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Sonntag, 24 Mai 2015 19:03

Licht aus, Licht an

geschrieben von

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Mein vierter Abstieg tut weh, verdammt weh. Nie war einer vermeidbarer und perspektivisch unglücklicher. Ganz langsam nur weicht Schockstarre einkehrendem Realitätssinn, dem Frust die Hoffnung,  grenzenlose Enttäuschung neuem Mut. Die Liebe bleibt unangetastet.  Nun, nachdem die Tränen ein wenig versiegen, der Versuch wirre Gefühle zu ordnen.  Irgendwie muss man sich ja abreagieren.

Oja, es war eine merdige Saison, ich  fasse noch so einiges nicht, von verstehen kaum eine Spur. Hat es so sein sollen? Ein Tor mehr und wir würden jetzt anders reden, oder nicht!? „Zweitklassig“. Das hört sich schon bescheiden an. Überall wo es gestern noch strahlte nur noch fahles Licht, vergessen die paar schönen Momente, im Herzen tiefe Leere. Wochenenden werden nicht mehr die gleichen sein, die Gespräche andere, das Leben nimmt einen neuen Verlauf. Hört sich dramatisch an, ist es auf den ersten Blick auch. Nur ist die Geschichte hier ja nicht zu Ende.

Jetzt mal Tacheles unter uns: Nach sechs Jahren am Stück runter zu müssen, ist ein steinhartes Stück Brot, an dem wir, wenn es richtig blöd läuft aachenlike noch eine ganze Weile zu kauen haben werden. Überall ist von notgedrungenem Umbruch die Rede, von Ratten, die das sinkende Schiff verlassen, Katastrophe, usw., blabliblubb. Man kann es auch übertreiben, eine Katastrophe wäre existenzbedrohend, tot sind wir noch lange nicht, allerdings sollte man fragen dürfen welche denn die Gründe sind, dass es saisonübergreifend nicht gereicht hat und was man besser machen muss.  

Mag die Mannschaft ja in ihren Einzelteilen einer der besten der jüngeren SC-Historie gewesen sein, mit Spielern die heulend den Platz verlassen um am nächsten Tag wechselfreudig in die Kameras grinen will ich nix zu tun haben. Ligenunabhängig. Ich möchte einfach nicht verstehen warum man gerade in Freiburg nicht mal zu seinem Verein stehen kann, egal in welcher Liga. Was bedeutet: „Alle Spieler haben Verträge für die zweite Liga“? Streich hat darauf ja schon die passende Antwort gegeben, indem er Treue und Leidenschaft öffentlich vorlebt und nicht nur davon laberdivat.

Dass hat nichts mit romantischer Verklärung zu tun, das ist eine Sache des Charakters und der Einstellung verdammt nochmal. Wenn einige Spieler hier schon so abgehoben ticken und lieber Hoffenheims Groß-Spielerwilderer G.Stipic folgen, der im Übrigen des Öfteren für Unruhe im Freiburger Umfeld sorgt, statt hier erstmal mindestens zwei Spielzeiten am Stück konstant auf hohem Niveau durchzuhalten, bekomm ich Plaque. Und wenn dann noch Hoffenheims Trainer Mitleid mit dem SC heuchelt bekomm ich das ganz, ganz große Kotzen. Da  wundert mich die Entwicklung des Fußballs im Allgemeinen nicht. Mir ist es völlig Latte ob wir nächste Saison in Asien übertragen werden, dafür nerven Montagsspiele auch ohne Freiburger Beteiligung. Gepushter Neuschrott, der im Verdrängungswettbewerb die Haltwertzeit eines Convenience-Burgers hat, und genauso unbefriedigend satt macht, braucht kein Mensch auf Dauer, schon gar nicht täglich.  Ist ungesund.

Fraglich auch, ob man mit diesem Fast-Kick-Schmierentheater überhaupt noch was zu tun haben will. Ja, ich will, und weil ich nicht anders kann, aber auf ehrliche SC-Manier. Um den Granden und Möchtegerns Einhalt zu gebieten und zu zeigen wie es auch geht.

Es stimmt, dass der Zeitpunkt des Abstiegs unglücklicher nicht sein konnte, jetzt, da beim SC viele Weichen für die Zukunft gestellt wurden. Wenn an den Gleisen aber Pfusch betrieben wird, bringt die beste Stellwerkleistung nichts. Will sagen, dass der SCF viel guten Willen zeigt so aufgestellt zu sein, dass er trotz nachrückenden Pseudovereinen immer eine Chance hat erste Liga zu spielen. Dann sollte man im gleichen Atemzug endlich damit aufhören sich kleiner zu reden als man ist. Ich kann es nicht mehr hören. Sechs Jahre erste Liga sind eben auch sechs Jahre Zeit sich erstklassig zu etablieren. Zu oft ist es zu knapp gewesen. Ja, wir haben ein großes Wesen, vollkommen richtig, das darf man gerne auch zu Schau stellen, nur nicht zur Show verkommen lassen. Wenn gedeckeltes Kleinhaltetum zu einem Wesensmerkmal des Charakters wird, ist es gerade im Sport schwierig mit der Motivation. Genau die ist einigen Spielern abgegangen. Und jetzt erkläre mir mal einer wie du so eine – teils durch mangelnde Perspektive und Gier nach schnellem Geld geprägte Truppe – handeln willst? Christian Streich hat seine Lieblinge hört man. Sicher, dass auch, nur man könnte auch meinen, dass er aus Mangel an wollenden Alternativen (plus Verletzte) viel zu oft gezwungen war unglücklich und vor allem im permanenten Wechsel aufstellen zu müssen. Will hier aber nicht weiter spekulieren, man hat jedoch auf dem Platz gesehen wer sich über die ganze Saison zerrissen hat und wer nicht. Einige konnten einfach nicht. Die Mischung im Team hat offensichtlich nicht gepasst und der bevorstehende Aderlass fällt jetzt sicher nicht groß anders aus, wären wir drin geblieben.

Insofern ist der Um- für mich kein Beinbruch. Schlecht wird mir mit Blick auf die zukünftigen sportlichen Aufgaben. Wenn man sich so umguckt wer da oben (noch) weiterspielen darf und wer da von unten hoch will wird die Tendenz zur Gewissheit, was es uns naturgemäß nicht gerade einfacher machen wird weiter bei den hire and fire-games eine Rolle zu spielen. Es scheint sich in der Spitze alles so zu entwickeln wie wir Kritiker das vorhergesehen haben. Der Profi-Fußball mutiert mit gönnerischer Unterstützung seiner Wertehüter aus Frankfurt endgültig zu einer reinen Gelddruckmaschine digitaler Emotionen und da bin ich doch herzensfroh einem Verein die Treue zu halten, der mir persönlich zwar zu klein denkt, dennoch die Größe hat mit normalen EIGEN-Mittel im Haifischpool gegen den Strom zu schwimmen. Nur sollten er und wir Fans auch mal entscheiden was wir in letzte Konsequenz wollen? Profifußball ok. Was noch? Erste Liga nur wenn es passt oder auf Dauer anstreben? Verdammt vermaledeit schmaler Grat. Tue mich da selber oft schwer, erste Liga ist halt immer erstrebenswert, wenn man schon bei der ganzen Buli-Schoße mitmischen will. Wenn nicht: Alternativen gibt es ja.

