FREIBURG TOTAL INTERNATIONAL
geschrieben von Freiburger Fanblock in Freiburger Fanblock
Ähm ja, nee, jetzt wirklich? Doch, der Sport-Club Freiburg spielt nächste Saison europäisch! Zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte, aber diesmal ist die Story märchenhafter denn je. Allein der gehaltene Elfmeter von SCF-Goalie Oliver Baumann in der allerletzten Minute in Fürth ist eine Anekdote wert. Ohne diese Glanztat wäre es vielleicht nochmal eng geworden, sicher nicht einfacher. Und es wäre sehr ärgerlich gewesen, da wir uns den Einzug ins europäische Geschäft über 33. Spieltage hart verdient haben. Andere brauchen dafür bekanntlich die Hintertür.
Von ganz unten nach bis fast ganz oben kommt im Fußball öfter mal vor, umgekehrt gibt es das auch. Allerdings ist die Art und Weise wie der SCF die Sensation gestemmt hat mehr als beeindruckend und anscheinend nachhaltiger Natur, wenn man die familiär feiernden Jungs auf den Platz mit dem Trainerteam gesehen hat und bedenkt, wo wir vor einernhalb Jahren standen. Da wächst was weiter zusammen. Das lässt auch für die Zukunft hoffen.

Es ist sicher nicht alles Gold was glänzt, es liegt eine Menge Arbeit vor dem Klub und einige Zweifler mahnen schon vor Europa. Ein "gefährliches Abenteuer" sei es kommende Spielzeit international spielen zu dürfen. Doppelbelastung, Spielerkader, Budget und so weiter werden dann als Argumente gerne lanciert. Angesichts der Historie, worauf nach EL-Quali immer der direkte Abstieg folgte, kann man schon mal ins Grübeln kommen. Aus Fansicht sind sie solche Routinezweifler aber gerade nicht in Mode. Denn zu verlieren haben wir nichts. Sollten wir in die CL-Quali kommen ist die Statistik eh hinfällig.
Zur Zeit sollte das Motto lauten: "einfach nur freuen". Wir nehmen mit was geht und gut ist. Gefeiert wird sowieso. Gestern mit der Mannschaft und dem Trainergespann. Nachdem Oli Baumann das obligatorische "Humba" in XXL-Version vom Podest geschmettert hatte, verlangten die Fans den Trainer. Der kam dann auch — seiner Art entsprechend — mit dem kompletten Trainerteam Hand in Hand. Streich ließ es sich dann auch nicht nehmen mit im Takt schwingender Faust in die Fangesänge einzustimmen, nur auf das Podest wollte er nicht und schickte statt dessen Kult- Busfahrer Stefan Spohn vor , der seine Sache A5 gelöst hat. War schon legendär. Der Pogo der Trainerkombo bleibt indes ausbaufähig ;).

Wir haben mehr geschafft als gedacht. Am kommenden Samstag gibt es die Endspielparty. Ohne Druck – abgesehen von den Millionen um die es geht – kann der SCF befreit aufspielen. Total international sind wir schon, totaler wär halt noch geiler! Wollen mal schauen ob wir der grandiosen Saison nicht noch das Sahnehäubchen auf die ohnehin schon opulente Schwarzwälder Kirschtorte packen können.
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Vielen von euch wird aufgefallen sein, dass in den letzten Wochen vermehrt Banner und Plakate in deutschen Stadien zu sehen waren, die sich gegen die Online-Ticketbörse viagogo gerichtet haben. viagogo ist eine Internet-Plattform, auf der Tickets von Sport- und Kulturereignissen von Menschen, die irgendwann merken, dass sie am betreffenden Datum verhindert sind, an andere Menschen verkauft werden, die noch kein Ticket haben. Soweit die Theorie. In der Praxis wird viagogo allerdings, zumindest bei Fußballspielen, in erster Linie von Ticketspekulanten genutzt, die ihre Tickets zu einem Vielfachen des Originalpreises verkaufen möchten. Einzelne Nordtribünentickets für das Spiel gegen Wolfsburg waren am vergangenen Montagabend ab 39,73€ erhältlich, für das Spiel gegen Schalke gingen die Preise bei 158,91€ los. 15% Buchungsgebühr plus Versandkosten und Mehrwertsteuer kommen jeweils noch dazu. Auch der Verkäufer muss 10% des Nettopreises an viagogo abtreten.
