Fr28Apr2017

freiburger-fanblock
Back Aktuelle Seite: Blog Freiburger Fanblock Der lange Weg zum neuen Stadion
Donnerstag, 05 Februar 2015 19:49

Der lange Weg zum neuen Stadion

geschrieben von 

10568910 882403631812593 1663563716857718681 n

Ja. Es ist geschafft, es ist vollbracht. Die Freiburger Wählerschaft hat entschieden. Ein neues Stadion kommt. Die unendliche Geschichte nimmt ein glückliches Ende, zumindest für die 58,2%, die mit "Ja", und damit für den Bau eines neuen Stadions am Flugplatz gestimmt haben. Einzig der Stadtteil, in dem das Stadion entstehen wird, stimmte dagegen. Erstaunlich. Vermeintliche Kenner der Freiburger Wählerschaft gingen von einem knapperen Entscheid aus. Freiburg ist nämlich bekannt für seine detaillierte Meinungsbildung. Hier soll es vorkommen, dass Bürgerinitiativen gegründet werden bevor irgendwas geplant ist. Und wenn dann was geplant wird, muss erst mal der Plan in Frage gestellt werden, bevor man die Grundidee auseinandernimmt. Man bewegt sich hier gerne und oft zwischen den Stühlen kreisend, bis auch der letzte Grashalm auf Linie, mindestens ein Mal umgedreht wurde.

Die Stadionfrage hatte es in sich,  das Potential die Stadt in tiefe Gräben zu spalten, mittlerweile zeichnet sich ein versöhnliches Ende ab. Die ersten Gegner-Initiativen werden, trotz Ankündigungen, von Klagen absehen und geben sich nach zahlreichen Fehltritten im Wahlkampf nun dem Mehrheitsentscheid einsichtig geschlagen. Was nicht heißen soll, dass sie verloren haben, denn das neue Stadion kann man durchaus als gewinnbringende Chance begreifen. Das haben nach zähem Ringen mit sich selbst und dem Verein die aktiven Fans schon länger erkannt.

Als die ersten Diskussionen über ein neues Stadion vor ungefähr sechs Jahren erstmals publik wurden, war der Aufschrei groß. Das geliebte Dreisamstadion, in und mit dem die meisten Szenevertreter aufgewachsen sind, aufgeben? Niemals! Doch schon während die erste Protestwelle anlief, wuchs die Erkenntnis, dass ein stures Verneinen von Dringlichkeiten letztlich dem eigenen Verein auf Dauer keine Perspektive im Profifußball bietet.

Für eingefleischte Fans eine verdammt schwierige Lage. Da ist das traditionelle Wohnzimmer, für die meisten der Geburtsort ihrer Leidenschaft, da ist dieses charmante – zugegeben dilettantisch, vom unterirdischen Gästeblock mal ganz abgesehen  – zusammengepuzzelte Stadion am ewig dahinplätschernden Stadtfluß, da ist das Tor zum Schwarzwald umgeben von einladenden Bergen  inmitten einem fußballbegeistertem Wohngebiet. Da ist dieses erhebende Gefühl, wenn man sich dem Stadion nur nähert, dieses jedes Mal einzigartige, wenn sich Stadiondüfte in den Nebenstrassen verfangen, die Flutlichtmasten wie Leuchttürme aus einem Häusermeer den Weg zeigen, wenn sich das Plätschern der Dreisam zu Stadiongesängen wandelt – dann weiß man, das zu Hause ist nicht mehr weit. Das Flair gibt so einzigartig nur das  Dreisamstadion her. Auf der anderen Seite erwachte da die Sorge, der SCF könne gänzlich auf Dauer von der Profi-Fußballlandkarte in Deutschland verschwinden. Da hat man so viel erreicht und das alles soll wegen eines zu kurzen Platzes in Frage gestellt werden? Dann lieber doch umziehen und dabei möglichst man selbst bleiben?

