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Sonntag, 05 April 2015 20:03

Arminia gegen Energie Cottbus

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Über die Vorfälle beim rheinischen Derby und dessen Folgen für die Kölner Fanszene habe ich bereits einen Artikel bei FANKULTUR.COM geschrieben. Da stand die DFB-Strafe aber noch nicht fest, somit bezog ich mich in dem Artikel allein auf die Maßnahmen des 1. FC Köln.

In besagtem Artikel zitierte ich allerdings bereits Werner Spinner, der am Tag des Derbys sagte, die Maxime des DFB, immer höhere Strafen auszusprechen, sei keine Lösung des Problems, da sich die Spirale immer weiter drehe.

Etwa einen Monat später jedoch sagte Spinner: „Den Unmut über die Strafen des DFB kann ich nicht mehr hören. Es gibt klare Regeln, die eingehalten werden müssen." Das ist nur ein weiterer Beleg dafür, wie schnell der werte Herr Präsident seine Meinung ändern kann, frei nach dem Motto: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“

Beim Spiel gegen Frankfurt wurde Spinner mit verschiedenen Spruchbändern erneut an seine Ankündigung erinnert, keine Kollektivstrafen aussprechen zu wollen. Leider behaupten Vereinsvertreter wie der FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle immer noch, dass es sich bei den gegen tatsächliche und vermeintliche Mitglieder der Boyz ausgesprochenen Stadionverboten um keine Kollektivstrafe handle.

Die Navajos präsentierten dazu die Definition des Begriffs „Kollektivstrafe“ laut Duden: „Kollektivstrafe, die: Strafe, die allen zu einer bestimmten Gruppe gehörenden Personen auferlegt wird“.

Selbstverständlich ist eine Strafe, die gegen alle Mitglieder einer Gruppierung gerichtet ist, eine Kollektivstrafe – das abzustreiten, ist nicht gerade ein Zeichen von Souveränität. Doch zumindest, so behauptet es der FC in seiner neuesten Stellungnahme, hat die Reaktion des Vereins dazu geführt, dass der DFB von einem Geisterspiel absah.

Die Blöcke S3 und S4, der Stimmungskern der Südkurve, werden für die Spiele gegen Hoffenheim, Leverkusen und Schalke gesperrt. Außerdem wurde gegen den FC eine Geldstrafe in Höhe von 200.000 € ausgesprochen. Zudem sollen bei den restlichen vier Auswärtsspielen der Saison (Freiburg, Berlin, Augsburg, Mainz) nur noch personalisierte Tickets verkauft und zusätzlich 50 Ordner eingesetzt werden, um ein Verbot großer Fahnen durchzusetzen.

Selbst Wolfgang Bosbach (CDU), der Mitglied der AG Fankultur ist, bezeichnete das Strafmaß als „außergewöhnlich hart und nicht verhältnismäßig“. Fanforscher Jonas Gabler sagte, das Urteil zeuge von Aktionismus und Symbolpolitik. Michael Mertens von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hingegen ist der Meinung, das Urteil sei der richtige Weg, "den wahren Fans klar zu machen, dass Gewalttäter im Stadion nichts zu suchen hätten. Wie man das diesen „wahren Fans“ klar machen will, wenn man diese gleich mit aus dem Stadion verbannt, erschließt sich mir nicht, allerdings ist zu befürchten, dass diejenigen, die sich womöglich auch selbst als solche bezeichnen mögen, durchaus die vom DFB erhoffte Reaktion zeigen.

Das Ziel, das der DFB mit dieser Strafe verfolgt, ist klar: Indem man kollektiv die Fans in den Blöcken S3 und S4 bestraft, soll eine Entsolidarisierung der anderen Fans erreicht werden. Die Ultras trifft man mit dieser Strafe nicht, wie schon die Vergangenheit gezeigt hat: Beim Auswärtsspiel in Hoffenheim 2010 waren keine FC-Fans zugelassen, doch die aktive Fanszene fand trotzdem ihren Weg dorthin. Genauso war es auch, als beim ersten Heimspiel der Saison 2012/2013, als Strafe für den Platzsturm am letzten Spieltag der Vorsaison gegen die Bayern, die gesamte Südkurve gesperrt wurde.