In den AGB des Online-Ticketverkaufs des SC Freiburg ist der Weiterverkauf von Heimspieltickets zur Erzielung eines Gewinns von mehr als 10% untersagt. Ein Verkauf von Tickets über viagogo, bei welchem der Verkäufer mehr als 10% Gewinn erzielt, ist daher unrechtmäßig. Dies sieht auch der SC Freiburg so, wie Pressesprecher Rudi Raschke bestätigte, der explizit davor warnt, Tickets bei viagogo zu erwerben. Wer bspw. vom Verkäufer als verloren gemeldete und damit ungültige Tickets kauft, steht am Spieltag mit leeren Händen da und kann sich nicht an den Verkäufer der Tickets wenden, da viagogo lediglich den Verkauf abwickelt, ohne, wie bspw. eBay, einen Kontakt zwischen Verkäufer und Käufer herzustellen. Der Sportclub geht hin und wieder gegen solche Verkäufe mit Aufschlag vor, allerdings mangels personeller Mittel lediglich stichprobenartig.
Im Gegensatz zum SCF gehen einige Bundesligavereine nicht gegen viagogo vor, sondern schließen sogar im Gegenteil Partnerschaften mit dem Unternehmen, wie erst vor wenigen Tagen der FC Schalke 04, wo nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen scheint (die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung sowie eine Unterschriftenaktion zu diesem Thema wurden per Dekret von oben unterbunden) aber auch bspw. der FC Bayern München. Diese Partnerschaften funktionieren so, dass viagogo den Clubs hohe Beträge für Sponsorenverträge bezahlt und im Gegenzug nicht nur Werbung schalten darf, sondern teilweise sogar gegen Bezahlung ein eigenes Kartenkontingent zur Verfügung gestellt bekommt, welches das Unternehmen selbst verkauft, oder zumindest als offizieller Exklusivpartner für den Weiterverkauf von Tickets auftritt. Auch der SC Freiburg wurde bereits von viagogo mit dem Ziel kontaktiert, eine Partnerschaft einzugehen, ein Angebot, das vom Sportclub glücklicherweise abgelehnt wurde. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön und Hut ab an unsere Verantwortlichen!
Wer sich mit wirtschaftlichen Zusammenhängen auskennt, dem dürfte sich in Anbetracht dieser Umstände relativ schnell die Frage aufdrängen, weshalb die betreffenden Vereine, anstatt eine Partnerschaft mit viagogo abzuschließen, nicht einfach die Ticketpreise erhöhen. Da es offensichtlich eine größere Anzahl Personen gibt, die auf regulärem Weg keine Tickets bekommen und daher bereit sind, stark überhöhte Preise zu bezahlen, gibt es augenscheinlich eine Nachfrage, die das Angebot übersteigt oder anders ausgedrückt einen rationierten Markt. Es ist davon auszugehen, dass die Vereine mit einer sinnvoll ausgestalteten Preiserhöhung größere Gewinne erzielen könnten als mit einer Partnerschaft mit viagogo, da sie auf diese Weise viagogos Gewinne aus der Zusammenarbeit, bzw. je nach Partnerschaftsmodell diejenigen der einzelnen Ticketverkäufer, selbst verbuchen könnten.
Wieso werden diese Partnerschaften dann abgeschlossen? Fußballticketpreise werden in Deutschland von einer kritischen Öffentlichkeit beobachtet. Vertreter der Initiative „Kein Zwanni für nen Steher" hatten schon Auftritte bei verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen, auch bei Fernseh-Talkshows. Vereine, die ihre Ticketpreise in einer Weise erhöhen, die zwar wirtschaftlich sinnvoll, sozial aber inakzeptabel ist, sehen sich mittlerweile einem massiven Druck ausgesetzt, der sich bisher in Fanprotesten und Boykotten von Auswärtsfahrern geäußert hat. Bei drastischeren Preiserhöhungen könnten aber auch rigorose Konsequenzen wie das Fernbleiben ganzer Fanszenen aus den Blöcken eintreten. Der Rückhalt beim Rest des Publikums dürfte in solchen Fällen quasi unumschränkt sein, da das Thema Ticketpreise auch die Zuschauer auf den Sitzplätzen betrifft. Durch das Modell einer Kooperation mit viagogo können die eigenen Ticketpreise moderat und damit unangreifbar gehalten werden, während am Zweitmarkt im Internet kräftig mitverdient wird.
