Und wieder das Weserstadion. Schon zum zweiten Mal in dieser Saison mache ich mich auf den Weg nach Bremen. Sollte auch die zweite Fahrt in die Hansestadt von Erfolg gekrönt sein? Eines war jedoch definitiv von vornherein anders als damals, am 18. August des vergangenen Jahres, als sich meine Borussia im Erstrundenspiel des DFB-Pokal mit 3:0 gegen den FC Oberneuland durchsetzte: Das Wetter. Führte seinerzeit jede noch so kleine Bewegung bei über 30 Grad im Schatten direkt zu Schweißausbrüchen, so sank das Quecksilber diesmal deutlich in den Minusbereich.
Doch diesen Umstand blende ich aus, als ich mich am Samstagmorgen endlich, nach 4 Wochen - einer gefühlten Ewigkeit - wieder in den Fanbus setze. Es geht endlich wieder los. Gestern Abend haben die Blauen leider in einem spektakulären Spiel der offenen Tore mit 5:4 gewonnen und sind uns wieder auf die Pelle gerückt. Was können wir heute leisten? Und wird Nuri zum Einsatz kommen? Der Neuzugang, der in Dortmund eine Woche zuvor mit Hosianna-Rufen empfangen wurde.
Doch die Gedanken schiebe ich ein wenig beiseite, als unser Bus einen Parkplatz irgendwo im niedersächsischen Outback ansteuert. Endlich mal die Beine vertreten, denke ich mir. Auf die Jacke und Mütze verzichte ich, so lang will ich ja nicht draußen rumrennen. Doch kaum habe ich den Bus verlassen, zieht es mich auch schon wieder zurück ins Gefährt. Verdammt, ist das kalt. Wie soll man denn da nachher die zwei, drei Stunden in der Kälte ausharren?
15.30 Uhr. Drei Stunden vor dem Anpfiff erreichen wir den Parkplatz für die Gästebusse - pünktlich zum Beginn der Nachmittagsspiele. Kaum jemand verlässt den Bus - was jedoch nicht der spannenden Reportage im NDR geschuldet ist, sondern der bitteren Kälte. Bis kurz nach 17 Uhr lauschen wir den Spielberichten, ehe wir uns aufmachen ins Stadion.
Einmal mehr stelle ich fest, dass das Weserstadion zwar von außen ein ziemliches Schmuckkästchen geworden ist, aber der Gästeblock ist ziemlich - sagen wir einmal - suboptimal. Es ist äußerst umständlich, in seinen Bereich zu gelangen und insbesondere die dämlich angebrachte Anzeigetafel ärgert mich erneut. Es ist die wohl dämlichste Anzeigetafel der gesamten Bundesliga. Denn dank der cleveren Anbringung ist uns auch die Sicht auf die Leinwand auf der Gegengeraden - sofern denn dort überhaupt eine angebracht ist, ich konnte es jedenfalls nicht sehen - versperrt. Somit muss die gute alte Armbanduhr für ein grobes Abschätzen der absolvierten Spielzeit herhalten - ein Hauch von Nostalgie in der modernen Arena.
Die Bremer Ultras, die für ihre klaren Positionierungen gegen Rechtsextremismus bekannt sind, nutzten das Spiel im Rahmen der Kampagne „Werderfans gegen Rassismus“ für zahlreiche entsprechende Aussagen auf ihren Transparenten. Insbesondere die Auflösung der Aachen Ultras nach anhaltenden Querelen mit dem Verein und insbesondere mit der rivalisierenden und weithin als rechtsextrem unterwandert eingestuften Ultragruppierung „Karlsbande“ thematisierten die Wanderers Bremen mit Bannern wie „Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen - Alemannia Aachen“.
Das Spiel selbst ist schnell erzählt: Dank zweier früher Tore war der Sack schnell zu. Es verging fortan viel Zeit, um die Kälte richtig genießen zu können - aber man will bei einem 5:0-Auswärtssieg zum Rückrundenauftakt ja nicht rumheulen. Aber am Ende waren wir doch alle froh, nach dem Schlusspfiff schnellstmöglich in den aufgewärmten Bus zurückkehren zu können.