Wie immer birgt so ein Abstieg auch Chancen. Die Kurve entschlackt sich, Routinen werden aufgebrochen, man kommt an Orte, die man ohne Grund so nicht zu Gesicht bekommen hätte, oder mit denen man noch offene Rechnungen zu begleichen hat. Das Amt und die Polizei kommen zur Abwechslung vielleicht mal wieder von ihrem hohen Ross runter und der Verein wischt mal ordentlich durch. Denn eins ist klar, umso länger wir zweite Liga spielen, desto schwieriger wird es an allen Fronten. Von Stadion bis Fußballschule. 

Im Team finden sich hoffentlich wieder Jungs zusammen, die nach Höhenflügen auf dem Boden bleiben und mit Leib und Seele für den SCF spielen. Am besten weil sie Bock auf geilen Fußball haben, den CS ab sofort  spielen lässt. Mit einem bissigen, frischen und exklusivem Konzept, einem ganz eigenen Wesen eben. Viel Zeit bleibt nicht um das Profil wieder zu schärfen. Also packen wir es an. In vier Wochen startet der Dauerkartenverkauf und ich freu mich drauf.  

Alles wird nun wieder neuer. Nur die Liebe besteht ewig. Wir kommen wieder und dann richtig!

Forza SCF!

 

Sonntag, 22 Februar 2015 10:25

TV-Gelder: Der Anfang vom Ende?

geschrieben von

 

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Man stelle sich zum Beispiel nur mal vor, der SC Freiburg hat sein neues Stadion fertig, die Hütte ist immer voll. Aber mithalten kann er nicht mehr. Chancenlos, weil sich alles nur noch ums TV-Geld dreht und da zählen ausschließlich die Einschaltquoten mit Erfolgsgarantie.

Der  Tabellenletzte der Premier League  bekommt zukünftig  so viel an TV-Geldern wie der Tabellenerste in der Bundesliga. Der krasse Unterschied verdeutlicht die Dimensionen (9,5! Milliarden Euro inklusive Auslandsvermarktung) des neuen TV-Vertrags in England. Viele Buli-Manager sehen schon ihre Felle davon schwimmen und pochen auf "unpopuläre" Ausgleichsmaßnahmen, der ein oder andere freut sich insgeheim wahrscheinlich  heimlich ins Fäustchen. Mit dem englischen Hammer-Deal kann man nun viel plausibler fordern was bislang als unantastbar galt. Die Schublade kann nun geöffnet werden. Jetzt scheint nichts mehr unmöglich: Anstoßzeiten, Spieltagszersplitterung, Montagsspiele, Spiele in der Winterpause, Freilose für den DFB-Pokal um konkurrenzfähig zu bleiben, und um  noch mehr live-Fußball im TV anbieten zu können.

Die Frage ist doch: Will man das? Will man wirklich auf so herrliche Konferenz-Samstage wie den letzten verzichten, will man auf Teufel komm raus mit Systemen mithalten, die ihre Gelder unter Umständen generieren die schlicht ungesund, teils mehr als fragwürdig sind ? Will man ernsthaft die Zweiklassengesellschaft – Bayern München ist nur der Anfang – in der Buli vorantreiben, nur damit einige wenige sich weiter im europäischen Wettbewerb adäquat messen können? Will man die nationale Konkurrenz zu Gunsten von europäischen Meriten opfern?  Muss man?

Klares Nein. Muss man nicht! die Bundeliga ist trotz jetzt schon derbe vorhandenen finanziellen Unterschieden konkurrenzfähig, sie schickt sich gerade an England im UEFA-Ranking von Platz zwei zu verdrängen. Die Bundesliga ist unter anderem deshalb so attraktiv, weil sie eben noch nicht völlig abgehoben ist, und das zieht auch Spieler an, die nicht nur auf Kohle aus sind. Ja, klar, zugegeben etwas romantisch, aber ey, vielleicht hat nicht jeder Bock für eine Mio. mehr sein halbes Leben in der Ölwüste von Ural Jekaterinburg zu kicken. Die Spannung, das Flair, die Stimmung  sind ebenfalls Attribute, die so nur die Buli vorzuweisen hat. Rein sportlich ist sie die spannendste Topliga Europas, wenn man vom Dauer-Leider-Meister mal absieht. Die gern medial vorgeführte Fankultur, die bei oben angedachten "Maßnahmen" erheblich in Gefahr ist endgültig von den Marktmechanismen verschluckt zu werden,  das Live-Erlebnis, sind weitere wesentliche Merkmale warum Fußball so in Deutschland funktioniert. Nur so.  Auf den kleinen roten Knopf an der Fernbedienung kann jeder drücken, die gewachsene Liebe kann man nicht eben mal so ausschalten. Die Ausgaben der Stadiongänger macht mittlerweile ein Drittel der Gesamteinahmen eines Vereins aus. Das waren mal weniger. Wenn es schier unmöglich ist Spiele zu besuchen, insbesondere Auswärts zu fahren,  bricht eben genau der aktive Stamm weg, der in jeder Bilanz der verlässlichste ist, auch wenn es mal nicht läuft. 

 Klar ist, dass mit dem neuen TV-Vertrag in England die Geld-Spirale mächtig an Fahrt gewonnen hat, und klar ist auch, dass die Bundeliga da nicht mithalten kann, wenn sie nicht dagegen steuert. Der Preis könnte allerdings ein zu  hoher sein. Der olympische Geist ist endlich, die Geldspirale auch. Irgendwann wird der zahlende Medienfan vom täglichen Fußball mit unpersönlichen Vereinen auch die Schnauze voll haben, der Stimmungsmacher, der, für den der Fußball vor Ort alles war,  und ihn groß gemacht hat, wird dann allerdings längst aus dem Stadion verschwunden sein.

Ist das mehr Geld es wert?

 

Donnerstag, 05 Februar 2015 19:49

Der lange Weg zum neuen Stadion

geschrieben von

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Ja. Es ist geschafft, es ist vollbracht. Die Freiburger Wählerschaft hat entschieden. Ein neues Stadion kommt. Die unendliche Geschichte nimmt ein glückliches Ende, zumindest für die 58,2%, die mit "Ja", und damit für den Bau eines neuen Stadions am Flugplatz gestimmt haben. Einzig der Stadtteil, in dem das Stadion entstehen wird, stimmte dagegen. Erstaunlich. Vermeintliche Kenner der Freiburger Wählerschaft gingen von einem knapperen Entscheid aus. Freiburg ist nämlich bekannt für seine detaillierte Meinungsbildung. Hier soll es vorkommen, dass Bürgerinitiativen gegründet werden bevor irgendwas geplant ist. Und wenn dann was geplant wird, muss erst mal der Plan in Frage gestellt werden, bevor man die Grundidee auseinandernimmt. Man bewegt sich hier gerne und oft zwischen den Stühlen kreisend, bis auch der letzte Grashalm auf Linie, mindestens ein Mal umgedreht wurde.