Es ist daher erfreulich zu sehen, dass in dieser Sache Fans und Massenmedien wie z.B. Die Welt und die Süddeutsche Zeitung ausnahmsweise eine Einheit bilden und das System viagogo gleichermaßen verurteilen. Der Hamburger SV hat sich dem öffentlichen Druck bereits gebeugt und wird die Kooperation mit dem Unternehmen zum Ende der laufenden Saison beenden. Protest kann also auch in dieser Sache etwas bewegen! Wenn Fußballfandeutschland in dieser Angelegenheit weiterhin an einem Strang zieht und dafür sorgt, dass dieses Thema in der öffentlichen Wahrnehmung bleibt, bestehen berechtigte Hoffnungen, dass das Phänomen viagogo bald wieder dahin verschwindet, wo es hingehört: in der Bedeutungslosigkeit.
Unsere Meinung zu der Sache: Profifußball muss zwar wirtschaftlich sein, um bestehen zu können, diese Wirtschaftlichkeit darf aber nie zum Selbstzweck werden. Faire Ticketpreise sind wichtiger als kurzfristiger Erfolg. Diese moralischen Standards dürfen wir aber nicht nur an die Vereine anlegen, in der Sache sind auch wir Fans gefragt. Für uns muss jetzt zumindest eines gelten: Boykottieren wir viagogo! Wenn es beim SC keine Tickets mehr gibt, dann fragt eure Freunde nach Karten, fragt bei Auswärtsspielen uns von der SCFR, fragt die Fanclubs der FG oder schaut das Spiel in der Kneipe, falls es gar nicht anders geht. Aber viagogo ist ein No-go!
Auswärts mit dem Fansprinter
geschrieben von Freiburger Fanblock in Freiburger FanblockAlle Wege führen Auswärts zum Stadion. Sehr beliebt ist bei annähernd regionalen Begegnungen die Zugfahrt. Immer wieder hört man allerdings von Sachbeschädigungen und Problemen bei An- und Abreise, bzw. während der Fahrt. In Freiburg hat man ein Konzept entwickelt, das alle Seiten (Supporters, Ultras, Fanklubs, Verein, Bundespolizei, Deutsche Bahn) unterstützen und bei dessen Einhaltung es bislang auch zu keinerlei Zwischenfällen gekommen ist. Der Fansprinter ist eine Fahrtoption von Fans für Fans, die sehr gut aufgenommen wird. Sie ist günstig, garantiert schnelle Verbindungen, bietet Platz und die Möglichkeit einen Haufen gleichgesinnter Fans in einem Fahrzeug zu treffen. Doch was steht hinter dem Konzept des Fansprinters?

Die Unterschiede zwischen einem Regelzug, Sonderzug, Entlastungszug und Fansprinter sind folgende:
- Regelzug: Ist ein Zug der Deutschen Bahn, welcher Fahrplanmäßig von A nach B fährt. Hierfür sind die Preise und Angebote der Bahn maßgeblich.
- Sonderzug: Ist ein Zug, welcher extra angemietet werden kann.
- Entlastungszug: Ist ein Zug, welchen die Bahn einsetzt, wenn der Regelverkehrszug auf einer bestimmten Verbindung droht überfüllt zu werden.
- Fansprinter: Das neue Konzept, um Fans günstig in die nahegelegenen Stadien zu bringen und den Regelverkehr zu entlasten. Beim Fansprinter handelt es sich um keinen Sonderzug, er wird von der DB Regio AG zur Verfügung gestellt und dient der Entlastung des Regelverkehrs. Im Gegensatz zu einem reinen Entlastungszug der Deutschen Bahn erfolgt der Vorverkauf der Karten ausschließlich über Fanorganisationen (Supporters Crew Freiburg und Fangemeinschaft) des SC Freiburg und die Kapazität ist klar auf die Anzahl der im Zug verfügbaren Sitzplätze begrenzt. Entwickelt wurde das Konzept gemeinsam mit der Bundespolizei. Aus Sicherheitsgründen wurde vereinbart, dass die Mitnahme von Glasflaschen im Zug nicht gestattet ist. Aber es findet in jedem Sprinter ein Getränkeverkauf statt, allerdings alkoholfrei. Jugendliche unter 16 Jahren müssen eine Einverständniserklärung der Eltern vorlegen und es herrscht ein striktes Sachbeschädigungs- und Pyroverbot.