Nachdem alle Eventualitäten, zu dem Zeitpunkt noch mit dem Fokus auf den Umbau des Dreisamstadions, durchgesponnen wurden, war klar, dass man um ein Neubau nicht herumkommen würde. Ab sofort wurde sich in der immer intensiver geführten Stadionfrage darum bemüht seine Vorstellungen einzubringen.  Als einer der ersten gründeten die aktiven Fans eine Pro-Stadion-Initiative (stadion-infreiburg.de), von Beginn an mit der bedingungslosen Forderung, dass das Stadion in den Gemarkungen der Stadt Freiburg liegen muss. Möglichst zentrumsnah, leicht per ÖPNV, Fahrrad und per pedes erreichbar. "In einem 0815-Stadion vor den Toren der Stadt, treten nur Nutten sich die Füße platt" machte die Runde, erste Positionspapiere, in denen zunehmend konkreter formuliert wurde was ein neues Stadion hergeben muss, wurden erstellt, Diskussionsgruppen gaben sich die Klinke in die Hand. Fortan stand das Thema Stadion ganz oben auf allen Fahnen der aktiven Fangruppen.  Ein hartes Nein wich zügig absoluter Zustimmung.

1470003 847124845340472 5793857497164615824 n

10675805 838240602895563 1834867230150026384 n

Gern unterstellt man ja leidenschaftlichen Fans, insbesondere Ultras, die Unfähigkeit zum Gedankenwandel und perspektivischem Denken. Bedingungslose Leidenschaft bedeutet aber eben nicht sich Neuerungen zu verschließen, wenn sie zum Wohl des Vereins gereichen. Passen müssen sie halt. Keiner hat es sich leicht gemacht, für nicht wenige war es eine Gewissensfrage. So überspitz das klingen mag, war es doch immer auch eine Frage über die Zukunft des SCF, und damit auch eine über die ganz eigene Fanbiografie gewesen. Man war emotional gefangen, hin- und hergerissen, wägte zwischen Pro- und Contra ab. Zwischen Tradition und Existenz, zwischen Profifußball und einfach nur Verein sein. Irgendwann ist dann wohl bei jedem die Erkenntnis gereift, dass sich Alternativen zu verweigern mindestens Stillstand an allen Fronten bedeutet hätte.

Der schmale Grat der Authentizität im Business ist bekanntlich ein verflucht enger. Seine Seele für die bloße Existenz zu verkaufen ist mehr als nur grenzwertig. Weder der SCF noch seine Fans wollen das.  Da der Verein Transparenz in der Stadionplanung versprach und Mitsprache zugesichert hat, war die S-Frage für die Aktiven entschieden und folglich im Höchstmaß unterstützenswert. Einsicht, Vernunft, und die Aussicht auf Mitbestimmung führten freiwillig zur Läuterung und dem geschlossen Gang zur "JA"-Urne. So oder so ähnlich kann man sich den bemerkenswerten Sinneswandel in der Freiburger Szene erklären.

10481987 846821932037430 4781740669571343806 o

Nun sind die Würfel also gefallen, das Augenmerk richtet sich nach dem Punktsieg auf die Planungen. Vor 2019 wird es wohl noch kein neues Stadion geben, dazu mahlen die Mühlen zu behäbig in Freiburg. Teuer darf es nicht werden, gewöhnlich aber auch nicht, der Geist des Vereins soll sich im neuen Stadion spiegeln, Fans sollen mitbestimmen können. Hohe Hürden für ein Projekt, dass am Ende denen gefallen sollte, die es mit Leben füllen. Wirtschaftlich funktionieren muss es auch. Wichtig wird im Planungsprozess, ähnlich wie im Wahlkampf, die Kommunikation, der Austausch zwischen den Fans und dem Verein sein. Die Fans haben mächtig die Werbetrommel beim Stimmenfang gerührt, haben den SCF unterstützt und Präsenz gezeigt wo sie nur konnten. Nun ist der Verein am Zug und sollte bereits in der Planungsphase seine Fans in die Beratungen mit einbeziehen. Erste "Wunschlisten" befinden sich in Arbeit. 

Freiburger Fanblock

...aktiv am Fan(im)puls!!!

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.