. Erste wirklich unangenehme Erfahrungen machte ich auf einer Fahrt zum Spiel gegen die Zweite vom BVB. Direkt bei der Ankunft in Dortmund wurden wir von der Polizei aus dem Regionalexpress geholt und es wurde uns direkt klar gemacht wie die Machtverteilung aussieht. Mit der U-Bahn ging es weiter Richtung Westfalenstadion, in dem die Partie ausgetragen wurden. Die Reise endete jedoch kurz vor unserem Ziel, als die Polizei uns unter Körpereinsatz aus der Bahn zog und uns dann am verlassen des U-Bahnaufgangs hinderte. Nach gut einer Stunde fanden sich die meisten von uns im Polizeigewahrsam wieder, ohne überhaupt zu wissen was vorgefallen war oder auch nur einen Funken von Auskunft über Gründe für bisher getroffene und geplante Vorgehensweise zu bekommen. Verlassen durften wir das Revier nach Abpfiff des Spiels, begleitet von der Polizei, zu einem Regionalbahnhof in der Nähe des Stadions von wo aus wir in einem, extra abgetrennten Wagons des Sonderzugs wir die Heimreise antreten mussten. Das Nachspiel dieser Aktion ging noch eine Weile und es stellte sich heraus, das eine Auseinandersetzung zwischen Einfacht-Fan und Zivilbeamten der Auslöser für diese Willkür war. Auf dieser Reise bekam ich zum ersten Mal einen Eindruck davon, welche Probleme und Gefahren Auswärtsfahrten mit sich bringen können und mit welcher Willkür die Polizei problemlos ihre Ziele durchsetzen kann.

Schon lange frage ich mich, wie es in einem Land wie Deutschland sein kann, dass das Thema Rechtsextremismus mit einer solch laschen und fast schon desinteressierten Art und Weise behandelt wird, das ein Jeder nach rechten Gewalttaten, die in den Medien berichtet werden, völlig schockiert ist und sich fragt, wie es nur dazu kommen konnte und Gegenmaßnahmen oftmals als pure Symbolik beschrieben werden können. Eine Antwort darauf habe ich bis heute nicht gefunden, denn scheinbar denkt der Großteil der Menschen tatsächlich symbolischer Aktionismus ist sinnvoll und erfolgreich. Selbst die Vertreter unseres demokratischen Staates interessieren sich nur begrenzt für die Aktivitäten und Machenschaften der Rechten, wie man in den vergangenen Monaten immer sehen konnte.

gegen nazis

Doch was hat diese gesellschaftliche Problematik mit dem Fußball und den Fans zu tun? Sehr vieles, da auch in deutschen Fanszenen und Stadion Neonazi ihr Unwesen treiben und sich oftmals nur eine kleine Gruppe um die Bekämpfung und Ablehnung dieser Gruppen bemüht. Viele andere stehen währenddessen schweigend und blind im Stadion, obwohl die Anwesenheit von Rechten kein Geheimnis ist. Eigene Lieder, wie das „Auschwitz-Lied“, Reichskriegsfahne oder rechte Symbole und Aussagen auf Bannern, Aufklebern und Spruchbändern zeigen immer wieder deutlich das es sich hierbei genauso wenig um Einzelfälle handelt, wie bei den Gewalttaten der Neonazis außerhalb des Stadions. Dennoch scheinen viele nicht gewillt, den Neonazis entgegenzutreten. Die Erfahrungen aus dem gesellschaftlichen Alltag sind noch nicht schlimm genug, so scheint es, damit die Masse merkt, um wen es sich bei Rechtsextremen handelt. Es zeigt sich auch das durch die längerfristige Anwesenheit von Neonazis, egal wo, die Bereitschaft zum Kampf gegen eben diese Gruppen verringert wird. „Die tun uns nichts, wir tun ihnen nichts.“ „Solange sie für den Verein kämpfen, ist uns die politische Haltung egal.“ … Es gibt genug solcher unklugen Aussagen, die zeigen, das auch in den Fanszenen noch einiges zu tun ist, wenn es um den Kampf gegen Rechts geht. Auch der Umgang mit rechter Musik, in der Fanszene oft als „Fußball-Rock“ oder ähnliches deklariert, ist teilweise fragwürdig. Bands wie z.b. KC werden auch von denen gehört, die keiner rechten Gruppe angehören, aber gleichzeitig auch keine ablehnende Haltung an den Tag legen. Der Weg zum Stadion oder die Fahrt zum Auswärtsspiel dient ebenfalls als gute Chance für Neonazis sich in der Szene zu verankern und Sympathien zu erlangen. Gerade bei Jugendlichen ist auch das Überschreiten von Grenzen ein erfolgreiches Lockmittel, wobei wir wieder bei Liedern wie dem „Auschwitz-Lied“ oder ähnlichem wären, was ebenfalls eine latente und unterschwellige Akzeptanz rechter Gruppen in einigen Szenen zeigt.

Donnerstag, 20 Dezember 2012 09:52

Warum wir wurden, wie wir sind

geschrieben von in Für Fußball und gegen Kommerz!

Genießen, nicht mehr, und nicht weniger! Getreu diesem Motto leben derzeit tausende Anhänger der Braunschweiger Eintracht. Die Hinrunde der aktuellen Zweitliga-Saison wurde nach eindrucksvollen und begeisternden Spielen mit 40 Punkten als Spitzenreiter beendet und auch aus den ersten beiden Rückrundenpartien vor Weihnachten erkämpfte man sich im wahrsten Sinne des Wortes 4 Punkte gegen Köln und Union. Eine solche Hinrunden-Bilanz hätte in Braunschweig vor der Saison niemand getippt oder gar erwartet! Doch hat sich in Braunschweig seit dem Mai 2008 etwas entwickelt, angeführt von unserem Trainer Torsten Lieberknecht und seinem Team, was den Schlüssel für diesen Erfolg darstellt und was genau das ist, was in Braunschweig von den Fans gewollt und geliebt wird: Eine Mannschaft und ein Trainerteam, die sich mit dem Verein und der Stadt, den Fans und der Mannschaft identifizieren und alles für den roten Löwen auf der Brust geben!

Ihr für uns und wir für euch!

Diese Entwicklung der Mannschaft und des gesamten Vereins, der nun nicht mehr, wie noch in den 2000er Jahren lange Zeit, kurzfristigen Erfolg über langfristige Perspektive stellte und Spieler nicht mehr an dem Marktwert, sondern an den Fähigkeiten und dem Potential beurteilte, erreichte auch die Ränge in unserem Stadion. Natürlich war die positive Entwicklung in der Kurve auch dadurch bedingt, das in der Braunschweiger Fanszene nach längerer Dauer wieder Ruhe einkehrte und man sich der Leidenschaft zum Verein wieder voll hingeben konnte, doch führte der sportliche Aufwärtsgang der Eintracht selbstverständlich auch zu noch volleren Rängen und einer deutlichen Vergrößerung der Supporter-Szene. Was man heute, Spiel für Spiel, im Stadion erlebt, war früher wenn überhaupt in entscheidenden Aufstiegsspielen gegeben oder aber in einer der packenden Pokal-Partien gegen Bundesligisten, welche meist die Höhepunkte in der Berg- und Talfahrt zwischen zweiter und dritter Liga waren. Nicht nur das heute nahezu die gesamte Südkurve gemeinsam singt, auch die Gegengrade erwacht in den letzten Jahren zu neuer Stärke und lässt uns „Jüngeren“ annähernd erahnen, wie es in den 80zigern war, als auf der Gegengrade noch im Stehen und emotionaler mitgefiebert und gesungen wurde.