Die Stadionfrage hatte es in sich,  das Potential die Stadt in tiefe Gräben zu spalten, mittlerweile zeichnet sich ein versöhnliches Ende ab. Die ersten Gegner-Initiativen werden, trotz Ankündigungen, von Klagen absehen und geben sich nach zahlreichen Fehltritten im Wahlkampf nun dem Mehrheitsentscheid einsichtig geschlagen. Was nicht heißen soll, dass sie verloren haben, denn das neue Stadion kann man durchaus als gewinnbringende Chance begreifen. Das haben nach zähem Ringen mit sich selbst und dem Verein die aktiven Fans schon länger erkannt.

Als die ersten Diskussionen über ein neues Stadion vor ungefähr sechs Jahren erstmals publik wurden, war der Aufschrei groß. Das geliebte Dreisamstadion, in und mit dem die meisten Szenevertreter aufgewachsen sind, aufgeben? Niemals! Doch schon während die erste Protestwelle anlief, wuchs die Erkenntnis, dass ein stures Verneinen von Dringlichkeiten letztlich dem eigenen Verein auf Dauer keine Perspektive im Profifußball bietet.

Für eingefleischte Fans eine verdammt schwierige Lage. Da ist das traditionelle Wohnzimmer, für die meisten der Geburtsort ihrer Leidenschaft, da ist dieses charmante – zugegeben dilettantisch, vom unterirdischen Gästeblock mal ganz abgesehen  – zusammengepuzzelte Stadion am ewig dahinplätschernden Stadtfluß, da ist das Tor zum Schwarzwald umgeben von einladenden Bergen  inmitten einem fußballbegeistertem Wohngebiet. Da ist dieses erhebende Gefühl, wenn man sich dem Stadion nur nähert, dieses jedes Mal einzigartige, wenn sich Stadiondüfte in den Nebenstrassen verfangen, die Flutlichtmasten wie Leuchttürme aus einem Häusermeer den Weg zeigen, wenn sich das Plätschern der Dreisam zu Stadiongesängen wandelt – dann weiß man, das zu Hause ist nicht mehr weit. Das Flair gibt so einzigartig nur das  Dreisamstadion her. Auf der anderen Seite erwachte da die Sorge, der SCF könne gänzlich auf Dauer von der Profi-Fußballlandkarte in Deutschland verschwinden. Da hat man so viel erreicht und das alles soll wegen eines zu kurzen Platzes in Frage gestellt werden? Dann lieber doch umziehen und dabei möglichst man selbst bleiben?

Nachdem alle Eventualitäten, zu dem Zeitpunkt noch mit dem Fokus auf den Umbau des Dreisamstadions, durchgesponnen wurden, war klar, dass man um ein Neubau nicht herumkommen würde. Ab sofort wurde sich in der immer intensiver geführten Stadionfrage darum bemüht seine Vorstellungen einzubringen.  Als einer der ersten gründeten die aktiven Fans eine Pro-Stadion-Initiative (stadion-infreiburg.de), von Beginn an mit der bedingungslosen Forderung, dass das Stadion in den Gemarkungen der Stadt Freiburg liegen muss. Möglichst zentrumsnah, leicht per ÖPNV, Fahrrad und per pedes erreichbar. "In einem 0815-Stadion vor den Toren der Stadt, treten nur Nutten sich die Füße platt" machte die Runde, erste Positionspapiere, in denen zunehmend konkreter formuliert wurde was ein neues Stadion hergeben muss, wurden erstellt, Diskussionsgruppen gaben sich die Klinke in die Hand. Fortan stand das Thema Stadion ganz oben auf allen Fahnen der aktiven Fangruppen.  Ein hartes Nein wich zügig absoluter Zustimmung.

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Gern unterstellt man ja leidenschaftlichen Fans, insbesondere Ultras, die Unfähigkeit zum Gedankenwandel und perspektivischem Denken. Bedingungslose Leidenschaft bedeutet aber eben nicht sich Neuerungen zu verschließen, wenn sie zum Wohl des Vereins gereichen. Passen müssen sie halt. Keiner hat es sich leicht gemacht, für nicht wenige war es eine Gewissensfrage. So überspitz das klingen mag, war es doch immer auch eine Frage über die Zukunft des SCF, und damit auch eine über die ganz eigene Fanbiografie gewesen. Man war emotional gefangen, hin- und hergerissen, wägte zwischen Pro- und Contra ab. Zwischen Tradition und Existenz, zwischen Profifußball und einfach nur Verein sein. Irgendwann ist dann wohl bei jedem die Erkenntnis gereift, dass sich Alternativen zu verweigern mindestens Stillstand an allen Fronten bedeutet hätte.

Der schmale Grat der Authentizität im Business ist bekanntlich ein verflucht enger. Seine Seele für die bloße Existenz zu verkaufen ist mehr als nur grenzwertig. Weder der SCF noch seine Fans wollen das.  Da der Verein Transparenz in der Stadionplanung versprach und Mitsprache zugesichert hat, war die S-Frage für die Aktiven entschieden und folglich im Höchstmaß unterstützenswert. Einsicht, Vernunft, und die Aussicht auf Mitbestimmung führten freiwillig zur Läuterung und dem geschlossen Gang zur "JA"-Urne. So oder so ähnlich kann man sich den bemerkenswerten Sinneswandel in der Freiburger Szene erklären.

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Nun sind die Würfel also gefallen, das Augenmerk richtet sich nach dem Punktsieg auf die Planungen. Vor 2019 wird es wohl noch kein neues Stadion geben, dazu mahlen die Mühlen zu behäbig in Freiburg. Teuer darf es nicht werden, gewöhnlich aber auch nicht, der Geist des Vereins soll sich im neuen Stadion spiegeln, Fans sollen mitbestimmen können. Hohe Hürden für ein Projekt, dass am Ende denen gefallen sollte, die es mit Leben füllen. Wirtschaftlich funktionieren muss es auch. Wichtig wird im Planungsprozess, ähnlich wie im Wahlkampf, die Kommunikation, der Austausch zwischen den Fans und dem Verein sein. Die Fans haben mächtig die Werbetrommel beim Stimmenfang gerührt, haben den SCF unterstützt und Präsenz gezeigt wo sie nur konnten. Nun ist der Verein am Zug und sollte bereits in der Planungsphase seine Fans in die Beratungen mit einbeziehen. Erste "Wunschlisten" befinden sich in Arbeit. 