In dieser Saison ging es mit dem Fansprinter schon nach Frankfurt, Augsburg, Karlsruhe (DFB-Pokal), Mainz und Hoffenheim. Jede Fahrt für roundabout 10-15€. Ein Hammerpreis wie sicher jeder Auswärtsfahrer bestätigen wird. Und richtig ausgestattet ist auch das Mitbringen von Getränkealternativen kein Problem. Wozu gibt es Dosen und Plastikflaschen?! Der wesentliche Unterschied zu Sonderzügen oder der Anreise per Regelzug ist die Eigenverwaltung des Fansprinters durch seine Mitfahrer, die auch die Selbstkontrolle und -Verantwortung impliziert. Der eigene Ordnungsdienst kontrolliert schon vor dem Besteigen des Fansprinters die Tickets, checkt die Mitbringsel und jeder Mitreisende ist sich nicht zuletzt bewusst, dass sein eigenes Verhalten dazu beiträgt solche Fahrten aufrecht zu erhalten. Die Polizei ist in diesen Zügen so gut wie gar nicht präsent, empfängt einen zwar wie üblich am Bahnhof, hält sich aber außer der SKB-Besatzung aus der Fahrt raus, bzw. ist gar nicht vertreten. Sehr erfreulich, da es zeigt, dass es auch anders geht, wenn man die Fans nur machen lässt und nicht durch martialisches Auftreten (un)bewußt provoziert.
Die Stimmung in den Fansprintern ist gut. Vergleichbar mit der in Sonderzügen oder Fanbussen: Es wird angeheizt, auf das Spiel eingestimmt, gesungen, getanzt und gefeiert. Ein Ghettoblaster und ein paar Kaltgetränke tun ihr Übriges. Wenn man sich dann auch noch gut mit den "Zugbegleitern" versteht, ist selbst rauchen kein Ding. Nicht unwesentlich für Einige auf Auswärtstouren. Zudem gibt es in Fansprintern nicht das Problem von überfüllten Toiletten, dass in Regiozügen oder Bussen durchaus mal zu sonderlichen Abartigkeiten führen kann.
Man kann auch sagen: Die Fans bestimmen selber wie es in ihrem Zug abgeht.
Kurzum: Das Fansprinterkonzept kann man nur unterstützen. Es nimmt nichts von der Faszination des Sonderzuges, ist eine kostengünstige und selbstinitiierte Alternative zur gemeinsamen Auswärtstour. Auf jeden Fall für die näher gelegenen Spielstädten. Wieso also das Konzept des Fansprinters nicht bundesweit übertragen?
Kriegsszenarien an der Freiburger Journalistenfront – ein Kommentar
geschrieben von Freiburger Fanblock in Freiburger Fanblock
Michael Zäh, Mitte der 1990er Jahre Gründer des seinerzeit durchaus progressiven "Hattrick Fußballmagazins", hat sich in der Freiburger "Zeitung am Samstag" (ZaS) über Ultras ausgelassen und spricht darin sogar von Krieg. Starker Tobak auf den Seiten 8 und 9. Wenn man als vermeintlich und selbst ausgelobte "innovative und anspruchsvolle" (siehe Webseite) Zeitung einen Artikel (Gebrüll ist nicht gleich Stimmung – Die Initiative 12:12 meint, ein Monopol auf Stimmung zu haben. Hat sie nicht!) über Fans und dessen Lebenswelten schreibt, sollte man sich zumindest die Mühe machen zuerst zu recherchieren, bevor man reichlich emotional, subjektiv und unter Einbeziehung von Kriegsvergleichen über Stimmungsboykott, oder -Verzicht nachdenkt .
Zäh, mittlerweile Chefredakteur und Herausgeber der 14-tägig erscheinenden und defizitär wirtschaftenden ZaS hat das offensichtlich nicht gemacht. Warum die Mühe? Lieber einen einseitig polemisch aufgeladenen Artikel verfassen, der neben Auflage scheinbar dazu dienen soll, die Gräben, um mal im Kriegsbild zu bleiben, zwischen den konsumierenden und aktiven Fans – beide haben wohlgemerkt ihre Daseinsberechtigung – zu vergrößern? Also pazifistisch gedacht ist was anderes, um nicht zu sagen propagandistisch lanciert, außerdem eine Beleidung bis Frechheit gegenüber denjenigen, die auch schon 1993 für die Stimmung im Dreisamstadion sorgten, lautstark und stadionübergreifend, sowie eine Verleumdung derer, die Stimmung als motivierend empfinden – zum Beispiel Spieler, die, hätte Zäh nachgefragt, allesamt sehr wohl am Wohlwollen der Fans und deren Unterstützung interessiert sind. Außerdem und nicht zuletzt tief verletzend für die, die tatsächlich Kriegserfahrung haben.