Zugegeben, diesmal ist es fraglich, ob man sich die Mühe überhaupt macht, denn die Boyz haben ohnehin Stadionverbot und die Wilde Horde geht seitdem auch nicht mehr als Gruppe ins Stadion. Die einzige der Ultra-Gruppen, die derzeit überhaupt noch ins Stadion geht, sind die Coloniacs. Bestraft werden aber 2.800 FC-Fans, von denen die meisten gar nichts mit der Ultra-Szene oder gar den Vorfällen in Gladbach zu tun haben.

Dass die Betroffenen dieser Kollektivstrafe sich darüber aufregen, bei 3 Spielen nicht mehr ins Stadion gehen zu können, ist durchaus nachvollziehbar. Doch ihre Wut richtet sich nicht gegen den DFB, der diese Strafe ausgesprochen hat, sondern gegen die Ultras.

Vielleicht sollte man diesen Fans mal das Prinzip kritischer Solidarität erklären: Man muss nicht alles gut finden, was die Ultras machen, doch man muss immer bedenken, dass Strafen, die sich heute gegen einzelne Gruppen oder Fanblöcke richten, beim nächsten Mal auch die gesamte Südkurve oder das gesamte Stadion betreffen könnten.

Diesmal geht es um einen Platzsturm von 30 Fans, doch der DFB hat vergleichbare Strafen gegen ganze Fanblöcke auch schon wegen der Taten von Einzelnen ausgesprochen. So z.B. in Cottbus: Dort hatte ein Fan den Schiedsrichter mit einer Münze beworfen. Daraufhin wurden 3 Fanblöcke gesperrt, den betroffenen Dauerkartenbesitzern sollte lediglich das Geld erstattet werden.

Einer von ihnen wollte sich damit nicht abfinden und ging vor das Amtsgericht Cottbus. Das Gericht entschied, dass es nicht zulässig sei, Inhaber von Dauerkarten für einzelne Blöcke aus dem Stadion auszuschließen. Somit wurden alle ca. 1.000 betroffenen Cottbusser Fans mit Freikarten entschädigt.

Dieses Beispiel zeigt, dass es sich lohnen kann, Entscheidungen der DFB-Sportgerichtsbarkeit vor ordentlichen Gerichten anzufechten. Doch auf der Jahreshauptversammlung des 1. FC Köln entschieden sich 68% der anwesenden Vereinsmitglieder dagegen, auch nur eine Aussprache zu dem Thema abzuhalten.

Sicher, eine solche Aussprache hätte die jetzigen Strafen nicht verhindert. Solange aber die Mehrheit der Fans nicht einmal bereit ist, über die Rechtmäßigkeit von Verbandsstrafen zu diskutieren, wird der DFB weiterhin solch überzogene Strafen aussprechen. Am vermeintlichen Gewaltproblem ändert das nichts.

Repression sorgt nicht für einen Selbstreinigungsprozess der Kurve, sondern für eine Radikalisierung der Ultras, die sich doppelt ungerecht behandelt fühlen: Auf der einen Seite vom DFB, von dem man es nicht anders gewohnt ist. Doch auch der FC hat sich durch seine Maßnahmen gegen die eigene Fanszene dort unbeliebt gemacht. Das ist vom DFB auch genau so gewollt und hat laut dem Sportgerichts-Vorsitzenden Hans E. Lorenz dazu geführt, dass ein Geisterspiel abgewendet werden konnte.

Doch zu welchem Preis? Die AG Fankultur ist gescheitert. Dass sie gescheitert ist, will der Verein auch nicht zugeben. Dabei ist das bisher relativ gute Verhältnis zwischen Verein, Ultras und Normalos stark beschädigt worden. Das Ziel, den Verein zu vereinen, welches sich Werner Spinner bei seinem Antritt als Präsident gesetzt hat, ist damit ebenfalls in weite Ferne gerückt.

Sonntag, 08 März 2015 14:40

BVB II/U23/klein gegen Arminia

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Soweit zum Hochgefühl. Zurück in den schnöden Liga-Alltag. Zu Gast bei der Zwoten von Borussia Dortmund, im Stadion Rote Erde. Das Stadion ist eine historische Stätte für uns Arminen, schließlich fand dort Arminias erstes Bundesligaspiel überhaupt statt und nebenan im Westfalenstadion das bis dato letzte Bundesliga-Auswärtsspiel. Ergebnisse: 0:3, 0:6. ... Eigentlich empfiehlt es sich bei Arminia immer, nur in der Gegenwart zu leben.