Dienstag, 20 Januar 2015 23:19

Neuer Ligaverband eine Utopie oder ein Muss?

geschrieben von

 

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Na, geht euch die zunehmende Kommerzialisierung im Profifußball auch so auf den Geist? Nerven euch überteuerte Eintrittskarten? Stört ihr euch an der Eventisierung des Fußballs, die ein Verband forciert, der sich Moral und Fair Play auf die Fahnen schreibt, aber null vorlebt? Habt ihr auch kein Bock mehr euch von einem grauen, Rolex tragenden Alt-Herren-Club euren Sport diktieren zu lassen? Regt euch die Doppelmoral in politischen und fankulturellen Fragen des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB) und seiner Erfüllungsgehilfin Deutsche Fußball Liga GmbH (DFL) auf? Und das alles geht euch schon seit Jahren Kritik brutal gegen den Strich, erst Recht weil sich nichts zum positiven ändert, im Gegenteil, sogar noch schlimmer wird?

Warum  also nicht mal ernsthaft die nicht neue Idee eines Alternativverbandes, ähnlich wie es die im Boxen gibt, angehen? Es mehren sich zumindest die Anzeichen, dass von vielen eingefleischten Fußball-Fans in diese Richtung gedacht wird. Der Zuschauerzuspruch der Amateurligen oder die Gründung eigenständiger, von Fans getragenen Vereinen wie dem Hamburger Fußball-Club Falke e.V. (Ableger des HSV), sprechen dafür. So diffus und utopisch ein Wunsch nach anderen Organisationsformen klingen mag: Es gibt in der deutschen Sportgeschichte Beispiele dafür, dass Alternativverbände funktionieren können. 40 Jahre lang existierte etwa der 1893 gegründete Arbeiter-Turn- und Sportbund (ATSB), der in Konkurrenz zum DFB einen eigenen Spielbetrieb organisierte und sogar eine eigene Nationalmannschaft hatte. Vorfahren von Beckenbauer und Seeler kickten da mit. Der Arbeitersport war eine Alternative zum vorherrschenden Gedankengut. Er war das große Korrektiv des bürgerlichen Sports gewesen. So etwas fehlt heute gänzlich. Die deutschlandweit vertretenen Kicker der bunten Ligen sind zwar unabhängig, spielen sie aber doch meist für sich.

Es müsste ein Verband mit eigenem Ligasystem sein, der sich auf ähnliche Weise ideologisch vom DFB absetzt wie einst der Arbeiterfußball. Ein Verband, der organisierend, nicht bestimmend tätig ist, einer, der die Werte, die den Volkssport Fußball groß gemacht haben, wieder in die gesunde Mitte von Kommerz und Tradition verortet. Einer, der den Amateursport fördert, statt ihm sukzessive  –  zum Beispiel durch überschneidende Anstosszeiten – die Basis zu rauben. Ein Verband, mit dem man sich als Fußballliebender wieder identifizieren kann ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen, weil die Maschinerie mal wieder ein Stück Fußballseele zu Gunsten von Profit verkauft hat.  Natürlich wird man ganz ohne professionelle Strukturen nicht auskommen. Fußballplätze kosten nun mal Geld, ein Ligensystem zu verwalten auch, usw., dennoch ist die Idee eines Anti-DFB Entwurfs zum Wohle des Fußballs nicht so abwegig wie sie sich auf den ersten Blick anhören mag.

Böte sie genau den Spielraum, den sich viele Fans (zurück) wünschen. Freiheit und Ehrlichkeit. Der Witz beim Fußball liegt doch gerade in der Einfachheit seines Regelwerks, alles was darüber hinausgeht ist Zugabe. Insofern obliegt es an uns Fans ob wir dieses Spiel nach immer Mehr weiter dauerklatschend begleiten wollen.  Wenn schon kein Protest fruchtet sollte man sich wirklich  konstruktive Gedanken zu echten Alternativen machen. Schließlich lieben wir diesen Sport und sind wohl die letzten, die ihn in Händen von profitierenden Fachfremden sehen wollen, die ihn zu ihren Gunsten missbrauchen. Mitnichten. Dafür lieben wir unseren Sport, unseren Verein zu sehr, als das wir ihn auf bloßen Kommerz komm raus an die Wand fahren lassen sehen wollen. Hier gibt es Grenzen und die sind bald erreicht. Zockern beim Zocken zuschauen, gar zu supporten, nach ihren Regeln tanzend auch noch zu bezahlen, macht auf Dauer keinen Spaß mehr.

Warum also nicht das Herz in die Hand nehmen und den Fußball wieder in die Bahnen lenken, wo er hingehört. In unsere Richtung. Utopie bleibt nur das was keiner anpackt.

In dem Sinne: Pro neuer Ligaverband!

 

Freitag, 26 Dezember 2014 21:39

Stadionalist?

geschrieben von

Sind wir nicht alle ein bisschen Stadionalist?

Die Winterpause und Feiertage laden gewöhnlich zur inneren Einkehr ein. Spätestens nach dem traditionellen Neujahrs-Hangover. Mich hat es dieses Jahr dazu bewogen mal einer grundsätzlichen Fragestellung nachzugehen: Ist die Verbundenheit zu seinem lokalen Verein nicht immer auch eine Form von Patriotismus, impliziert das nicht automatisch immer auch eine politische Aussage, die über den Fußball hinausgeht? Sind wir – egal welcher Couleur und politischen Ausrichtung – in letzter Konsequenz nicht doch irgendwie alle patriotisch veranlagt, wenn es um unseren Verein geht? Sind wir gar alle ein wenig Stadionalist?

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Der Stadionalist
Der Stadionalist ist das was er ist.
Gemeinhin ein Fußballfan, lokal verbunden und Traditionalist.
Er kämpft in der Kurve für sein Dasein,
liebt seine Stadt und seinen Verein.
 
Der linksextreme Stadionalist ist solange politisch korrekt,
bis er mit dem System aneckt,
dann tobt der alternative Lokalpatriot,
und nennt den Staat in dem er wohnt ein Vollidiot.
 
Der rechtsextreme Stadionalist ist solange politisch korrekt,
bis er mit dem System aneckt,
dann tobt der Nazi, redet von Blut und Vaterland,
und beschmutzt die eigene Heimat ohne Sachverstand.
 
Der liberale Stadionalist ist ein Phänomen,
ihn kann es nicht geben, ist Fußball doch immer ein Spiel,
gegen andere gewinnen das Ziel.
 
Der gemeine Stadionalist ist treu,
ergeben seiner großen Liebe ohne List und ohne Scheu,
er steht für lokale Werte,
für Zusammenhalt und Ehre.
 
Der Stadionalist steht zu seiner Leidenschaft,
zu Stadt, Verein und Mannschaft,
er kann nicht anders,
ist es doch besonders.
 
Der Stadionalist, der keiner ist,
aber gerne die lokale Fahne im Stadion hisst,
 ist immer doch ein bisschen parteiisch,
sonst wäre er egoistisch.
 