Für Zäh scheinen die stimmungsvollen Fans fehlgeleitete Soldaten in einem sublimierten Krieg zu sein. Sie sind weder am "kunstvollen" Spiel, sondern nur an sich selbst interessiert, gefallen sich im Gleichschritt an den "immer gleichen Fangesängen." Außerdem sind sie "störend" bei der Aufnahme des eigentlichen Spielgeschehens. Zäh fordert die reine Leistung auf dem Platz durch klatschen oder pfeifen zu bewerten. Großartige Idee. Macht bestimmt eine Menge Spaß als Spieler auf dem Platz zu stehen und das Publikum verteilt nüchtern Fleißkärtchen, wenn es mal nicht so läuft. Er spricht von Monotonie in den Fankurven, scheint das gleichgeschaltete abwinken von Sponsorenfahnen und das an Eintönigkeit nicht zu überbietende Klatschpappengedöns, sofern es nicht zu laut ist, zu bevorzugen. Der Wiederspruch liegt auf der Hand. Zudem erkennt Zäh partout den Unterschied zwischen Oper und Fußball nicht, oder will ihn nicht erkennen. Die Partizipation an einem Geschehnis ist abhängig von der Quelle. Während in einer Oper Bonbonpapierknistern als störend empfunden wird, lebt der Fußball durch die aktive Beteiligung aller Akteure. Die Spieler schreien sich an, die Trainer die Spieler, die Fans die Spieler und den Trainer – meist mit positiv motivierenden Absicht. Normal bei Mannschaftssportarten! Im Gegensatz zu Zäh's vielzitierten Fallbeispiel Tennis, ist Fußball vom Kollektiv geprägt, das komplexere zwischenmenschliche Strukturen der Interaktion voraussetzt um daran vollständig teilzuhaben. Tennis, sowie sämtlichen Individualsportarten fehlt schlicht die soziale Komponente, die für Fußball-Fans im volkssportlichen Sinn relevant ist: die Gemeinschaft. Insofern ist das supporten eines Tennisspielers via TV schlicht etwas anderes als das eines Fußballteams vor Ort, das dazu regional verbunden ist und mit dem Bewusstsein seiner Fans nicht nur für sich selbst kämpft. Hier einen Vergleich zwischen Tennis und Fußball aus sozialwissenschaftlicher Perspektive bemühen zu wollen, ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
Wenn Zäh behauptet vielen Fans komme es mehr darauf an sich selbst darzustellen, ihnen ginge es nicht um das Spiel, ist das gelinde gesagt eine gewagte Behauptung basierend auf gefährlichem Halbwissen. Die zuletzt differenziertere Darstellung der Fans in den Medien wird einfach ignoriert, direkt nachgefragt auch nicht, was auch daran liegen kann, dass sogar die Sinnhaftigkeit eines zielführenden Dialoges von Zäh zwischen den Zeilen in Frage gestellt wird.