Donnerstag, 05 März 2015 13:43

Arminia gegen Werder Bremen

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Rundumbeobachtungen DSC14/15-20, dedicated to Elke und Jürgen, die mir mein Ticket besorgten

Auf zum Pokalfinale, zumindest wenn man der „Sportschau“ glauben darf. Der Bundesligist, der im Moment von vielen in die Europa League hochgefeiert wird, zu Gast beim Drittligisten, der im Moment von vielen in die Zweite Liga hochgefeiert wird, alles wegen der Leistungen beider Clubs in den letzten Wochen. Wichtiges Spiel für beide! Leistungstest für die Blauen, wenn sie mit einem Vielleicht-Europaligisten mithalten, sagt das aus, daß sie vielleicht mit Zweitligisten mithalten können. Aha. „Richtiger Gegner zur richtigen Zeit“, sagt Werder-Coach Skripnik, nachdem drei geschossene Tore gegen VW nicht zu Punkten reichten. Soso. Unter diesen Vorzeichen sind Prognosen schwer. Wenn die Blauen aber das Bayern-Gen haben und taktisch lange zu Null, dann...Wenn Werder konzentriert spielt, dann...dann...dann...spielt Arminia nächstes Jahr Europa-League, der FC Bayern im Pokal gegen Werder auf der Alm und das heute parallel stattfindende Spiel Momentan-in-Leipzig-verortete-Rindviechbrause gegen Radkäppchen-und-der-böse-Golf wird das Pokalfinale 2021. Alles klar? Nein? Okay, dann laßt uns einfach den Moment genießen, hoffen, daß sich keiner verletzt und einfach’ne Runde Spaß haben.

Sonntag, 01 März 2015 17:53

Arminia gegen Haching

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Man muß sich das mal bewußt machen: Da machen die Blauen gegen eine wirklich gute Mannschaft aus einem 0:2 ein 4:2. Da erringen sie keinen Auswärtssieg, sondern veranstalten ein Auswärts-Derby-Schützenfest. Und dann bringen sie dem nächsten wirklich guten Team die erste Heimniederlage bei. Und alles das mit dem Selbstbewußtsein, daß sie ihre Hütten machen und den vom Trainer umsichtig vorgegebenen Taktikstiefel umsetzen können. Blickt man auf die gesamte Saison zurück, hat Arminia 52 Tore erzielt (zum Aufstieg 2013 waren es insgesamt 60), und trotz Fabis 17 und Müllers acht Buden sind es insgesamt elf Torschützen. Wahnsinn, wie toll Arminia gerade ist!

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Blöd ist allerdings, daß Arminia schon eine Woche später Gelegenheit hat, allen das Gegenteil zu beweisen. Unterhaching mag zwar in anderen Tabellenregionen als die letzten Gegner unterwegs sein, aber auch die pflückt man nicht im Vorbeigehen. „Ouh, Ouh, Ouh, Haching ist ein schweeeeerer Gegner“, ruft die Unke auf Block 3. Auch das ist blöd am Fußball. Man erinnert sich immer nur an das miese 0:1 im DFB-Pokal 1996.

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Gleich nach dem Anpfiff startet Arminia die ersten gefährlichen Angriffe. Diesmal dauert es sechs Minuten, bis Fabi zum 1:0 einnickt. Der „Torjäger vom Dienst“, wie Uli Zweetz ihn tituliert hat. Ich nenne ihn heute, stellvertretend für das ganz Team, „Mike Tyson des Fußballs“. Wer die Spiele gegen Duisburg und in Degerloch gesehen hat, weiß, daß Arminia taktisch sehr flexibel ist. Oft ist es aber so, daß die Blauen dem Gegner zu Beginn dermaßen eins auf die Scheinwerfer knallen, daß der den Rest des Spiels in den Seilen hängt. Tyson-Stil. Iron Arminia! Gut, diesmal ist es ein Elfmeter für den zweiten Punch. Die Hachinger fielen bis hierhin eigentlich nur durch plumpe Fouls auf. Also, wirklich plump. Nicht so fies und hinterhältig, daß man sich herrlich aufregen könnte (Block 3: „Mann, wat’ne dumme Sau“), nur Bein stehen lassen und so. Oder Dennis Mast einfach mal im Strafraum umsäbeln. UlmUlmUlm vom PunktPunktPunkt. Zeit bis Schlußpfiff: 76 Minuten. Ritualisiertes „Spitzenreiter, Spitzenreiter“. „No Limit“ bringt ein bißchen Stimmung in das aufkommende Dösen auf den Rängen. „War das Mast? Für Lorenz drin, oder? Ich verwechsle die beiden immer...“. Nun ja, die sehen sich ja ziemlich ähnlich, kann passieren.