Der Stadionalist kann nie unpolitisch sein,
denn als Fan trägt er die Gesellschaft ins Stadion rein,
egal welcher Couleur,
ist in seinem Herzen ist die Vereinsfarbe der Regisseur.
 
Der Stadionalist ist urban gebunden,
vielleicht hat er die Globalisierung nicht ganz verwunden.
Der Fixpunkt auch in der Ferne,
bleibt der Verein trotz aller Moderne.
 
Der Stadionalist das was er ist,
Fußballfanatiker, Kurvenanhänger,  Systemkritiker, aber sicher kein Faschist.
 Linke Lokalpatrioten, Rechte Heimatverbundene, Extreme sind schlecht zu einen,
die gemeinsame Liebe zu ihrem Verein lässt sich dennoch nicht verneinen.

Ist nicht auch der weltoffensten, liberalste Metropolist am Ende heimatverbunden, wenn es um Fußball geht? Ist es ein Wesensmerkmal von uns Fans, dass wir Fanidentität neben unserer Treue zum Verein, immer auch mit Land und Leuten, mit unserer Stadt und mit regionaler Identität verknüpfen, geht die Liebe zum Verein über "gesunde" Heimatliebe hinaus?

Wird man als Fan der deutschen Nationalmannschaft schnell als ein durchtriebener Patriot identifiziert, wird im Zusammenhang zur Vereinsverbundenheit dieses Fass eher weniger aufgemacht. Warum eigentlich nicht? Viele werden an der Stelle auf die zweifellos vorhandenen Unterschiede zwischen Lokalpatriotismus und Nationalstolz hinweisen und diese gilt es auch zu berücksichtigen, wenn man sich dem Thema politische Parteilichkeit und regionale Verbundenheit nähern will. Dass Politik schon immer eine Rolle im Fußball gespielt hat, lässt sich schon allein daran aufzeigen, wie hoch frequentiert die politischen Granden einem Stadionerlebnis beiwohnen um Volksnähe zu demonstrieren. Darüber hinaus und in diesem Zusammenhang von größerer Bedeutung, sind die politischen Transformationsprozesse, die vom Alltag ins Stadion gespült werden. Jeder, der da behauptet "Politik und Fußball könne man trennen" ist schlicht naiv. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn der Fußball möglichst unberührt von politischen Diskussionen bleibt, in der Realität spiegeln die Stadionbesucher aber den Querschnitt einer Gesellschaft. Somit trifft man im Stadion konzentriert alle Richtungen, die auch "draußen" zu treffen sind, nur fallen die unterschiedlichen Strömungen im Alltag weniger auf.  Besonders der in fast jedem Stadion anzutreffende Konflikt zwischen den rechten und linken Blöcken sorgt in Fankulturkreisen, und wie jüngst darüber hinaus, für Unruhe.  Sicherlich ist das kein neues Phänomen, allerdings tritt es offener zu Tage.

Ohne hier ins Detail gehen zu wollen, ist dieser Umstand sinnbildlich für eine Welt, dessen Bewohner mehr denn je auf der Suche nach Halt sind. Die politischen Differenzen gab es schon immer in der Gesellschaft und seit es  Fußball in seiner modernen Form gibt, nur nimmt die Qualität der Auseinandersetzungen neue Dimensionen an, bei denen man sich mit Blick auf die Entwicklungen wie  #hogesa  ernsthaft fragen muss, inwiefern dass jetzt noch mit Fußball und der Unterstützung seines Vereins zu tun hat?

Die Kurve im Wandel der Zeit

Um die Kurvenhoheit (braucht es die?) zu erlangen treten mittlerweile die verschiedensten Gruppen gegeneinander an, sei es verbal oder auch mal handgreiflich. Sich gegen verhetzenden Parolen zu stellen, über krankhafte Ideologien aufzuklären und nicht zuletzt vor Extremismus jeglicher Form zu warnen ist nobel und zeugt von Zivilcourage. Die politische Einfärbung beider Seiten ist aber mittlerweile so offensichtlich, wird so offen zu Schau getragen, dass der Fußball dabei in den Hintergrund rückt. So scheint es. Die Folge sind unter anderem eine zunehmend fehlende Heterogenität in den Kurven, die Zersplitterung in immer kleinere Fangruppierungen, die je nach Ausrichtung extreme Formen in ihrer Vorstellung von Support annehmen können. Dort wo früher zum Wohle seines Vereins an einem Strang gezogen wurde, rückt die eigene Geltungssehnsucht in den Vordergrund. Nicht gerade dienlich was die Unterstützung des Vereins betrifft.  Überhaupt fällt auf, dass sich insbesondere die Ultrakultur von ihren Ursprungsideen entfernt. Längst noch nicht am Zenit angekommen, beginnt sie sich nach 20-25 Jahren Realexistenz in Deutschland neu zu definieren.  Immer öfter steht dabei der Kampf gegen politische Extreme auf der Agenda. Zwar traten die Ultras in ihrer deutschen Form von Beginn an gegen die rechte Hooliganbewegung auf, allerdings waren die bereits meist aus dem Stadion verschwunden, als sich die Ultrabewegung anschickte eine ernstzunehmende Subkultur in den deutschen Stadien zu werden.  Mittlerweile etabliert schicken sich Teile der Ultras an ihre lange erkämpfte Reputation durch innere Streitigkeiten zu torpedieren, Politik spielt dabei immer vordergründiger eine Rolle, dabei verwischen staatstragende Intentionen mit vereinspolitischen Absichten. Richtig konfus wird es bei Antihaltungen, die zwar in Mode, dennoch selten zielführend sind. Statt immer gegen alles zu sein, kann man sich  auch mal für etwas positionieren. In Freiburg gibt es eine Tradition der Toleranz, in Aachen seit jeher eine politisch geprägte Fankultur, jede Stadt, jeder Verein verkörpert unterbewusst einen Lebensgeist der vorherrschenden allgemeinen Verhältnisse.  Diese werden bisweilen definitiv benutzt um ein Alleinstellungsmerkmal herauszukristallisieren. Soweit in Ordnung, wäre da nicht die leidige Rückkehr zur Allgemeingültigkeit von einst individuellen Fanchroniken. Heutzutage wird man in eine Schublade gesteckt, das Fantum in Gruppen ausgelebt geht immer einher mit einer politischen Akquise, die nicht selten darin endet, dass man als zu (un)politisch abgestempelt wird. Sei es hinsichtlich der Vereins-, der Stadt-, oder Landespolitik. Interessant dabei zu beobachten ist immer wieder welche Differenzierung zwischen Stadiontreue und Lokalpolitik gemacht werden. Wird man als frenetischer Lokal- Anhänger noch gefeiert, passiert es immer öfter, dass man nach Toreschluss als ebensolcher gebrandmarkt wird. Zu Recht, wenn das "Lokale" Dimensionen annimmt, die über das "Normale" hinausgehen. Definiert selbst.   

