Die Pokalwettbewerbe befinden sich noch in der wohlverdienten Winterpause - und dennoch habe ich in den zurückliegenden Tagen meine ganz persönliche englische Woche verbracht.
Die Fußballabstinenz über Weihnachten und Neujahr war groß genug, um mir wieder Fußball jeglicher Art schmackhaft zu machen. Und so mache ich mich am Montag der vergangenen Woche auf den Weg ins Müngersdorfer Stadion: Meine Borussia wird ein kurzfristig angesetztes Testspiel beim 1. FC Köln bestreiten. In diesem Fall ist der Begriff „Freundschaftsspiel“ ebenfalls sehr zutreffen. Ich mag den FC, was später noch weiter thematisiert werden soll. Natürlich erwarte ich mir von dem Kick nicht viel, das Ergebnis ist zweitrangig. Ein paar Torszenen wären schön - und keine Verletzten.
Immerhin knapp 10.000 Zuschauer haben sich an diesem kalten Winterabend ins Stadion verirrt. Ich nehme im Oberrang über dem Gästestehblock Platz. Von der Stammbesetzung im BVB-Block ist natürlich nicht viel zu sehen, ein Spiel - zumindest auf Dortmunder Seite - ohne Ultras, ein völlig neues Gefühl. Aber ich nehme an, auf der deutlich besser gefüllten Südtribüne dürfte das Bild bei den Kölnern nicht anders sein. Richtige Stimmung kommt natürlich nicht auf, was jedoch auch an dem mehr als trostlosen Spiel auf dem Rasen liegt.
Zwischendrin fühlt sich ein Großteil des BVB-Blocks bemüßigt, Lieder wie „Ihr seid nur ein Karnevalsverein“ anzustimmen. Die Südtribüne kontert mit ähnlichem abfälligen Liedgut. Ich persönlich fand das schade, ist mir der FC doch sehr sympathisch - wenn man in der Stadt wohnt, kann man sich der Faszination auch kaum entziehen. Nun ja, aber so muss ja auch nicht jeder denken.
Etwas irritiert bin ich jedoch ob des Strategen hinter mir, der während des Spiels mehrfach sein Entsetzen äußert, dass die Schwarzgelben da unten zwar Real Madrid besiegen konnten, nicht jedoch diese Kölner. Häh? Sieht er nicht, dass den Borussen das Spiel völlig lästig ist und sich keiner verletzen will? Ich verstehe meinen Hintermann nicht.
Meine heimliche Leidenschaft für den FC führte mich schließlich am Samstag zum Zweitligaspiel gegen Erzgebirge Aue. Um halb 12 mache ich mich auf den Weg zur Bahn ins Stadion. Unterwegs überholt uns ein alter Wagen mit ERZ-Kennzeichen, Aue-Fans. Sie halten uns den Mittelfinger entgegen. Etwas überrascht stelle ich fest, dass auch ich mich davon angesprochen fühle, obwohl der FC ja eigentlich nichts mehr als eine kleine, unbedeutende Nebenaffäre in der festen Ehe mit der Borussia ist, nach dem Credo: Appetit kann man sich in Müngersdorf holen, aber gegessen wird im Westfalenstadion (und auswärts)... Wie eh und je versteht es der FC, im Stadion eine Riesenparty zu feiern - was stört, war die Mannschaft. In einer mühsamen Partie schafft der FC nur dank eines Sonntagsschusses den Siegtreffer in der Nachspielzeit. Da ging dann auch das Trömmelche wieder...
Den Abschluss meiner englischen Woche war zugleich auch der unbestreitbare Höhepunkt: Das Auswärtsspiel meiner Borussia im Haberland-Stadion. Zum dritten Mal werde ich dieses Stadion, das sich Arena nennt, besuchen, aber im Gästeblock ist es meine Premiere. Etwas überrascht nehme ich die starke Polizeipräsenz am Gästeparkplatz zur Kenntnis - fernab des Schusses irgendwo unter der A1. Jaja, hier ist mit massivem Aufeinandertreffen der bis ins Mark verfeindeten Fanlager zu rechnen, da muss man Präsenz zeigen. Oh, Pferde auch - na klar, wenn schon, denn schon. Etwas belustigt beobachte ich drei Polizisten, die einen Mannschaftswagen in den Rest einer schon bestehenden Formation schieben - ja, sie schieben den Wagen. Was ist denn das? Muss die Polizei Sprit sparen?
Bei den Einlasskontrollen wird einem Kumpel schließlich das Anti-Schnupfenmittel abgenommen - weil es sich in einer Glasflasche befindet. Das Argument, dass er das Mittel mit sich führt, weil er Schnupfen hat, erschien dem Ordner nicht schlüssig genug, sodass die Flasche am Pfandschalter hinterlegt werden musste. Jaja, Fußballfans sind bekannt dafür, dass regelmäßig kleine Fläschchen auf den Platz fliegen und dann die Ingredienzien gegen Erkältungen im Erdboden versickern...
Das Spiel ist dann nichts für schwache Nerven, eine scheinbar sichere 2:0-Führung wird verdaddelt, doch im direkten Gegenzug fällt die erneute Führung zum 3:2. Ein schmeichelhafter Sieg, aber egal. Drei Punkte sind drei Punkte. Jetzt warten die beiden Heimspiele gegen Hamburg und Frankfurt.
NUR DER BVB!!