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Und die Quersumme der beiden Rückennummern ist auch sieb... Halt, Moment, Haching schießt aufs Tor. Widemann. Knapp vorbei. Kurz darauf kombinieren sich die Blauen wunderbar über den Platz und durch die Hachinger Defensive. Schuppan kommt halblinks an den Ball, zielt auf eine Stelle im Netz und schießt auch dahin. „Tor für die Blauen, Tor für Arminia“. Lothar ist flexibel in der Reihenfolge. Und Schuppan können wir an dieser Stelle mal loben. Was der im Spiel rennt, ist irre. Der ist nicht nur Linksverteidiger, der ist linke Außenbahn. Arbeitsbereich: Von Eckfahne zu Eckfahne, und immer anspielbereit. Und jetzt vier Saisontore. 3:0.

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Pünktlicher Halbzeitpfiff. Sind eigentlich die, die schon zur 38. Minute Richtung Versorgungsstationen aufbrechen (und das 3:0 verpassen), auch „Eventfans“? Vorverkauf, Vorverkaufsgewinnler und Eventfans waren das Thema der Woche im schwarzweißblauen Umfeld. Es kommt jedes Mal auf, wenn das Interesse an einem Spiel das Fassungsvermögen der Alm übersteigt. Einfaches Rechenbeispiel: Nehmen wir an, 10.000 von den 12.087, die heute da sind, kommen auch zu den nachgefragten Spielen. Ziehen wir noch 3.000 Gästefans ab, bleiben 13.000 Zuschauer, um die Ex-Bretterbude vollzumachen. Die Frage ist schon berechtigt: Wo kommen die her und warum? Es ist, wie es ist: Auf die Alm darf jeder. Aber eben nicht alle. So mies sich das anfühlt und so mies das wirklich ist für diejenigen, deren Liebe wirklich keine Liga kennt. Alles weitere ist Angebot und Nachfrage. Solange es Leute gibt, die bereit sind, hohe Preise zu zahlen, wird es auch immer Nischenkapitalisten geben, die sich an ihnen bereichern. Was jene betrifft: Möget Ihr Euer armseliges Leben lang noch schlimmer riechen als dieser eine Typ damals auswärts beim HSV, der sich gerade frisch über sein Trikot gekübelt hatte und meinte: „Egal, hab mich eh die Woche nicht geduscht.“. Und möge Arminia Euch alle bei Eurer verbotenen Tat erwischen! Und trotzdem die Finger vom organisierten Schwarzhandel im ViaNOgo-Stil lassen!

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Wechsel zur Halbzeit bei den Blauen, für UlmUlmUlm kommt Christian Müller, der heute Geburtstag hat und nach dem Spiel ein Ständchen von der Süd kriegt. „Haut hier auch noch welche rein“, fordert man auf der Süd, auf die Arminia jetzt spielt. Doch das Spielgeschehen findet rund um den Mittelkreis plusminus 20 Meter statt. Ein paar der Hachinger Fans machen „Oberkörper frei“. Stehen ja auch in der Sonne. Am Spielstand liegt es nicht, am sicheren Auftreten der Mannschaft auch nicht, am Tabellenstand sowieso nicht (frei nach Berengar), aber die Alm scheint irgendwie auf größeres zu warten, das nichts mit dem heutigen Spiel zu tun hat. Schade drum, denn der DSC liefert einmal mehr ein souveränes Spiel. Selbst der SchiRi mag nicht negativ auffallen, obwohl er Jungglas eine etwas merkwürdige gelbe Karte  gibt. „Wat? Wieso denn? War doch nix...“. Das haben wir alle gesehen. Sowieso sei lobend erwähnt, daß auf Block 3 jede Menge geballtes fußballerisches Fachwissen unterwegs ist. Siehe folgender Dialog: „Da müssense elegant die Defensivreihen umschiffen...!“ – „Höhöhö, Du hast ‚Schiffen‘ gesagt, höhöhö...“. Der Mike-Tyson-vom-Dienst geht unter Applaus nach einem erneut starken Spiel und Koen van der Biezen kommt. Haching trifft den Pfosten.