Die Vereine sind offensichtlich mit diesen Entwicklungen überfordert und bauen ausgerechnet in dem Fall oftmals auf Selbstregulation, was hinsichtlich des Konfliktpotential fahrlässig ist. Wer bei extremen Tendenzen wegschaut braucht sich über extreme Auswüchse nicht wundern.        

Fest steht: Wir als vereinsliebende Fans sind doch immer auch lokal verbunden, mit einer Philosophie, die ihre Wurzeln aus der Geschichte einer Region schlägt. Das ist wohl jedem klar, sein, der regelmäßig ins Stadion geht und seiner Leidenschaft frönt. Wir supporten in erster Linie unser Team, aber wenn wir ehrlich sind, grenzen wir unseres dabei immer auch von anderen ab. Wir heben unseren Verein götzengleich an die höchste Stelle des Olymp, feiern unsere Stadt unsere Region und unsere Heimat. Wie sonst ist es zu erklären, dass der Fußball eine derart identifikationsstiftende Wirkung auf die Menschen hat. Kaum eine andere Geschmacksgemeinschaft schafft es heutzutage die Menschen derart zu vereinen und gleichzeitig so auseinander zu dividieren. Gerade in einer globalisierten Welt suchen die Menschen Halt. Es ist nicht verwunderlich, wenn sie das in ihrem direktem Umfeld tun. Der Deterrioalisierung wird die Lokalität entgegengesetzt, der Entfremdung das Heimelige,  der Vielfalt das Gewohnte –  schlicht: der Moderne die Tradition.  Nirgendwo kommt das so zum tragen  wie in den Fankurven.

Auf der Suche nach Identität

Hier beginnt es allerdings etwas kompliziert zu werden. Zum einen ist da die Vereinsliebe, die jeder im Mikrokosmus Fußball offen zur Schau stellt und bisweilen handfest verteidigt, zum anderen ein modernes, von toleranter Aufgeklärtheit und Offenheit geprägtes Weltbild, das Gewalt zutiefst ablehnt. Zu diesem offensichtlichen Widerspruch gesellt sich die Bereitschaft den eigenen Verein bisweilen bis aufs Blut zu verteidigen. Wenn das Nazis machen, die in ihrer verstörten Lebenswelt meinen „ihr“ Land gegen „negative“ Einflüsse verteidigen zu müssen ist der Aufschrei groß. Insbesondere in den Fanlagern, die sich am nächsten Fußballwochenende auf die Mütze geben, wenn der eigene Verein, das eigene Revier angegriffen wird. Wo ist da der Unterschied zu dumpfen Nazis, die ihrerseits glauben über eine Deutungshoheit zu verfügen? Interessant dabei, Exklusion spielt immer eine Rolle.   Allzugerne positionieren sich insbesondere aktive Fangruppierungen, die man durchaus als aufgeklärt und selbstreflektierend bezeichnen kann gegen Einflüsse die unseren Sport bedrohen, manchmal eben auch mit Nachdruck auf der Strasse. Legitimationsargument ist dabei stets das Recht auf freie Meinungsäußerung. Dieses Gut gilt es zu bewahren. Ein honorer Ansatz und viele Ultrakritiker sollte zu schätzen wissen, dass diese einzig noch realexistierende Jugendsubkultur sich dieses Ziel ganz oben auf die Fahne geschrieben hat. Dennoch wirkt es an der ein oder andere Stelle nicht zu Ende gedacht, wenn im gleichen Atemzug anders denkende diffamiert werden, oder die Mittel zur Durchsetzung eingesetzt werden, die man bei anderen kritisiert. Manchmal passt das nicht zusammen. Gegen Rassismus ja, aber den Gegner und seine Fans kollektiv als Vollidioten hinstellen ist etwas, nun, sagen wir mal, schwierig zu vereinbaren, wenn man das durchdenkt. Sich gegen Kommerz zu positionieren, aber Turnschuhe aus Kinderhänden tragen ist, nun, sagen wir mal, leicht fragwürdig und ebenfalls nicht konsequent. Klamotten zu tragen, die durch Filme in den Kultstatus erhoben wurden sind sowas von Mainstream, und hat rein gar nichts damit zu tun, dass man sich eben von diesem bewusst nach Außen abkoppeln möchte. Im Gegenteil. Von diesen Widersprüchen müsste man jetzt noch eine ganze Latte aufzählen, aber das würde in diesem Kontext zu weit führen.

Wenn man also davon ausgeht, dass insbesondere politisch angehauchte Ultras und aktive Fans Werte verkörpern, die  eigentlich Alternativen darstellen sollen/wollen, dabei aber den Massenströmen bedrohlich nahe kommen, ein unangepasster Support ganz oben steht, der Sinn aber ein möglichst homogener –  nahe am Corpsgeistgedanken – ist , verwundert es nicht, dass die Szenen gerade im Wandel begriffen sind. Viele Kleingruppen splittern sich ab. Deren politische Motivation sei mal dahingestellt. Es fällt zumindest auf, dass sie sich in entfremdeten Zeiten zunehmend radikalisieren und in Kleinteiligkeiten zerfallen.  

Die Kurve spiegelt wie bereits betont den Gesellschaftszustand wieder. Dass der durch Individualisierung, globalisierte Transformationsprozesse in einer Findungsphase ist spürt sicher jeder. Es kommt einem so vor als koche jeder zunehmend seine eigene Süppchen, das große Ganze wird dabei zunehmend in den Hintergrund gedrängt. Diese Zersplitterungsprozesse sind typisch für Phasen der Neu-/Umorientierung, und im Fußball äußern sich diese in Fankulturprozessen, die nicht jedem passen und bisweilen seltsame Blüten tragen.   Dennoch sind sie schlichter Ausdruck dessen was in der Gesamtgesellschaft vor sich geht.

Der gemeinsame Nenner, und das ist das besondere in der Fußballfankultur, bleibt die zeitlose, bedingungsfreie Liebe zu seinem Verein. Die ist so fest zementiert wie der Elfmeterpunkt in jedem Stadion.  Man ist eben nicht nur mal im Vorbeigehen Fan und das bleibt auf ewig. Allerdings nimmt die Qualität dieser Vereinstreue zur Zeit zum Teil groteske Züge an, insbesondere wenn man sich den Widerspruch von Lokalpatriotismus und Staatskritik nochmal genauer anschaut. Nicht wenige verlassen ihr gefühltes zweites Wohnzimmer Fahne schwingend um sie dann ganz schnell zu Hause wieder in den Schirmständer abzulegen. Im Stadion noch seiner Stadt zugejubelt, mit seinem Verein gelitten, den Gegner verpönt, den gemeinsamen Erfolg gefröhnt, die gemeinsame Niederlage zusammen verdaut, aber im Alltag  Systemkritik üben, sich darüber aufregen wie Leute nur so doof sein können für eine gemeinsame Sache einzustehen und dafür auch noch über ein Normalmaß hinausgehen.