Richtig ist – dass bestätigen eine Vielzahl an wissenschaftlichen Beiträgen zum Thema Fußball und Gesellschaft: viele Fankulturen nehmen in ihrer Einstellungen und Verhaltensweisen mehr oder minder bewusst Anleihen auch aus der Welt des Kriegerischen und Militärischen auf: Schießen, Gegner, Angriff, Stärke, Hingabe, Treue, Kameradschaft. Damit entsprechen sie der kriegerischen Anordnung und patriotischen Funktion des Fußballspiels – wohlgemerkt des Spiels Herr Zäh – , das oftmals auch als „sublimierter Krieg" gilt, der in ritualisierten, zivilisierten Bahnen verläuft. Insbesondere der erste Weltkrieg war für die Festigung „männlicher und nationaler Wertigkeiten des Fußballs" von maßgeblicher Relevanz. Nicht aber das Militär, sondern Fußballverbände selbst propagierten den nationalen und militärische Impetus des Fußballs: "Wie zwei gerüstete Heere stünden sich beide Teams gegenüber, [...] das Match habe 'Ähnlichkeit mit dem Krieg'" wurde damals in Verbandszeitschriften formuliert. Kollektive Identität und Abgrenzung gegen "Feinde" werden bis heute körperlich dargestellt und durch Kleidung sowie Accessoires symbolisiert. Gesänge, Fahnen, Trommeln und sonstige Spektakel unterstreichen diese Absicht, wobei man diese Kriegsanleihen nicht zwingend als "sublimierten Krieg" verstehen sollte. Denn der Fußball hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt und mit ihm die Fankultur. In den Fankulturen spiegelt sich heutzutage, in einem spezifischen Wirklichkeitsbereich, die Bedingungen und widerstreitenden Kräfte des popkulturellen Konsums, wie er sowohl für die Ausbildung von Identitäten als auch für die gesellschaftliche Integration bedeutsam ist. Beschäftigt man sich mit der Ausarbeitung von Problemstellungen rund um Fankultur kommt man nicht umhin, die Frage zu stellen, was einen Fan überhaupt ausmacht. Wodurch ist Fan-Sein geprägt und kann man verschieden starke Ausprägungen von Fanverhalten feststellen und gruppieren?
Dieser spannenden Frage geht Zäh leider nicht nach, stattdessen reduziert er Fankultur in üblicher boulevardesker Manier mit einem kriegsähnlichem Schauspiel. So ist für ihn: "Pyro schlicht Sichtbehinderung" und Ausdruck von Kriegssymbolik, Fans "spielen Krieg", das Geschehnis auf dem Platz interessiere niemanden von "denen". Ziemlich frech für jemanden, der es eigentlich besser wissen müsste und persönlich von der Stimmung und dem damit einhergehenden Fußballboom der letzten zwei Dekaden profitiert hat. Denn eines ist sicher, es ist was anders als Spielanalytiker, Journalist oder von Auflage abhängiger Herausgeber auf der Pressetribüne ein Spiel zu verfolgen, wie von der Stimmungstribüne aus. Damit einher geht auch der Grad der offen ausgelebten Leidenschaft.
Denke jedem einigermaßen aufgeklärten Fußballinteressierten dürfte insbesondere in jüngster Zeit aufgefallen sein – auch dem Letzten –, dass gerade die aktiven Fans alles andere als eine tumbe, hochgerüstete Masse sind, die sich im Stadion als Stimmungsmonopolisten verkaufen und als Ziel die Vorherrschaft in den Stadien anstreben. Ihnen geht es um selbstbestimmte, frei ausgelebtes Fantum, das mehr, viel mehr implementiert, als sich an Spieltagen zu feiern oder selbst zu profilieren. Ihnen geht es um mehr, als nur um die nackte Wahrheit auf den Platz, auch wenn das zweifellos die wichtigste Komponente für jeden Fan sein dürfte. Weder marodierend durch die Länder ziehend, noch in der Mehrzahl gewaltbereit sind es doch gerade sie, die den Unterschied zu dem von Zäh gewünschten, spielorientierten, gleichwohl rein konsumierenden "Operettenpublikum " ausmachen, sie sind es, die kreativ und innovativ ihr Team nach Vorne singen, neue Gesänge erfinden und ein Stadion zum Leben erwecken. Sie sind es, die sich sowohl wie kaum eine zweite Gruppierung aktiv im Stadion Gedanken um den Verein und das Umfeld machen – unabhängig vom Erfolg und Ligazugehörigkeit. Es sind jene, die sowohl in der Heimat als auch Auswärts mit Choreos bunt und mit viel Eigenengagement dafür sorgen, dass neben Leistung auch das Herz und die Seele im tabellengetrimmten Big Business zählt. Viele Fanklubs und Nicht-Organisierte Fans tragen zudem nach wie vor zu einer Freiburger Fankultur bei, die man nicht à la Zäh per se und zum Glück als nicht angepasst bezeichnen kann, geschweige denn als Tummelplatz kriegswütiger Egozocker, die ohne Sinn und Verstand dem Verein schaden wollen. Sie leben ihre Fankultur nun mal direkt und nicht mit einem Statistikblock in der Hand aus. "Quiet please" ist für den Fußball keine Option. Weder für die Akteure auf dem Platz, noch für dessen Begleiter. Und das erwiesener Maßen, siehe zuletzt die 12:12 Proteste, die verdeutlichten wie sehr der Fußball und seine Profiteure, gerade aus Wirtschaft, Politik und Co von Fans abhängig sind.
