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Montag, 31 März 2014 08:38

Leverkusens schlechte Werbung für den Frauenfußball

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Bayer Leverkusen ist nicht gerade als die Hochburg des deutschen Frauenfussballs bekannt. Und doch ist die Frauenabteilung des Werksclubs ein fester Bestandteil der Bundesliga, der es immer wieder versteht, den Großen ein Bein zu stellen. Zum Spitzenspiel gegen den 1. FFC Frankfurt hatte man sich etwas besonderes überlegt.

Ein Doppelspiel mit den Männern, Kombi-Karten und der Familientag wurden ausgerufen. Alles in der Hoffnung, dass es ein paar Menschen mehr in das Ulrich-Haberland-Stadion zieht als sonst. Aber gut gedacht ist anscheinend auch in Leverkusen nicht immer gut gemacht. Aber lest selbst. Der Artikel wurde im Übrigen von Marion Kehren verfasst und freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Ein Gastbeitrag von Marion Kehren

 

Die Chance dem Frauenfußball in Leverkusen einmal mehr Fan-Aufmerksamkeit zukommen zu lassen ergibt sich nicht oft.

Meist fristen die Frauen ein eher unscheinbaresTraurige Fans Dasein, die Heimspiele werden vor nur wenigen hundert Zuschauern ausgetragen.

So bot sich nun am 29.03.2014 die einmalige Gelegenheit dies zu ändern! Aufgrund der Eurosport Liveübertragung wurde die Partie der Frauenfußball-Bundesliga zwischen Leverkusen und Tabellenführer Frankfurt auf den hochheiligen Samstagnachmittag verschoben.

In Anbetracht der Tatsache, dass der aktuelle Tabellenvierte der Männerbundesliga an diesem Tag auf Schlusslicht Braunschweig traf, schien doch die Möglichkeit zu bestehen diese beiden Partien gut zusammen vermarkten zu können. Hätte auch fast geklappt, dumm nur, dass die Männerpartie um 15:30 Uhr, die der Frauen aber bereits um 13:00Uhr angepfiffen wurde.

Irgendetwas muss bei der Organisation fürchterlich schief gelaufen sein, denn weder die Journalisten und Fotografen konnten zeitig ihre Plätze einnehmen, noch war Parken ohne Parkausweis in Stadionnähe möglich. Ebenso war es den Fans des Frauenspiels nicht möglich zeitig in das nahe gelegene Ulrich-Haberland-Stadion einzuziehen.

Die Security war nicht in der Lage die Fans auseinander zu halten und hielt sich an die Maßgabe, dass die Tore erst um13:30 geöffnet werden – HALLO, jemand hier? Das Spiel fängt um 13:00Uhr an!!! Und ja, die Fans des Frauenfußballs sind gefährlich, rennen mit Begalos herum und sind absolut Gewalt bereit ;-) Ebenso wenig waren die Kassenhäuschen geöffnet, denn das Männerspiel wurde ja auch erst zur typischen Samstagsnachmittagszeit angepfiffen. Chaos pur also rund um die BayArena.

KafigSage und schreibe musste es 12:45Uhr schlagen, bis einer der Organisatoren merkte, dass keine Zuschauer im Stadion waren und in einer förmlichen Panikattacke wurden die Fans nun doch zum Frauenspiel zugelassen.

Die Frankfurter Fans traf es dabei besonders hart, denn sie wurden aus Sicherheitsgründen nicht zur Haupttribüne gelassen, sondern in einem Bereich hinter dem Tor regelrecht eingepfercht wie in einem Käfig.

Lächerlich daran, dass dieser Bereich noch nie während einer Frauenpartie benutzt wurde! Isoliert vom Spielgeschehen, hatten die Zuschauer weder einen guten Blick aufs Spiel noch die Möglichkeit Autogramme zu erhaschen.

Viele fühlten sich regelrecht verschaukelt und hatten das Gefühl Zuschauer zweite Wahl zu sein. Die Tribüne selber war nur spärlich besetzt, denn die Frauen von Bayer verfügen eh nicht über allzu viele Fans, stattdessen platzierten sich dort einige wenige Brauschweiger Fans, die die Zeit bis zu „ihrem“ Spiel einfach überbrücken wollten und sich daher die Frauenpartie anschauten.

Während im Außenbereich der BayArena mächtig die Werbetrommel für die anstehende Männerpartie gerührt wurde, machte sich bei den Frankfurter Fans der erste Frust Luft. „Ohne Frankfurt wär hier gar nichts los!“ schalte es unlängst durchs Ulrich-Haberland-Stadion. Und Recht hatten sie! Ich bin wahrlich kein Frankfurt-Fan, aber der Unmut der Fans ist durchaus zu verstehen. Soviel dürfte klar sein: Bayer 04 hat sich ein dickes Eigentor geschossen und mit Sicherheit werden noch weniger Fans zu den Heimspielen der Frauen anreisen. Schade, wirklich sehr schade – dabei hätte diese Kombination aus Männer- und Frauenfußball auch durchaus als gute Werbung für den Fußball allgemein genutzt werden können.

P.S. Waren insgesamt 892 Zuschauer im Ulrich-Haberland-Stadion ;-)

 

Nachtrag: 

Auch der Frankfurter Fangemeinde wurde anderes versprochen. So sollte der Fanbus wie gewohnt unter der Autobahn parken. Das dieser Parkplatz an diesem Spieltag nicht nutzbar sein würde, wurde allerdings nicht gesagt. 

Der gesamte Tross, unter ihnen Rollstuhlfahrer und Menschen, welche schlecht zu Fuß sind, war daraufhin gezwungen um das gesamte Stadion zu wandern. An den Kassen für das  Frauenspiel angekommen, stand man vor verschlossenen Toren. Erst fünf Minuten vor Anpfiff begann der Verkauf der Karten. Es war mit Bayer Leverkusen vereinbart, dass es eine bestimmte Anzahl vergünstigter Karten für die Gäste mit Zuhang zu allen Sitzplätzen geben würde. An den Kassen wusste man davon nichts, somit mussten reguläre Karten gekauft werden.

Platz fanden die Fans dann hinter dem Tor. Hinweise auf den Rollstuhlfahrer als auch Personen, welche nicht lange stehen könnten, interessierten die Ordner nicht. So verfolgte etwa die Rollstuhlfahrerin das Spiel mit Blick auf den Rücken der anderen Fans, vom Spiel selbt sah sie allerdings nicht.

Auf dem Rückweg, das selbe Spiel. Wieder einmal komplett um das Stadion, allerdings dieses Mal mit der Schwierigkeit, da das Spiel der Herren kurz vor dem Anpfiff stand. Leverkusen hielt sich nicht an klare Absprachen, zudem war keine Behindertoilette zugänglich. 

 

Christin Heidmann

Aus Berlin, Jahrgang 1986. Fan des 1.FFC Turbine Potsdam und interessierter Beobachter des Frauenfußballs im Allgemeinen.

 

 

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