Das muss nicht zwingend konträr sein, dennoch kommt es einem so vor, als wird  hier oft mit zweierlei Maß gemessen. An der Stelle muss man sicherlich zwischen Stolz auf einen Verein sein und Patriotismus differenzieren, dennoch sind die Überschneidungspunkte für jeden offenkundig und das zu ignorieren ein fatalistischer Zug, den viele viel zu gerne unter den Teppich der Selbstzweifel oder selbstauferlegter Ignoranz kehren.

Der Verein als letzter Rückzugsort

Es ist nichts dabei seinen Verein bedingungslos treu zu sein, nur sollte man dabei nicht vergessen in welchem Umfeld er existiert, er leben muss, darf. Wer grundsätzlich gegen Deutschland als System ist, kreidet unterbewusst immer auch die Existenz sich rivalisierender Lokalitäten an, die Deutschland und nicht zuletzt den Fußball in seinem natürlichen Konkurrenzverhalten nun mal ausmachen.  Der Wettbewerb sollte  halt stets ein gesunder bleiben, Extreme eine untergeordnete Rolle spielen, die Liebe vereinen. Die Suche nach Halt nicht beim Fußball kleben bleiben.

Man sollte sich eventuell mal entscheiden was man will und für was man einsteht. Seinem Verein treu und loyal zu sein, heißt nicht ihm treudoof zu folgen, ihn zu verteidigen muss nicht heißen auf Teufel komm raus  jeden wegzukloppen, der eine andere Meinung besitzt, einen anderem Verein treu ist. Nicht jeder, der seine Vereinshymne mitsingt muss bei der nationalen stramm stehen, im Gegenteil. Nur sollte man sich eingestehen, das uns Vereinsfans  immer eine Gemeinsamkeit verbindet, die viele Anleihen von regionaler Identität in sich trägt und damit eben auch eine der letzten Bastionen zur realer Identifikation ist, selbstbestimmt und von Grund auf erfahrbar patriotisch.

Im Endeffekt und in letzter Konsequenz sind wir doch alle Stadionalisten, die ihrem  Verein die Absolution erteilen, freiwillig und gerne, sei es verbal, gedanklich, oder eben auch physisch . Ob das Fortschrittlich ist, steht auf einem anderen Blatt. Ich plädiere für mehr Aufrichtigkeit nicht nur in der Diskussion und fordere dazu auf, dass wir uns alle ehrlich hinterfragen und letztlich zu dem stehen was wir als Lokalpatrioten Wochenende für Wochenende leben. Wenn dabei die Heimatliebe das Mittel zum Zwecke wird ist das so gewollt und hat sehr wohl damit zu tun, dass Fußball –  wie jeder Sport  – ursprünglich  eng mit Rivalität verknüpft wird, nur sollte man darauf achten, dass dieser Wettbewerb nicht zum Stellvertreterschauplatz von politischen Diskursen wird, die über das Gemeinwohl hinaus gehen.  Ich bin jedenfalls stolz darauf ein SCF-Stadionalist zu sein. Meine Meinung, meine Erfahrung, meine Leidenschaft.  

Unser Leben, unser Spiel. Unser Verein, unsere Liebe.

wm-2014

Ach herrlich. Es ist bald wieder soweit. Ich könnt jetzt schon kotzen.  Horden von Tinas, Tanjas und Kevins rüsten sich zum Super-Event. Sonst eher zurückhaltend was Fußball und erst Recht Fantum angeht soll zur WM Flagge gezeigt werden. Macht ja schließlich seit 2006 jeder und zu internationalen Fußballturnieren darf man das dann ja auch. Fürs Team, für die Nation?  Wohl eher doch zur eigenen Befriedigung nach Partiiiiiiiiiiiiiiiiie. Macht Sinn. Is ja nicht auf Dauer und nur so zum Spaß. Aha.

Die krassesten Auswüchse temporärer Leidenschaft der sogenannten WM-Fanspezies lassen sich gut mit Pilzen vergleichen, die in Trockenzeiten sämtliche Aktivitäten aufs Minimum zurückschrauben um dann bei günstigen Verhältnissen wild zu sprießen. Es sind übrigens meist parasitäre Pilzarten die so überleben. Schwämme zum Beispiel. Die sind dann in Hochzeiten auch ähnlich penetrant wie die WM-Fanspezies. Auf ihrem hemmungslosen Fresszug vernichten sie lang gewachsenes und impfen beim Wirt Gifte ein, die beim gemeinen WM-Fan als hemmungsloses Konsumsymptom zum Ausdruck kommen.

 Der Gartenzwerg neben dem Flaggenmast im Schrebergarten ist längst out. Abartige Plastik-"Fansets" überschwemmen den FIFA-Supermarkt. Die Megasets mit Nervtröte und Tischfeuerwerk beinhalten sogar eine Bedienungsanleitung. Verrückt aber leider wahr.  Man kann kaum eine Zeitung aufschlagen, eine Seite aufrufen, Mails abfragen ohne dass einem dieser unnötige Belustigungsscheiß verkauft werden soll. Bei den Pseudo-Devotionalien darf das Halbzeitschnittchen-Top unten ohne natürlich nicht fehlen. Die panoptische Werbung gibt sich aber auch echt so viel Mühe ganz Deutschland  gleichzuschalten und die Nation auf "unsere Jungs" einzuschwören. Da muss man einfach zugreifen. Der Michel und erst recht der Sepp freuen sich scheckig. Schließlich interessiert es die beiden Fußballganster herzlich wenig wer wie wo weiterkommt, die Händler haben bereits eingekauft und die DFB-Spezies stürzen sich wie ein wildgewordener SSV-Nerd drauf. Der Gewinn für die FIFA ist durch ihr Lizensierungsverfahren also so oder so gesichert. 

Dass das alles billiger Einweg ist, der in der Summe eine Menge Müll produziert  interessiert in der WM-Goldregenzeit niemand, mal abgesehen vom Umweltaspekt. (Der musste, bin ja schließlich aus Freiburg. Grins.) Hauptsache dabei scheint mal wieder das Motto, oder halt so bereit wie die Spesen fließen nie. Dolle Sache das. Zur Befriedigung der medialen Begleiturnierhopper, die sogenannte WM-Fanspezies,  werden alle Hebel in Bewegung gesetzt. An der Marketingoffensive unbezahlt vorbeizukommen scheint unmöglich. Selbst als Komplettverweigerer hat man kaum eine Chance.