Toleranz statt Hatz: Das sollte der Ansatz sein um zukünftig im Dialog und nicht mit polemischen Hauruckrauswürfen Stimmungspolitik zu machen. Englische Verhältnisse, die Zäh propagiert, waren noch nie freiburgtypisch und dürfen gerade im vom Fan abhängigen Freiburg keinen Einzug halten. Und Krieg spielen will auch keiner, dafür ist Krieg eine viel zu ernste Sache und Fußball "nur" ein Spiel.
SC Freiburg 2012 - ein Rückblick
geschrieben von Freiburger Fanblock in Freiburger Fanblock
Da wird der Fuchs im schwarzen Wald verrückt – vor Freude. Was ein Jahr für seinen Sport-Club Freiburg. Ende 2011 sah er sich schon sein Revier in tieferen Gefilden abstecken. Als "SC Hollywood", wurde der Sport-Club verschrien, ihm wurde zunehmend ein "Graue Maus"-Image attestiert und nicht zuletzt eine stagnierende sportliche Entwicklung. Dazu noch unglückliche öffentliche Auftritte des Vorstands (Stadionfrage), noch unglücklichere Entlassungen – zumindest die Art und Weise wie man Publikumsliebling und Kapitän Heiko Butcher geschasst hat war mehr als grenzwertig, die "Shampoo-Affäre" um Abdessadki trug ihr Übriges zur Krise bei.
Choreoverbot beim Derby
geschrieben von Freiburger Fanblock in Freiburger Fanblock
Stellungnahme der SCFR und NBU zum Choreoverbot in Freiburg beim Baden-Württembergderby
Zum Baden-Württemberg-Derby zwischen dem SC Freiburg und dem VfB Stuttgart am vergangenen Sonntag plante die NBU, in Zusammenarbeit mit der Supporters Crew Freiburg eine Choreographie auf der Nordtribüne.
Diese beinhaltete unter anderem ein Spruchband mit folgender Aufforderung an die Mannschaft: „Siegt mit Herz und Verstand für unser heiligs Badnerland!“, welches am Zaun vor der Nordtribüne zum Einlaufen der Mannschaften heruntergelassen werden sollte. Die Choreographie, mit oben genanntem Spruchband, wurde bereits Wochen zuvor ordnungsgemäß beim Sport Club Freiburg angemeldet und genehmigt. Zusätzlich wurde die Choreographie, inkl. Spruchband und Schriftbild, einige Tage vor dem Spiel nochmals durch Angestellte des Sport Club Freiburg begutachtet und abgesegnet.
Am Spieltag wurden bereits am frühen Morgen die letzten Vorbereitungen für die Choreographie getroffen und das besagte Spruchband am Zaun befestigt. Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen waren und die Helfer das Stadion, wie abgesprochen, wieder verließen, erreichte diese drei Stunden vor Anpfiff des Spiels plötzlich ein Anruf des Fankoordinators,“ es gäbe Probleme mit dem Spruchband„. Nachdem einige der Organisatoren daraufhin zurück ins Stadion gingen, wurden diese dort bereits von Fankoordinator, Fanbeauftragten und einigen Angestellten des Sport Club Freiburg erwartet. Diese teilten uns mit, dass die geplante Choreographie, mit oben genanntem Spruchband, nicht durchgeführt werden darf.
Die lächerliche Begründung hierfür war, dass die Worte „siegt“ und „heiligs“ auf das heilige Römische Reich anspielen könnten und zudem die Schriftart manche an die Nazizeit erinnern könnte. Außerdem wurde von einem Vereinsangestellten erklärt, dass durch das Spruchband ein badischer Patriotismus geäußert würde, welcher von Vereinsseite nicht gewünscht wäre und zudem nicht angebracht sei, da die Landesregierung von Baden-Württemberg mit Ministerpräsident Kretschmann das Spiel besuchen würde und von dieser eventuell falsch aufgefasst werden könne, man diese allerdings nicht verärgern möchte, da man doch ein neues Stadion bauen will und dafür die Unterstützung aus der Politik benötige. Die Anmerkung, dass unsere ganze Region mit einem gesunden badischen Patriotismus lebt und dieser vom SC Freiburg auch gerne zur Marketing- und Merchandisingzwecken ausgeschlachtet wird, könnten wir uns eigentlich schenken, aber wir wollen es der Vollständigkeit wegen doch erwähnen.