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Witzig sind die Briten hinten links, die auf Block 3 eine eigene Party feiern. Eigenes „No Limit“, „Who the h*ck is Faching?“ (oder war es „Who the h*ch is Fucking?“), und brüllendes Gelächter, als ihnen die Geschichte mit „Magic Dick“ erzählt wird. In der Schlußphase stimmen Block I und J ein „Schalala“ an. Und Arminia spielt noch einen schönen Angriff aus. Der GeburtstagsMü bedient van der Biezen und der macht sein erstes Tor für die Blauen. Der 12. Torschütze diese Saison. Über die Süd fliegt ein bißchen Bier und unabsichtlich ein paar Euromünzen. Anzahlung auf die nächste Bratwurst.

Wieder vier Buden in einem Heimspiel. Und der Gegner war dann doch nicht schwer und wurde doch im Vorbeigehen gepflückt. Oder vielmehr: Wahnsinn, wie toll Arminia gerade ist! Wir lesen uns nach dem Dortmund-Spiel...Halt, nee,...unter der Woche war ja was...

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MC Lo-Bro feat. Uli Zweetz & The Mike Tyson Relegators present: „Hymne für Lohmann“. Geil, wa!? Klappt’s jetzt mit der Nummer?

Mittwoch, 25 Februar 2015 17:22

Nachlese zur "Derby-Schande"

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fc koeln graffiti

Eines vorweg: Die Vorkommnisse beim Derby waren in vielerlei Hinsicht enttäuschend. Der FC hat mal wieder ein Spiel in der Schlussminute verloren gegeben, und das auch noch gegen Gladbach. Bei den Pyroshows zu Spielbeginn und zu Beginn der zweiten Halbzeit wurden auch Böller geworfen und Bengalos als Wurfgeschosse genutzt.
Dies verstößt nicht nur gegen die Stadionordnung, es entspricht auch nicht dem Selbstverständnis der Kampagne „Pyrotechnik legalisieren Köln“, die für ein kontrolliertes Abbrennen von Pyrotechnik wirbt – und der Platzsturm nach Spielende hat endgültig dafür gesorgt, dass nach dem Spiel von der „Derby-Schande“ geschrieben wird, und damit ist nicht etwa die bittere Niederlage gemeint, sondern das Verhalten der Kölner Fans.

"Ich jedenfalls liebe Fans, wenn sie Choreografien machen oder Gesänge anstimmen. Bloß zerstören ein paar wenige Chaoten diese schöne Stimmung oft." So lässt sich z.B. Jan F. Orth zitieren, seines Zeichens Beisitzer im DFB-Bundesgericht. Er vergisst dabei wie so viele, dass die Fans, die Choreografien machen und Gesänge anstimmen, meist genau die „Chaoten“ sind, die z.B. auch Pyrotechnik zünden. Orth schlägt vor, das Strafgesetzbuch um den Paragraphen § 123a zu erweitern, wonach schon der Versuch, Eingangskontrollen zu umgehen, Absperrungen zu überklettern oder den Innenraum zu betreten, strafbar sein soll. In diesen Tagen äußern sich vor allem die üblichen Verdächtigen wie der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DpolG), Rainer Wendt, der die Polizei-Aufgaben auf die Stadion-Innenräume erweitern will, oder der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große-Lefert, der so weit geht, ein Gästefanverbot bei Derbys zu fordern. 