Sicher, auch ich werde die WM gucken. Wie wahrscheinlich die meisten  von uns, möge er noch so sehr dagegen haten und seinen Verein als Absolution vorrausschicken. Ein paar ausgesuchte Spiele guckt sicher jeder, schließlich wird bei allen Unkenrufen immer noch top Fußball geboten. Lieb ja den Sport und dadurch den SCF. Wer gegen die WM, oder sogar gegen Schlaaaaand ist, konsumiert schlicht falsch. Also Mütze abnehmen, Stahlhelm auf, sich breit machen und ab dafür. Blind Hochglanzwerbung mit Fußball als Rahmenprogramm, gepaart mit medial aufgeladenem Nationalstolz gucken ist schließlich kein Verbrechen! Oder doch?

Wer sich an den berechtigten Protesten beteiligen möchte sollte bloggen, am besten nach Brasilien reisen, nicht nur zur WM, und Alarm machen. An der Stelle frage ich mich warum es eigentlich noch nie eine größere Fandemo der Aktiven in Zürich gab? Eigentlich hätte man da schon länger ein Zeltlager aufschlagen müssen. Die FIFA  präsentiert sich mit ihren Werbepartner – wie immer – mit einer janusartigen, moralisch traumwandlerischen Sicherheit über das Parkett des Weltfußballes und mischt sich entgegen ihrer eigenen Philosophie sogar in Länderpolitik ein, um überbordende, unkontrollierbare Einflussnahme von Seiten der Fußballverbände zu verhindern.  Dem Fußballpuristen mag das egal sein, aber demjenigen, der über den Tellerrand hinausschaut, ist dieses neoimperialistische Gebaren schon längst ein Dorn im Auge des ungetrübten Fußballerlebens. Die FIFA ist Fußballpapst und dogmatisiert alles war ihr, bzw. deren Funktionären die Machterhaltung garantiert. Dabei gerät das Geschehen auf dem Platz immer mehr in den Hintergrund und das integrative, zweifellos vorhandene vergesellschaftlichende  Potenzial des Fußballs wird zugunsten von Rendite  einiger weniger verheizt. Schade!  Gerade mal  1% der WM-Erlöse fließen in soziale Projekte. Dass ist  mehr als nur ein schlechter Scherz, wenn man sich Fair Play, Bildung für Alle und Kampf gegen Armut auf die Fahnen schreibt.

Die Lemminge, die jetzt wieder einmal in schwarz-rot-gold gekleidet aus ihren Löchern kommen nerven auf jeden Fall mindestens genauso gewaltig. Selten gepaart mit Fußballsachverstand wird einer auf  5. Jahreszeit gemacht. Dass obwohl man als Fußballliebhaber 365 Tage im Jahr elektrisiert sein sollte/könnte, dementsprechend ist vielleicht nicht immer Friede-Freude-Eierkuchen-Party, aber immer  ehrliche Leidenschaft vorhanden.  Eben mal nur alle vier Jahre für knapp 4 Wochen die gekauften Farben aus dem Supermarkt hochhalten hat mit Liebe nicht so viel zu tun. Von der halbseidenen politischen Aussage beim Deutschlandflagge schwingen mal abgesehen.

So what. Was bleibt? Irre Werbung, viel Profit für die, die eh genug haben, viel Party für den deutschen Michel und Lieschen Müller, und –  das sollte das Wesentliche sein – hoffentlich guter Sport. Sollte mich allerdings nochmal jemand mit irgendwelchen Fansets begeistern wollen, sei es per Werbung oder tragend,  gibt es einen Tritt! Schlimmer noch als Spielanfragen auf Facebook. In dem Sinne... nice trip everybody.  

FICK FUFA!

Sonntag, 04 Mai 2014 15:40

Ganz ehrlich...

geschrieben von

Freiburg Verfassung

...mich machen gekünstelte Konstrukte à la Red Bull Leipzig, Hoppenheim, oder Paderborn und Co krank. Nicht weil Innovation und Fortschritt die Prämissen des alltäglichen neoliberalen Paradigmas sind, nicht weil ich etwas gegen den Fortschrittsgedanken habe, sondern weil Tradition mit Füssen getreten wird.

Wo sich dazumal Typen im Hinterzimmer der lokal verruchten Eckkneipe, meist studentisch geprägt, getroffen haben um bei einem gepflegten Bierchen einen Klub voller Leidenschaft zu gründen, sind es heutzutage glatt geputzte Konglomerate des puren Kommerz, deren einzige Absicht die Gewinnmaximierung ist. Kaum noch eine Spur von ehrlicher, selbstbestimmter und selbstgefundener Grundliebe.

Ganz ehrlich: Wenn 40.000 in Leipzig in eine der von oberster Stelle geplante Volksbelustigungsschüssel strömen ist das kein Zufall, sondern gesteuert. Dabei ist es mir auch völlig egal ob Tradition "aufgefrischt" werden, oder eine neue künstlich begründet werden soll.

Mein Verein hat sich im Mai 1904 gegründet, ich war ehrlich nicht dabei, habe aber genug Geschichte studiert um mir ganz ehrlich sicher zu sein für welchen Fußballverein ich mich entschieden habe. Dazu kommt ein Erbe, eine weitergegebene Tradition, die so nachvollzieh-, wie weiterlebbar ist. Diese möchte ich gern pflegen. Kein Lust, dass meine Nachkömmlinge einmal sagen zu müssen: Meine Leidenschaft ist zentral mit dem Engagement von marktorientierten Einzelpersonen-, und Unternehmen gewachsen. Keine Lust mit blutleeren Gründungsstories aufzuwarten um Punkte zu sammeln. Keine Lust auf Ignoranten, die da meinen den Fußball gäbe es erst seit 120 Jahren, Tradition wäre hinfällig und kein Grund auf Geburtstage wert zu legen.

Den kollektiven Ballsport gibt es seit mindestens 5000 Jahren und er vereint seit jeher Teamgeist und lokale Traditionen. In Freiburg gibt es eine Fußballgeschichte, in Leipzig und andernorts in ganz Deutschland auch. Diese zumindest zu respektieren wäre ein Ansatz. Die Gründungsväter unserer mittlerweile modernen Vereine haben sich das sicherlich auf die Fahne geschrieben. Den heutigen Gründern ist der Flaggengeist abhanden gekommen, zumindest mit Blick auf die eigene Chronik. Siehe u.a. 1899 Hoffenheim.
Der Zeitgeist gibt es her, dass sich viele Menschen Dingen hergeben, von denen sie kaum bis wenig Ahnung haben. Mir macht es im konkreten Fall Sorgen, dass Leute blind in etwas einsteigen, um auf einen Trendzug aufzuspringen, von dem sie nicht wissen wohin er fährt, schon mal gar nicht woher er eigentlich kommt. Ob das jetzt wirklich wünschenswert ist, weil es nun mal so ist, sei mal dahingestellt. Legitim ja, aber sicher kein Grund dies zu unterstützen.

Liebe lebt durch Leidenschaft. Die muss wachsen, gekauft ist sie nichts wert. Ein Kind muss wachsen bevor es laufen lernt.

In dem Sinne: Neugründungen von mir aus, aber bitte nicht auf Bulle komm raus!

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