Die Erklärungen der Organisatoren, dass man mit der Schriftart lediglich die Schrift der Flagge des Großherzogtums Baden originalgetreu abbilden wollte und der Spruch lediglich als Aufforderung an und Motivation für die Mannschaft gewählt wurde, wurden von Vereinsseite nicht akzeptiert. Dass es sich bei der Schriftart zudem nur um eine simple, verschnörkelte Schrift handelte, welche in jedem Text-Programm zu finden ist (und die in fast identischer Weise schon bei diversen Choreographien, ohne Probleme verwendet wurde), wollten die verantwortlichen Entscheidungsträger scheinbar nicht wahrhaben. Die Entscheidung war bereits gefallen und das Spruchband musste wieder vom Zaun entfernt werden.
Des Weiteren muss zur Schriftart angemerkt werden, dass diese dem Verein vorab schon bekannt war und die gleiche oder ähnliche Schrift auch von vielen großen Tageszeitungen genutzt wird. Bringt bei BZ, FAZ und Co. jemand eine Verbindung zum Patriotismus oder gar zu (rechts-) nationalem Gedankengut?
Da die Durchführung der Choreographie ohne das besagte Spruchband keinen Sinn mehr gemacht hätte, musste diese kurzerhand und schweren Herzens abgesagt werden.
Hunderte von Arbeitsstunden vieler verschiedener SC-Fans, nicht nur der Ultras, und ein beträchtlicher vierstelliger Geldbetrag wurden somit innerhalb von wenigen Minuten durch eine Kurzschlussreaktion der Vereinsführung/-verwaltung zunichte gemacht.
Für die zahlreichen Helfer bei der Erstellung dieser Choreographie war diese Entscheidung ein harter Schlag ins Gesicht.
Nachdem in den vergangenen Wochen zahlreiche konstruktive Gespräche zwischen SC-Fans und Vereinsführung geführt wurden und man in Zukunft wieder verstärkt auf Dialog setzen wollte, war diese Entscheidung ein sehr großer Rückschlag für alle Beteiligten! Das Vertrauen in die Verantwortlichen wurde einmal mehr enttäuscht.
Im Hinblick auf die angeblich so große Gewaltproblematik, welche es derzeit im Fußball gibt, und medial in den letzten Wochen ein Dauerthema ist, müssen wir uns fragen ob die Vereine mit solchen Entscheidungen nicht einen ganz entscheidenden Anteil daran haben und so Ignoranz und Frust selbst schüren.
Unter diesen Umständen wird es in Freiburg, zum Bedauern vieler wohl keine Choreographien mehr zu sehen geben.
Update: Nun reagierte auch der SC Freiburg mit einer Stellungnahme zum Thema, die hier zu lesen ist.
Podiumsdiskussion in Freiburg mit Gunter A. Pilz - ein Kommentar
geschrieben von Freiburger Fanblock in Freiburger Fanblock
Im Rahmen einer Vortragsreihe der pädagogischen Hochschule Freiburg (PH) fand am Montagabend (19.11) eine Podiumsdiskussion mit vorherigem Impulsreferat von Fanforscher Gunter A. Pilz zum Thema: "Gewalt und Geschlecht, von der Fan-Kultur zum Gewalt-Event?" statt. Ralf Hettich (SCFR&NBU) und Michael Weber (SCF-Fankoordinator) saßen bereits am Tisch, rund 120 interessierte Zuhörer im Plenum, als Moderator Prof. Dr. Albert Scherr (Sozialforscher) eine Verspätung des wohl bekanntesten Fanforschers Deutschlands, seines Zeichens auch als DFB-Berater tätig, ankündigen musste und fortan versuchte die Zeit mit rudimentären Kenntnissen zum Thema Fußball und Gewalt zu überbrücken. Machte er aber ganz gut und als der, in vielen Fankreisen nicht unumstrittene, Pilz nach der obligatorischen akademischen Viertelstunde und zusätzlichen 15 Minuten gegen 18:30 Uhr eintraf, wurde er gleich vom sichtlich erleichterten Scherr an das Rednerpult zitiert. Nicht ohne zuvor die zwei vertretenen Polizeiangehörigen zur Mitsprache auf das Podium einzuladen. Die wollten aber nicht so Recht, bzw. gar nicht, nur zuhören.

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