Der FC befürchtet derweil harte Sanktionen seitens des DFB. So sagte Manager Jörg Schmadtke: „Wir gehen von einer vehementen und heftigen Strafe aus. Die Vorfälle im Derby können für den 1. FC Köln existenzbedrohend sein.“
Angeblich soll sogar ein Geisterspiel oder ein Punktabzug möglich sein. Womöglich erhofft sich der Verein, durch seine Reaktion auf die Vorfälle, den DFB milde zu stimmen. Allerdings kann man den Verantwortlichen durchaus Aktionismus vorwerfen: Auf der FC-Homepage sind z.B. unzensierte Bilder vom Fanblock veröffentlicht worden, auf denen auch unbeteiligte Fans zu sehen waren.
In der Stellungnahme des Fan-Projekts heißt es: "Wir hoffen, dass die Verbände (...) anerkennen, dass die Uhren in Köln nicht auf Mai 2012 zurückgestellt wurden. Der 1. FC Köln ist in den zurückliegenden Monaten als vorbildlich in seiner Fanarbeit wahrgenommen worden."
Dazu muss man nur einen Blick zurück auf Mai 2012 werfen: Der größten Kölner Ultra-Gruppe, der Wilden Horde, war damals, ähnlich wie heute den Boyz, der Fanclub-Status entzogen worden. Trotzdem kam es am letzten Spieltag zu einem Platzsturm, als der fünfte Abstieg in der Vereinsgeschichte feststand.
Der FC hält jedoch weiterhin daran fest, Gruppen, die unangenehm auffallen, den Fanclub-Status zu entziehen, obwohl das schon damals nichts gebracht hat. Die vorbildliche Fanarbeit, die das Fan-Projekt in seiner Stellungnahme erwähnt, begann nämlich erst nach dem Abstieg und deren Erfolg bestand nicht darin, möglichst hart gegen einzelne Gruppen durchzugreifen, sondern den Dialog mit den Fans zu suchen.

Das hat dazu geführt, dass die letzten zweieinhalb Jahre im Großen und Ganzen ziemlich ruhig waren, und nun macht der FC wegen eines einzigen Vorkommnisses die Kehrtwende: Den Boyz ist nämlich nicht nur der Fanclub-Status entzogen worden, sie sind auch aus der AG Fankultur rausgeworfen und somit vom Dialog mit dem Verein ausgeschlossen worden.
Doch als ob das nicht genug wäre, sprach der FC auch unbefristete lokale Stadionverbote gegen die Boyz und deren Umfeld aus, unabhängig davon, ob die Betroffenen sich am Platzsturm beteiligt haben oder überhaupt beim Derby anwesend waren.
Sicher, die Boyz sind nicht zum ersten Mal negativ aufgefallen. Jedoch macht es sich der FC zu einfach, wenn er glaubt, eine Gruppe ausschließen zu können, ohne den Dialog mit den anderen Gruppen zu belasten. Schließlich könnten diese Maßnahmen jederzeit auch gegen andere Gruppen angewendet werden.

„Der DFB hat die Maxime: Strafen. Und wenn noch mal was passiert: Höhere Strafen. Das heißt, die Spirale geht immer weiter. Das ist keine Lösung des Problems.“ Diese Worte stammen nicht von irgendeinem Fanvertreter, sondern von FC-Präsident Werner Spinner.
Dass Vereinsvertreter angesichts der Vorfälle in Gladbach enttäuscht und verärgert sind, kann ich durchaus nachvollziehen. Aber vor dem Spiel eine solche Aussage zu tätigen und nach dem Spiel Stadionverbote gegen eine ganze Gruppe und deren Umfeld auszusprechen, das passt nicht zusammen. Erst recht, wenn man ältere Aussagen Spinners beim Wort nimmt, wie das auch bereits Teile der Südkurve getan haben, als sie mit Spruchbändern beim Spiel gegen Hannover daran erinnerten.
“Wir sind gegen Kollektivstrafen von Fanclubs und Ganzkörperkontrollen in Containern” Werner Spinner

Auch die Desperados aus Dortmund solidarisierten sich mit den Boyz, indem sie ein Banner mit der Aufschrift „Je suis Boyz Köln“ beim Spiel in Stuttgart präsentierten. Stilvoll ist das nicht. Dass BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke aber gleich mit Stadionverbot droht, zeugt nicht gerade von Demokratieverständnis. Man muss auch unbequeme Meinungen ertragen, auch wenn diese in einer Art und Weise geäußert werden, die man zurecht als geschmacklos bezeichnen kann.

Schade ist auch, dass die Boyz nicht zu einer selbstkritischen Stellungnahme bereit waren. So bleiben die Fronten verhärtet: Auf der einen Seite die Hardliner, die härtere Strafen und Gesetze fordern, auf der anderen Seite Hardcore-Fans, die sich in die Opferrolle reindrängen lassen.